Demokratie ist kein schmückendes Beiwerk einer guten Schule, nicht Lernziel zur Kompetenzbereicherung von Kindern.
Demokratie verwirklicht sich in der Art und dem Inhalt des freien Lernens selbst.
Lehrkräfte sind keine Herren über Kinder. Sie sind nicht die allmächtigen Vermittler der Inhalte der Fächer.
Ihre Aufgabe ist es, jedes Kind beim erfolgreichen Verstehen seiner selbst, seines Lernens und seiner Welt zu begleiten.
Lehrkräfte sind Lernkräfte

 

 

 

Walter Hövel
Wir brauchen ein anderes Lernen
Weil die Gesellschaft anders wird

 

 

 

Leider ist das, was wir heute als Lernen in Schule und als Kindheit kennen, Resultat eines anderen als eines demokratischen oder eines „genetischen" Weges.

 

 

 

Dieser Weg ging aus von der heute alles prägenden Industrialisierung der Gesellschaft. Sie begann vor 200 bis 300 Jahren in der Auseinandersetzung zwischen Feudalismus und Bürgertum. Daraus ergab sich die uns bekannte Schule des privilegierten Bürgertums.

 

 

 

Die Grundstruktur unseres Schulwesens und des in ihm praktizierten Unterrichts sowie des vorwiegenden Verständnisses von Leistung ist nach wie vor entscheidend durch das im 19. Jahrhundert ausgebildete Modell bestimmt.“1 So schrieb es der Bildungswissenschaftler Wolfgang Klafki 1976. Seither hat sich Die Bildung, Kindergarten und Schule nicht grundlegend verändert, sondern ist genau die, die damals grundgelegt wurde.

 

 

 

Geleitet wurde diese Schule in den Aufs und vielen Abs der preußischen, deutschen und europäischen Geschichte der letzten zwei bis drei Jahrhunderte, Die aufklärerischen und demokratischen Ideen eines Comenius, Diesterweg, Fröbel, Fichte, Goethe, Herder, Schiller, Schleiermacher, der Gebrüder Grimm oder Humboldt prägten - mit den Neuerungen von Gesellschaft und Wirtschaft - diese Mischung aus Reformpädagogik und Veränderungspädagogik.

 

 

 

Die Grundstrukturen der heutigen Schule sind, so erläuterte Klafki, „vielmehr in zunehmenden Maße nach dem Abklingen der Reformimpulse des beginnenden 19. Jahrhunderts in den sich restaurierenden, zentralistisch-bürokratisch organisierten Obrigkeitsstaat integriert worden. Sie wurden weitgehend Stabilisierungsfaktoren eines antidemokratischen Systems und einer neuen Fixierung sozialer Klassen- und Schichtengrenzen. Das Bürgertum, genauer, das gehobene und das aufstrebende mittlere Bürgertum erkämpften sich – auch in Form der staatlich getragenen höheren Schule und des mittleren Schulwesens sowie des pädagogischen Leistungsprinzips – gegen feudale Privilegien neue Möglichkeiten neuer wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Entfaltung. Aber es schottete diesen neu gewonnenen Entwicklungsspielraum zugleich und in zunehmenden Maße bewusster gegen die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung ab…“2

 

 

 

Deutlicher und schonungsloser kann es der bürgerlich anerkannteste und vielleicht bekannteste deutsche Pädagoge nicht ausdrücken. Unser Staat und das bestimmende Bürgertum wissen also was sie tun!

 

 

 

Schon 1957 sagte der Soziologe Helmut Schelsky, dass die deutsche Schule „zur entscheidenden zentralen Dirigierungsstelle für die künftige soziale Sicherheit, für den künftigen sozialen Rang und für das Ausmaß künftiger Konsummöglichkeiten“3 wird.

 

 

 

Mit dem „Konzept eines für alle Schüler gleichen, verbindlichen Fächerkanons“ war verbunden „die Einrichtung der Jahrgangsklasse mit dem für alle gleichen Jahrespensum, des Systems der Klassenarbeiten, der Zensuren und Zeugnisse, die einseitige Betonung geistiger Zucht, der Fixierung auf den lehrerzentrierten Unterrichts, der die Erreichung des vorgeschriebenen Pensums garantieren sollte, auf die Aneignung von verfügbaren Kenntnissen und Fertigkeiten.“4

 

 

 

In dieser immer noch existierenden und immer wieder restaurierten Schule wurden und werden Antworten verlangt, die am besten der Meinung der Fragenden entsprechen. Nach diesen Antworten wurde und wird be“wertet“, getestet, benotet, sortiert, versetzt, ausgesondert und selbst Schule wurde wie die Gesellschaft gegliedert. Zunächst in Eliten, mit hoher Bildung. Dann in einen riesigen Verwaltungsapparat mit einer zunächst „volkstümlichen“, dann „allgemeinen“ Bildung.

 

 

 

Deren Repräsentanten, die Bevölkerung lernte auf jeden Fall sauber Abschreiben, Aufschreiben, Rechtschreiben, Rechnen und Durchlesen und Vorlesen. Diese Übungen werden als „Kulturtechniken“ verbrämt.

 

 

 

Last but not least gibt es ein Heer von minder qualifiziertem „Volk“, früher für die Arbeit in Fabriken, bei Militär, auf den Feldern, im Transport, bei den Dienstleistungen und Handlangerarbeiten und heute als Billiglohnarbeiter, ausländische preiswertere Arbeitskräfte und arbeitslose Reserve. Hierbei spielt es heute eine vage Rolle, ob sie an verschulten Universitäten oder gar schlecht, “nur“ für den Beruf oder berufliche Abrufbarkeit oder die andauernde Arbeitslosigkeit an „unteren“ Schulen ausgebildet wurden.

 

 

 

Die Oberen sagen, was getan wird, die Mittleren wie es getan wird und die Unteren fragen am besten gar nichts, es sei denn, sie können den Therapeuten bezahlen, der ihnen das Fragen wieder mühsam beibringt.

 

 

 

Je niedriger die Bildung desto geringer gefragt, und gefährlicher, war das Stellen eigener Fragen. Es wurden „Kulturwissen“, Religionslehren, Ideologien, Regeln, Vorschriften und Gesetze auswendig gelernt und zitiert und gerne in Merksätzen geantwortet. Es entstand unsere äußere und innere Differenzierung, mit Selektion und Aussonderung, als Schul- und Bildungssystem.

 

 

 

Schule bekam die Aufgabe die Ströme der Menschen dahin zu dirigieren, wo sie hingehörten, in die Leitung, in die Verwaltung oder ins „Praktische“, und heute in eine Freizeit der Rekreation von der Überanstrengung der Arbeit oder eine Gestaltung der Freizeit in Sinn und Psyche entleerende Arbeitslosigkeit. Bis heute existieren mit Gymnasien, Realschulen und Hauptschulen diese alten Lenkungsinstitutionen. Auch in den „neuen“ Gesamt-, Sekundar-, Mittel- oder Sonst-Wie-Schulen herrscht immer noch die Ideologie der Selektion, der „Überprüfung von Leistungen“, der Einteilung von „guten“ und „schlechten“ Schülern.

 

 

 

Bis heute entstehen so millionenfach geistige, psychische und körperliche Schädigungen. Die Macher dieses System Bildung sind verantwortlich für die verursachten Opfer der Krankheiten durch Selektion und Scolatismus, für viele Formen der sozialen und geistigen Armut. Jeder OECD-Bericht bestätigt dies, aber kein deutscher Politiker will die Verantwortung übernehmen.

 

 

 

Gegen die herrschende Wirtschaft und Familien, ihre Erziehung und Bildung stellte sich seit Beginn der technischen Revolution bis 1990 eine gewaltige Macht, die der sozialistischen Bewegung und ihrer verschiedenen Staaten. Sie versuchte an die fortschrittlichen Ideen der bürgerlichen Revolution anzuknüpfen. Aber ihr kommunistischer Teil akzeptierte nicht den Weg der Freiheit der Persönlichkeit. So scheiterten sie an sich selbst, als „schlechterer“ Teil einer bürgerlichen Wirtschafts- und Bildungsordnung.

 

 

 

Ihnen war der die Stärkung des eigenen Staates wichtiger als die Kooperation und Selbstbestimmung des eigenen Volkes. Sie wurde vom US-amerikanischen und der mit ihr im Bündnis stehenden Westeuropäer, Australier und anderen Staaten durch die Anlockungen einer Konsumgesellschaft besiegt. Die sozialdemokratischen Teile der Arbeiterbewegung konnten, solange der „Reale Sozialismus“ existierte, in den Ländern des herrschenden Kapitalismus ein Gleichgewicht herstellen zwischen Ausbeutung und Entlohnung. Mit der Niederlage des kommunistischen Lagers wurde auch ihr Niedergang eingeläutet.

 

 

 

In den wirtschaftlich schon vorher unterentwickelten Ökonomien von Russland über China bis Polen oder Tschechien blieben Reste einer anderen Ideologie, die aber schnell und umfassend von eigenen eher neuen national-bürgerlichen Kräften ersetzt wurden. In allen Ländern der Welt gewann eine Ideologie des Bündnisses zwischen neo-liberalen, elektronischen und Medien basierten Herrschaftsformen.

 

 

 

Seither kämpft ein Land gegen das andere. Die einen fürchten die Wiederkehr einer noch rigoroseren Ausbeutung, die anderen den Beginn neuer revolutionären Zeiten, um einen neuen Weg zu finden.

 

 

 

Heute sind die „Klassen und Schichten“ durch die Drittelung der Gesellschaft „ergänzt“ und die Abschottung der großer Teile der bürgerlichen Mittelschichten funktioniert weiterhin, gegen Kurzzeitarbeitende, Hartz4-Empfänger, „Randgruppen“ und gegen die Opfer der Globalisierung in den eigenen Reihen. Sie produzieren alte und neue prekäre verarmende Schichten, einen neuen Imperialismus, libertär-elitäre Ideologien der verängstigten Verteidiger ihres Wohlstandes und immer weniger, aber reicher und mächtiger werdende Konzerne und ihre Besitzer.

 

 

 

Sie brauchen gleichzeitig dringend qualifiziertere Menschen um ihre Entwicklung von Technik, Wissenschaft und Wirtschaft in ihrer marktführenden Position halten zu können. Sie brauchen dringend besser gebildete Schichten, die für wenig Geld die sportliche, gesundheitliche und intellektuelle Pflege und Konsumfähigkeit der Menschen aufrechterhalten. Sie brauchen dringend eine Reservearmee von Menschen, die so gebildet ist, dass sie sozial stillhält, steuerbar und die eigene „Freizeit“ generierfähig ist.

 

 

 

So wird die herrschende Schul- und Bildungsstruktur verteidigt bei dem gleichzeitigen Versuch sie den Bedürfnissen der Gegenwart und einer unbekannten Zukunft anzupassen. Dabei wird aber nicht auf die Lernstärke aller Menschen gesetzt, sondern auf die Ausbildung ausbildender Ausbilder*innen und den didaktisierten Unterricht. Auch hier befinden wir uns in einem unterschiedlich gehandhabten Dreieck. Der Einsatz der Menschen könnte als russisch-finnischer Weg gesehen werden, der der Ausbilder als amerikanisch-britischer und der der Didaktik und des Unterrichts als deutscher Weg.

 

 

 

Und das versuchen die Mächtigen, Meinungsbildenden und Regierenden mithilfe eines bestehenden übernommenen Bildungssystems zu tun. In Deutschland wollen sie einerseits das bestehende Bildungssystem mit ihrer Selektion, der staatlichen Vorgabe der Lerninhalte und einer Erziehung zum funktionierenden Untertan erhalten. Andererseits geben sie Mittel aus, dieses System und seinen Output in Entwicklung und Ausbildung zu optimieren und modernisieren. Beim ersten finden sie große Teile der Bevölkerung auf ihrer Seite. Beim zweiten kooperieren sie mit jenen Kräften, die für die Menschenrechte und der immer weitergehenden Selbstbefreiung und Lernautonomie des Menschen eintreten und arbeiten. Anders ausgedrückt kommen sie einerseits aus der obrigkeitsstaatlichen feudalen, andererseits aus der amerikanisch-französischen Auffassung einer Vergangenheit und Zukunft mit bürgerlichen Menschenrechten.

 

 

 

Die verschiedenen und widersprüchlichen Kräfte, die in ihr heute wirken sind demokratisch - menschenrechtliche, soziologisch-systemische, rückwärtsgewandte, zur Veränderung bereite und simpel bestimmende auf die wirtschaftlichen Gewinn- und Machtbedürfnisse ausgerichtete. Sie werben mal mit Elektronik, mal mit Konsum, mal mit Menschlichkeit, mit Sicherheit oder Freiheit, mal mit Schutz von Wasser, Welt und Leben, mal mit Liberalismus oder mit ihren Religionen.

 

 

 

Erst allmählich entwickelte sich mit der Bundesrepublik Deutschland eine Auffassung von staatlicher Schule, die auch die Erziehung zu und den Schutz von Demokratie und Menschenrechten sich zur Aufgabe macht. In einer sich nur schleppend verändernden inneren und äußeren Schullandschaft fühlen sich auch heute noch Verfechter der Demokratie und Kinderrechte in der deutschen Schule oft genug in der Minderheitenposition. Engagierte Menschen in Schule und Bildung haben oft das Gefühl, die Schulentwicklung geht immer einen Schritt vorwärts und zwei zurück.

 

 

 

Viele Veränderungen brachten erst die Roths, Wenigers, Klafkis, Meiers und Brügelmanns in den Jahren seit 1945. Aber diese oder andere Namen rückten – im Gegensatz zu einigen der eben genannten - nie in das gesellschaftliche oder subjektive Bewusstsein „der Deutschen“. Lehrer*innen kennen sie höchstens, weil sie ihre Werke lesen mussten oder in der Ausbildung ihre Namen hörten.

 

 

 

Erst die reformierte und reformierende Praxis einer Maria Montessoris, von Elise und Célestin Freinets, Alexander Neills, vieler anderer, auch Nicht-Pädagogen brachten das Durchsetzen der Erweiterung des Bildungsdenkens. Mit den vielen internationalen freien, alternativen und sehr wenigen staatlichen Schulen oder einem John Deweys entstanden mit dem Beginn des 20.Jahrhunderts alte, oft neue Ansätze. Sie gaben der Geschichte der Pädagogik vor allem in Europa eine positive Alternative.

 

 

 

Heute sind es Nichtpädagogen, wie die Hirnforscher Spitzer und Hüther, Kinderärzte wie Largo. Pikler, Korczak oder Renz-Polster, Therapeuten wie Juul oder Perls, Künstler wie Boal oder Miro, Philosophen wie Precht oder von Foerster, die die Richtung des Lernens im Sinne eines Freiheitsgedankens vermenschlichen.

 

 

 

Heute gibt es das Gros der User, die Medien lesen, eingeben, kopieren, verbreiten, „verarbeiten“ und auswerten können sollen. Bald schon werden Maschinen diese „Arbeit“ den Menschen abnehmen. Die heutige Schule wird dann überflüssig oder eine vollkommen neue Bedeutung erhalten.

 

 

 

Doch niemand weiß oder ahnt wie sich Zukunft entwickelt! Es gelang noch nie sie vorherzusagen. Die Vergangenheit von Gesellschaft und ihrer Bildung versprechen wenig. Doch der Rückvergleich von Vergangenheit und Gegenwart ist frappierend. Die Vorhersagekraft der Vergangenheit ist miserabel. Der Rückblick auf Vergangenheit auch. Es gibt eben keine Zeit. Es gibt in Zukunft aber alles was wir heute schaffen.

 

 

 

Schon heute müssen wir die Diskussion um unser zukünftiges Lernen führen, da sonst wieder andere, „gegen „Reformimpulse entscheiden werden“. Ein Weg ist: Wenn die Erwachsenen sich als dazu unfähig erweisen, werden die Kinder selbst es tun müssen.

 

 

 

Die Zukunft braucht weder die Untertanen der Vergangenheit noch die Funktionierenden, kreativen der Jetztzeit. Die Zukunft wird wenige Spezialisten brauchen, die mit Maschinen, Computern und Robotern bauen und mit ihnen umgehen können. Sie wird jene brauchen, die für wenig Geld diese elektronischen Konstrukteure pflegen und die nichtarbeitende Masse der Menschen „versorgend“ in Schach hält. Die Drittelung verfällt, weil weniger entfremdet arbeiten können.

 

 

 

Wird es wieder jene Adligen und Familien geben, die ihren Reichtum und ihre Macht an ihre Nachfahren vererben. Neue Adelungen werden an die vergeben, die mit neuen Ideen reich werden. Es wird wenige Begabte und Aufsteiger geben, die die Maschinen schaffen und kontrollieren. Es wird viele geben, die pflegen, reparieren, bilden und für „Sicherheit“ sorgen. Es wird eine Reservearmee geben, die bereit stehen für Armeen und zufällige Jobs. Es wird den Abschaum der Armut und Dummheit geben, die ausgeschlossen werden. Oder?

 

 

 

Gelingt uns mehr? Gelingt eine Veränderung? Gelingt es auch die Ärmsten der Armen mit dem lebensnotwendigen zu versorgen? Gelingt eine gesellschaftliche Inklusion? Oder?

 

 

 

Gibt es wieder die „Mischung“? Die Mischung aus Macht und die Hoffnung, die von den Menschen in eine immer neue ungewisse Zukunft führen wird? Verlassen die, die auch die Zukunft bestimmenden sich auf das Sehnen der Mehrheiten nach guten „alten Zeiten“ (,die es nie gegeben hat)?

 

 

 

Verlassen sie sich auf jene, die sich für ihre Kinder ritterliche Erziehungsziele wie Höflichkeit und Ehrlichkeit wünschen? Wollen sie die Menschen, die sich unter Freiheit die Rechte der Ritter und Feudalherren, die das machen, was sie bezahlen können. Oder jene, die unter Frieden den Schutz der Be“friedung“ um ihr Haus verstehen oder jene, die lieber um das Überleben sterben als für ihre Freiheit zu leben.

 

 

 

Wir Menschen sind so reich, dass wir bereits sieben Milliarden Menschen ernähren können. Wie viele werden es, wenn wir reicher, klüger und gebildeter werden? Oder werden es wieder weniger durch Kriege, Hungersnöte und Seuchen. Oder werden es mehr, weil die Zukunft mit ihren Maschinen die Heere der Prekären kontrolliert und beherrscht?

 

 

 

Werden die Bürgerlichen zu ihren eigenen Idealen stehen, wenn sie Gleichheit, Brüderlichkeit (heute besser “Menschlichkeit“) und Freiheit forderten. Stehen sie zur Unabhängigkeitserklärung: „We hold these truths to be self-evident, that all people are created equal, that they are endowed by their Creator by certain unalienable rights, that among these are Life, Liberty and the Pursuit of Happiness“

 

 

 

Dieser Teil der „Declaration of Independence“ ist wohl die Mutter aller Menschenrechte unserer „modernen“ Zeit. Hier entspringen die Rechte der Kinder, wie sie für Bildung und Erziehung bei Korczak, Montessori, Freinet, Dewey und später in der Kinderrechtsdeklaration der UNO, in den Inklusions-Vereinbarungen, unterschrieben und ratifiziert von Deutschland und zum Beispiel in den „Global Goals“ der UNO zum Ausdruck kommen.

 

 

 

Bekannter Weise hatten die Erfinder dieser Zeilen noch so ihre Probleme mit „all people“. Mal waren nicht unbedingt alle Frauen gemeint, mal nur weiße amerikanische Männer, sehr oft nicht die Sklaven, aber auch nicht immer die schwarzen Arbeiterinnen und Arbeiter, Asiat*innen, Muslime, nicht die Mittellosen, Behinderten oder Schwule und, bis heute, nicht unbedingt die Kinder. Noch heute gelten nicht alle Rechte für Kinder, und auf jeden Fall heftig eingeschränkt, für Schulkinder.

 

 

 

Was wir heute – im Guten wie im Schlechten – als Bildungsstand der Bevölkerung erleben, als ihr Verhalten leben, ist Ergebnis der Bildung unserer Schulen, die Erziehung unsere Familien und die Widerspiegelung des Zeitgeistes unserer Gesellschaft. Es steht manchmal 50:50.

 

 

 

Wenn wir eine wirkliche Veränderung hin zur Abschaffung der Armut, zu gesundem Essen, zu verantwortlichem Umgang mit der Welt, zu weltweitem Frieden, zur Freiheit und Teilhabe aller Menschen und zur Verwirklichung der Menschenrechte haben wollen, brauchen wir mehr als 50%.

 

 

 

Die Mehrheit zur Demokratisierung erringen wir nur durch eine demokratische Bildung.

 

1 Wolfgang Klafki, Aspekte kritisch-konstruktiver Erziehungswissenschaft, Weinheim und Basel, S.148

 

2 Ebenda S.145/6

 

3 Helmut Schelsky, Schule und Erziehung in der industriellen Gesellschaft, Würzburg1957, S.17

 

4 Wolfgang Klafki, S.148