Walter Hövel

 


„S'blaue Nest“ von Willy Steiger

 

Gedanken

 

Eine Freie Schule 1920

 

 

 

Das Buch mit dem Titel „S'blaue Nest - Eine Freie Schule 1920“ von Willy Steiger gab mir Jürgen Göndör, ein ehemaliger Gymnasiallehrer, seit gut 20 Jahren ein Pfleger seiner Homepage (freinet-paed-com), Autor mehrerer Bücher, vieler Aufsätze, - und ein Denker. Nun ja, ich las Willy Steigers Buch etwa 100 Jahre nach seinem Experiment an einer Freien Schule in Hellerau bei Dresden. Oft merke ich, dass 100 Jahre vergangen sind, dass ich Willy Steiger (entsprechend) oft widerspreche - und ich erfahre, warum unsere Schulen „scheitern mussten“.

 

 

 

Ich wiederhole seine letzten Worte des Buches.

 

Ich widerspreche oder ergänze da, wo ich es für sinnvoll halte.

 

 

 

Das 'blaue Nest' ist nicht mehr.“

 

Die 'Grundschule Harmonie' ist auch nicht mehr.

 

 

 

... das unerbittliche Erwerbsleben hat sie verschluckt“

 

…. die gültige Bildung hat Harmonie einverleibt. ... Harmonie gab es es von 1995 bis 2014 (https://www.walter-hoevel.de/grundschule-harmonie/fragen-an-die-praxis-der-grundschule-harmonie-2019-und-die-grundschule-harmonie-2014/ und andere Beispiele auf der Homepage (walter-hoevel.de).

 

 

 

Es liegen zwischen „unseren“ Schulen, die eine eine Freie, die andere eine staatliche Schule, die Weimarer Republik, die Nazizeit, die Zeit der DDR und Jahrzehnte der BRD, mit allen Krisen, bis hin zu Corona und Krieg. “In Schule“ hat sich einiges getan, oder auch nicht, vor allem in Freien Schule (nicht).

 

 

 

Willy Steeger ist tot, ich bin pensioniert. Damals gab es mit der Unterschicht und die Mittelschicht sehr verschiedenes Elternverhalten in den Schulen. Heute auch.

 

 

 

Heute weiß ich, dass die Dauer eines Menschenlebens zu kurz ist um Veränderungen zu bewirken. Viel eher wirkt die allmähliche „Verbesserung“ der herrschenden Bildung hin zu einem nicht-zuveränderbaren Konstrukt der Berufe und Ihrer „Aus“Bildung. Es stärkt sich eher die jetzige bestehende Schule, in der es über Generationen um ihre Herr-schafts-(unter)-systeme geht Diese Zeit der etwa 300 Jahren steht die gleiche Schule bei verschiedenen Regierungen in ihrer Art gegen 4 Jahre eines Willy Steiger an der Freien Schule in Hellerau bei Dresden und meiner Zeit an der Grundschule Harmonie in der Nähe von Köln mit fast 20 Jahren.

 

 

 

Der Sinn der Schule bleibt in 300 Jahren der gleiche, ihre Entwicklung passt sich dem jeweiligen Zeigeist an. Allerdings können die Verfüger über Bildung und Erziehung ihre Pädadogik nur langsam, nur zum Klang der gesellschaftlichen Melodien verändern. So erkennst du den Inhalt einer Schule noch heute alleine am Gebäude. Sie werden fast alle - wie eh und je - wie Fabrik-, Büro- oder andere Verwaltungsgebäude gebaut.

 

 

 

Lehrer*innen neigen zum Jammern. Sie machen gerne die Gesellschaft, den Konsum, und sich selbst für ihr Scheitern verantwortlich. Dabei arbeiten sie seit eh und je in einem System, dass Ge-sellschaft, Schule und Bildung nicht auf ihrer Seite sieht und hat. Sie sind Teil dieser Gesellschaft, Teil dieses ihres eigenen Denkens. Sie neigen dazu, dass eigene Denken „anti-bürgerlich“ und „antibürokratisch“ zu nennen.

 

Nicht zuletzt Faschisten verstanden sich selbst als „antibürokratisch“. Andere wollten, wie Kommu-nisten, auch wenn sie wie in der DDR die größten Spießbürger waren, als „anti-bürgerlich“ gelten. Lehrer*innen, die den größten Prozentsatz an NSDAP-Mitgliedern hatten, und sich heute gerne als Grüne verstehen, neigen zum Gehorchen und Dienen. Sie können sich aber auch Veränderungen stellen, solange sie von vielen vorgenommen werden. (Wie jetzt in einer Pandemie, einem Krieg oder im Suchen nach Mächtigen, die das Mittefinden aller sehen wollen). Sie sind eben mittelschichtig, also hoffnungsvoll sozialisiert. Lehrer*innen werden in der Regel nur Mittel-schichtler oder „bewährte“, aufgestiegene Unterschichtler. Sie bleiben leicht in der schon beste-henden Ideogie, und sie sind treue Be-Diener.

 

 

 

Wir können nicht mehr hören, dass Bildung und vor allem Lernen anders gehen. Wir wollen nicht wahrhaben, dass „unsere“ Schulen, Bürokrat*innen, Verwalter*innen, Lehrer*innen, Schulleiter-*innen das machen, was wir gearde erleben. Wir wissen schon lange, dass dieses System Schule, Bildung, Verwaltung und Berufe, Familien und Vereine nur das Ziel kennt, ihre (wer sind sie?) Macht zu ihrem Nutzten aufrecht zu erhalten - und wir ihnen dienen.

 

 

 

Wir wissen, dass wir selber die Diener eines uns beherrschenden Systems sind, weil wir nicht oder zu genau wissen wie Schule anders gehen soll. Wir glauben erkannt zu haben, dass wir „das System nicht besiegen“. Also setzen wir um und fort was unsere Großgroßeltern schon anfingen. Wir sind in der Regel sozial aufgestiegen und, damit es so bleibt, mit dem Aufsteigen, versuchen wir jetzt mitzuherrschen. Das nennen wir demokratische Teilhabe.

 

 

 

Wir nennen das die „neue“ Mitte. Schon immer hieß es „neu“. Es hieß die neue Ökonomie, das neue Lernen, die neue Ideologie, die neue Zeit, die neue Wissenschaft, der neue Umgang, der neue Glaube, der neue Leistungsbegriff, die neuen ….

 

 

 

Dass das der alte Rassismus, die alte Militanz, das alte „Gehorchen und Funktionieren“ sind, sollen wir nicht merken.

 

 

 

Wir regierten vorher schon nicht mit, wir erkämpften jedes Wahlrecht, jedes Menschenrecht, Arbeiterrecht, jedes Frauenrecht, jedes Kinderrecht, jedes „Behinderten“- oder Heterorecht. Pflichten, Aussetzen und andere Abstriche, die kannten wir schon vorher.

 

 

 

Vor hundert Jahren,- wie heute? - wurden die „einfachen“ Lernideen einer anderen Schule, gerne mit der vorwissenschaftlichen, damals 400 Jahre alten Sichtweise eines alten Denkens verglichen und gleich gesetzt. Heute geschieht dies noch gerne in der „Schul“medizin contra die „Natur“medizin, oder bei Sicht- oder Denkweisen, die gegen den Ausbeutungscharakter einer „modernen“ Zeit stehen. Es werden Widerständen sehr gerne alte, überholte Denkweisen unterstellt als sich mit neuen auseinander zu setzen. Sie steht für ein anti-religöses (natur)wissenschaftliches Denken, die lieber belegbare Fakten als Expertengefasel bevorzugt. So werden gerne auch „die Wissenschaften“ eingesetzt.

 

 

 

Nur leider ist das bürgerliche Denken heute zu alt, um noch mit den Wissenschaften brillieren zu können. Der markantlistisch-bürgerliche Staat hat sich unterdessen die gesamte Verwaltung, das gesellschaftliche Denken, die Wissenschaften, alle Hochschulen, Schulen und Forschung so zu eigen und Untertan gemacht, dass sie nur noch ihnen gehört. „Expert*innen, Professor*innen und Fachleute belegen alles, was Mächtige, Politiker*innen und Reiche heute wünschen. Reiche bezahlen Meinung, Forschung und Wissen. Vieles ist Stiftung, anderes Teil des Geschäfts. So ist es auch mit ihren Schulen und ihrer Bildung. Sie machen glauben, dass unser Funktionieren in ihrer Bildung unsere Zukunft absichert. Dabei meinen sie die eigene Gegenwart. Sie sind auf dem Höhepunkt ihrer Macht und gleichzeitig wird ihr Ende eingeläutet.

 

 

 

Vielleicht müssen wir unsere Art von Lernen nur fortsetzen. Wir müssen das Blaue Nest, Summer-hill, Harmonie, New Harmonies, Lernwerkstätten, PrinzHöfte, die Bildungsschule Harzberg sich nur immer wieder gründen. Sie müssen vergehen, sonst haben sie sich in das Funktionieren der heutigen Schule untergeordnet. So „dienen“ die einem dem Wissen um Machbarkeit einer anderen Schule, die anderen der Aufrechterhaltung einer Vision und Utopie einer besseren Gesellschaft, einer anderen Rolle der Kinder.

 

 

 

Seinen Gang (so wie Schule ist) vermag der Einzelne nicht aufhalten.“ (Willy Steiger)

 

Was war zuerst, das Ei oder das Huhn? Wer, wenn nicht der Einzene soll „Schule“ aufhalten, wenn es nicht eine Mehrheit tut oder (im Sinne des Mehrheitsdenken) exakt der Einzelne oder eben nicht. ... 30 Jahre später ging in einem Teil Deutschlands alles seinen sozialischen Gang. ... Ja und Nein, sind die Antworten, weil die Fragen und damit die Antworten so gestellt werden.

 

 

 

Natürlich lässt sich der Lauf der Geschichte jetzt und grundsätzlich verändern. Wir leben nicht mehr in religiösen, schichksalsbestimmten Zeiten. Wir leben in wissenschaftlichen Zeiten. Alles ist von Menschen gemacht ... und wieder veränderbar.

 

 

 

Das ist natürlich sehr schwer. Da ist unser aller Förmchen des Denkens, das bürgerliche Denken! Und der Kapitalismus ist im festen Bündnis mit dem Feudalismus. Und somit lässt sich alles nur mit viel Geduld und viel Zeit verändern. Wir werden unsere Gesellschaft, unser Sein verändern müssen. Wir wissen, dass Kriege und Klima uns sonst töten.

 

 

 

 

 

Willy Steiger nennt Gründe, warum er das Buch „S'blaue Nest“ „trotzdem“ schrieb:

 

 

 

Die freieste Hamburger Versuchsschule wird gezwungen, sich g e g e n den Willen aller Eltern und Lehrern Lehrplanzielen zu unterwerfen, ihren Pionierposten zu verlassen und Normalschule zu werden. Die Leipziger Versuchsschuke wird geschlossen. Man hat sie zu Tode gehetzt. Nicht pädagogogische Instanzen, sondern die Justiz hat geurteilt. … Die vierjährige Grundschulpflicht ist so gut wie aufgehoben. Die Mittel aber, um auch armen Begabten alle Bildungsmöglichkeiten zu erschließen, wurden vom deutschen Reichstag abgelehnt, obwohl die Verfassung dies ausdrücklich vorschreibt.“

 

 

 

Es hat sich seit 100 Jahren in der Deutschen Bildung, in drei Staatsformen, wenig in Schule verändert: Es herrscht laut Parteienbeschluss in Deutschland „Schulfrieden, seit 1923 gibt es ausdrücklich keine Einheitsschule oder Gesamtschule. Es gibt weiterhin die Schule der Selektion. Internationale PISA-Vergleiche sagen seit nun Jahrzehnten, dass es in der Deutschen Bildung soziale Benachteiligung gibt. Weiterhin findest du seither Rechtschreibung, Deutschlernen, Noten, Prüfungen, Fächer, Klassenarbeiten, Lehrer*innen, Schulpflichtzeiten, verpflichtende Lehrpläne, Versetzungen, Klasseneinteilung, kein eigenes Lernrecht der Schüler*innen, kein Freies Schreiben, keine das Lernen bestimmenden Klassenräte, keine Demokratie in der Schule oder gar beim Lernen. Für die Aufrüstung und das Militär stehen 100 Milliarden Euro zur Verfügung, für die Bildung und Zukunft der Menschen nicht.

 

 

 

Das hat sich verändert: „In Thüringen wird die Prügelstrafe für Menschen eingeführt, in Sachsen danach verlangt. Kinder sind (auch) Menschen!“ In der Tat werden Kinder heute in oder zur Erziehung geprügelt.

 

 

 

Das wieder nicht: “Strafstunden werden eingeführt. Man macht so die Schule zur Strafanstalt. … Wehe dir, wenn du in die Schule kommst.

 

 

 

Das Bauhaus in Weimar, das neue Wege in Kunst und Handwerk wies, weit über Deutschlands Grenzen bekannt, wurde geschlossen. Eigene Wege werden nicht geduldet. ...“

 

 

 

Letzteres geschehen mit der Nichterlaubnis der Schulverlängerung an der Grundschule Harmonie durch die SPD-GRUENE-Landesregierung in NRW in 2013/2014.

 

 

 

Rufe ertönen nach Lehrplänen, nach verbindlichen Zielen, nach Einheit der Methode. … Der Lehrer soll unter mehr Kontrolle gestellt werden. Da müssen auch sie Vorgesetzte ihrer Kinder werden. … Man wird sich fügen, Begeisterung wird schwinden. … Und die nicht so mittun, werden bald zur Ruhe gebracht werden. Heilige Pflicht wird zur Brotfrage.“

 

 

 

Schopenhauer sagt dazu“:

 

Gewisse Leute möchten die Deutschen jetzt dahin bringen, wo sie Friedrich der Große und Joseph der Zweite sie gefunden haben.“

 

 

 

Spricht Willy Steiger von den kommenden Nazizeiten oder von heute? Dann folgt bei ihm mit dem Einfluss der Kirchen heute noch Gehandhabtes, Vergangenes und Bekämpftes.

 

 

 

Willy Steeger schreibt am Schluss:

 

 

 

Aus der Not dieser Tatsachen heraus entstand dieses Buch.

 

Es sei gegen solche Vergewaltigung ein geller Aufschrei. Ein flammender Protest!“

 

 

Wacht auf!“

 

 

Auch in Zeiten der Aufklärung 2022