Walter Hövel
Unsere Druckwerkstatt

 

Da, wo eigentlich eine Hausmeisterloge sein sollte, war unsere Druckwerkstatt. Der Raum liegt am Rand unseres hellen Forums, einsehbar durch große Fensterscheiben. Im Forum standen mehrere alte Druckereischränke und eine alte „Boston 36“, auf der während des 2.Weltkrieges Flugblätter des Widerstands in Köln gedruckt wurden. Heute, 2020, steht die Boston 36 im ElDe-Haus in Köln, im Museum gegen den Nationalsozialismus.

 

Die Druckwerkstatt stand immer offen. Vier Tage in der Woche war eine unserer Mütter, manchmal auch Väter, da. Sie bildeten eine Gruppe, die diese Druckerei in vielen Generation betreuten.

 

Vor vielen Jahren, etwa um 1997, wurde die erste Generation von Druckerinnen von einem arbeitslosen Schriftsetzer in die Kunst des Schuldruckens eingeführt. Er arbeitete damals als einer der ersten Assistenten als 1-DM-, später 1-€-Kraft genannt, an unserer Schule. Mit über 50 bekam er nach einem Jahr als Drucker einen Job in Köln.

 

Erwachsene gaben diese Kunst des Druckens bis in die gut 2015 weiter. Meistens kamen morgens zwei bis sechs Kinder mit ihren selbst geschriebenen Texten. Sollte einmal niemand kommen, fragten die Mütter in den Klassen nach, bis sie Interessenten fanden.War einmal keine Mutter da, gingen die Kinder auch alleine in die Werkstatt.

 

Sie korrigierten die Texte mit den Kindern nur mit deren Einverständnis. Die passenden Lettern und natürlich einige „Schmucksteine“ wurden ausgesucht. Nun begannen die Kinder ihren Text völlig selbständig Buchstabe für Buchstabe, Wort für Wort, Satz für Satz, Zeile für Zeile spiegelverkehrt in ihre Rahmen zu setzen. Druckfarben wurden ausgewählt, und die Größe der Klapppressen, aber meistens einer Abziehnudel“. Später standen große Rollpressen dort, die wir in Bremen bei den Freinetleuten und in der Tübinger Druckwerkstatt bei Eva Schulz besorgt hatten.

Eltern betreuten die Druckerei

 

Der Druck begann. Nun war Konzentration verlangt, denn die Überschriften mussten nach unten, damit sie oben waren.Die fertigen Blätter wurden zum Trocknen in ein Regal gelegt oder aufgehängt. Oft folgte noch ein Styropor-, Milchtüten- Kordeldruck oder sonst ein Kunstwerk, das die Seite zierte, den Text illustrierte.

 

Zur Erleichterung der Kinder säuberten die Mütter die Lettern und Setzrahmen. Sie sortierten die Buchstaben zurück in die Setzkästen. Manchmal wurde das Gedruckte in eine eigene Mappen abgeheftet, mal kamen die gesetzten Texte in eine Zeitung oder ein Buch, ein anderes Mal in einen Rahmen oder wurden in der Schule, oft gerahmt, aufgehängt. Manchesmal wurden sie kopiert oder fotografert und erschienen im Computer.

 

Verlangsamung – Das geht doch schneller! Oder?

 

Es gab Wochen, da machten die Eltern zusätzliche Angebote wie Plakatdruck, Einladungen, Bilder, besondere Büchlein, Produkte für den Verkauf auf dem Weihnachtsmarkt, Experimente mit neuen Techniken oder Farben. Es gab zusätzlich wöchentlich eine zweistündige Druck-Arbeitsgemeinschaft.

 

So wurde ein Brief der Kinder an alle Anlieger gedruckt und von ihnen verteilt. Dort wurden Schul-T-Shirts oder Plakate zu Schulfesten oder Basaren, Schulmappen, Bücher und anderes produziert. Über viele Jahre gab es die „Lyrik mit dem Poststempel". Texte der Kinder wurden auf größere Postkarten gedruckt und an Schulen in Österreich, der Schweiz, Italien, Luxemburg oder Deutschland geschickt. Umgekehrt gab es Post von ihnen. Es entwickelte sich eine echte schulische Werkstatt von Kindern und Erwachsenen.

 

Zu Anfang wurden noch Texte und Druckkästen zerstört oder verwüstet. Kinder hatten noch Wut auf Schule oder übertrugen diese von Menschen zuhause. Wir hielten durch und räumten immer wieder auf. Nach ein bis zwei Jahren war das Phänomen verschwunden. Der Raum blieb weiter unverschlossen für jedermensch zugänglich. Die Druckwerkstatt wurde von allen als etwas Eigenes empfunden.

Ist das altmodisch - oder mit Ästhetik lernen?

 

Texte am Computer zu gestalten oder sie selbst zu setzen sind kein Gegensatz. Es sind eben nur verschiedene Vorgänge. Nebeneinander fanden beide „Techniken“ an unserer Schule ihren Platz. Die Druckerei war nicht wie sonst in Freinetklassen oft üblich in Klassen, sondern es war eine Institution der Schule. Sie wurde Eigentum von Kindern und Erwachsenen.

 

Es war uns wichtig, dass diese Werkstatt nicht von Lehrer*innen beaufsichtigt wurde. Sie gehörte Kindern und Eltern. Die Kinder erlebten so eine echte Werkstatt, in der Erwachsene arbeiten und sie wurden zu „Mitarbeiter*innen“ bei einer realen Arbeit. Kinder sahen so Erwachsene arbeiten. Sie kannten die gleiche Kunst wie sie. Sonst kann es zu ihrer Erfahrung werden, dass Eltern sagen „Streng dich an!“ oder „Sei fleißig!“, um dann erschöpft von der außerhäuslichen Arbeit oder vom Homeoffice die Füße hochzulegen, fernzusehen, am Computer zu ballern oder Sport machen zu gehen.

 

Es waren oft Kinder, die unruhig sind, Probleme mit der Organisation ihrer eigenen Arbeit oder Probleme mit dem Schreiben oder Rechtschreiben haben, die diese Werkstatt (auf)suchten und fanden. Sie wussten, was sie sich Gutes taten!

 

Haben Sie schon einma einen eigenen Text – nur so – mit der Hand oder am PC geschrieben, ihn in einer Druckerei selbst gesetzt. Ihn vervielfältigt, ihn in den Händen gehalten ...

 

Einige Materialien der Druckerei

Phonogrammdosen – Anlautspiele/Tabellen - Bingo, Domino, Bild – Buchstabenzuordnung- … - Holzbuchstaben – Buchstabenfühlspiele – Sensorix – Schrifttafeln – Sprachspiele -

 Buchstabenstempel - Kartei "Aller Anfangist schwer" – Sabefix - Abenteuer ABC- Ricto-Set -

 Anlautspiele/Tabellen – Buchstabentabellen – Buchstabenstempel – Buchstabenkarten -

 Silbendominos - Bild-Wort-Satz Pyramide – Wortschlangen – Computer – Lernwörter-karteien – Wörterbücher -Wortschätzchen – Rechtschreibdetektive – Lernwerkstätten – Schreiblabor – GUT- Diverse CD’s zu Sprachbüchern – Rechtschreibkorrekturprogramm - Sprachforscher - diverse Arbeitshefte und Sprachbücher – Schreibkarussel – Gedichte-Karteien – Bildergeschichten – Lerntagebücher - Geschichtenhefte/sammlungen - Werkstätten zu unterschiedlichen Themen – Software - Bild - Fotosammlungen – Schreibanregung – Sachkarteien – Klassenbriefkästen - e-mail – Programme – Schreibprogramme – Schreiblabor – Regenbogenlesekisten - Sauros Lesedosen - Wer ist Walli? - Lesepirat – Sprechlernspiele(Ravensburger) - Das magische Labyrinth - Grusellas Knetquatschis – Schnabbelschnute - Kreuzworträtsel legen - Lernspiel zu den Wortarten - Bilderjagd - …