Katinka Düsterhoft
Grundschule Harmonie

 

Bei der Gemeinschaftsgrundschule in Eitorf- Harmonie handelt es sich um eine staatliche Regelschule. Sie orientiert sich an den Prinzipien reformpädagogischer Ansätze, im Besonderen an der Freinet-Pädagogik und dem Konzept offenen Unterrichts. Diese Orientierung bedeutet Flexibilitat und Toleranz gegenüber anderen pädagogischen wie methodischen Ansätzen und Versuchen.

 

Der Schulbetrieb wurde 1996 aufgenommen. Bereits wahrend des Baus der Schule wurde auf eine gemein-schaftsfreundliche, naturnahe Errichtung des Gebäudes geachtet. Sie sollte von Anfang an einen Ort des Lebens, schulischer Öffnung und der Gemeinschaft darstellen. Dies garantiert aus baulicher Sicht das einstöckige Gebäude durch einen großen, hellen Eingangsbereich. Dieses Forum ist Dreh- und Angelpunkt der Schule. Hier wird gearbeitet, sich getroffen und sich als ganze Schule versammelt.

Dem Forum anliegend befinden sich eine Holzwerkstatt und eine von Eltern geleitete Schul-Druckerei, weiterhin das durch Glasfenster von drei Seiten einsehbare Lehrerzimmer mit kleiner Küche und durch einige Steinstufen erhöht und durch verschiebbare Wände abgesetzt, ein Musik-, Tanz- und Theaterraum. Dieser kann schleunigst zur Bühne des Forums umgestaltet werden.

 

Rechtwinklig vom Forum führen zwei Trakte zu den Räumen der Klassen. Bei allen Räumlich-keiten ist auffallend, dass sie alle für Schüler, Lehrer und Gäste frei zugänglich sind. Es gibt kein Misstrauen wegen Missbrauch der Räume.Türen sind hier nicht verschlossen und bieten dahinter immer einen Platz zum Verweilen an.

 

Durch die Konstruktion der Schule mit ihrem Eingangsbereich und den Fensterfronten in allen Räumen wirkt die Schule hell, heimelig und beruhigend. Es fühlt sich nicht an wie 'typische' Schulatmosphäre, wenn man hereinkommt.

 

Alle Klassenräume besitzen eine Fensterfront mit einer Glastür hinaus ins Schulgelände. Die Räume sind eher klein bis mittelgrßs im Vergleich zu anderen Grundschulen. In jeder Klasse stehen 2 bis 5 Computer mit immer offenem Internetzugang.

Das Schulgelände, der 'Schulhof', ist naturverbunden und anregend angelegt. Regelmäßig findet in Zusam-menarbeit von Schülern, Lehrern und Eltern Schulgeländearbeit statt, wo neue Ideen und Veränderungen umgesetzt werden.

Dieses Wort erscheint unter dem Vergleich herkommlicher Schulhöfe hier als recht unpassend.

Das Gelände ist recht weitlaufig und nicht umzäunt, da die Schule abgelegen von Verkehr auf den Anhöhen von Eitorf- Harmonie liegt und von Kindern auch nach Schulschluss genutzt werden kann. Natur gibt das hauptsächliche Bild des Schulgeländes.

 

Die Organisation des schulischen Lebens

Die neun Klassen der Schule bestehen aus etwa 250 Schülern. Diese werden durch acht Lehrerinnen, zwei Lehrer, einem Referendar, einer Referendarin und einer Sozialpadagogin unterrichtet. Zahlreiche Eltern helfen im Schulbetrieb in vielfaltiger Weise mit. Oft sind in der Schule Hospitanten und Praktikanten über längere oder auch nur eintägige Phasen da.

Die Klassen finden im ersten Schuljahr ihre Klassennamen. Dieser Namensfindung wird ein großzügiger Zeitraum eingeräumt, um gemeinsam Ideen zu sammeln, zu überlegen und auszuwählen. Schließlich behält die Klasse diesen Namen die ganzen vier Jahre lang und ist unter ihm bekannt. Die „Feuervögel“, „Regenbögen“, „Schmetterlinge“, „Fledermäuse“,Detektive auf heißer Spur“, „Mondscheinkinder“, „Schmetterlinge“, „Forscher“ undZauberdrachen“ repräsentieren durch ihren Namen eine Einheit als Gemeinschaft.

 

Die Schule praktiziert einen offenen Anfang. Das Schulgebäude steht den Schülern ab 7.00 Uhr offen, so können sie untereinander Dinge klären und unternehmen, durch die Schule schlendern und bei anderen Klassen vorbeischauen, langsam für sich wach werden, schon früh mit ihrem Arbeitseifer sich einer Arbeit widmen oder sich was Interessantes suchen, worüber man vielleicht mal etwas erarbeiten will. Der offizielle Unterrichtbeginn ist gegen 8 Uhr, da sollten alle eingetrudelt sein und sich im Kreis versammeln oder ihre bereits begonneneArbeit einfach fortsetzen.

Das Lernen der Kinder soll selbstbestimmt und selbststeuert geschehen. Lernen lernen ist ein wichtiges Thema im Kollegium, welches vor Unterrichtsbeginn stets ab viertel nach sieben bis zu einer halben Stunde Konferenz hält, um in einer Art Supervision Dinge zu klären, Fragen zu erörtern. Organisatorisches aufzu-werfen und gemeinsam pädagogische Fragestellungen zu entwickeln.

Ebenso findet jede Woche eine anderthalbstündige „Konferenz“ zu einem bestimmten Kernthema statt. Das Thema dieses „Lehrerinnenrates“ wird jeweils von dem Menschen bestimmt, der die Konferenz leitet. Wie im Klassenrat leiten nacheinander alle Kolleginnen und Kollegen der Sitzung.

Wo Lehrer stetig in Dialog treten, soll auch in den Klassen und zwischen den Klassen eine rege Gesprächs - und Beziehungskultur- entstehen, so dass selbstgefundene Regeln und 'Notwendigkeiten' einen Sinn für jeden Einzelnen ergeben. So finden regelmäßige Klassenkreise statt, wo Arbeitsvorhaben, Klassenprobleme, gemeinsame Unternehmungen und Projekte vorgestellt und besprochen werden. In vielen Klassen gibt es bei Beginn und Abschluss des Tages einen solchen Kreis, um die Vorhaben der Schüler nicht aus den Augen zu verlieren, sich gegenseitig Dinge und Arbeitsprozesse vorzustellen, sich gegenseitig an 'Inhalten' zu be-geistern... .

Als besondere Formen der Klassenkreise sind der Wochenabschlusskreis und der Klassenrat zu nennen. Im Wochenabschlusskreis wird über die Beziehungs- oder Inhaltsaspekte der vergangenen Woche resumiert anhand von kurzen Statements der Schüler und Lehrer, was ihnen personlich besonders wichtig war in der vergangenen Woche. Hier sollten möglichst alle Lehrer einer Klasse anwesend sein.

Der Klassenrat befasst sich mit den inhaltlichen und organisatorischen Fragen der Arbeit, die in der Klasse entsteht, egal ob sie zwischen Schülern und Schülern, Schülern und Lehrern, Schülern und Eltern, usw. stattfindet, aber auch mit den Sorgen und Problemen einzelner. Speziell im Klassenrat werden Probleme oder Kritik angesprochen durch direkte und offene Anrede. Die ganze Klasse versucht, Probleme zu lösen, die daran Beteiligten zu unterstützen und zu beraten. Oft wird über herausgearbeitete Ideen zur Lösung von Konflikten abgestimmt, wobei der Lehrer eine gleich-wertige Stimme wie die Schüler besitzt. Der Klassenrat kann von Schülern wie Lehrern bei Bedarf einberufen werden. Er sollte zumindest einmal in der Woche stattfinden.

Die nächste Instanz wäre dann das Kinderparlament zu nennen, in welchem sich jede Woche je zwei Abgesandte der Klassen mit Problemen oder Änderungswünschen der Schüler beschäftigen.

Wochentlich gibt es für Ankündigungen ( Besuche, Ausstellungen, Ausflüge, Nachrichten, Feste, Projekte,...), Kritik, Abstimmungen über Aktionen oder neue Regelungen und organisatorische Schulangelegenheiten die Montagsversammlung im Forum. Hier werden von der gesamten Schule auch Geburtstagskinder der vergangenen Woche besungen und die FRAGE DER WOCHE aufgelöst und eine neue fur die kommende gefunden.

Alle zwei Wochen gibt es donnerstags eine Schulversammlung im Forum, auf der Forschungsergebnisse, Texte, Theater- und Kunststücke, Experimente, Tänze, Lieder, Projekte, Vorführungen einzelner Klassen und viele andere vorzeigbare Lern- und Arbeitsergebnisse vorgestellt werden. Die Versammlung wird im Vorfeld immer von einer Klasse organisiert und präsentiert. Auch die Versammlung selbst wird von den Kindern geleitet.

Es wird sehr viel Wert auf eine Eltern- Lehrer- Kooperation gelegt, um Missverständnisse, Vorbehalte oder Unsicherheiten gemeinsam zu betrachten und zu bearbeiten. Das Bemühen der Schüler und ihrer Lehrer fruchtet wiederum in einer außergewöhnlich regen Beteiligung der Eltern am Schulleben und umgekehrt. Es gibt neben den Eltern- Schüler- Lehrer- Sprechtagen, den Elternratssitzungen und Elternabenden von den Eltern getragene Lesezirkel zur Leseförderung der Kinder, Angebote der Eltern den Unterricht mit zu gestalten und durch ihre Anwesenheit zu unterstützen und mit ihren spezifischen kreativen, handwerklichen und beruflichen Fähigkeiten das Angebot der Schule stets zu erweitern.

Auf diese Weise ist den Eltern jederzeit ein Einblick in die pädagogischen Ansätze und Ziele der Schule möglich. Sie sind nicht von den schulischen Prozessen ausgeschlossen.

 

Selbstverständnis der Schule

Begeisterung für das Ganze schafft man durch Bedeutsamkeit fur den Einzelnen. Bedeutsamkeit für den Einzelnen erzeugt sich durch Involviertheit, Integriertheit, Partizipation und Verantwortlichkeit.

Die Grundschule Harmonie definiert sich als Ort des gemeinschaftlichen Lebens als auch als Ort des gemeinschaftlichen Lernens und Arbeitens, da dies für sie unaufößlich miteinander verknüpft ist. So findet viel Orientierung auf der Herausarbeitung einer zusammen getragenen Schulgemein-schaft und Verbunden-heit untereinander statt.

Dabei soll sich die Persönlichkeit und das Individuum in ihren Bedürfnissen und Einzigartigkeiten nicht negieren, sondern sich gerade dadurch in die Schulgemeinschaft einbringen und sie bereichern, ihre ungeschriebenen Gesetze und Regeln in Frage stellen und zu neuen Fragen anregen. Dabei soll Individualitat möglichst soviel Spielraum wie möglich zur Verfügung haben, solange die Rechte eines andern Mitglieds der Gemeinschaft nicht verletzt werden.

Es ist zu beobachten, dass sich der Einzelne viel mehr mit der Schule und ihren Menschen darin identifi-ziert, um so mehr er sich selbst darin mit seinen Schwächen, Stärken und Unterschieden aufgehoben, geschützt und berücksichtigt fühlt. Um dies zu erreichen, ist der Schule bewusst, dass sie möglichst viel Spielraum fur zwischenmenschliche Beziehungen in Schule, Mitsprache und Teilnahme sowie Gestaltung-smöglichkeiten, Kommunikation, Aushandlungen, eigene Wege zur Konstruktion von Welt und zum eigenen Lernen zulassen muss. Der Weg des selbstbestimmten und selbstgesteuerten Lernens wird von der Schule dabei als „Wesen einer demokratischen Schule“^ formuliert.

Auf diese Weise entwickelt sich Mündigkeit, Selbstbewusstsein und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, Freude, etwas zu leisten und Mut zu neuen Herausforderungen scheinbar von selbst. Aber es ist und bleibt harte Arbeit für jeden in der Schule.

Denn Selbststeuerung und Selbstbestimmung des eigenen Lernens und Lebens meint keine Beliebigkeit und Laissez-faire von Verhalten, sondern erfordert täglich Reflexion, neue Entscheidungen und Überlegungen über eigene Annahmen, Prioritaten und Gewohnheiten.

Die Schule versteht sich selbst als offenes Schulhaus, in dem jeder die freie Wahl seines Lernortes und seines Lernweges besitzen sollte. Dazu muss eine große Vielfalt an Arbeitsorten, Arbeits-techniken und Lernmöglichkeiten angeboten werden, um den jeweiligen Lernbedürfnissen auch gerecht werden zu können.

Besondere Berücksichtigung finden hier Gruppenarbeit, Projekte, offene Arbeitsphasen für die Erarbeitung individueller Interessen und Themen und zeitliche Freiräume für eine natürliche Methode des sozialen Lernens im Gruppengefüge. Wichtig ist die Teilung von Verantwortung, Selbst- und Gruppenregulierung sowie Autonomie.

 

' Die Schule bevorzugt aufgrund der eindeutigen Vorteile das Klassenlehrerprinzip.