Walter Hövel
Kunst

 

Das „Fach Kunst“ gibt es an der Grundschule Harmonie, nicht aber die „Kunststunde“ im Stundenplan. Es gilt der Lehrplan Kunst des Landes NRW für die Grundschule in einem Sinne, dass „Kunst“ für die Kinder und Erwachsenen immer im Sinne der alltäglichen Arbeit und immer wieder im Besonderen im Sinne unserer „Angebote“ stattfindet.

 

„Kunst“ findet immer statt, wie alle anderen „Fächer“, oder besser im süddeutschen Sprachgebrauch „Gegenstände“. Die Kinder unserer Schule entscheiden sich täglich für die „Gegenstände“ ihrer individuellen und kooperativen Arbeit, die den „Fächern“ Sachunterricht, Deutsch, Musik, Englisch, Sport, Mathematik, Religion oder eben Kunst zuzuordnen sind.

 

Im Mikrokosmos der Schülerin oder des Schülers heißt dies dann: „Heute gestalte ich mein Plakat zum Thema Antarktis“ - „Ich mache den englischen Artikel für die Schulzeitung fertig“ - „Ich setze die Arbeit an meiner Powerpointpräsentation fort“ - „Ich male heute ein Frühlingsbild“ - „Ich erfinde heute Muster in der Mathematik zu den Einmaleinsreihen“ - Ich übe mit den Anderen das Theaterstück weiter“ - „Wir proben den Akrobatiktanz für die Schulversammlung“ - „Ich bastele für an meinen Figuren weiter“ – „Ich mache Fotos im Schulgelände“ - „Ich webe heute“ - „Ich gehe in den Kunstraum“ - „Ich male draußen mit den Straßenkreiden“, - „Wir spielen Schattentheater“ – „Ich arbeite an meinem Thema Niki de Saint Phalle“ - „Ich mache meine Karten für die englische Partnerschule weiter“ – „Ich gehe ins Specksteinhaus“ – „Ich geh in die Druckerei drucken“ – Ich baue weiter an meiner Ritterburg – „Wir planen unser Rollenspiel weiter“ – „Wir gehen einen Film drehen“ – „Wir machen mit Hanka an den Kostümen weiter“...

 

Alleine die weitere Auflistung der täglichen Aktivitäten kann unseren durch und durch künstlerisch gestalteten Lernalltag beschreiben. Wir befinden uns aber erst im ersten Bereich unseres Kunstverständnisses.

 

Hier sind wir in der Abteilung „Freier Ausdruck“. Jedes Kind hat das Recht seine eigene künstlerische Kraft zu entdecken und diese auszubauen. Unsere Kinder lernen die Welt, sich selbst und die schulischen Anforderungen gerade über den „Freien Ausdruck“ kennen.

 

Sie drücken aus, was sie beeindruckt und finden so zu einer Ausdruckskraft, die ihr Lernen nicht nur motiviert, sondern es steuert und antreibt. Der Freie Ausdruck wird zur Lernkompetenz und lässt den Menschen durch eigene Aktivität, eigenes Forschen und eigene Sinnfindung lernen. Es ist die ästhetische Seite des Lernens – oder aus der anderen Perspektive gesehen: Ohne die Entwicklung der Kraft der ästhetischen Durchdringung der Welt und des Lebens gibt es kein menschliches Lernen.

So heißt es im Lehrplan Kunst des Landes NRW: „Aufgabe des Kunstunterrichts in der Grundschule ist es, Freude und Interesse an ästhetischen Ausdrucksformen zu wecken und zu fördern. Die Wahrnehmungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler und ihr Vorstellungsvermögen werden angeregt und entfaltet, neue und auch ungewöhnliche Arbeits-, Sicht- und Denkweisen werden eröffnet, Kreativität und Phantasie werden entwickelt.“

Wir unterstellen jedem Kind, das es eigene ästhetische Inhalte und Ausdruckformen hat. Diese will es erproben und erweitern. Wir geben ihnen den Raum und Zeit hierfür. Der Raum ist nicht allein der pädagogisch vorbereitete Raum Schule, sondern diese ist die Tür zum Raum ihrer Welt. Wir öffnen die Türen zu dieser Welt um sie zu erforschen und zu erfassen, um sich selbst und andere zu erfahren.

Wir geben die Zeit weit über eine oder zwei Kunststunden die Woche hinaus. Wir lassen die Kinder ihre eigenen Wege im Raum „Welt“ so gehen, dass sie immer als „erfahrene Abenteurer“ zurückfinden in ihrem Hafen der Klasse und der Schule. Jeder Mensch braucht seine Zeit, die nicht eingesperrt sein darf in ein oder zwei Wochenstunden Kunst im „Stundenplan“ einer Schule. Die ungeheure Vielfalt der Kunst darf den Kindern nicht als übermächtige Kulturmacht begegnen, sonder als ein Reichtum der Vielfalt gesellschaftlicher Einstellungen, Ausdrucksmittel….


Ästhetik
ist auch eine Größe des Islams, des Faschismus, des Kommunismus, des Kapitals.

Kunst ist Auseinandersetzung mit den Realitäten
Kunst ist Entfaltung des Freien Ausdrucks
Kunst ist private, gemeinsame und gesellschaftlich kommunikative Mitteilung
Kunst ist ästhetische Darstellung und Präsentation
Kunst ist Erschließung von Lerninhalten
Kunst ist Lernprozess
Kunst ist Vermittlung künstlerischer Techniken
Kunst ist Erschließung der Welt durch Erfahrungen von Meistern
Kunst ist Verkaufs- und Darstellungsmittel
Kunst ist Ästhetisierung des Lebens- und Lernraums
Kunst ist Pforte zum eigenen Lernenlernen
Kunst ist Mittel
Kunst ist lasziv
Kunst dient keinem Herrn
Kunst verkauft sich vollständig.

Jeder Mensch ist Künstler
Künstler haben einen künstlerischen Freiraum, den jeder Mensch haben sollte.

 

Die Künstler von heute sind die Industrie und Mediendesigner. Leider ist die Mehrzahl von ihnen gekauft!

 

Meine eigene Kunst-Fachleiterin mochte meinen Gedanken nicht, dass die Leonardos und Dürers von heute in der Industrie arbeiten.

 

Ohne Kunst sieht Gelerntes nicht immer gut aus! Gut offeriert, kommt besser an.

 

Womit setzt sich Kunst auseinander? Künstlicher Intelligenz, Multipersönlichkeiten, Realitätenvielfalt, Diversität, Demokratie, …

 

Kunst war immer Kunst der aufmüpfigen und betuchten Reichen. Es beruhigt das schlechte Gewissen, zeigt die progressive Seite, Widerspricht dem eigenen Handeln…

 

Es geht ohne Ästhetik viel schlechter. Kombiniere es mit dem Inhalt. Beispiel Reggiopädagogik, Projektausstellung, Bilder an den Wänden, Umgebung, Natur. Nicht nur dekorieren. Kunst transportiert.

 

Kunst ist eine Kanaille, wie das Gehirn oder die Liebe. Sie zeigt, um zu werben, um zu reizen, zu locken, um die Dinge zu verbessern. Kunst schreit nach Anerkennung, Erfolg, Verdienst.

 

Sie entsteht aus dem inneren Trieb der Menschen sich auszudrücken. Pädagogik kann dieses menschliche Mittel nutzen, um zu lernen.

 

Kunst ist die Kunst anders zu sein. Kunst verstärkt auch „falsche“ Ideologien und Ideen. Da sie kaufbar ist, werden nur „genehme“ Künstler*innen von den Reichen gekauft und von den Bestimmenden in der Gesellschaft gefördert.

 

So wie bestimmte Begabungen gefördert werden, bestimmte Kinder bevorzugt und es die Schulen von und für Reiche gibt.

 

Kunst von anderen kostet. Alle können eigene Kunst. Viel es ist lernbares Handwerk. Vieles entspringt der Verschiedenheit der Menschen. Vieles den Kulturen. Vieles den Zeiten.

 

So wie es ein gutes erfolgreiches Lernen für alle Menschen, für jede*n geben muss, so sollte jeder Mensch alle Möglichkeiten haben, alle seine künstlerischen Talente zu entfalten. Es liegt an uns, jeden Menschen zu begaben.

 

Das Gehirn kann Demokratie lernen. Ist Freude ohne passenden Partner unbefriedigend? Die Kunst bleibt ohne die positive Aufklärung das Mittel der Reichen sich selbst zu dekorieren und die Armen einzulullen.

 

Kunst ist jedes Plakat, jedes Blatt. Kunst sind selbstgemachte Videospiele, selbst gestaltete Pages, jede Powerpointpräsentation.

 

Kunst ist jeder selbst gedrehte Trick-, Spiel- oder Nachrichtenfilm. Kunst ist jedes selbst gestaltete Buch, jede Zeitung, jede Textseite. Kunst ist jedes Menschenschattenspiel, jeder Strich, jedes Schwarzlichttheater, jedes Forumtheater. Kunst ist jedes Theaterstück, selbst- oder fremd geschrieben ausgeführt, jedes Stabpuppenspiel oder jede Form von Bewegung, Ruhe, Rhythmus oder Tanz.

 

Kunst ist jedes Rollenspiel, mit Figuren oder Puppen, mit sich selbst oder als gestaltete Lernlandschaft. Kunst ist jede Präsentation von Gelerntem, ob als Vortrag, Heft oder Ausstellung.

 

Jedes selbst gestaltete Ausstellung als Museum, als Dokumentation, Experiment oder Ortsbegehung ist Kunst. Jedes Bild, jede Zeichnung, Illustration, Betonung oder Skizze ist Kunst.

 

Jede Einrichtung, Gestaltung oder Planung eines Raumes oder einer Zeit sind Kunst. Jede Verkleidung, jedes Schminken oder jede einstudierte Geste sind Kunst.

 

Jedes Weglassen, jede Vernachlässigung, jedes Ignorieren ästhetischer Gestaltung und Darbietung sind ein Nichtberücksichtigen der künstlerischen Menschen, die ihre Lerngänge gestalten.

 

Welch ein Unterschied eine gestaltete Schule, ein ästhetischer Lernraum und ein geachteter Mensch sind!

 

Gibt es einen Schnittpunkt zwischen Ästhetik und Partizipation?

 

So wie jeder Mensch die eigene Frage, das eigene Lernen entwickelt, so findet sie oder er ihre oder seine eigene Kunst.