Walter Hövel
Sich selbst, dem Anderen und an das Lernen glauben

Da fahre ich gerade mit einer Studentin von Köln nach Eitorf zurück, wo wir beide wohnen. Sie ist Studentin des Studiengangs „Pädagogik, Entwicklung und Inklusion“  an ihrer  Uni. Sie arbeitet seit drei Semestern zwei Tage in der Woche an unserer Schule, eine Form der Verzahnung von Praxis und Theorie innerhalb ihres Studiengangs.

Sie hatte mich gebeten sie zu begleiten. Sie hatte selbst einen Termin gemacht, bei den Montagsstiftungen in Köln. Sie bereitet mit noch drei Kommilitoninnen eine Tagung an ihrer Uni vor, als Studentin! Ihr Besuch in Köln war erfolgreich, sehr erfolgreich.

Auf der Rückfahrt unterhalten wir uns darüber, dass sie ja Schülerin an der Grundschule Harmonie war, ihr erstes Schuljahr ist 16 Jahre her. Sie war Schülerin „meiner“ Klasse der „ Himmelskinder“ und erinnert sich noch an einiges. „Wir haben doch einmal in der Woche draußen gelernt?“  - „Wir haben Bücher gemacht mit unseren eigenen Texten“ -  „Wir haben selbst gelernt“ – Und der Kreis“ …

Wir reden darüber, dass ihre „Mama“ nicht wirklich daran geglaubt hat, dass ihre Tochter einmal Abitur machen würde, dass die Mutter der Schule mit ihren offenen Lernformen nie wirklich traute.

Auch heute, über 10 Jahre später, ansichtig des Erfolgs ihrer Tochter, tut sie es nicht. Ihre Tochter hat als erste in der Familie nicht nur Abi gemacht, sondern wurde eine  tolle erfolgreiche Persönlichkeit.

Einerseits hat die Mutter  natürlich recht. Schule wird immer überschätzt, und eigentlich hat Schule mit dem Erfolg und dem Lebensweg dieser jungen Frau nichts, oder am wenigsten zu tun. Auf jeden Fall weniger als die junge Frau selbst, oder ihre Familie, oder ihr Lebensweg.

Aber immerhin hatte ihre Grundschule mehrere wissenschaftliche und kritische Untersuchungen, die alle nachweisen, dass sie nicht nur eine größere Zahl Kinder an die  „höheren“ Schulen „schickt“, sondern dass diese Schülerinnen und Schüler in der gleichen überzeugenden Zahl auch erfolgreicher waren und sind als der Bundes- oder Gemeindedurchschnitt.

Aber es nutzt nichts. All das, inklusive des sichtbaren persönlichen Schicksals der eigenen Tochter, all die Erfolge der Schule nutzen nichts, wenn die Menschen es nicht nützen lassen wollen. Es gibt immer noch Leute, die es so sehen und sagen wollen, dass es aussieht als funktioniere diese Schule nicht. Sogar Priesterinnen, Erzieherinnen, Politiker und Lehrerinnen leugnen gegen erfolgreiche Schulinspektion durch die „Qualitätsanalyse“ oder Auszeichnungen.

Es ist die Frage der Einstellung. Wenn du nicht gelernt hast dir selbst zu trauen, so kannst du auch nicht deinen Kindern trauen. Wenn du selbst Schule negativ erlebt hast, oder sie auch nur so wie sie war, kannst du ohne Verarbeitung Schule nicht trauen.

Wenn du nicht gelernt hast Demokratie und Offenheit und Ästhetik zu trauen,  dann kann auch das erfolgreich Andere nicht das deine werden.

Du musst von Anfang an trauen, lieben(?), es selber wollen, es wünschen … und diese Wunsch- und Glaubenskraft wird ein Teil der Veränderung selbst.

Du musst daran glauben, dass dein Kind selbst lernt, dass Kinder selbst lernen und die Kinder tun es nicht nur an der Grundschule Harmonie.