Walter Hövel
“In the year 2525, if man is still …”

Beginn meines Redebeitrags beim Symposion „Steinzeitkinder“  mit  Vertretern  aus Archäologie, Ethnologie, Pädagogik und Psychologie im Neanderthal Museum in Mettmann am 20. September 2013

 

In ein paar hundert oder tausend Jahren, falls die Menschen an unsere Schulen und Bildung denken sollten, könnten sie sehr verschiedene Dinge über unsere Zeit sagen.

·         Die erste Möglichkeit. „In diesen 500 Jahren zwischen 1800 und 2300 setzte es sich zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte durch, dass alle Kinder das Recht bekamen zur Schule zu gehen. Mit der Erklärung der Menschenrechte Ende des 18. Jahrhunderts etablierten sich Stück für Stück auch die ‚Rechte der Kinder‘. Die Zeit der Entdeckung der Kindheit als Teil der ‚Verwirklichung des Menschseins‘ begann.“

·         Die zweite Möglichkeit. “Diese Zeit zwischen 1800 und 2500 wird allgemein als die ‚Zeit der großen Irrtümer‘ bezeichnet… So wurde als Durchbruch für die historische Durchsetzung des Menschenrechts auf Lernen die Erkenntnis begriffen, dass Schulen das Lernen behinderten und Bildung dumm machte.“

·         Die dritte Möglichkeit.  Im Jahre 3535 lautet die Frage:„Schule, was ist das?“

·         Die vierte Möglichkeit.  Einer der  Überlebenden des ‚Dunklen Jahrtausends‘ sagt: „Hätten wir das heute nur doch noch wie damals. Schulen? Das schaffen wir nicht mehr.“

·         Die fünfte Möglichkeit. „Die archäologische Forschung konnte herausfinden, dass in der ‚Ameisenepoche‘ die Menschen ihre Siedlungsgebiete mit einem Straßen- und Wegenetz überzogen. Dort trafen sie sich in kleinen beräderten Behältnissen mit giftigem Explosionsmaschinenausstoß  in langen Staus. Während dieser Zeit des kollektiven Stillstands nahmen die Kinder ein berauschendes,  wohl religiös motiviertes Getränk‚ namens ‚ Coca’Cola‘ zu sich. Angeschlossen an von der damaligen ‚Technik‘ entwickelten Ton- und Bildträgern, eigneten sie sich so wie besessen, das so genannte ‚hetero-genetische Feltwissen der Kinder‘ an.

Obwohl es kaum architektonische oder digitale Fundstücke aus dieser Zeit gibt, deuten trotzdem einige Fundstücke auf einer aus Zellulosemasse hergestellten Fläche darauf hin, dass es unverantwortliche Versuche gab, Wissen in Kinder mittels Aufsetzen eines Trichters durch die menschliche Schädeldecke in das Gehirn eindringen zu lassen.“

·         Die sechste Möglichkeit. „In dieser dunklen Vorzeit der Menschheitsgeschichte schlossen die Erwachsenen ihre eigenen Kinder täglich für bis zu zehn Stunden oft über zehn Jahre lang in Häuser ein, die sie ‚Schulen‘ nannten. Wollte ein Kind die Toilette (damals auch „Notdurft“ oder kurz ‚Pea-In‘ genannt) aufsuchen, mussten sie ausdrücklich um Erlaubnis bitten.
Sie mussten ein von ihrer Wirklichkeit entfremdetes, in Plänen und Ritualen vorstrukturiertes ‚Wissen‘, in ihre Gehirne aufnehmen, um es spätestens nach zwei Wochen in so genannten ‚Texts‘ oder ‚Klausuren‘ wieder aus ihren Körpern auszustoßen. Ein Friedensvertrag (2099) machte diesem Bürgerkrieg gegen die eigenen und die Kinder anderer so genannter ‚Bevölkerungsteile‘ erst recht spät ein Ende.“

Aber kommen wir zur Gegenwart der Schulwirklichkeit in unserer 20.000-Seelen-Gemeinde im Jahre 2013, um uns der Frage zu nähern: „Wie werden wir unseren Kindern gerecht“ …