Costa Rica - 2005

 

 

 

Wieder einmal fuhr ich nachts in eine Stadt, dieses Mal war es San Jose, Zentralamerika. Mit dem Lineal gezogene Straßen in Vierecken, erste Straße rechts herum, zweite Straße links herum, durchnumeriert.

 

 

 

Dreck, Elend, Straßenränder sacken bis zu einem Meter ab, überall Zerfallenes, Abfall, Schutt, cöp.

 

Die Menschen, arm, schattig, huschend, Geisterwesen vom eigenen Geist. Zwei Männer rangeln, zu schwach oder unwillig sich wirklich zu schlagen, taumelnd, wie betrunken, in Zeitlupe, am Rand der Straße.

 

 

 

Nur die Bäume zwischendurch mit ihren grandiosen grazielen Gestalten erinnern an das, was schon vom Flugzeug aus zu sehen war. Ein Szenario wuchender Natur, ein Konzert der Möglichkeiten natürlicher Formen.

 

 

 

Farben, alle Facetten der Fantasie einer sich selbst produzierenden Natur und mitten drin, wie eine eiternde Narbe, wie ein Exkrement, ein Exzess, ein Ekzem, hineingeschnitten in die heile Welt der Pflanzen, der scheinbar unberechenbaren Formen der Natur, diese stinkende Wunde menschlicher Kultur, - Beton, Asphalt, Armut, Plastik, künstliches Licht, Ausdämpfungen unseres schöpferischen Geistes.

 

 

 

Und wir glauben wirklich nach dem Ebenbild Gottes geschaffen zu sein.

 

 

 

Es gibt in Costa Rica keine Ureinwohner mehr. Hier leben die Nachkömmlinge der spanischen Eroberer, gefolgt von Deutschen und Schweizern – sicherlich wurden die Österreicher nur beim Erzählen vergessen – jetzt gefolgt von französischen und niederländischen Pensionisten.

 


Wie schafft „man“ es ein ganzes Volk auszurotten? Hier ist gelungen, was die Nazis bei aller Mordlust selbst in Auschwitz, Bergen-Belsen oder Buchwald nicht zu Ende brachten.

 


Und bei uns in Europa? Wer oder was lebte vor den Germanen, Kelten, Etruskern, Römern oder Griechen? Wie hießen unsere Indios? Was waren ihre Kulturen, „nur“ Atlanter, Bandkeramiker, Dolmenbauer?

 


Sind wir „Europäer“ eine „tötende Bestie“? Haben wir den europäischen Kontinent erst entvölkert, den amerikanischen, den australischen, Sibirien, Indien, nun Afrika mit AIDS oder EBOLA?

 


Was tun wir, wenn Milliarden Chinesen sich in Bewegung setzen? Wird diese „killende Bestie weißer Mann“ sich assimilieren lassen, friedlich und devot die Waffen aus den ABC-Arsenalen abgeben und „Willkommen“ rufen?

 

 

 

Costa Rica hat keine Armee. Es ist eines der wenigen Länder der Erde, das sich einfach besetzen lässt. Island lässt sich von den US-Amerikanern „beschützen“, Canada hat irgend etwas wegen eines misslungenen Putsches abgeschafft.

 

 

 

 

 

Wir sind wie Blüten, nur ohne sichtbare Pflanze. Wir knospen, springen heraus, wachsen, verblühen, welken, lösen uns auf in Gase und Erde.

 


Es gibt jene, die Pollen beherbergen und solche, die ihre Pollen weitergeben. Die einen erblühen zu größeren, schöneren, immer anders gestalteten Blüten, immer gleich und doch verschieden. Die einen pflanzen sich fort, die anderen verblühen ohne Nachfahren.
Wir bewegen uns eineln, in Jahren fernab von unseren UrSprüngen. Wir vegitieren am Boden, ernähren uns, ziehen aus der Erde, fressen und jagen fast alles, was sich um uns herum bewegt. Wir sind wie Ameisen, aber fliegen nur in Gedanken.

 


Wir sind wie oberirdische Pilze. Ohne Hyphengeflecht? Was uns bleibt ist unser geistges Netz. Wir haben uns gelöst von unseren Wurzeln, von unseren Stämmen und Zweigen. Wir haben Halt verloren und suchen ihn, in den Lüften, im Wasser, in den Siefen, in Ozeanen, riefen in das Weltall, suchen in den Tiefen unseres Wissens, der Psychen, in Drogen und Erkenntnissen.

 

 

 

Wir suchen alles ab, auf den Gipfeln der Berge, der Sensationen, der Erregung, des Todes und der Lust. Wir durchsuchen den Makro- und Mikrokosmos, das Du, das Ich, das Selbst, das Wir, jedes Gefühl und jeden Gedanken, und Finden nichts als uns selbst. Eigentlich das, was wir suchen.

 

 

 

Als ich 2005 in Costa Rica landete, stieß ich zuerst auf Plakate. Sie forderten mich auf jede Form von Prostitution, jeden Missbrauch von Kindern sofort an die Polizei zu melden. Welch' ein anderes Land.

 

 

 

Wie mir die Leute auffielen. Oft waren sie – obwohl Menschen und Tierleben nichts wert sind – nicht bereit zum Widerstand, gegen widerspruch oder Gewalt. Sie sind nicht von anderen Dingen umgeben als wir, aber von anderen Menschen.

 

 

 

Und „unser“ Auswärtiges Amt sagt:
(https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/laender/costarica-node/costaricasicherheit/224816)

 

Die Lage im Land ist ruhig. Demonstrationen, Protestaktionen und Streiks können im Rahmen der Reformpolitik insbesondere in der Hauptstadt San José vorkommen und zu vereinzelten gewaltsamen Auseinandersetzungen und Verkehrsbeeinträchtigungen führen.

 

Die Kriminalitätsrate ist in Costa Rica niedriger als in den Nachbarländern. Kleinkriminalität wie Taschendiebstahl und Handtaschenraub kommen insbesondere in den Städten und in stark frequentierten Nationalparks vor.“

 

 

Costa Rica soll bekannt sein für die stabilste und älteste Demokratie in Mittelamerika.