Walter Hövel, Ulli Schulte

Wehe, wenn sie raus gelassen
20 Jahre Erfahrung mit dem „Draußen lernen“


Das Rausgehen, vor allem das regelmäßige, zum Lernprogramm gehörende, das spürbar die Schule verlassende Draußenlernen, muss man lernen. Wir haben an der Grundschule Harmonie vor 20 Jahren damit angefangen.

Es reicht nicht, sich einmal in die Richtlinien oder in den Lehrplan Sachunterricht einzulesen. Es verändert nichts, das Lernen in der Natur oder der Gesellschaft einmal in einer vorzuführenden Stunde, in einem Projekt zu zeigen oder in einem Konferenzpapier zur Schulentwicklung zu formulieren.

Das eine ist zu begreifen, dass das Lernen einst, um überhaupt als Schule beginnen zu können, in Kirchen, Gemeindesäle, Fabriken, Gewerkschaftsräumen und Kasernenkammern oft versteckt oder vernachlässigt entstand. Dann etablierte es sich in Kinderzimmern, Kindergärten, Horten, Freizeiten und Schulstuben. Jetzt gilt es wieder da raus zu kommen.

Das eine ist zu begreifen, wie Lernen anregender, natürlicher und attraktiver stattfindet: vor Ort, in der Wildnis, in der Abenteuerlandschaft, am Original, im Prozess, bei der Arbeit, im Spiel, mit wirklichen Menschen, Künstlerinnen und Meistern.

Das eine ist zu begreifen, dass Lernen sich draußen ganzheitlicher, mit allen Sinnen, in Bewegung, mit Hirn und Menschen gerechter vollzieht.

Ebenfalls ist zu begreifen, wie das eigentliche Lernen stattfindet. Es bedarf der Begegnung in Selbstbestimmung, mit der eigenen Persönlichkeit in einer Welt wie sie ist. Hier lernst du, dass die Welt nicht so ist wie Schule sie lehrt, sondern Persönlichkeit und Welt sind von den Lernenden veränderbar ist.

Das andere ist als Lehrerin oder Lehrer zu wissen, wie ich zur Umsetzung meiner immer neu gewonnen Haltung aus den Mauern des „geheimen Lehrplans Schule“ raus komme.

Ich muss wissen, was Kinder und Erwachsene dort draußen machen, wie ein Lernen ohne Schulbücher, ohne vorgefertigte Kurse, ohne Lernbüros, ohne die Ansage einer Lehr-Person und vorbereitete Lernlandschaft geht. Vor allem die Ausbildung der Lehrerinnen tendiert zum kontrollierten Funktionieren beim Indoorlernen.

Ich muss sehen, wie andere das woanders anders machen. Ich brauche bereits gelebte Beispiele. Ich arbeite in einem System der Abhängigkeit von Eltern, Schulleitung und Schulaufsicht. Diese Systeme reagieren heute gerne mit der „Nice-to-have“-Ablehnung, um Neuerungen zu verhindern. Wegen angeblicher Nichtrealisierbarkeit („Das haben wir nie gemacht“, „Das schaffen wir nicht auch noch“) kommen sie erst gar nicht zum Ausprobieren. Ich brauche daher Beispiele, die bereits umgesetzt wurden und erfolgreich waren. Sie erleichtern meine Einstiege um eigene Erfahrungen überhaupt erst machen zu können.

 

Es muss gelingen die Zustimmung der Eltern und die Duldung der dienstlichen Vorgesetzten zu erreichen. Dazu muss ich zu allererst meinen Lehrplan begreifen. Hier steht immer begründet, was ich will!!!

Die Kinder merken als erstes, dass ihr Lernen nun spannender, entspannter und erfolgreicher und für sie erlebbar wird. Viele Eltern folgen deinen „neuen Wegen“, wenn sie das spüren. Für die anderen Eltern brauchst du Überzeugungskraft, pädagogisches Können und Durchhaltevermögen.

Und, ich muss aus meiner alten Lehrerrolle heraustreten und herausgehen, um durch eigenes Tun zu erfahren, wie es geht.

Ich muss das Planen ohne Plan lernen, ich muss Sinn suchen, ohne ihn vorher zu kennen. Ich muss mich aber mental und psychisch auf die Komplexitäten der vielen verschiedenen Lernerpersönlichkeiten, ihre Stimmungen und ihre sozialen Interaktion in der Begegnung mit der Komplexität der Welt einstellen. Ich muss vor allem die Qualität des gemeinsamen Lernens durch das Rausgehen steigern!

So lernen Kinder draußen lernend das eigene Planen und den eigenen Sinn zu finden. Sie lernen, und übrigens auch die Lehrpersonen, sich selbst, ihre eigene Welt, ihre Begegnungen und ihr eigenes Lernen besser zu verstehen und zu können.

Lernen mit Haltung und Handlung
Lehrer*Innen sollten an ihrer Haltung arbeiten, um über die Schule hinaus denken zu lernen.
Lehrer*Innen sollten an ihrem Handeln-Können arbeiten, um das halten zu können was ihre Haltung verspricht.
Lehrer*Innen sollten nicht nur über etwas reden können, sondern einen inneren Kompass haben, der ihnen sagt wie Haltung und Handlung weiter gehen.
Lehrer*Innen sollten selber lernbereit sein, um ihre Kompetenzen so zu erweitern, dass sie sich auf ihre eigene Führungsarbeit verlassen lernen.

Rausgehen zum Lernen muss schule lernen

Wir wiederholen in diesem Artikel nicht, was wir schon berichteten. Wir hoffen es wenigsten oder zeigen es zumindest per Zitat an. Wir haben aufgeschrieben, was uns bei einer dreistündigen Autofahrt einfiel zum Thema „Draußen lernen“ an der Grundschule Harmonie. Wir sind jetzt beide 20 Jahre an dieser Schule. Ulli Schulte fehlt das erste Jahr, Walter Hövel die letzten beiden.

In Artikeln und Büchern konnten wir unsere Erfahrungen mit denen anderer Schulen und Kindergärten zusammenbringen. Beim Grundschulverbands beschrieben wir, wie unser „Draußen Lernen“[1] geht. Auf unseren Homepages[2] gibt es einige Aufsätze, die unsere Arbeit im Allgemeinen und die Öffnung zur Welt beschreiben. Nicht zuletzt ist unsere ein paar Jahre lang erschienene Chronik [3] voll mit Beispielen unserer täglichen, auch in diesem Sinne offenen Arbeit.

Es war keinesfalls so, dass vom ersten Tag unserer Schulgründung 1996 an, alle auch draußen gelernt haben, nur weil dies zu unserem Konzept gehörte.

Selbst unser Schulgelände, bereits in den ersten zwei Jahren entstanden[4], führte nicht dazu, dass alle sofort die Türen nach innen und außen öffneten. Dabei wäre dies so einfach gewesen. Jeder Raum der Schule, außer den Lehrer*innen-Räumen, hat einen eignen Ausgang nach innen, wie in jeder Schule, und einen nach draußen für jeden Raum.

Vorsichtig wurden die ersten Stühle und Tische bei schönem Wetter nach draußen gestellt. Kleine Häuschen, die uns geschenkt wurden, wurden raus gestellt. Die ersten Kinder setzten sich auf die Schaukel zum Lesen, die ersten lagen auf der Wiese und schrieben. Die ersten „wagten“ es, eine oder zwei Runden laufend um die Schule zu drehen. Bald spielten die ersten Kinder im Sandkasten oder versteckten sich in den immer üppiger wachsensen Büschen.

Anders lernen muss Anfänge haben
Zunächst führten Lehrer*innenaufträge nach draußen. „Suche draußen etwas ganz Kleines!“, „Sucht 100 Beweise für den Frühling“, „Miss die Länge, Höhe und Breite des Schulgebäudes“, „Stoppt die Zeit, die ihr zum Rennen um die Schule braucht“, „Führt andere mit geschlossenen Augen um die Schule“ oder „Schätzt die Anzahl der Blätter an Bäumen oder Sträucher“... Solche Aufträge ermutigten bald dazu eigene Ideen umzusetzen.

Es gab schon lange Klassenräte, Dichterlesungen, Kinder gemachte Stationen, eigene Themen, Lesen durch Schreiben ohne Fibel, keine Lesebücher, Kinder-Universität, freie Texte, Kinder-Theater- und Musikgruppen oder das Kinderparlament… Am längsten von der alten Art in Schule zu unterrichten hielten sich das Mathematikbuch und das Nichtrausgehen.

Lange noch ging nur eine Lehrkraft regelmäßig einmal die Woche raus zum „Draußenlerntag“, eine andere verließ das Haus zu Erkundigungen so oft wie möglich.

Die Kolleg*innen fürchteten noch die Eltern und mit ihnen die eigene Angst „Lernzeit zu verplempern“. Sie erprobten das eigene Wollen nur dann und wann. Am liebsten taten sie es, wenn sie sich sicher waren, dass das Verlassen der Schule entweder für die Arbeitsstimmung der Lerngruppe als Abwechslung oder Erholung nötig war, oder sie wussten, dass sie durch den Bezug zur Wirklichkeit die Qualität ihrer Lern- und Lehrarbeit verbessern konnten.

 

Und um beides geht es! Offenes Lernen entsteht immer besser, je mehr die Kinder lernen ihre Arbeit selbst zu bestimmen, je mehr sie zu ihren eigenen Themen kommen und je mehr ihr eigenes Lernen Kontakt zur wirklichen (Lern)Welt bekommen.

Die Wirklichkeit erfährst du durch literarische und wissenschaftliche Lesezugänge, durch virtuelle Medienzugänge und durch die Ausgänge der Schule in die „außerschulische“ Lernwelt, also den realen Zugang zur echten Lernwelt.

Doch welche Verplemperung von Lernzeit ist es in der hergebrachten Schule alle die gleichen Sonnenblumen malen zu lassen. Die Mandalas für die auszuteilen, die „fertig sind“. Welch ein Verplempern von Lebenszeit ist es, Mathebücher durcharbeiten zu lassen, Buchstabentage zu feiern, die Grammatikübungen im Gleichschritt zu exerzieren, etwas von der Tafel abschreiben zu lassen, damit die Stunde vorbei geht oder den gleichen Text von allen zur gleichen Zeit vorlesen zu lassen.

Wir unterhielten uns auf unseren wöchentlichen Konferenzen immer wieder darüber, wie das Rausgehen organisiert und begründet wird, wo man warum und wie hingeht.

Lernen mit der Musik
Das eine war, dass es einige, inklusive des Schulleiters vormachten, wie und dass es geht. Die nächste Idee war, eine Liste mit über 70 Menschen zu schreiben, die um die Schule herum lebten und Musiker waren. Wir besuchten sie, luden sie in die Klassen, zur Kinderuni oder einfach zu „Besuchen“ ein.

Ein wichtiges Prinzip der Schule half uns: Niemals müssen die Kinder an einem Angebot der Klasse oder der Schule teilnehmen! Sie entscheiden selbst welche Angebote sie annehmen. Wenn sie merken, dass es das falsche, warum auch immer, ist, gehen sie einfach in den eigenen Raum zurück, um an den eigenen Aufgaben zu arbeiten.

Das zweite Prinzip war, dass wir aus diesen Menschen und ihrem Können keinen Unterricht machten. Wir stellten im geschützten Raum einer Schule die Kontakte her. Einerseits lernten sie wie eine Laute gebaut wird, wie alte Instrumente aussehen, wie das Proben geht, wie komponiert wird etc. etc. Sie lernten in und außerhalb der Schule selber das Gitarre, Schlagzeug, Flöte, Blechinstrumente, Klavier zu spielen und was sonst noch möglich war.

 

Man muss wissen, dass wir keine Schule sind, an der die „bildungsnahen“ Schichten ihren privilegierten Unterricht finden. Stattdessen organisieren wir ein Lernen mit Kindern aus allen Schichten der Bevölkerung. Wir hatten das Ensemble mit Blechinstrumenten zu Gast, probten ganze Veranstaltungen mit dem super geilsten Chor [5] in der Gemeinde, wir hatten echte Nachfahren von Django Reinhard bei uns, die uns den Gypsisound nahe brachten. Wir lernten türkische Tänze, Walzer, Foxtrott, Karnevalsmusik, Weihnachts- und Martinslieder. Die Harfe war genauso zu Gast wie das Cello. Die Kinder organisierten Lang-Lang-Konzerte, gründeten immer wieder ihre eigenen Rockbands. Die Erwachsenen erfanden das Konzert „Erwachsene musizieren für Erwachsene“. Kinder und Erwachsene gründeten ihre eigenen Chöre. Die Cajon-Gruppe mit selbstgebauten Instrumenten entstand, die Saz war zu Gast, der Dudelsack, Trinkbecherrhythmen schallten durch die Flure.

Wir besuchten Tonstudios, sangen spontan auf einem Bahnhof unser Schullied, traten auf Weihnachtsmärkten, bei Konzerten, in Altersheimen, bei Schuleinweihungen, und sonst noch wo auf.

Das eigene Handeln prägt
Das Entscheidende war, dass Lernen eben nicht kanalisiert als „Lehrprozess stattfand, sondern als Beziehung einer Schule mit ihrer Region durch Aneinanderreihung von Lerngelegenheiten. Du holst also nicht alles in die Schule, in einen Unterricht um es kleingehackt Häppchenweise zu lehren. Du wirst nicht mehr gefüttert! Du lernst selbst zu essen, damit Kinder sich auch lernend selbst ernähren können.

Dieses Lernprinzip übertrug sich auch auf andere Gebiete. Mehr Listen, mehr Knowhow, mehr Kontakte entstanden, die meisten aber in jedem individuellen Kopf und im „kollektiven Kopf“ der Schule. Das Verlassen der Schule bekam die Anerkennung der Lernnormalität.

Das Verlassen der Schule war zuallererst zu dem Vorgang geworden, das nicht notwendigerweise das Gebäude, sondern die Pfade des bisher als normal angesehenen schulischen Lernens verließ. Es wurde nicht mehr für den Test, für die Einheit, den Lehrer oder die Eltern gelernt, sondern für sich selbst. Das verlangt eigene Wege zu gehen, eigene Entscheidungen treffen zu können und die Verantwortung für das eigene Lernen zu übernehmen. Und da ist es egal, ob du im Schulgelände, in einem Buch, im Netzwerk deines Computers, im Schulgelände, in der Kommune oder dem nächsten Wald unterwegs bist.

Es geht nicht mehr um ein Lernen drinnen oder draußen. Die Schule öffnet sich im gleichen Maße wie sich das Lernen der Kinder und Erwachsenen(!) öffnet. Die Schule kommt raus!

Beispiel „Mal rausgehen“
Wir fanden den Weg ins Gemeindearchiv, um zuallererst über die Geschichte des Wohnorts zu lernen, zum jüdischen Friedhof, wo die die Aktion Stolpersteine aktiv unterstützt wurde. Die Kinder gingen zum alten Steinbruch, um zu erfahren, dass vor einigen abertausend Jahren genau hier ein Vulkan ausbrach. Wir lernten den Schulbus für Rundfahrten zu nutzen. Wir erfuhren und sahen, was „Siefen“ sind, wo im Krieg die V2-Abschussrampen und die alte Synagoge standen, wie Hochwasserschutz funktioniert oder wo schon in der Steinzeit Straßen waren, dass es auch bei uns eine „Hauberg“kultur gab oder wie Kanalsysteme gebaut werden.

Kinder lernen das Lernen durch Lehren
Wir hoben die Grenzen zwischen Lernen und Lehren nicht nur in der Schule im altersgemischten und freien Lernen auf. Die Kinder führten nicht nur universitäre, Comenius, Blick-über-den Zaun- und schulische Gäste durchs Haus, sie setzen sich in den Auswertungsrunden zu ihnen. Sie fuhren in andere Universitäten und Schulen. Sie fuhren zur Uni Siegen, nahmen an einer Vorlesung teil, stellten Studierenden ihre Schule vor und diskutierten mit Professoren. Sie setzten sich bei einem Lehrer*Innenkongress in Köln aufs Podium um mit ihnen über das Lernen zu reden[6]. Sie hielten Vorträge an anderen Schulen und luden andere ein. Sie besuchten das Kinderparlament einer Kölner Grundschule, um ihre eigen gemachten Erfahrungen in der Demokratiearbeit auszutauschen. Sie fuhren zur Partnerschule Eisschoul in Luxemburg, um die eigenen Lernentwicklung im Austausch mit anderen Kindern voranzutreiben.

Seit zehn Jahren fahren sie jährlich zur englischen Partnerschule nach Dunstable und beherbergen ihre Lern-Partner zum Übernachten und Mitlernen in der eigenen Schule. Angefangen hatten sie 1999 mit einem Besuch der Jürgen-Reichen-Schule in Rostock. Hier lernten sie zu aller erst über ihre regionalen Vorfahren, die Slawen und Kelten. Sie besuchten eine Partnerschule in Brüssel, tauschten sich per skype mit der Partnerschule in Klagenfurt aus. Sie führten Korrespondenzen verschiedenster Art im In- und Ausland. [7]

Andere Kontakte zur Mathematik
Sie besuchten den damals fünftintelligentesten Menschen der Welt, einen querschnittsgelähmten Mathematiker, der in der Nachbargemeinde lebte. Er stellte den Kindern „seine“ Mathematik vor. Ob sie ihn verstanden oder nicht, wird immer ein Geheimnis bleiben. Sie unterhielten sich sehr lange, die Lehrperson stellte die Frage nach dem Verstehen nicht. Warum auch! Im Arithmeum in Bonn begriffen sie, was die Mathematik von Leibniz mit der Entstehung der Computer zu tun hatte. Zum alten Friedhof in Eitorf gingen sie, um u.a. Lebensalter auszurechnen. Wir lernten, wenn die Mathematik wieder zum Mathebuch tendierte, eigene Mathekampagnen zu entwickeln, um wieder mehr mit Materialien und herausfordernden Aufgaben zu arbeiten. Die führten dann wieder hinaus, wenn z.B. die Aufgabe hieß „Nenne mir zwanzig Möglichkeiten von Eitorf nach Köln zu kommen. Wie lange dauert das und was kostet es. Oder wir suchten uns drinnen und draußen unsere Ausstellungsstücke für eigene Hundertermuseen[8] oder lernten das Umtauschen in verschiedenen Zahlensystemen mit Muggelsteinen[9].

Mit Tieren lernen
Und wer alles in die Schule kam, um uns die Natur und Tiere näher zu bringen. Da wurden kleine Wassermedusen mitgebracht, ganze Bienenvölker, die Waldschule kam. Besucht wurde der Schäfer mit seinen Schafen, das Pferdegestüt. Die Fledermäuse wurden abends an der Sieg, unserem Fluss sogar mit Nachtsichtgeräten beobachtet. Wir schauten uns Bienenstöcke, das Ziegengehege, Zoos, Greifvogelschulen an. Wir zeichneten Gesichter von Kühen. Wir besuchten Fuchshöhlen, die Schlangenzüchter und die Kolonie der Reiher, die jedes Jahr zusammenkommen um gemeinsam in einem Waldstück zu brüten. Wir halfen jedes Jahr Kröten beim Überqueren der Straße, hatten Kontakt mit Elefanten und Kamelen beim Zirkus in den Siegauen.

Lernen mit dem Zirkus
Wir besuchten einen echten Zirkus und verbrachten dort einen ganzen Morgen, um einige Kunststücke zu lernen. Ein Schulprojektzirkus von der Gesamtschule Holweide besuchte uns. Schon in den neunziger Jahren gaben wir eine Abendvorstellung im angemieteten Zelt in Bonn. Viel später haben wir ein einige Wochen dauerndes Englischlernprojekt als Zirkus mit viel Freude und englischen Dialogen durchgeführt.

Mit Essen und Trinken lernen
Immer wieder gingen wir zu Bauern der Umgebung. Hier halfen wir, pflückten und sammelten Obst. Immer wieder pressten wir unsere selbst gesammelten Äpfel zu Saft. Seit einigen Jahren gibt es eine Patenschaft über eine Streuobstwiese.

Wir lassen uns von einem „alten Öko“ erklären, wie er sein ökologisches Anwesen angelegt hat. Die vielen Früchte unseres Schulgeländes machten wir zu Marmeladen. Aus Holunderblüten entstand Hollersaft. Dass bei uns gebacken, gekocht, gegessen und gespeist wird ist seit den ersten Tagen unserer Schule Tradition. Wir kennen große Festessen und seit Jahren ein tägliches gesundes Frühstück für alle Kinder. Nicht zufällig hat die Schule seit Jahren eine eigene Küche, in der niemals Fertigessen aufgewärmt werden, sondern immer selbst gekocht wird! Diese Küche wurde zu erheblichen Anteilen durch Aktionen der Kinder mitfinanziert. Das Kollegium hat sich noch nie davon abhalten lassen, dass Kinder wissen, wie ihr Essen entsteht.

Wir machen Kräuterwanderungen, bestimmen Blumen und andere Pflanzen. Wir lernen etwas über Hausmedizin und die Chemie der Pflanzen.

Vom den Jahreszeiten lernen
Der Winter ist etwas Besonderes. Wenn es friert, wenn Schnee liegt oder fällt, sind Kinder und Lehrkräfte unterwegs. Da wird gerodelt, auf dem Altarm der Sieg Schlittschuh gefahren oder es wird Feuer auf Schnee gemacht.
Im Sommer entstanden Wasserrutschen und im Gebäude blieb es, aufgrund der tollen Bauweise, auch bei starker Hitze kühl.
Die Schule hat ein Vordach. Draußen regnet es in Strömen. Alle sitzen auf Stühlen an Tischen und schauen in den Regen. Dazu schreiben und zeichnen wir…

Lernen mit den Kirchen
Manchmal war sogar in der benachbarten Kirche Unterricht. Da bei der Restaurierung die Kirchengemeinde zwei Jahre lang bei uns im Forum Gottesdienste feierte, haben wir Zutritt zu den Kirchengebäuden. Wir gehen dorthin zum Reden, zum Singen, machen dort Kunstausstellungen oder besuchen sie. Wir machten einen eigenen Wandbehang und malten „Kachelbilder“. Wir bauen die Krippe in der Kirche. Und natürlich wissen wir, dass im Kirchturm Turmfalken leben und die Schleiereule schon am „Wochenend-Schleier-Eulen-Kasten“ an der Schule gesichtet wurde. Früher gab es einen evangelischen Priester, der die Schule besuchte. Er hielt nicht nur monatlich Gottesdienste, sondern gab Vorlesungen zu Themen wie „Die Entstehung der Bibel“ oder von Kindern gewünschten Themen. Der ehemalige, katholische Priester kam vorbei, wenn ein Kind eine besondere Frage hatte und installierte eine Selbstverteidigungsgruppe mit einem Trainer, die wöchentlich in der Schule stattfand. Wir besuchten die Moschee in Eitorf. Hier führten die Kinder (!) Gespräche mit dem Imam der Gemeinde.

 

Der katholische Jugendreferent machte mit uns Projekte. Eines davon war eine Wallfahrt von und mit Kindern. Bei herrlichem Sonnenschein machten wir eine Wanderung entlang des Flusses über die Höhen. Wir legten ein riesengroßes Blumen und Pflanzen-Mandala, aßen zusammen Fladenbrot und Weintrauben, schickten unsere Wünsche als Flaschenpost weiter, und schauten uns auf einer Wiese liegend – laut nachdenkend – den Himmel an.

Lernen mit Medien
Immer wieder drehen die Kinder eigene Filme oder machen Film- und Radiosendungen mit Profis. „Die Pirateninsel“ und „Der Schulkrimi“ entstanden. Letzterer wurde im örtlichen Kino mit dem Feuerwehrhauptmann und dem Polizeikommissar, die mächtig geholfen hatten, uraufgeführt. Ein ganzes Jahr war ein Team, immer wieder einzelne Sendungen des WDRs, RTLs, des Deutschlandfunks oder andere bei uns in der Schule. Kein ehemaliges Kind unserer Schule fürchtet sich vor Mikrophonen oder laufenden Kameras. Sie besuchten auch Funk und Fernsehen zu verschiedenen Anlässen. So nahmen sie als Sängerinnen und Sänger am Europakonzert des Westdeutschen Rundfunk teil und stellen das eigenen und das Schullied der englischen Partnerschule vor.

Lernen mit Sport
Jedes Jahr findet ein Fußballturnier mit der Nachbar- und Partnergrundschule in der Ortsmitte statt. Unser schon viele Jahre gepflegtes Mädchenfußballteam gewann als „Mexiko“ die von Kindern ausgetragene Fußballweltmeisterschaft. Eine große Hilfe ist dabei das Fußballübungsfeld, das der DFB auf unserem Schulgelände mit der Gemeinde baute.

Viele Jahre schaffte der Golfclub in Eitorf es regelmäßig wöchentlich eine Kinder-Golf-Gruppe im laufenden Unterricht stattfinden zu lassen. Unsere Kinder kennen alle Sportplätze der Umgebung!

In der Sporthalle erprobten und erfanden wir Kooperationsspiele. Wir entwickelten Bewegungs-Rallys.

Da an unserer Schule schon immer Schach zu jeder Zeit gespielt wird, fuhren wir auch von den AGs der Grundschule Eitorf und des dortigen Gymnasiums als Sieger nachhause.

Lernen mit Kunst
Da spendete ein Unternehmer jeder Bildungseinrichtung der Gemeinde eine lebensgroße Kuh. Jedes Kind malte im Forum der Grundschule Harmonie in zweiwöchiger Arbeit sein Stück Haut auf. So kamen über 200 verschiedene Hautstellen aller ausgesuchten Tiere oder ausgedachte Muster auf die Kuh. Die Farben Afrikas inspirierten uns zu großen Bildern, die wir außen an das Schulgebäude hängten. Auf Bretter wurden Kinder eigene Bilder gemalt, die im Gelände aufgestellt wurden. Wir stellten große Kükelhaus-Spiralen nach draußen. Wegweiser zu unseren europäischen und inländischen Partnerschulen entstanden. Hundertwasser animierte uns zum Anmalen unserer Säulen im Forum. Wir bemalten leere Teppichrollen im Stil verschiedener Künstler und verschenkten sie. Riesige von Kindern gemalte Bilder wurden im Forum aufgehängt. Wir besuchten Künstler, sie uns.

Immer wieder organisierten wir in und außerhalb unserer Schule Ausstellungen unserer Kunstwerke. Wir besuchten Kunstausstellungen und schrieben Texte darüber.

Politik und Lernen
Das intern andere und das Lernen außerhalb der Schule führen unweigerlich zur Begegnung mit den verschiedensten Leuten in der Region.
Als die Kinder der Grundschule Harmonie vor dem Jahr 2000 gegen die Abholzung einer 30 Jahre alten Buchenhecke in der Nähe der Schule eine Demonstration veranstalteten, kritisierte eine Gruppe recht einflussreicher Menschen in Eitorf die Schule auf recht vordemokratische Art.

Wochen später verlieh der Rhein-Sieg-Kreis und sein Landrat der Grundschule Harmonie den Umweltpreis für die Errichtung eines eigenen Schulgeländes und für das besondere Engagement den Titel einer „Umweltschule“. Ein neues Verständnis von Lernen und eine veränderte Schulwirklichkeit fanden die offizielle Anerkennung!

Jahre später wurde es möglich, anlässlich der Kommunalwahlen die Vertreter der Parteien zu einer Diskussion in die Grundschule einzuladen, die alleine von Kindern geplant und durchgeführt war.

Schon sehr früh nach der Gründung der Grundschule Harmonie entstand ein eigenes Kinderparlament. Entgegen der bereits mehrjährigen Erfahrung dieser und der benachbarten Grundschule wurden Grundschulkinder Jahre später bei der Gründung eines örtlichen Kinder- und Jugendparlaments nicht zugelassen. Dies führte wieder zu besonderen Spannungen zwischen den jungen Bürger*innen und denen, die in einer Gemeinde bestimmen. Die heutigen Vorsitzenden aber sind ehemalige Harmonie-Schüler*innen.

Ein besonderes Meisterstück der politischen Emanzipation von Grundschulkindern erlebten 2014 Gäste von der Pädagogischen Hochschule aus Klagenfurt. Sie sahen bei einer Hospitation wie Kinder mit selbst vorbereiteten Vorträgen im EL-DE-Haus in Köln mit ihrem eigenen Verständnis durch die NS-Zeit führten.

Die nachfolgenden Kinderuniversitäten zeigten innerhalb und außerhalb der Schule, dass Kinder heute sich sehr wohl für Geschichte interessieren. Sie tun dies, wenn sie ihren eigenen Fragen nachgehen können. Sie bilden ein eigenes Geschichtsbewusstsein, wenn sie Erwachsenen begegnen, die sich nicht belehren oder gar täuschen wollen, sondern vermitteln was sie wissen. Der fast 80jährige Zeitzeuge aus der Nazizeit wurde von den Kindern mehrmals zum Vortrag in die Schule eingeladen. Andere Großmütter und Großväter waren Gäste der Kinder, die sich auch mit einer Zeit auseinandersetzten, die sie nicht kannten. Sie erzählen vom „Schickmachen“ früher, von den alten Benimmregeln oder wie Schule früher war. Ein halbes Jahr lang arbeitete unsere Schule am Thema der Hundertjahrfeier unseres Ortsteils Harmonie. Ein Schulfest zeigte die Ergebnisse dieser Auseinandersetzung der Kinder mit eigener Geschichte. Das Dorf war Gast einer lernenden Schule.

Die Kinderuniversitäten und Ateliers
Die Kinderateliers und Kinderuniversitäten, die seit einigen Jahren mindestens alle zwei Wochen stattfinden, leben davon, die Schule zum Lernen gedanklich, virtuell, imaginär oder wirklich zu verlassen. Menschen von Außerhalb der Schule begegnen den Kindern mit ihren mitgebrachten Themen als geladene Gäste, Vortragende oder Seminaranbieter. Was die Kinder wie lernen, bleibt den Kindern überlassen. Wir bitten dies in den entsprechenden Aufsätzen oder der Chronik der Schule nachzulesen.[10]

Lernen in der Umgebung

In der nahen Autowerkstatt wird erklärt wie ein Motor funktioniert, in der Kläranlage die Wasseraufbereitung. Der Flughafen wird besichtigt. Alle Kirchen der Umgebung werden angeschaut, die Schulwege der Kinder, ihre und der Lehrer Wohnungen. Ein Maler macht mit uns ein Riesenbild auf dem alle Schulwege einge“malt“ sind. Wir lassen uns erklären wie ein neues Haus gebaut wird, wie Fachwerkhäuser gebaut wurden. Alle Parks der Umgebung sind uns bekannt, vor allem der Kletterpark. Wir erfahren wie das Wasserreservoir für unsere Gegend funktioniert, die Kanalisation oder das fast unter uns liegende alte Bergwerk. Wir schauen uns die ehemalige Schulwebrahmenfabrik genauso wie die alte Druckerei an.

Auf der einen Burgruine werden Geschichten geschrieben, an der nächsten übernachtet. Wir besuchen den bekanntesten Künstler vor Ort und seinen Skulpturengarten. Wir malen mit ihm und gehen durch die Müllmenschenausstellung von H. A. Schult. Wir machen Namensforschung anhand der Briefkästen der Umgebung. Wir suchen alle Kreuze der Umgebung, ob an Fensterkreuzen, Straßenkreuzungen oder Wegkreuzen.

 

Wir lassen keine Fabrik der Umgebung aus, wissen wie Feuerwerk funktioniert, Schafe geschoren und Wolle hergestellt wird, wie Medikamente produziert und Speckstein bearbeitet wird. Wir sehen, was mit alten Fabrikgebäuden geschieht, wie hier Lagerhallen, Firmen, Künstler und Handwerker einziehen.

Unser für alle Menschen offenes Schulgelände wurde immer wieder demoliert. Das Kinderparlament beschloss einen Brief an alle Nachbarn zu schreiben. Sie baten sie auf das Schulgelände auch abends und nachts zu achten. Der Brief wurde von ihnen aufgesetzt und orthographisch verbessert, dann in der schuleigenen Druckerei gesetzt und selbst gedruckt. Im Anschluss schmissen die Kinder, natürlich innerhalb der Schulzeit, ihre Briefe in alle Briefkästen der erreichbaren Schulumgebung.

Lernen mit Wegen

Wir lernen uns anzuschauen, wie seit tausenden von Jahren die Menschen Güter auf Wegen und Straßen transportieren, wie sie reisten, um die Welt zu erkunden. Wir sehen wie die Menschen immer schon ihre Flüsse als Wasserwege nutzten. Wir sehen uns selbstgebaute Wikingerboote, Brücken und Furten an. Wir schauen uns die Eisenbahnwege an, die vor zwei Jahrhunderten entstanden, wie die Gemeinde, in der wir lernen, an die Industrie der Welt angeschlossen wurde. Die Kinder verstanden, wie heute noch hier Menschen und Güter transportiert werden. Sie erkundeten wie die Luftwege und ihre „Häfen“ entstanden. Wir sind umgeben von diesen Reise-, Militär- und Segel-Flughäfen, Hubschrauberrettungsplätzen oder Heißluftballontreffen. Und dann setzten sie sich mit dem neuesten, den fünften Weg der Menschheit, den Medienwegen, mit den Computern in der Schule, in den Wohnungen und Betrieben, den IPhones und Handis in ihren Händen.

Lernen durch eine Unzahl von Sprachkontakten
Ein weiterer Effekt ist die Tatsache, dass eine sich der Globalisierung stellende Schule von innen geöffnet wird. Seit der Gründung der Bundesrepublik sind unsere Schulen wahre Meister der Integration von „Flüchtlingskindern“ aus Kriegs- und Armutsregionen der Welt geworden. Erst kamen zwölf Millionen Menschen durch die Folgen des Weltkriegs, hunderttausende von Menschen in unserem Land sprachen Englisch, Französisch, Russisch, Niederländisch, Polnisch und Dänisch. Es kamen Millionen von Kindern der Wirtschaftsimigranten. Sie sprachen Portugiesisch, Katalanisch, Spanisch, Griechisch, Serbisch, Arabisch, Kurdisch und Türkisch. Unsere Grenzen zu den Nachbarn öffneten sich mehr und mehr. Der Tourismus in alle Richtungen wuchs. Wir erkennen heute Japanisch oder afrikanische Sprachen, so wie wir umgekehrt identifiziert werden. Es folgten die Kinder der Menschen aus den Ländern Tschechien, Ungarn oder der DDR, die flüchteten. Der Balkankrieg brachte uns abertausende von Kindern, der Zerfall des Ostblocks trieb weit über fünf Millionen Menschen in unser Land. Nun sind es die Menschen aus den Kriegsgebieten des Nahen Osten oder Afrikas. Die EU, die Millionen von Menschen von Finnland bis Rumänien zu Inländern macht, gibt Abermillionen von Euro für Studienaustausch und Schulkontakte aus. Das neue europäisch-regionale Selbstbewusstsein der Menschen lässt die Sprachen wieder aufleben, die einst als Dialekte diffamiert wurden.

Das öffnet sich die Schule zur Welt, ob ängstliche, den Unterricht abschottende Schulleitung oder der in alten Grenzen denkende Politiker das will oder nicht. Wir hatten in 20 Jahren so viele Gäste in der Schule und die Kinder Lernkontakt zu ihnen, dass wir eine offizielle „Europaschule“ wurden. Die waren Comeniusgäste aus England, Estland, Litauen, Finnland, Slowenien und Österreich. Da kamen die Hospitationsgäste aus den USA, aus Japan, aus südamerikanischen Ländern, aus Spanien, aus allen Nachbarländern, aus Rumänien, Italien, der Türkei, aus Dänemark. Bald zählten immer mehr Eltern und Kinder aus Griechenland, Indien, Syrien, Portugal, aus so vielen afrikanischen Ländern, Schweden, Polen, Russland, Ungarn, Tschechien, die Kinder der Roma und Sinti zu unserer Schulgemeinde. Bei uns arbeiteten die Praktikantinnen aus Litauen, Irland, Kroatien, China oder Kanada. Und last but not least bereicherten die vielen adoptierten Kinder aus fernen Ländern unseren Alltag. Bei uns unterrichteten längere Zeit Lehrerinnen oder pädagogische Mitarbeiter aus England, Irland, den USA, Katalonien, Österreich, den Niederlanden,…

Erwachsene und Kinder lehrten für Tage bis hin zu Jahren ihre Sprachen: Französisch, Türkisch, Chinesisch, Spanisch oder Kölsch. Unsere Kinder pflegten feste Korrespondenzen mit Österreichern, Schweizern, Südtirolern oder hatten sogar einen mathematischen Briefverkehr mit einer niederländischen Schule. Sie schreiben und reden mit den elektronischen Medien und besuch(t)en oder beherbergten Kinder aus England, Luxemburg, Österreich, der Schweiz und Belgien. 

Da sind Interviews in englischer Sprache, die mit der Schulleiterin der englischen Partnerschule oder auf dem Eitorfer Marktplatz geführt werden oder zweisprachige Ausgaben der Schulzeitung oder das Mitmachen beim „Book of Records“ fast schon Alltag. Da wird ein Britischer Shop in Köln oder Bedfordshire besucht, so wie die englischen Kinder beim „BOTEX“, ein Havarieladen in der Nähe der Schule, einkaufen gehen.

Lernen mit Kultur
Wir nahmen alles mit, was uns die Kultur der Region an Lernenswertem bietet und geben alles, was wir zu bieten haben. Kinder sind Künstler. Sie schreiben, musizieren, tanzen, malen, zeichnen, drehen Filme, fotografieren, spielen Theater und benutzen elektronische und reale Environments. Auf Augenhöhe mit möglichst hohen Niveau begegnen sie in ihrem Lernaustausch den Erwachsenen. Nicht alle Erwachsenen konnten diesen Anspruch halten.

 

Wir sehen Kultur als Lernvehikel. Freinet nannte dies „Freien Ausdruck“. Wir sind „Stammkunden“ im Beethovenhaus, oder im Museum König in Bonn. Die Theatergruppe von Zartbitter und der Clown Francesco sind in festen Abständen bei uns. Kein Sportmuseum, kaum ein Jugendtheater, die Eitorfer Kinoinitiative oder der Heimatverein haben uns nicht schon zu Gast gehabt. Das Haus der Geschichte, das Neandertalmuseum, der Kölner Dom, das Schokoladenmuseum, das Hänneschentheater, die Oper standen auf unserem Programm. Bei uns spielt regelmäßig eine lokale Theatergruppe, Goethes Faust wurde von Haydar Zorlu bei uns zuerst in der Schule vorgestellt und viele andere geladene Gäste kamen.

 

In einer so selbst gestalteten Lernumgebung machten und machen die Kinder selbst tolle eigene Theaterstücke. Viele werden nur einzelnen Kindern oder der eigenen Klasse gezeigt, andere der Schulgemeinde, Eltern oder bei öffentlichen Festen aufgeführt. Die Kinder verarbeiten Märchenthemen, spielen auf Englisch, tanzen und singen ihre Stücke und sehr viele beherrschen verschiedene Formen des Boal-Theaters. Es vergeht kein Monat ohne eine Aufführung auf unserer Bühne im Forum während des Morgens, bei der Schulversammlung oder im Abendprogramm der Klassen oder eines Gemeindefests. Eigentlich ist sogar jede einzelne „Dichterlesung“, die jede Woche in jeder Klasse stattfindet mit dem Vorlesen der selbst geschriebenen Texte der Kinder, eine kleine literarische Veranstaltung. Sie sind besser als jeder „Poetry-Slam“, sie sind ohne „Slams“.

Lesungen von eingeladenen Literaten wie beim „Rheinischen Lesefest“ bis zum regelmäßigen Vorlesen in den Klassen und im Ganztag gehören zum Alltag.

Das Lesen wiederum ist eine besondere tägliche Kulturveranstaltung. Die Schule hat mit den Jahren über 5000 Bücher angeschafft. Die Schule ist als Bibliothek in allen Räumen und Gängen eingerichtet.[11]

Besondere Lernevents
In Kooperation mit allen vier Grundschulen der Gemeinde gelang es uns in einer Woche an 70 verschiedenen Orten der Gemeinde über 70 Leseveranstaltungen stattfinden zu lassen. Die Kinder suchten sich (die Eltern mitbringend) die Orte und Personen aus, bei denen sie das Zuhören genießen konnten. Und wie viele Menschen vorlasen, alte Frauen und Männer, die Busfahrerin, der Bürgermeister, Priester, Fußballer, Gemüsehändler, Mütter, Väter und Kinder. So lesen unsere Kinder seither selbst regelmäßig im benachbarten Kindergarten und in Altenheimen vor. Manchmal spielen sie mit ihnen auch richtige Spiele.

Ein anderes Lernereignis war die Woche „Eitorf will’s wissen“, die der Arbeitskreis Inklusion veranstaltete. Diesmal ging das Lernen nicht von Schulen oder Lehrer*Innen aus. Eingeladen hatten Menschen, die etwas zu sagen, zu zeigen oder mitzumachen hatten. Hier waren wie vielleicht in der Zukunft, die Menschen der Gemeinde schon die Organisatoren des Lernens. Immerhin fanden mehr als dreißig Veranstaltungen statt, an denen auch sehr viele Grundschulkinder teilnahmen. Gleichberechtigt mit den Kindern lernten die Erwachsenen. [12]

Da Kinder aus bis zu 70 Kilometern entfernten Orten zu unserer Schule kamen, machten wir keinen Sponsorenlauf, sondern organisierten eine Sternwanderung von verschieden weit entfernten Wohnorten zur Schule. Kinder, ihre Eltern und die Lehrkräfte machten mit.

Wir fuhren in Sechsergruppen mit den Fahrrädern zur 30 Kilometer entfernten Jugendherberge. Wir wanderten in einer Woche von unserer Schule mit tollen Übernachtungen zum Rhein.

Ein anderes Mal wurden Fahrräder von Eltern bis ins Emsland gebracht, wo die Kinder radelnd nicht nur Schiffswerften sahen.

Gewöhnliche Lernevents
Die Briefmarkenausstellung, der studierte Philosoph, um die Frage nach dem Sinn des Lebens anzugehen,  kamen zu uns. Wir fuhren zum Menschenschattentheaterfestival mit einer eigenen Aufführung nach Köln oder bestiegen den im Original nachgebauten Limesturm an der Gemeindegrenze.

Der Bürgermeister kam zu Besuch, das Rathaus erlebte unseren. Ärzte untersuchen nicht nur Zähne, sondern zeigten Skelettaufbauten, machten Hörtest.

Im Gelände lernten Kinder selbst zu mauern, mit Hammer und Nagel Brücken zu bauen oder den eigenen Hochbeete oder eine Kräuterspirale anzulegen.

Ein Vater kam mit seinem gesamten historischen Equipment, um das Leben der Friesen zu zeigen. Ein weiterer machte ein halbes Jahr lang eine „Wikinger-AG“ am Nachmittag. In echten Rüstungen gingen Ritter durch die Schule.

Fast ein ganzes Jahr lang hatten wir eine eigene Kinderfeuerwehr an der Schule. Ein anderes Mal gründeten die Kinder eine eigene Börse oder machten eigene Verkaufsstellen mit eigenem Geld auf.

Wir gingen an die Sandbank unseres Flusses. Unzählige Male lernten und spielten wir in den Wäldern. Wir bauten Schwitzhütten, gruben nach Schätzen oder hielten die Hände in kleine Wasserfälle.

Lernen mit traditionellem Brauchtum
Da unser Ganztag mit einem eigenen Verein abläuft, der Nachmittag gestaltet wie der Vormittag selbst verantwortet in der Betreuung von Lehrerinnen und weiterem selbst eingestellten Personal läuft, heißt diese Firma wie der Ganztag ist: „Feste Langzeit in einer Gruppe“, also „FLieG“. Daher machten wir in wochenlanger Arbeit eigene Verkleidungen mit allem was FLieGt und bauten sogar einen Wagen. Und dann nahmen wir mit einer stolzen und großen Gruppe am Karnevalszug des Ortsteils teil.

 

Zu Sankt Martin werden jedes Jahr die Seitenwände unserer Holzlaternen neu gestaltet und auf dem wöchentlichen „Sing-In“ im Forum der Schule werden die traditionellen Lieder geprobt. Zum Sankt-Martins-Zug, der vom örtlichen Chor organisiert wird, werden diese mit der Band gesungen. Einmal gelang es sogar in der türkischen Bäckerei mit den dortigen Besitzern die Weckmänner zu backen! Dafür singt der Schulchor dann auch auf dem jährlichen türkischen Kinderfest.

Auf dem Weihnachtsmarkt gibt es einen eigenen Stand, wo eigene Produkte verkauft werden. Immer wieder schmückt unsere Schule den großen Weihnachtsbaum auf dem Marktplatz und unser Kinderchor singt auf der Gemeindebühne.

Lernen in Lebensräumen
Unser Schulgelände bietet die Möglichkeit, im kleinen Rahmen, verschiedene Lebensräume von Pflanzen und Tieren im Laufe der Jahreszeiten zu beobachten und zu erforschen:

Da ist ein sumpfiges Schulgelände, in dem sich an einer Stelle das Regenwasser zu einem kleinen Teich ansammelt. In diesem Teich bemerken und beobachten die Kinder im Frühjahr das Gewusel der zahlreichen Kaulquappen. Viele Kinder wissen bereits, wie die Entwicklung und Metamorphose der Kaulquappen weiter geht und erzählen davon im Klassenkreis. Ab jetzt beobachten, erforschen, erzählen und besprechen wir natürlich immer wieder das Geschehen im Teich. Die Kinder entdecken die Schlammschnecken, die Gelbrandkäfer, die Rückenschwimmer und sogar die Libellenlarven und Molche. Es bietet sich an mit den Kindern zu diesem Lebensraum die Vielfalt der darin lebenden Tierwelt auf einem Plakat darzustellen.

Im weiteren Jahreslauf kriegen die Kinder mit, dass das Wasser im Sommer verdunstet und der Teich austrocknet. Sie sind besorgt um "ihre" Tiere, und immer wieder gibt es die Versuche zu verschiedensten Rettungsaktionen. Manchmal kommt ein Mitarbeiter der Biologischen Station Eitorf oder des BUND nehmen Wasserproben und finden für die Kaulquappen ein neues, sicheres Gewässer. Im Winter friert die Oberfläche des Teiches zu. Das ist zum Spielen und "Eisschollen sammeln" schon sehr, sehr reizvoll. Gleichzeitig ist es während der Winterstarre besonders wichtig, den Lebensraum der Tiere nicht zu stören und sie zu gefährden. So ist es äußerst wichtig, dass die Kinder das Eis und damit den Teich in Ruhe lassen. Diejenigen, die im Frühjahr und Sommer die Tiere beobachtet, erforscht und gerettet haben, sind nun im Winter die Beschützer dieses Lebensraumes. Immer wieder können sie sich anhand des Plakates vergegenwärtigen, was unter dieser Eisschicht auf den neuen Frühling wartet. Sie nutzen es, um anderen Kindern die Tiere zu zeigen und den Lebensraum zu erklären.

Und gleichzeitig sind sie jedes Jahr im Frühjahr wieder selber erstaunt und begeistert von dem Gewusel und dem Leben in dieser angesammelten großen Regenpfütze.

Vergleichbar zu diesem Lebensraum bietet unser Schulgelände weitere Lebensräume wie Wiese, Hecke, Bäume, Erde oder auch den Garten.

Lernen in der Arbeitswelt der Eltern
In der Regel wissen Kinder heute nicht mehr, wie der Arbeitsplatz ihrer Eltern aussieht, wie sie arbeiten. Viele Kinder haben Eltern, die schon lange keine Arbeit mehr haben. Sie kennen nur noch die eigene Schule, in der sie seit frühester Kindheit „arbeiten“ müssen. Zuhause erleben sie müde, erschöpfte Eltern, die vielleicht noch Sport treiben oder feiern. So organisierten wir eine Woche als Berufs-Praktikums-Woche für Grundschulkinder. Viele konnten in dieser Woche an die Arbeitsplätze ihrer Eltern mitgehen. Manchmal sogar mitarbeiten. Für andere organisierten wir Besichtigungen an Arbeitsplätzen, wo Eltern der Schule tätig sind. In begleitenden Gruppen wurden die Erlebnisse, Fragen und Erfahrungen aufgearbeitet. So gibt es auch Orte in der Schule, wo Eltern, die nicht Lehrer*Innen sind, arbeiten. Kinder erleben arbeitende Erwachsene in der Küche, im Ganztag, beim Mathe- oder Spanischlernen, im Kunstraum, in der Druckerei, an den Computern, bei der jährlichen gemeinsamen Geländeaktion, bei Saubermachtagen, bei den Fahrradkursen, beim Aufräumen der vielen Büchereien oder selbst beim Bauen von Laternen, Kostümen oder Bühnenutensilien.

Lernen in Projekten
Neben dem Lernen im Ganztag, in der Kinderuni, im Alltag wird auch das „gute, alte“ Projektlernen gepflegt. Hier werden Projekte angeboten mit den Titeln „Inklusion“, „Benehmen“, Techniken des Erzählens, „Indianer“, „Die Erziehung unserer Eltern aus der Sicht der Kinder“, „Piraten schaffen eine Verfassung“, „Indien“, „Leben im Wald“, „Steinzeit“, „Kunststile“,  „Die Rechte der Kinder“ und viele mehr. Hier wird nicht mehr gefragt, wann wir draußen oder drinnen arbeiten. Die Themen geben die Lernorte vor!

Lernen durch Fragen
Wenn wir rausgingen, kamen wir mit „Fragen zur Welt“[13] zurück. Wir führten auf unserer Schulversammlung die „Frage der Woche“[14] ein. Wenn wir eine Frage nicht selbst beantworten konnten, luden wir Expertinnen und Experten ein oder gingen zu ihnen, oder wir riefen an, fragten zuhause bei Verwandten oder schrieben sie per Mail oder gelber Post an. Wir googelten oder, wenn wir nichts fanden oder kein Buch zum Thema hatten, bestellten wir eins in unserer Buchhandlung. Wir lernten uns selbst Dinge anzusehen, anzuhören, anzufassen, eigene Theorien und Hypothesen aufzustellen und mehr als nur eine Antwort zu finden. So lernten wir auch selbst Versuche zu entwickeln oder solche zu finden.

Lernen mit Universitäten und Hochschulen
Viele Unis lassen ihre Studies bei uns ihre Arbeiten und Doktorarbeiten schreiben. Auch diese Begegnungen finden in der normalen täglichen Lernarbeit statt. Diese Reibung mit den wissenschaftlichen Interessen der Lehrerinnenbildung und Forschung macht ein hoch spannendes Lernen für die Kinder möglich. Hier gehen sie Fragen nach wie „Wie funktioniert die Inklusion im Alltag?“, „Was ist Freizeit für Kinder“, „Wie entwickelt ist die Sprache bei Kindern in deren Elternhaus Deutsch gesprochen wird“, „Wie gehen Kinder mit dem Offenen Lernen um“, „Welches Verhältnis haben sie zum Pausenmachen und zum selbst bestimmten Arbeiten“, „Was ist Zeit für Kinder“, „Wie erleben Kinder Alters gemischtes Lernen“, und, und, und.

Da kommen in zwanzig Jahren Studierende, ganze Seminare, Doktoranden und Lehrende von den Unis Bielefeld, Köln, Siegen, Bonn, Koblenz, Bremen, Kassel, Oldenburg, Paderborn,  Freiburg, Heidelberg, Aachen, Osnabrück, Kiel, Flensburg, Hamburg, Berlin, Frankfurt, München, … , aber auch aus Riga, Zagreb, London, Liverpool, Klaipėda, Tokio, Bozen, Klagenfurt, Linz, Amsterdam, Dublin, Ljubljana, Lyon oder Zürich. Sie machen Forschungsarbeit mit unseren Kindern. Und das färbt ab. Das verändert den Lernbegriff einer Schule und zumindest einiger Menschen von Universitäten. Kinder dürfen hier zu Menschen wachsen, die gelernt haben, dass das Lernen in der Schule das Lernen in der Welt bedeutet. Sie wurden rausgelassen aus der gewöhnlichen Schule.

Draußen wieder Lernen lernen

In der deutschen Bildungslandschaft wurde versucht Kindern auf schulischem Wege, unterrichtlich „wieder“ das Lernen zu lehren. Es wurde „Lernenlernen“ genannt und sollte mit Arbeitsblättern, in spielerischen Übungen, in kontrollierten Lehrgängen, in der Reproduktion und Anwendung der Testsituation sogar in Gymnasien vermittelt werden.

Nicht bedacht wurde, dass unser Lernen in der Schule zu allererst, wie - die heutige Helikoptererziehung - eine Erziehung zur kreativen Anpassung, zum selbst verantwortlichen Funktionieren und zum offenen gesellschaftlichen Einpassen ist. Du erziehst nicht mit den Mitteln des Einfügens zum Finden der Wege in die Freiheit.

Erst, wenn du der „Wildnis“, der Natur des Waldes, der Seen und Landschaften, direkt begegnest, kann sich dein Lernen von der Forderung der durchorganisierten, der sich selbst entfremdeten technisierten und elektronisierten Welt nach An- und Einpassung so ablösen, dass sich ihre Beeinflussung, ihre Manipulation loslässt.

 

Erst wenn du ohne Sicherungen, Erklärungen, Hilfestellungen, Wegweiser, Leitfäden, ohne Führer und vorgefertigte Weltanschauung selber lernen darfst, lernst du dich selbst und deine Freiheits- und Lebensfähigkeit kennen. „Draußen“ hast du weniger vorgegebenes schulisches und erzieherisches System, dass dich auf deinen erfolgreichen Wegen durch ein fertiges und beschriebenes Bildungssystem lehrt, genau das zu kapieren, was dieses System von dir will. Es will funktionierendes Humankapital, so, wie das System es für richtig hält. Es will dich glücklich sehen, wenn du so wirst, wie andere dich – „zu deinem eigenen Vorteil“ - haben wollen.

In der Natur bleibt dir nichts anderes übrig, als sich nur dem Notwendigen anzupassen. Es reduziert individuelle und soziale Erfahrungen auf die Basis dessen, was Überleben und gemeinsam leben brauchen. Du musst nicht alle Räder neu erfinden. Du wirst in der Natur nicht demokratisches Menschenrechtsdenken lernen. Aber du begreifst die Grundlagen von Leben, die dir in der hochkomplexen Lehrsituation von Schule unerkannt bleiben können.

 

Draußen lernen kann dich Basics erleben lassen, die du weder intellektuell, noch ästhetisch, noch spielerisch oder elektronisch in der künstlichen Realität, auch noch so komplex nachgebildeter schulischer Lernlandschaft angeboten wird. Es geht nicht um das „Zurück zur Natur“, sondern um „gründliches Freies“ Lernen. Und das beginnt draußen, führt immer wieder in die Wirklichkeit und würde Besser“ außerhalb der Schule, in der Wirklichkeit stattfinden.[15]

Lernen in der Zukunft
Wenn(!) Menschen gelernt haben wieder „draußen“ zu lernen, was „draußen“ geht, haben sie verstanden wie sie selbst lernen: Ein bereit zu sein, die Schule jederzeit zu verlassen, wenn sie draußen besser lernen können. Sie müssen lernen zu erkennen, wann sie draußen besser lernen und dies durchzusetzen, sich selbst gegenüber und der Institution. Es geht nicht darum wie auf extrinsischen Wegen Gehirn und Geist zur intrinsischen Lernfreude motiviert werden, sondern wie die Menschen ihre eigenen Kräfte selbst erkennen und erforschen, damit sie als Gesellschaft deren ihr innewohnenden Lernkräfte in Bewegung bringen. Das geschieht nicht von selbst!

Das muss die Gesellschaft wie der einzelne Mensch begreifen, wollen und tun. Wie lernst, du zu allererst für dich lernst, damit du die Gesellschaft durch deine Vielfalt in ihrer Vielfalt bereicherst. Und es soll nicht umgekehrt gehen, wie du es heute in der Schule lernst, wo  du zuerst für die Gesellschaft lernst, damit du dich an ihr bereichern kannst.

Es geht nicht darum, ob Lernen drinnen oder draußen stattfindet. Es geht vielmehr um die Frage, ob es dem Lernen in der Zukunft gelingt sich so zu vernetzen, dass Menschen mehr, besser, individueller, kooperativer, gesünder, friedlicher, demokratischer und glücklicher lernen und leben. Die Form des heutigen schulischen Lernens entspricht nicht den Anfordernissen der Inhalte der Menschen der Zukunft.

Bleibt das Lernen taylorisiert[16] in Kapiteln, Einheiten und Fächern, gedrückt in Schulstunden und Klassenverbände, gelenkt von überholten Schulbüchern, dirigiert von überforderten Lehrpersonen, dem Kontrollwahn der Teste und Abschlüsse ausgesetzt, selektioniert in Schichten und Kasten, haben wir nicht nur in der Zukunft, sondern heute schon erhebliche Probleme.

Bleibt Schule wie sie ist, selbst, wenn sie verbessert wird, werden wir bestenfalls lernen die Medien, mit denen wir in Berührung kommen, zu bedienen. Wir werden lernen sie so zu bedienen wie die sozialen und öffentlichen Medien uns dirigieren.

Die Zukunft einer demokratischen offenen Gesellschaft liegt alleine in Menschen, die jedes Medium so beherrschen, dass wir nicht von dem beherrscht werden, was sonst uns beherrscht. Das heißt, dass der Mensch der Zukunft entscheidet, Zugang zu jedem von ihm gewollten und gebrauchten Wissen zu haben, nicht die Medien, Schulen und Universitäten.

Wenn der elektronische Frühling innerhalb der Mauern der jetzigen Schule bleibt, werden wir uns in kommenden Wintern weder in der Natur noch in der Gesellschaft zurechtfinden.

Öffnen wir das Lernen in jeder Schule jetzt, nach Innen und nach Außen!

Was wir lernen und leben möchten und müssen, findet in der Welt statt, die wir schaffen!

 



[1] Walter Hövel. Draußen-Tage: Kinder erfinden ihre Lernwerkstatt. In: Beiträge zur Reform der Grundschule-Band 137, Lernwerkstätten. Potentiale für Schulen von morgen. Herbert Hagstedt/Ilse Marie Krauth (Hrsg.) Grundschulverband, Frankfurt/Main 2014. S. 76-86

[2] Walter Hövel. Forschen, Entdecken, Erfinden, Tüfteln, Untersuchen und Experimentieren, Fragen und Lernen, Sich zu mehr Lernqualität durchfragen. Eitorf 2014. Download: http://www.grundschule-harmonie.de/assets/Uploads/PDF/Artikel/Fragen-und-Lernen-ult.Fassung.pdf
Walter Hövel. Neues aus der Kinderuni, Kinder machen Geschichte, Fragen von Grundschulkindern zu

Vergangenheit und  Geschichte. Download: http://www.grundschule-harmonie.de/assets/Uploads/PDF/Artikel/Neues-aus-der-Kinderuni.pdf  

Walter Hövel/Kollegium der Grundschule Harmonie. Fragen der Kinder zu Vergangenheit und Geschichte. Eitorf 2014. Download: http://www.grundschule-harmonie.de/assets/Uploads/PDF/Artikel/Fragen-der-Kinder-zu-Geschichte-und-Vergangenheit.pdf

Ulli Schulte, Natürlich Natur,  2009. Download: http://www.grundschule-harmonie.de/artikel-pdf/Natuerlich%20Natur.pdf

[3] http://www.grundschule-harmonie.de/veroeffentlichungen/chronik/
Jürgen Göndor, Uschi Resch (Hrsg), …hier lerne ich was ich will, Lernen an der Grundschule Harmonie und im Offenen Unterricht, Festschrift April 2009. Download:
http://www.grundschule-harmonie.de/artikel-pdf/Artikel_2_pdf/Festschrift_Hoevel.pdf

[4] Walter Hövel. Hier kannst du immer raus! Das Schulgelände der Grundschule Harmonie als Teil des Lernkonzepts. Eitorf 2015. Download:http://www81.jimdo.com/app/sfea7765bba5fbb81/p559d653488a8d029?safemode=0&cmsEdit=1

[5] Ulli Schulte. Unser Chorprojekt „Rock und Pop for Kids“. Eitorf 2013.

Download:   http://www.grundschule-harmonie.de/aktuelles/unser-chorprojekt-rock-and-pop-for-kids/

[6] Walter Hövel, Kinder der Grundschule Harmonie, Zwischen Selbstbestimmung und Anpassung, Film 2009

Download: http://www.youtube.com/watch?v=DwX1IhHheBg&feature=player_embedded

[7] Walter Hövel. Von der Briefkorrespondenz zum Lernen in der Welt durch Korrespondieren. The Writes of Children. 20 Jahre Lernarbeit mit der Korrespondenz an der Grundschule Harmonie.

Download: http://www.grundschule-harmonie.de/assets/Uploads/PDF/Artikel/Vom-Lernen-mit-der-Korrespondenz-in-der-Klasse....

Walter Hövel. From learning with correspondence in a class to corresponding in the world as a learning community. The Writes of Children. The development of correspondence at Primary School Harmony from 1995 to 2015. Download: pdfhttp://www.grundschule-harmonie.de/assets/Uploads/PDF/Artikel/correspondence-within-20-years.pdf   

[8] Walter Hövel. Herausfordernde Mathematik. Eitorf 2013.

Download: http://grundschule-harmonie.de/assets/Uploads/PDF/Artikel/Herausfordernde-Mathematik-1.pdf

[9] Ulli Schulte.  Rechnen mit Muggelsteinen. In: Fragen und Versuche 148/2014.

Download: http://www.grundschule-harmonie.de/assets/Uploads/PDF/Artikel/Rechnen-mit-Muggelsteinen.pdf

[10]Walter Hövel, Kinder-Uni selber machen! Wer forschend und eigenständig lernt, entdeckt die Universität wieder, Eitorf 2011

Download:  http://www.grundschule-harmonie.de/artikel-pdf/Artikel_2_pdf/Kinder_Uni_selber_machen.pdf

 

[11]Walter Hövel, Ulrike Schulte, Frank Trienenjost. Unsere Schule ist eine Bibliothek. Download: http://www.grundschule-harmonie.de/unterricht/bibliothek/

[12] Viola Altenburg,  Angela Conrads, Walter Hövel, Anja Löhr, Uschi Resch, Ulli Schulte,  Jürgen Selge, Peter Welteroth. Eitorf will’s wissen. Eine Aktion in Inklusion. Eitorf 2015.

Download: http://www.alleinklusive.de/index.php/eitorf-will-s-wissen

[13] Walter Hövel, Uschi Resch, Fragen zur Welt, 2000,

Download:  http://www.grundschule-harmonie.de/artikel-pdf/Artikel_4_pdf/Fragen%20zur%20Welt.pdf

[14] Walter Hövel, „Die Frage der Woche“ an der Grundschule Harmonie

Download: http://www.grundschule-harmonie.de/artikel-pdf/Artikel_2_pdf/Fragen%20der%20Woche%20Schuljahr%202009.pdf

[15] Walter Hövel. Kinder brauchen das ganze Dorf. In: Rabensteiner/ Rabensteiner. Internationalization in Teacher Education. Interculturality. Volume 2. Schneider Verlag. 2014. S.187-214

 Walter Hövel. Children Need the Whole Village. In: Rabensteiner/ Rabensteiner. Internationalization in Teacher Education. Interculturality. Volume 2. Schneider Verlag. 2014. S.215-240

Download: http://www81.jimdo.com/app/sfea7765bba5fbb81/pd187fdc847ed5582?safemode=0&cmsEdit=1

 

[16] Taylor (1856–1915) führte zur Steigerung des Gewinns die Zerteilung des Arbeitsprozesses z.B. in Fließbandarbeit bei Ford ein. Dies wurde als Häppchen-Trichter-Reproduktions-Pauken durch Unterrichtsstunden, Lektionen und Tests  auf Schule übertragen