Walter Hövel
Fragen und Einstellen

 

Wie der Beruf prägt

 


„Sie wollen Lehrer*in in unserem Land werden?“ „Sie wollen für unser Bundesland arbeiten?“

 

„Wissen Sie, welche Mitarbeiter unsere Firmen brauchen?“ „Können Sie in unserem gehobenen Stadtviertel unterrichten?“

 

“Hier müssen Sie die Erwartungen unserer Eltern erfüllen.“ „Welche Fächer haben sie denn studiert?“ „Sind da Mangelfächer bei?“ „Haben Sie Zusatzqualifikationen?“

 

Lehrer*innen müssen mehr können als sie studiert haben.“ „Sind sie bereit über das übliche Maß hinaus mit zu arbeiten?“ „Nach welcher Didaktik arbeiten Sie denn?“

 

„Sind sie nicht zu dick als Lehrerin?“ „Sind Sie sich darüber im Klaren, dass Sie hier nicht in der Jeans arbeiten?“ „Würden Sie Schuluniform tragen?“

 

„Arbeiten Sie auch mit einem halben Vertrag?“ „Sie wissen, dass sie bei uns weniger verdienen?“

 

„Wie ist ihr Notendurchschnitt?“ „In welcher Zeit haben sie Ihr Studium absolviert?“ „Wo haben sie denn studiert?“

 

Haben Sie das Zeug zum Verbindungslehrer?“ “Was sind Ihre religiösen Bekenntnisse“ „Sind Sie bereit unserer Gemeinschaft beizutreten?“

 

„Kein Abschluss als Lehrerin? Aber Kunsttherapeutin!“ „Sind Sie bereit zu lehren?“ „Würden Sie auch Mathe unterrichten?“ „Arbeiten Sie auch lieber mit Leistungsprämien?“ „Machen Sie noch ihren C1-Schein in Englisch oder einen Trainerschein?“

 

„Haben Sie überhaupt alle Abschlüsse?“ „Waren Ihre Eltern schon Lehrer?“ „Aus welchem Land kommen Sie ..., ich meine Ihre Eltern oder Großeltern?“ „Wo sind sie denn zur Schule gegangen?“ „Welche Sprachen sprechen Sie noch?“

 

„Welchen Sport treiben Sie?“ „Würden Sie mit einer Altersmischung in der Klasse arbeiten?“

 

„Geben Sie Hausaufgaben auf?“ „Wollen sie schwanger werden?“

 

„Welche Anforderungen verlangen Sie bei Prüfungsleistungen?“ „Sind Sie bereit unseren Anforderungen zu entsprechen?“ „Sind Sie bei Facebook?“ „Twittern Sie?“

 

„Waren Sie selbst gut in der Schule?“ „Was halten Sie von Rechtschreibung?“ „Darf ich Sie das fragen?“

 

Heute übliche Fragen. Tägliche Fragen. Unausweichliche Fragen. Zulässige Fragen?

 

„Bald sage ich den Schüler*innen wie hier die Regeln des Lernens gehen“ „Wenn sie etwas nicht verstehen, können sie es lernen.“

 

„Ich kann auch anders.“ „Hierbei gibt es keine Stufen der Öffnung.“

 

„Wir lassen keinen zurück. Wer sich anstrengt, kommt mit.“ „Qualität ist individuelles Können.“ „Wir bieten ein besseres Programm!“ „Hier ist jeder selbst schuld, wenn er nicht mitkommt.“

 

„Alles was sie aufzählen, gehörte schon immer zum Handwerkszeug eines guten Pädagogen.“ „Der erfahrene Experte schließt immer wieder seine Lücken.“

 

„Das Thema ‚Klimawechsel‘ steht im Lehrplan, ‚Armut‘ weiß ich nicht.“ „Wie gehen Sie mit schwierigen Schüler*innen um?“ „Können Sie Flüchtlinge unterrichten?“ „Für alle den gleichen Test ist doch fair.“

 

„Verstehen bleibt Missverstehen.“ „In unserem System können wir nur systemisch arbeiten.“ „Unser Gehirn ist lernend immer nur auf seine Belohnung aus.“ „Im Netz können Sie doch sagen was sie wollen.“ „Sind Sie vernetzt?“

 

„Spielen ist was für Meerschweinchen.“ Kooperieren die Eltern mit ihnen, leisten Sie Teamarbeit mit den Kolleg*innen, können Sie Kinder führen und unterstützen Sie immer ihre Leitung?“

 

„Ich arbeite schließlich für den Staat.“ „Demokratie und Menschenwürde, ja – aber erst kommt, was wir lernen müssen.“ „Egal, wie ich lehre, Kinder und Jugendliche bekommen ihren Abschluss nur durch Lernen.“ Das Ziel ist doch immer die Selbständigkeit aller Lernenden.“

 

„Ich persönlich würde ja ganz gerne, aber die Eltern, die Schulleitung, das Konzept der Schule, die Kollegen“ „Was, das steht in den Lehrplänen … sehr unrealistisch.“ „Die Reformen kommen und gehen, die Schule bleibt bestehen.“

 

„Es zählen die Mehrheiten.“ „Wenn es mir nachginge…“

 

Den Kindern geht es doch viel zu gut. Denen wird doch Zucker in den Hintern geblasen.“ „Kinder wollen strenge Lehrerpersonen. Wie sonst sollten sie lernen?“

 

„Meine Haltung verliere ich nicht. Aber wie sollte ich nach ihrer Meinung handeln?“

 

„So haben wir das immer gemacht.“ „Viele Lehrer*innen machen das falsch.“ „Hauptsache sie können rechnen.“
„Lehrer müssen die Chefs im Klassenraum bleiben.“ „Meine Kinder mögen was ich tue.“

Haben Sie Angst vor Kinderkeimen und Ansteckungen?

 

Schule ändert doch nichts an ihrer Herkunft. Bei uns kann jede/r etwas werden.

Haben sie sich nicht anstrengen müssen?

 

Kinder müssen erst Menschen werden. Sind sie erwachsen?

 

 

 

„Fast alle Pädagog*innen sind zu Beginn demokratisch. Das ändern wir im Laufe der Jahre.“