Die Freinetpädagogik - ein Reformädagogikansatz -  ist eine Bewegung, die mit ihren didaktischen Methoden und Arbeitstechniken im Jahr 1920 von Cèlestin Freinet gegründet wurde. Dieser liegen die folgenden vier Grundsätze zu Grunde, die durch Selbstverwaltung der Schüler umgesetzt werden sollte:

 

1. Freie Entfaltung der Persönlichkeit

2. Kritische Auseinandersetzung mit der Umwelt

3. Selbstverantwortlichkeit des Kindes

4: Zusammenarbeit und gegenseitige Verantwortlichkeit.

 

In dieser Ausarbeitung werden die Feinet-Pädagogik und die Person Cèlestin Freinets vorgestellt. Die Umsetzung seiner vier Grundsätze, als auch wesentliche Kritikpunkte an der, zu seiner Zeit überwiegend durchgeführten Techiken und Methoden, werden ausgeführt und konkretisiert. Ergänzend dazu wird die Freinetische Grammatik und Erzehungskonzeption erörtert.

 

Anschließend folgt die Vorstellung der Freinitischen "Grundschule Harmonie", deren Drundgedanken und ent-sprechenden Merkmale der Umsetzung im Schulalltag.Um meinen  Erlebnissen beim Schulbesuch noch ander -weitig Ausdruck zu verleihen, werden ebenfalls einige Bilder gezeigt, die bei meinem Besuch im Vorfeld ent-standen sind.

 

2.Freinetpädagogik

 

2.1. Zur Person Célestin Freinet

 

Célestin Freinet wurde im Jahr 1896 als Kind einer Bauernfamilie im Süden Frankreichs geboren. Sein Leben im provinzialischen Dorf Gars bedingt, schon als Kind mit viel Natur und landwirtschaftlichen Handwerk wie z.B. dem Hirtenhandwerk in Berührung kommt (vgl. Kock, 2006. S. 12) Dies prägt sein Bewusstsein für die Gesetze des Lebens in den Zusammenhängen mit der Natur (vgl. ebenda) und lässt ihn zu einem Kritiker der damaligen christlichen Erziehungsmethoden und Lehrpraktiken, sowie zu eine Verfechter einer laizistischen Erziehung und Pädagogik vom Kinde aus (Kock, S.16) werden.

 

 Kurz vor seinem Studienende wird Freinet im  Februar des Jahres 1916 zu einem Fronteinsatz eingerufen. Er kehrt mit einer schweren Lunngenverletzung zurück und bleibt aufgrund der schweren Verletzung bis Anfang der 20iger Jahre in Lazaretts und Krankenhäusern.Er wird Lehrer an einer Volksschule und engagier sich poli-tisch gegen die Klassenunterschiede in der Gesellschaft. Als kommunistischer Anhänger der Gewerkschaftsbe-wegung setzt er sich mit der Idee der laizistischen Schule auseinander und wird so zu einem Anhänger der befreienden Volksbildung. Er nähert sich immer weiter pdaagogischen Reformbewegungen an und Einflüsse von u.a. Maria Montessor und Adolph Ferriéres erreichen ihn. Célestini Freinet sch als ein Befreier der Kinder des Volkes (Kock, 1996. S.15) "von allen befremdeten und  unterdrückenden Eindrücken (ebd)."

 

2.2. Freinets Schulkritik

 

Céestin Freinet übte Kritik an lehrergeleitetem Frontalunterricht mit starren Vorgaben, altertümlichen  Disziplinierungsmaßnahmen und lebensfremden Bildungszielen. Renate Köch benennt die Kritikpunkte Freinets wie folgt:

 

1. Indem das in der Schule vermittelte Wissen mit der Jahrgangsfolge zunehmend nach Fächern getrennt ange-ordnet wird, vermittelt Schule schulisches Wissen, das vom Alltagswissen, das auf den eigenen Erfahnungen und Erfahrungshintergrunden von Lehrern und Schülern beruht, getrennt ist.

 

2. Insofern die Schüler keinen Einfluss haben auf die Mitgestaltung des Unterrichts, unterdrückt Schule die Interessen und Bedürfnisse der Schüler.

 

3. Da die Scholer weder über Unterrichtsinalte und -formen noch über Bewertungsmaßstäbe ihrer Leistungen mitentscheiden, können sie die Erfahrung, dass Lernen ein selbständiger, persönlicher Akt st, in der Schule nicht machen.

 

4. Insofern Schule die Interessen und Bedürfnisse der Schüler unterdrückt, fördert sie die Verhaltens-auffälligkeiten im Sinne der speziellen durch die Schule hervorgerufenen Schukkrankheiten (maladies scolaires)

 und damit zusammenhängend des Scolatismus (scolatisme) - ein Begriff denFreinet in Anlehnung a den Begriff des Hospitalismus prägte und mit dem er den latenteund chronischen Folgen und des längeren Schulauf-enthalts zusammenfasst (vgl. Freinet 1978).

 

5. Weil der Prozess des Lernens darüber hinaus ein von der Schulbürokratie ist, muss Leistung in abheftbarer, vorzeigbarer Form erbracht werden, wodurch zugleich eine Tauschwertqualifikation der Arbeitskraft erreicht wird, die durch Zensuren qualfizierte Leistungen und die Länge der Bildungszeit bescheinigt wird.

(Kock, S. 66 und 67)

 

2.3. Erziehungskonzept

 

Für Célestin Freinet sind Kinder allumfassend in der Lage, Entwicklungen auf der Grundlage des experimentel-len Tastens (Kock 2006, S 48) eigenständig zu vollziehen, welchen man nur in allgemeinen und realistischen Lebenssituationen auf die Spur kommen kann. Die Bedürfnisse der Kinder stellen die Grundlage für diesen reformierten  Pädagogikansatz dar, wie außerunterrichtliche Bedingungen . Es folgt bein Zitat von Freinet selbst, aus Renate Kocks Buch "Célestin Freinet - Kindheit und Utopie"

 

              Wir sind mit allen zeitgenössischen Pädagogen einer Meinung dass das Kind ein unvoll-              kommenes Wesen ist, bei dem man ohne Dressur und Herrschaft nichts erreichen kann.

              Es ist ein vollständiges und ursprüngliches Individuum, mit seiner eigenen Logik, sicher-               lich, und mit seinen Normen der Entwicklung, aber auch mit seiner noch intakten Lebens-              kraft."        

                (Kock 1996, S.73) 

 

Renate Kock stellt fest, dass Freinet sich ebenso von der experimentellen Psychologie und der Psychoanalyse (Kock 2006, S.,60) und damals seinen Forschungsansatz Pour la connaissance de l''enfant (ebd.) (Nach Kenntnis des Kindes) entwickelte. Hier entstanden u.a. mehrere 100 Kinderzeichnungen, die er objektiv als deren freien Ausdruck untersuchen. Er ließ Kinder aufvihrer Verhaltensweisen und Eigentümlchkeiten hin untersuchen bzw. beobachten, ohne dass diese aus ihren bekannten Situationen wie z.b. zu Hause oder in der Schule heraus-gerissen wurden und ließ  dadurch sowohl Eltern, als Erzieher/innen zu Forschern werden (Kock 2006. S. 62)

 

Freinet hat in seiner Pädagogiktheorie eine eigene Definition der Lernbegriffs. Der Begriff Leben (Kock 2006, S. 41 ff.) beinhaltet für den Reformpädagogen pflanzliches, tierisches und menschliches Leben (welches) von der unbelebten Natur grundsätzlich unterschieden und in der Materie integriert (wird) (ebd.). Er konstatiert das Leben als nicht autonomern, sondern allgemeinen Gesetzmäßigkeiten unterworfenen Lebens-prozess; dem auch die Menschen unterliegen:

"Freinet verwendet Bilder. So vergleicht er das menschliche Leben mit einem Strom in seinem mechanichen Lauf von der Quelle bis hin zur Mündung, um die Dynamik des Lebens zu veranschaulichen und um aufzuzeigen, dass  jeder willkürliche und autoritäre Eingriff in diesen dynyamischen Prozess angesichts der allgemeinen Ge-setze des Lebendigen wirkungslos ist." (Kock 2006, S. 42)