Die Schatzsucher und ihre Hab-Seligkeiten

 

Rieke Schiemann

 

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Schatzsucher“, diesen Namen haben sich die Vorschulkinder an unserer Schule als Klassennamen ausgewählt. Die Idee zu diesem Namen kam aus einem Anspiel im Einschulungsgottesdienst; Elmar Goldzahn, der Schatzsucher, kam mit seiner Schatzkiste in die Kirche und wollte vom Pfarrer wissen, welche Schätze er hier wohl finden konnte.Wie sich später herausstellte konnten nicht alle Kinder den „tieferen Sinn“ des Gesprächs zwischen Pfarrer und Schatz-sucher erfassen, Elmar Goldzahn aber hatte einen tiefen Eindruck bei den Kindern hinterlassen und alle waren sich einig, dass sie sehr gerne Schatzsucher sein möchten.

 

 

 

Nachdem die Namensgebung abgeschlossen war, mussten wir für eine Schatz-kiste sorgen. Eine große ehemalige Verpackungskiste aus dünnem Sperrholz, die auf die Seite gestellt wurde, bot reichlich Platz für die zukünftigen Schätze. Manche Kinder bastelten für sich aus Karton und Materialresten eigene kleine Schatzkästchen.

 

 

 

Täglich kamen nun neue Schätze in der Schule an. Dinge, die die Kinder bereits zu Hause hatten, die sie beim Spielen, auf dem Schulweg, in der Schule oder auf dem Schulgelande fanden.

 

 

 

Jeder einzelne Schatz wurde im Kreisvorgestellt, seine Geschichte wurde erzählt und er wurde von allen Kindern gemeinsam beschrieben; Art, Form, Beschaffenheit, Farbe, Gewicht, Muster.... Die Dinge wurden einander zugeordnet, es wurden Oberbegriffe gefunden, sie wurden unter einem Tuch versteckt und ertastet. Es wurden Geräusche erzeugt und erraten, es wurde experimentiert.

 

 

 

Schatzsätze

 

Meryem liebt glitzernde Schätze.

 

Kevin verliert seine Schätze.

 

Ricardo findet verlorene Schätze.

 

Dennis hat Schätze die anderen gehören.

 

Tobias tauscht seine Schätze.

 

Selcuk zahlt seine Schätze.

 

Karla verschenkt ihre Schätze.

 

Lisa bewahrt ihre Schätze.

 

Benjamin zeigt seine Schätze.

 

Lennart verbraucht seine Schätze.

 

Sven ist seine Schätze.

 

Jan sucht seinen Schatz.

 

Janet ist sich selbst ein Schatz.

 

Marco zweifelt an seinen Schätzen.

 

Mike ruft: „ Frau Schiemann, isch hab ' kein '!

 

 

 

Wir machten mit den Schätzen eine Reise in die Vergangenheit und fragten uns wo diese Muschel vielleicht schon überall gewesen ist, wer diesen Stein schon alles aufgehoben haben konnte, von welchem Vogel diese Feder sein konnte und ob sie wohl schon in Afrika gewesen ist?

 

 

 

Irgendwann fanden die Schätze nach Möglichkeit ihren Platz in der Schatzkiste,

 

manche als Leihgabe für einen Tag, manche etwas länger. Einige haben ihren

 

Stammplatz dort.

 

 

 

In der 6. Schulwoche sind die Schatzsucher dann auf Streifzug in die umlie-genden Wälder gegangen. Dort waren inzwischen die ersten Eindrücke des Herbstes zu sehen und zu sammeln. Der Eifer der Kinder im Suchen und Finden war enorm, schwer beladen kamen wir jeden Tag aus dem Wald zurück. Am dritten Tag im Wald waren wir an einer geheimnisvollen Stelle, an der Quarz-kristalle zu finden waren. Es waren so viele Steine, das jedes Kind mehrere „Glitzersteine“ gefunden hat, mit mehr oder weniger deutlichen Kristall-anteilen. Die Kinder waren überzeugt beinahe Diamanten gefunden zu haben und konnten gar nicht aufhören den Waldboden nach immer noch wert-volleren Steinen abzusuchen. Es wurde verglichen, geschätzt, gezählt, getauscht ange-häuft und wieder weggelegt, auch versteckt für ein anderes Mal, denn man

 

konnte leider nicht alle Steine tragen, der Weg zurück war weit.

 

 

 

Im Anschluss an die Woche im Wald arbeiteten wir mit unseren gefundenen Schätzen in Herbstwerkstätten weiter. Es wurden Mandalas gelegt, Zuordnungs-spiele gemacht, mit Kastanien, Eicheln und Nüssen gezählt und gerechnet, Collagen aus Blättern erstellt, mit Blättern gedruckt und schraffiert. Wir sam-melten Herbstwörter, lernten Lieder und Gedichte und bald wurde die Schatz-kiste viel zu klein. So wurde die ganze Klasse zu einer großen Schatzkammer.

 

 

 

Der Einstieg in die Schulzeit über das Thema „Schätze“ war ideal. Wir haben viel voneinander erfahren und viel über die Dinge in unserer Umgebung gelernt. Jedes Kind hat sich über seine Schätze auch selbst eingebracht. Die Wertschätzung der anderen Kinder hat Sicherheit gegeben. Das ist gerade in der Vorschulklasse von besonderer Bedeutung. weil die Kinder manchmal durch die Zurückstellung vom Besuch der 1. Klasse das Gefühl vermittelt bekommen versagt zu haben.

 

 

 

Im Umgang der Kinder mit ihren Hab-Seligkeiten kristallisierten sich auch bald besondere Eigenarten der Persönlichkeiten heraus, das fiel zunächst den Kin-dern selbst auf und sie formulierten dies auch in etwa so wie: „ . Der Soundso macht immer dies oder will immer das....“ Das geht soweit, das nun nach einem halben Jahr zu jedem Kind ein „Schatzsatz“ besonders gut passt.

 

 

 

Die Kinder haben ihr Schatzsuchersein inzwischen so verinnerlicht, dass jedes neue Thema zu einer Schatzsuche wird, bei der man mit Spannung erwartet was man so alles entdeckt.

 

 

 

Zur Schatzsucherausrüstung gehören ein Seil mit Haken, Pfeil und Bogen, eine Landkarte, ein Dinoknochenbuch, ein Zelt, eine Decke, eine Fahne, ein Ruck-sack, eine Dinozange, eine Schaufel und eine Steinhacke. Die Kinder zeicheten es auf der folgenden Seite.