Marion Suttmann-König

 

Konferenz: Vorstellung der neuen Eingangskonzeption
Zusammenfassung zentraler Thesen und Leitideen

 

 

 

Dummes aber, vor's Auge gestellt, hat ein magisches Recht:

 

Weil es die Sinne gefesselt hält, bleibt der Geist ein Knecht.“

 

Goethe

 

 

 

 

 

1.Provokation zu Beginn?

 

Die didaktischen Konzepte der letzten 20 Jahre im Grundschulbereich stellen sich – im Nachherein betrachtet – als willige Helfer einer herrschenden produktionsorientierten Wirtschaftskaste dar, die die technologische Machbarkeit und Beherrschbarkeit des Universums durch den Menschen de facto postuliert und die Menschen in eine ökologidsche Kathastrophe führt.

 

 

 

Wir sind die Epigonen einer Denktrichtung, deren sichtbare Erfolge auf der Frage nach dem „Warum“ unter Vernachlässigung nach der Frage nach den „Wozu“ beruht, immer noch geneigt, Denkleistungen als leibfreie, autonome Funktionen zu betrachten, um nicht zu sagen „anzubeten“, die sich, was Gesellschaftsformung angeht, durch das Produzieren von Strukturtheorien, Ideologien, Doktrinen, Futurologien steuern.“

 

(Hugo Kükelhaus, Unmenschliche Architektur, Seite 9)

 

 

 

Das führt dazu, dass die zoologische Spezies Mensch begonnen hat zu entleben.

 

In der Didaktik manifestiete sich „individualisiertes“ Lernen über alles und biedert sich dem Prinzip „König Ich“ der Konsumideologie an. Ein zum Erwachsensein verurteiltes Kind lernt immer früher, immer schneller und wird in seinen entwicklungspsychologischen Besonderheiten in einer gut gemachten Werbung für „Smarties“ und „Didl-Mäusen“ zur Kenntnis genommen. Kopflastigkeit, enzyklopädische Wissensideale einer CD-ROM-Systematik, Verabsolutierung der Kausalität in einer 2-Schaltungdlogik, Verwahrlosung seelischer Potentiale und vieles mehr, entspricht der Ausbildung von Lehrern zu Arrangeuren einer Lernumgebung wie im Supermarkt, der individuellen Verbeugung vor jedermanns bedürfnisorientierter Momentverfassung und der allgemeinen Verunsicherung aller Beteiligten.

 

 

 

Gibt es menschliche Eckwerte einer Pädagogik? Oder ist alles richtig, wenn es nur stichhaltig ist, d.h. Wenn sich ein theoretischer Begründungszusammenhang herstellen lässt?

 

 

 

Beispiele dazu

 

 

 

Sprache

 

- möglichst schnelles Erlernen der Lesefähigkeit

 

  • hintenan Stellen“ des Schreibens als einer verbundenen Schrift

  • Reduzierung des Lesens auf die intellektuelle Fähigkeit der Sinnentnahme

    Wenn das Kind die Verknüpfung von Laut und Buchstaben ziemlich zu Beginn seiner Schulzeit in der konventionellen Weise lernt, so kann es damit keine Einsicht verbinden. Für das Lesenlernen als solches mag das unter Umständen ziemlich gleichgültig sein, keineswegs aber die Wirkungen, die von Umständen ziemlich gleichgültig sein, keinesfalls aber die Wirkungen, die von diesem Lernen auf die geistigen Entwicklungen des Kindes ausgehen. Der hier im Lernen sich abspielende Prozeß der bloßen Zuordnung von Zeichen und Laut bedeutet nämlich, dass das Kind Verknüpfungen ohne inneres Verständnis ausführen lernt. … Es ist aber derselbe Mensch, der diese Verknüpfung ohne einen Ansatz des Verstehens üben muss und dadurch zu einer entsprechenden Ausrichtung seines geistigen Verhaltens geführt wird.“

    (E, Dühnfort, E.M. Kranich. Der Anfangsunterricht im Schreiben und Lesen. Stuttgart 1966. Seite 18)

  • Reduzierung des Schreibens auf Informationskompetenz. Eigene Texte über alles.

  • Möglichst schnelles Schreiben aus der Druckschrift heraus und zwar: Erfindung der VA (Vereinfachtes Ausgangsschrift)

  • zunehmendes Ersetzen der Handschrift sowie der Textproduktion durch den, an dem Computer.

 

 

 

 

 

Sachunterricht

 

  • Zunahme des Faktenwissens anstelle „originaler Begegnungen“ zwischen Kind und Welt.

  • Überfrachtung der Lehrpläne durch stoffliche Vorgaben

  • Erzeugung künstlichen Zeitdrucks

  • zunehmende Beliebtheit von Lernkarteien, Lexika, Computerprogrammen, etc.

 

 

 

Mathematik

 

  • Reduzierung komplexer und vielfältiger Systeme auf Rechnen als zentrales Anliegen

  • Zuliefersystem von Geometrie, Architektur, Kunst und Spiel

  • Bevorzugung eines schulbuchorienterten, kleinschrittigen Vorgehens

 

 

 

 

 

Religion

 

  • zunehmend mehr existieller Begründungszwang

  • Diskussion „Ethik“

 

 

 

Musik

 

  • Enklave ohne Legitimation, soll motivieren und Spaß machen

  • Ausdünnung der Fachlehrerschaft wegen Spezialisierungstendenzen der Ausbildungsuniversitäten

  • infolgedessen Zunahme der Medienkonserven, z.B. Singen zur Kassette

 

 

 

 

 

Kunst

 

  • Enklave ohne Legitimation

  • Kreativität mit individuellen Nutzen?

 

 

 

  1. Was ist menschengemäße Erziehung?

 

  • Überlegungen zu unserem Menschenbild – eigene Konferenz dazu

  • Beispiele und Zitate
    Kindheit bezeichnet Kükelhaus als ein von der vorgeburtlichen Wachstumsdynamik gesteuerter Lebensabschnitt. „Der vorgeburtliche Mensch lebt in Stadien, in denen er ausschließlich und radikal von der Organisation seines Organismus beansprucht ist, in der unverbrüchlichen Erfüllung einer universalen Gesetzlichkeit.“

 

 

 

Leider habe ich nicht mehr die Fortsetzung ihrer Aufzeichnungen. Marion verließ die Schule Ende ihres einzigen Schuljahres bei uns und wurde Leiterin einer Grundschule in Windeck bis 2021.