Walter Hövel

 

Politik- und Verwaltungs- verdrossen!

 

 

 

Ich bin jetzt 73 Jahre alt, wurde 1949 als „Nachkriegskind“ geboren. Ich bin kein „Deutscher“. Ich verstand mich selber als Rheinländer, friedlicher Europäer oder Weltenbürger. Ich wollte immer Gleichberechtigung, Freiheit und Menschrechte. Ich gehöre keiner Nation an.

 

 

 

Ich wurde 1949 in der „Britischen Zone“ unter der Herrschaft von König Georg VI, einem englischen Herrschers feudaler Herkunft geboren. Mit nur etwas mehr als einem Monat wurde ich ungefragt Bürger der damals neu gegründeten Bundesrepublik Deutschland. Ich sollte nie gefragt werden, ob ich deren Bürger sein wollte..

 

 

 

Schon immer in meinem Leben gab es die CDU, früher die KPD und das Zentrum, die SPD, die FDP, später wurden die GRÜNEN gegründet. Die KPD wurde 1956 verboten, das ZENTRUM, ehemals staatstragende Partei, löste sich zugunsten der CDU auf.

 

 

 

Auf jeden Fall lebte ich zunächst als Frechener, dann als Eitorfer Bürger. Ich war immer schon NRWler, immer von einer/m Ministerpräsident*in von SPD oder CDU regiert. Das gleiche betrieb die Bundesrepublik Deutschland, ihre Kanzler*innen waren alle in der CDU oder SPD. Die Europäische Union war immer fest in der Hand der Konservativen und Liberalen.

 

 

 

Ich war als Schüler, später als Lehrer und Schulleiter immer Teil der Verwaltung des Staates, verstand mich selber aber als politisch unabhängig denkender Mensch.

 

 

 

Meine Eltern erlebten unbewusst die Kaiserzeit und ihr autoritäres Denken und die Weimarer Republik (der Vater wurde 1916, die Mutter 1920 geboren), als Aufwachende und junge Erwachsene die Nazidiktatur einer NSDAP und „ihres Führers“ Adolf Hitler. Mein Vater war 10 Jahre Soldat und Gefangener in Polen, Deutschland, Tschechien, Finnland, Frankreich, der Ukraine und Russland. Sie lebten dann für ein bis drei Jahre in den westlichen Besatzungszonen und viele Jahre (30 Jahre der Vater und 59 Jahre die Mutter) in der Bundesrepublik Deutschland. Sie blieben immer Anhänger der Nazis und wählten später SPD.

 

 

 

Meine“ Kinder erlebten die Bundesrepublik Deutschland und ein neutrales und europäisches Österreich. Ich war stolz darauf, dass ich selbst oder meine Kinder in keiner Armee „gedient“ zu haben. Sie wählten wohl immer grün, ich selbst die LINKEN. Zumindest die Grünen wurden spätestens 2022 militant militärisch. Sie waren für Krieg in Verteidigung und Bewaffnung. Bei den LINKEN weiß ich es bis heute nicht.

 

 

 

Die „Politik“ mit ihren Parteien CDU, FDP, SPD und Grünen war immer der Chef der Verwaltung. Das war schon bei den Nazis so, dann übernahm dies die Bundesrepublik mitsamt der alten „bewährten“ Verwaltung. Diese wurden nur hier und da in meiner Geschichte um das Spektrum „der Demokrat*innen“ erweitert.

 

 

 

Mit meiner Pensionierung, mit Corona und der neuen Gewöhnung an Krieg wurde mir immer klarer, dass ich auch so zu denken hatte wie der Staat. Ich hatte den erzieherischen, schulischen und beruflichen Weg der Nazis, den US-Amerikanischen, den russischen und einen „eigenen“ zur Auswahl. Mein Land demokratisierte zwischen Ost und West. Dann kam um 1990 der Sieg der US-Amerikaner. Die Linke, bis dahin in der DDR an der Macht, verbürgerlichte in 40 Jahren immer mehr. Bürgerlich verspießt war sie immer. Sie verstanden sich subjektiv als Antinazis, sie waren aber Kinder ihrer Zeit. Sie setzten nicht auf Menschenrechte, sondern auf die „Diktatur des Proletariats“ a la Sowietunion und China. Dann kamen, wie gesagt die Menchenrechtler, die Reichen und die alten Nazis alleine an die Macht ...

 

 

 

Die Veränderung zwischen Politik und Verwaltung wurde spätestens seit den 1970er Jahren betrieben und später gesehen. Die Bürgermeister*innen wurden in NRW Chefs ihrer Verwaltungen. Die Gemeinden wurden dort zentralisiert. Bis in die 2020 begegnete mir eine Unterscheidung von Leuten in der Verwaltung und in der kommunalen Politik. Die Verwaltung verselbstständigte sich und wurde mehr und mehr (wieder?) zu einer eigenständigen politischen Kraft. Bald wurde es zur Kunst der/s Bürgermeister/in mit beiden Seiten klarzukommen. Die Zahl der Mitglieder der politischen Parteien wurde immer weniger, ihr Ruf immer schlechter. Es fand eine Politikverdrossenheit statt.

 

 

 

Viele Bürgermeister traten aus ihren Parteien aus, viele Kandidat*innen waren vorher schon von mehreren Parteien benannt. Regierungen kamen als „Koaliationen“ zu stande. Die Bürgermeisterkandidat*innen gehörten zunehmend keiner Partei an. Privates Verdienen und andere Formen der Misswirtschaft wurden bekannt und - hinter vorgehaltener Hand - wurde sogar über Nachkriegsverbrechen gesprochen.

 

 

 

Bin ich auf mich selbst reingefallen? Ging ich nur „neue“ Wege mit? Gibt es keine Trennung von Verwaltung und Politik? Habe ich Politik und Verwaltung nur getrennt? Spielte ich nur das Spiel „einer Oppostion“? Oder kommen Gegensätze jetzt raus? Wurde nur auf diese Illusion gebaut? Oder „säuberte sich die „Verwaltung“ nur von privaten „politischen“ Kräften, um mehr dem Staat zukommen zu lassen? Verwaltung wurde immer mehr, unabhängig, eigenständig und und immer staatlicher (über 50%). Wird Verwaltung nur erwachsener, nur älter? Bedarf es zur Aufrechterhaltung dieser zu neuen Formen, kommt es nur zu einer sich verändernden Rolle der Politik?

 

 

 

Wirtschaft wird mit ihren Superreichen immer bedeutender. Manager, immer weniger Besitzer, verwaltenden und finanzieren die vermögenden Konzerne.

 

 

 

Herrschende waren als Sklavenhalter, Adlige und Kapitalisten nie Nationalisten. Ihre Ideologien waren nie für sie, sondern das Volk. Spiele oder Ideologiespielarten wie Nationalismus, Stärke, Macht, Bauen, Kunst, Rassismus machten „sie“ nur mit. Sie „verdienten“ immer an der Arbeit der Menschen, an Brot, Spielen und Drogen, an Waffen und Ausbeutungen. Ihre eigenen, verkauften Granaten zerfetzten immer Menschen auf allen Seiten der Fronten. Hierbei gab es immer US-amerikanische, russische, britische, französische, chinesische und deutsche Aufrüster, Waffenproduzenten und Kriegsgewinnler.

 

 

 

Es gibt mehr Verbindung von Staat, Wissenschaft, über Projekte, Bankenfinanzierung, Lobbyismus, Soziologen und Gesetzgebung. Es gibt die Ausbeutung der arbeitenden und nichtarbeitenden Menschen, den Wandel des Geldes. Es gibt einen entwickelten Imperialismus, alte Kriegsführung und kriegerische Bereicherung. Es gibt ein neues altes Denken der Herrschenden, eine andere Religion und neu-erscheinende Ideologien müssen her.

 

 

 

Die Menschen hassen ihren Montag, da sie nach „ihrem“ Wochenende zur Arbeit müssen, nicht die Verursacher ihrer Armut, die Mächtigen, die Familien und ihren Kapitalismus. Sie sehen sie erst gar nicht, so wie die Superreichen ihren Reichtum, ihren Besitz, ihren Staat, ihre Autos und Häuser für „normal“ halten. Was bleibt sind „Familien mit Namen“.

 

 

 

Diese „Normalität“ von Armut und Reichtum, Rassismus und Menschenrechten, Ausbeutung und Müßiggang, von Knechtschaft und Freiheit ist es. Es gibt keine anderen Modelle als die des Unterschieds der Menschen. Wir unterscheiden nicht mehr „Klassen“, sondern wie in den 1950er und 1960er gefordert, die herrschende Klasse der Supereichen, und unter ihr, die obere, mittlere und und unteren Schichten.

 

 

 

Wir befinden uns immer noch im Stadium der Politikverdrossenheit. Oh, könnten wir doch die Beschlüsse der UNO, obwohl sie in den USA sitzt, nur alle umsetzen. Aber sie kennen dort ein Vetorecht der Großmächte.

 

 

 

Wir rechnen immer noch mit unserem sozialen, gesellschaftlichen oder religiösen „Aufstieg“. Du bist agyptischer, chinesischer, indischer, römischer, britischer oder US-Amerikainischer Bürger*in und Mitglied einer verwaltenden Schicht. Reich und mächtig musst du von Geburt sein. Es ist seit Jahrtausenden das gleiche.

 

 

 

Mein“ Land wurde mit mir alt. Menschheit ist viel älter. Für die Mitmenschen schäme ich mich oft. Menschenrechte und Menschenwürde sind noch älter und gültiger.