Kollegium Harmonie
Inklusions-Kinderuni

 

 

 

Ziel der Kinderuni „Inklusion“ war es, mit Kindern an die Frage der weiteren Entwicklung unserer Schule hin zu noch mehr Inklusions-Haltung, -Praxis- und -Programm zu gelangen.

 

Dies sollte nicht nur über Reden, sondern auf vielen Ebenen der Kommunikation und des Lernens. Wir arbeiteten daher mit Rollenspiel, Kooperationsübungen, direkten Erfahrungen, Spielen, Forumtheater, Kunst, Musik, Arbeit und vielen verschiedenen Techniken und Know-How aus verschiedensten Erfahrungsräumen der Arbeit mit Kindern und Erwachsenen.

 

Viele spontane Ideen wurden von Kindern und Erwachsenen erfunden. Die Ergebnisse kamen während und nach den Seminaren und Klassenaktivitäten immer ins Feedback, in die Versprachlichung der Erfahrungen und die Formulierung von Werten, Haltungen und Zielsetzungen. Dies geschah in den Klassen am Mittwoch und auch noch den nachfolgenden Tagen.

 

 

 

Eine Klassenlehrerin schreibt über die Arbeit in ihrer Klasse: „Vieles was geschah, war sehr intim. Es betraf nur einzelne Schülerinnen und Schüler. Ansonsten hier ein paar Stichpunkte: Gespräch über „im Kreis und außerhalb des Kreises stehen“, über Gefühle, wie „manchmal will ich gar nicht dabei sein - ist das schlimm, wenn ich es selbst so will?“ Dagegen steht: „Wir sind ein Team, wir lernen zusammen.“ „Andere ausgrenzen, kann Verlorengehen bedeuten“ – „Achtsamkeit lernen!“ „Was fühle ich, wenn ich ausgegrenzt werde, was mache ich, wenn ich selbst ausgrenze?“

 

 

 

 

Wir haben "Hanno malt sich einen Drachen" gelesen und schnell den Zusammenhang zur Inklusion erkannt: Ausgrenzung, kein Zutrauen mehr, sich schlecht fühlen, Selbstvertrauen verlieren, also in eine Abwärtsschleife geraten - und durch den Drachen, dem es genauso geht, gegenseitiges Aufmuntern, Aufwärtsschleife.

 

 

 

 

Durch tägliches Losen bildeten wir immer verschiedene Teams, die in einem Block zusammen etwas tun sollten, was sie anschließend präsentierten. Es gab großes Erstaunen darüber, was sie noch nicht voneinander wussten und den Wunsch größere Gruppen zusammenzustellen, was ihnen gelang: Es entstand eine Theater- und eine Artistengruppe. Eine gemeinsame Geschichte wurde im Kreis erfunden. Für einige war es kaum auszuhalten, wenn die eben noch selbst erzählte Geschichte vom Nachbar anders fortgesetzt wurde, als selbst gedacht. Es gab Kurzinterviews in Partnerarbeit.

 

 

 

Die Gruppe „Von der Schubkarre bis zu Yoga“ beschäftigte sich im Gelände: Es wurde Müll gesammelt, jede Menge Schubkarren Häcksel gefahren und verteilt. Sehr spannend war es dabei für die Kinder "Wärmelöcher" zu graben, zu sehen, wie es aus dem Mulsch und Häckselbergen dampfte und die Wärme entwich. Eine Gruppe von Mädchen druckte mit einer Inklusionsstudentin Namen von Schulen, zu denen die Grundschule Harmonie Partnerkontakte und andere regelmäßige Verbindung hat. Sie suchten im Internet heraus, wie weit diese Schulen entfernt sind. ( Die am weitesten entfernte Schule ist im Moment die Schule in Finnland, die nächstgelegene ist die Grundschule Eitorf).  Diese Schilder sollen demnächst mit Richtungsanzeige an einem Mast im Schulgelände befestigt werden. Einstweilen hängen sie noch im Forum. Diese Arbeiten drinnen und draußen zogen sich über die zwei Vormittage. Am Morgen haben wir mit Aufwärm- und Yogaübungen begonnen und zum Schluss mit gegenseitigen Aussagen aufgehört.

 

 

 

Aus Exklusion wird Inklusion

 

Eine Lehrerin schreibt: Der Tag begann schwierig, die Kinder waren unruhig und jammervoll, klagten über Müdigkeit und verschiedene Wehwehchen. Ob es am Vollmond lag? Nach der großen Pause wurde klar, dass ein Arbeiten nicht mehr möglich war, da man die Atmosphäre in der Klasse hätte schneiden können und die spürbare Aggressivität leicht in körperliche Auseinandersetzungen hätte umschlagen können. Wir versammelten uns im Klassenrat. Es begegneten sich trotzige, böse, verwirrte, traurige und überforderte Gesichter. Irgendwann kamen die Tatsachen und die bedrückenden Gefühle auf den Tisch: Ein Junge hatte für sich entschieden, dass man nur einen einzigen guten Freund haben konnte. Wenn man mehrere Menschen als seine Freunde bezeichnete war das in seinen Augen ein Ausdruck des Verrates. So verlangte er von seinen Klassenkameraden, dass sie sich zwischen ihm und allen anderen zu entscheiden hätten. Dies stürzte die Klassengemeinschaft in einen solchen Loyalitäts-konflikt, dass wir schließlich sechs weinende Kinder in den Ecken liegen hatten, drei saßen völlig verwirrt unter dem Tisch und einer, der sich diesem Jungen ganz besonders verbunden fühlte, gab sich völliger Hysterie hin. Nachdem allen (auch dem betreffenden Jungen) klar wurde, wie viel Unglück dieses Ultimatum über die Klasse gebracht hatte, beschlossen wir, den Lösungsprozess auf den nächsten Tag zu verlegen.

 

 

Die Kinder hatten sich offensichtlich in der Zwischenzeit intensiv über das Geschehene ausgetauscht, denn am darauffolgenden Tag machten sie im Klassenrat einen Vorschlag: „Wie wäre es, wenn wir uns gemeinsam mit den Themen „Freundschaft, Ausgrenzung, Zusammenhalt“ beschäftigen würden?“ Jemand rief freudig: „ Ja, lasst uns ein richtiges Teamtraining machen!“ Der Vorschlag wurde begeistert angenommen.

 

 

Eine Woche darauf versammelten wir uns im Forum um ein riesiges Plakat und malten und schrieben gemeinsam all unsere Gedanken, Sorgen, Wünsche und Ängste zum Thema auf. Die wichtigsten Sätze der Kinder in der Reflexionsrunde waren: „Freunde machen stark.“ „Gemeinsam sind wir stark.“ „Anderssein bringt Abwechslung.“ „Schwächere müssen gestärkt werden.“ „Irgendwie sind wir ja alle behindert.“ „Wir wollen alle dazu gehören.“ „Ausgrenzung ist gemein.“

 

 

Vier Tage darauf begann unsere Kinderuni zum Thema Inklusion. Für die Klasse war einstimmig klar, dass wir unser eigenes Projekt weiterführen wollten. Der Begriff war ohne Erklärungen durch die eigenen Erlebnisse und Gefühle der Kinder auf dem Plakat hinreichend geklärt. Am Montag begannen die Kinder im Klassenrat über eigene Erlebnisse mit dem Thema „ausgeschlossen sein“ zu sprechen. Sie erzählten von den Schulen, die sie vorher besucht hatten. Wie Erwachsene weggesehen hatten, wenn Kinder gemein oder brutal waren. Wie sie wegen Kleinigkeiten gehänselt wurden. Wie die Lehrerin ihnen auf vielfältige Art ständig das Gefühl gab, ungenügend zu sein und sie so in eine Außenseiterrolle gedrängt wurden. Sie erzählten von ihren Ängsten, in ihrem Anderssein nicht akzeptiert zu werden. Sie erzählten von Dingen, die sie gehört, gesehen, durch die Medien aufgeschnappt hatten, die sie verwirrten und schockierten. Schließlich kam auch das Thema „Drittes Reich“ zur Sprache. Wir hatten im vergangenen Jahr mit den Großeltern intensiv darüber geredet.

 

Die Sportzeit nutzten wir dieses Mal für verschiedene Kooperationsspiele, über die wir uns im Anschluss austauschten. Es stellte sich heraus, dass Teamgeist nicht selbstverständlich ist, sondern Mut und Zutrauen erfordert. Ein Kind sagte: „Wenn ich im Kreis in eure motzigen Gesichter gucken muss, bekomme ich selber schlechte Laune.“ Ein anderes sagte: „Grenzt euch doch nicht selber aus. Regelt es und kommt zurück in den Kreis.“ Wir beschlossen, am nächsten Tag in den Wald zu gehen.

 

 

Am Morgen standen Krücken, Rollstühle, eine Tasche mit Augenbinden, Klebeband und Ohrenstöpseln in der Klasse. Die Kinder nahmen die Anregung auf und begannen über körperliche Einschränkungen zu sprechen. Sie tauschten ihre Erfahrungen mit „Behindert“-Sein aus und sprachen auch über „Geistig-Behinderte.“ Auf die Frage, ob sie sich vorstellen könnten, mit solchen Kindern zur Schule zu gehen, meinte ein Junge: „Warum nicht? Denen würde es bei uns doch sicher auch gefallen.“ Ein anderes Kind reagierte prompt: „Und wir würden lernen, rücksichtsvoller und hilfsbereiter zu sein.“ Noch jemand sagte: „Wir leben doch alle auf derselben Welt, dann können wir doch auch dieselbe Schule besuchen.“

 

 

Wir gingen als Stumme, Gehörlose, Blinde und Gehbehinderte mit gegenseitiger Unterstützung in den Wald. Ein Kind meinte: „Es ist ganz schön anstrengend, immer auf jemanden aufzupassen.“ Ein „Blinder“ mit einem Stock meinte: „Wenn ich nicht sehen kann, muss ich dafür umso besser hören können.“ Am schwierigsten fanden alle das Stumm-Sein. Einhellig wurde den Menschen mit körperlichen Einschränkungen viel Respekt gezollt für ihre Leistungen im Alltag.

 

 

Am letzten Tag ging es um den Rückblick, das Feedback und was wir mitnehmen wollten in den Schulalltag. Die Kinder besprachen ihre eigenen Stärken und Schwächen. Wo tun wir der Gruppe gut, wo halten wir die Gruppe auf? Wir überlegten, wie wir mit unseren eigenen Einschränkungen umgehen und konnten teilweise über uns selber lachen. Die Ergebnisse hielten wir auf Zetteln fest und klebten sie auf rote und gelbe Plakate. Wir beschlossen, unseren Draußentag zum Inklusionstag zu machen, wo wir uns besonders um das Miteinander in der Klasse kümmern wollen. Den Abschluss feierten wir mit Kooperationsspielen auf dem Fußballplatz, zu denen auch einige „Genies“ eingeladen wurden.

 

 

In der Seminargruppe "Phantasiewelten" haben die Kinder zunächst in Partnergesprächen, angeregt durch verschiedene Impulse und Fragestellungen, ihre Stärken, Vorlieben, Abneigungen, Gemeinsamkeiten, Unterschiedlichkeiten, Phantasievorstellungen und Phantasiewünsche herausgestellt. Diese wurden jeweils auf farbigen Karten festgehalten und im Kreis vorgestellt.

 

 

 

Aus dieser Arbeit heraus entwickelten die Kinder nun ihre Phantasiewelt, d. h. die darin vorkommenden Figuren und Wesen, deren Fähigkeiten und Handlungen. Die Kinder spielten mit hergestellten Requisiten, Bildern oder Symbolen ihre Welten. Vieles geschah in diesen Phantasiewelten mit Hilfe von Zauberkräften oder magischen Gegenständen. Das gemeinsame Spiel bestand am ersten Tag zunächst darin, sich in seiner Welt durch das Erfinden eines immer stärkeren oder mächtigeren Zaubers zu behaupten und von anderen Welten oder deren Übergriffen abzugrenzen.  Am zweiten Tag führte genau dieses zu Langeweile. In einer kurzen Reflexionsrunde erfassten die Kinder ihre Situation und konnten anschließend über mehrere Stunden in eine gemeinsame Phantasiewelt "abtauchen" und das dortige Geschehen entwickeln.

 

 

 

Rudolf, Florian und Niklas waren sich am Ende des Tages einig: "Das Zusammenspielen in einer Phantasiewelt macht besonders Spaß!"

 

 

 Das Thema „Inklusion“ am Anfang der Woche begann im Kunstraum mit einem spannenden Ereignis: eine Maus hatte sich am ersten Tage dazugesellt und sorgte für Attraktion und Tumult. Nachdem sie beobachtet und studiert wurde, erklärte ich sie zum Model und alle malten sie mit verschiedenen Materialien. Danach kamen wir zum eigentlichen Thema des Tages: wir bildeten Gruppen von jeweils zwei Kindern, die sich mit verschiedenen Künstlern aus verschiedenen Epochen beschäftigen sollten. Hierzu standen eine Menge Bücher und das Internet zur Verfügung.

 

 

 

Die Kinder arbeiteten die Stil und Maltechnik des jeweiligen Künstlers heraus und sollten dann ein Werk ihrer Wahl nachmalen, wobei Maggi und ich mit Rat und Tat zur Seite standen. Der 2.Tag stand unter dem Hauptthema „ Der Mensch und seine unterschiedlichen Gesichter“. Maggi brachte dazu viele Zeitschriften mit, aus welchen die Kinder Gesichter ausschnitten und zu einer Kollage zusammenklebten. Hierbei konnten die Gesichter auch verändert werden, wie zum Beispiel andere Augen, Münder, Nasen in ein Gesicht hineinzusetzen. Dies machte den Kindern so viel Spaß, dass sie danach auch eine neue Kollage mit dem Thema „Tiere“ begannen, die aber leider nicht ganz fertig wurde.

 

Die Dschungelgruppe hat am Montag ihre Ausrüstung zusammengesucht und hergestellt. Am Dienstag sind wir in den Dschungel aufgebrochen und schnell wurde sichtbar, dass sich ein Kind ausklinkte. Im Anschluss an die Dschungelreise haben wir intensiv darüber gesprochen und am Ende konnte eine Lösung gefunden werden: Jeder der Dschungel-menschen hat sich eine Sache vorgenommen, die er oder sie gerne mit dem Kind machen würde. Wir begonnen noch am Dienstag damit die ersten Dinge umzusetzen.