Bedroom eyes

 

Ich war damals in dem Alter, wo man zu jung war, um seine Gedanken auf das andere Geschlecht zu konzentrieren, aber auch zu alt, zuhause, bei Muttern zu bleiben, oder gar die Strapazen eines Urlaubs mit den Eltern zu ertragen.

Es war jene Altersstufe, in der man nach allem suchte, was einen von Zuhause fortbrachte; aber keineswegs die Tür zuschlug, die einem erlaubte, als sei nichts geschehen, in den Kreis der Familie zurückzukehren.

Es war jene Zeit, wo man einem Mädchen nachpfiff, aber nicht mit der Absicht des wirklichen Kennenlernens, sondern nur, um in den Kreis der Gleichgesinnten und Gleichgeschlechtlichen zurückzukehren, in der Gewißheit, den Triumpf seines Pfeiferfolges auskosten zu können.

So fühlte ich mich im Sommer 1963 pudelwohl, in einer Gruppe eben dieser Gleichinteressierten. Ich hatte die Möglichkeit nicht wiederholbare Erfahrungen mit mir selbst in einer abgesicherten Umgebung zu machen.

Ich hatte damals einen grellblonden Schopf, der in der beginnenden Beatlesära begann zu wachsen. Ein bartloses, pauschbäckiges Gesicht mit immer wachen, blauen Augen. Ich durchtobte meine Erlebnisse und Eindrücke, sammelte Erfahrungen, ob brauchbar oder nicht. Nicht naiv, aber unerfahren war ich, aber ich war eben dieser dreizehnjährige Deutsche mit blonden Haaren, blauen Augen und miserablen Englischkenntnissen. Ich war aber da, in diesem Land, wo der Bewohner und Gastgeber Englisch sprach, und ich war stolz darauf, berets eiige händevoll Brocken dieser Sprache gebrauchen zu können. So tat ich dies im Kreise einer internationalen Jugendgruppe, wo ich ging und stand. Ständig schwadronierte ich, redete was das Zeug hielt und lernte in der Tat recht viel.

Auf einer Busfahrt zu einer immens wichtigen Besichtigung oder Stätte oder sonst was, tat ich nichts anderes als sonst: Ich turnte zwischen den Sitzen des Busses und allem was Englisch sprach, um meine Kenntnisse, mühsam erworben, auf leichte Art wieder von mir zu geben.

 

So gegegnete ich auch diesem Mädchen, die damals einfach schön fand, gerade wegen ihrer Augen. Diese Augen faszinierten mich in eben der Art, wie sie mich anguckten. Um es kurz zu machen, sie hatte jenen Blick, den man landläufig als „Schlafzimmerblick“ bezeichnet. Da ich damals alles übersetzte, was nur übersetzbar schien, tat ich es auch hier, was mit einerkleinen Katastrophe für mich endete.

Als ich nämlich ihre „bedroom eyes“ lobte, zeichnete sich in Windeseile eine gewisse Röte in ihrem Gesicht ab, und zehntel Sekunden später in einer kräftigeren Farbe ihre kleine Handfläche in meinem Gesicht.

Lange dachte ich über den Grund ihrer heftigen Reaktion, konnte die Lösung meines Problems aber auch in keinem Nachschlagewerk finden, und auch sonst klärte mich niemand über meinen schlagenden Erfolg auf. So vergaß ich bald diese Geschichte, bis ich Jahre später wieder in England weilen sollte,

 

Ich saß mit meinem englischen Dad wie so oft und gerne, noch zu später Stunde am elektrischen Kaminfeuer am Fernseher. Das Programm bot zu später Stunde eine buntgemischte Unterhaltungssendungen mit Sketchen englischer Art, Artistik und Gesangsvorstellungen, Dieser sehr späten Stunde verdankte ich dann noch die Lösung des Verhaltens meiner „bedromm-eyes-lady, was mich wiederum zu einem Lachen veranlasste, das meinen englischen Dad fast dazu veranlasste, an meinem Verstand zu zweifeln.Das Programm brachte eine Artistik besonderer Art, nämlich nichts anderes als eine Strip-Einlage, das meinen „Dad“ beim Fallenlassen des Oberteils der ohnehin spärlichen Bekleidung der Dame und beim Anblick des entblößten Oberkörpers der Entkleideten zu der Bemerkung hinreißen ließ: „Hasn`t she got lovely bedroom eyes!“