Ute Geuss, Walter Hövel

Fortsetzung Freier Texte

 

Solange wir noch neue Methoden zum Schreiben von Freien Texten haben, machen wir diese Serie weiter. Angefangen haben wir in Nummer 29 von Fragen und Versuche. Diesmal sind die Texte 3o - 34 von Walter,Text 35 von Harry ausgesucht.

 

30

Jede Englischstunde endet mit einer Reflexion - in Form eines an der Tafel gemeinsam erstellten Freien Textes über das, das wir getan haben. Hier z.B. eine Stunde über die Zeitenfolge im Englischen. Der Text entsteht durch Zuruf.

 

Future

In the past is future

In the future in the past

and in the future is past

That was right

and

had been right

forever.

  1. Schuljahr

31

Zwei Schüler erfanden die "Ringgeschichte" oder "endless story",obwohl sie eigentlich nur eine "lovestory" schreiben wollten.

It is a beautiful day.

The sun shines warm on my body.

I think of a very nice boy.

But he is not here.

He loves the sun and the beach.

I love his wonderful hair and his sky-blue eyes.

But I don't know where he is.

Yesterday he went away.

Now I see a shape directly in the sun.

I was excited.

But then he passed by, it was someone else.

Now I'm alone, I could cry.

Perhaps he comes back.

Then I will tell him:

I cannot forget you, I love you.

Do you love me, too?

And he will answer,

"I always dreamed of a dream girl.

And when I saw you, I thought you were the girl.

But I wasn't sure.

But now I'm sure.

Last night I had a dream.

You were sitting in a small boat

In the Pacific Ocean.

You fell asleep and had a wonderful dream.

It is a beautiful day.

The sun shines warm on my body.

 I think of a very

 . . .

  1. Schuljahr

 

32

Der Schüler nennt seine eigene Geschichte eine 'Funny Ghost-Horror-Story.

 

In a dark Avenue there was an old house. Nobody likes the old house. It was left. Someone said,"In this house there lives a ghost."

 

But Jimmy didn't believe it. One day it was raining. Jimmy went to this old house. He had no fear. He opens the door and goes in. Suddenly an old chair falls into the dark room.

 

Now Jimmy was afraid. "But I am no coward", he said.

 

"Huu,buu, I'm the ghost of this house", said a voice. Jimmy began to scream, "Please... I'm anxious".

 

"No fear, boy, I want to be your friend," Jimmy stopped crying. "Is that the truth?" asked Jimmy the ghost.

 

"Yes, it is the truth, now you are my friend, o.k.?" "0.k.",said Jimmy, "i'll come again tomorrow, okay, my friend?"

 

So Jimmy and the ghost got friends and Jimmy was happy that he had a girl friend now, because the ghost was a girl.

 

8.Schuljahr

 

33

DIE KUNST DES ZUSPÄTKOMMENS

 

Man lässt sich dreimal wecken und steht erst beim vierten

 

Mal auf. Und dann langsam, und nicht hetzten, vorsichtig

 

waschen. Beim Frühstück jeden Bissen gut durchkauen und

 

nicht schlingen, nicht auf die Uhr sehen, mit Ruhe den

 

Mantel anziehen, noch ein Schwätzschen halten und die Treppe

 

langsam hinunter gehen und wieder hinauf, weil man das

 

vergessen hat. Die Zeit drängt, nicht darauf achten, ist

 

ja egal, man kommt ja ans Ziel. Die erste Bahn verpassen,

 

es kommen ja noch mehr. Denn man kurz vor dem Ziel angekommen

 

ist, ganz vorsichtig gehen und gucken, ob man einen

 

Partner findet und mit ihm ein weiteres Schwätzschen halten kann.

 

Auf dem. letzten Stuck Weg zur Schule schon mal überlegen,

 

wie man eine passende Ausrede findet. Vor dem Klassenzimmer

 

zweimal tief durchatmen und mit geschafftem Gesicht

 

ins Klassenzimmer gehen. - So das wäre wieder geschafft!

  1. Schuljahr

 

34

Bild aus Kunstpädagogik 4/1984

 

Ludulg Meidner: Ich und die Stadt, Gemälde 1913.

 

Hier ist die Stadt,

 

und hier bin ich,

 

hier, in der Stadt

 

gefangen, eingeschlossen.

 

Eingeschlossen

 

in die Enge der riesigen Häuserreihen,

 

oben abgeschlossen

 

durch die Rauchschwaden der Schornsteine,

 

unten abgeschlossen

 

durch den grauen Beton der Straße,

 

an allen rissigen Stellen wieder zugeklebt.

 

Schreiend renne ich umher,

 

doch es gibt keinen Ausweg.

 

Meine Schreie

 

dringen nicht durch, durch die dichten Wände,

 

werden zurückgeworfen, immer wieder,

 

immer wieder - bis sie verklingen.

 

(Maleeke Dehlo)

 

  35
Schreibanlass: Konflikt zwischen zwei Kindern

 

Zwischen Ante und Katja (beide 9 Jahre) herrscht eine ablehnende Spannung, die sie oft destruktiv - verbal und korperlich – aktiv ausleben.

 

K a t j a: beste Schulerin, grazil, sie talentiert und voltigiert, beherrscht, oft in sich versponnen, mit einer wachen, aber nicht geäußerten Intelligenz ausgestattet...

a b e r : "... du hast es gerade nötig ! Immer lieb tun, aber dann kratzt und fauchst du plötzlich wie ein Tiger", meint Michael.

 

 A n t e ist ein sehr intelligenter Chaot. Sein Körper ist unkonzentriert, ohne Grenzen; seine Gliedmaßen wirken wie unkoordiniert eingehängt. Er setzt seinen Körper blindlings ein. Pausenlos blubbert er vor sich hin oder in die Klasse hinein, intelligent und witzig. Ihm gelingt es beim Schreiben mühelos, innerhalb kürzester Zeit ein weißes Blatt in ein wüstes Tinten-Chaos zu verwandeln, das sich über seine Finger bis in sein Gesicht ausbreitet.

 

Einen jäh entstandenen Streit zwischen den beiden, beendete Katja, ehe ich eingreifen musste: "Ich schreibe jetzt über den dusseligen Ante!"

Entschlossen packte sich Ante ein Blatt und schrieb ebenfalls.

Anschließend wollten beide eine Matrizen, um ihre Texte für die Klassensammlung der Freien Texte zu veröffentlichen.

 

Transkribierte Texte von Harry Wünnenberg:

Der wilde Ante

Ante war ein wildes dusseliges Kind. Er sprang über jeden Baum, den er sah, und batschte manchmal dagegen.Er hatte einen Freund, der war genau so dumm wie er. Sie machten Hausaufgaben. Es dauerte so lange bis Ante starb.Der Freund war traurig und sprang über den Baum, der auf dem Grab stand, blieb aber auf dem Baum hängen.Die Leute lachten ihn aus.

 

Die dusselige Katja

Katja war die Dümmste in der Schule. Sie hatte in Turnen 6, Rechnen 5. Geometrie 4.Als einmal Katja von der Schule heimgehen wollte, da sah sie auf einen Hochhaus eine Atombombe.Da dachte sie „Oh, wie scön, ein Spielzeug.“ Sie kletterte auf das Hochhaus. Da sah sie noch ein paar Knöpfe und dachte: „Mit diesen Knöpfen kann ich das Spielzeug bedienen“. Sie bediente einen Knopf. Die Atombombe fiel ihr auf den D?tz. Und sie kackte 300 Koteletts.

 

Von beiden mit Zeichnungen aus dem dritten Schuljahr