Walter Hövel
Erziehung nach ritterlichem oder feudalen Vorbild

 

 

 

... die Neigung der Deutschen, Gleichheit und Sicherheit der Freiheit vorzuziehen“
Götz Aly

 

 

 

Sehr lange gingen wir der Frage nach, warum dieser „von Gutenberg“ in der deutschen Bevölkerung so beliebt war. Gut, er wurde von der BILD-Zeitung und anderen Medien gefördert. Das wurden andere auch. Gut, er wurde von der deutschen Wirtschaft gefördert. Das werden fast alle Politiker und andere gesellschaftlichen Größen. Er wurde von seiner Partei, die immerhin auch schon damals die größere in der Regierung war, gefördert. Gut, dass werden andere auch und scheiterten. Und so gut aussehen tut er auch nicht.

 

 

 

Wir gingen der These nach, dass sich eine Konsum-Medien-Gesellschaft nicht nur nach dem Glamour der Schönen, Edlen und Gewinner sehnt, sondern auch Leitbilder in Erziehung und Wertesystem braucht. Die Hochzeiten der Schauspielerinnen, Schauspieler und Adligen werden seit langem durch Illustrierte, Tageszeitungen, Filme und Fernsehberichterstattungen ….

 

 

 

Schon länger als Grace Kelly, Sissi, Soraya über Lady Di, das englische, schwedische, spanische, niederländische Königshaus gibt es den Glauben an „die Edlen“, die „Noblen“, die „Besseren“.

 

 

 

Zum Beispiel gibt es seit Urzeiten die historisierten Königinnen und Könige mit König Artus, Merlin und Lady Morgane, mit Karl dem Großen, Sacre Charlement, King Lear, König Lionhearted und Robin Hood, Dschingis Khan, der Herrscher Roms und Ägyptens.

 

Da gibt es die Adligen in den Fantasykönigshäusern der Elfen, der Klingonen, der Monster, Vampire, oder das Revival der Märchen- und Legenden-Königshäuser aus Tausendundeinernacht, den Grimmschen Sammlungen, der Sigfried-, Artus- oder Satans- und Zaubererlegenden.

 

 

 

Es ist das ewige Mitspiel der Adligen aus Religionen und Glauben als „Oh Herr“ und „Oh Lord“, „Gebieter“, „Herrscher“, „Vater“, „Engel“ und Madonnen bis zu den Königinnen der Nacht, der Bühnen, der Filme, der Serien, der Casting Shows oder Soaps. Nicht anders war es mit den Preußen-Königen, den Habsburgern, selbst Hindenburg oder Hitler.

 

 

 

Überall ein Überangebot an Adel.

 

Nur Deutschland ist etwas knapp. Diese hoch lächerlichen Gestalten der „Kaiser“ der Hohenzoller, die Bayernkönige a la Ludwig II und auch der Habsburger tun es nicht. Da müssten wieder Kaiser wie Karl der Große, Barbarossa oder Friedrich der Große her. Aber diese, selbst Bismarck waren und sind seit der Nazizeit verbrannt. Auch wenn Herr Lindlar, der FDP-Vorsitzende ihn zeigend als Gemälde über seinem Schreibtisch hat. Sie tun es nicht mehr.

 

 

 

Also werden die „anderen“ bemüht, aus anderen Ländern oder die „Ersatzadligen“ wie Dieter Bohlen, Heidi Klum, von Hirschhausen oder Thomas Gottschalk. Es sind „unbelastete“ Leitbilder oder neue, vorsichtig wieder aufgebaut.

 

 

 

Die alten wie Graf Lambsdorff stoppen sich leider wie Karl-Theodor zu Gutenberg, verheiratet mit einer Frau aus dem Hause Bismarck, selbst aus den Häusern derer zu Eltz und Ribbentrop, durch Betrug. Auch unbelastete Persönlichkeiten, deren Vorfahren aber durch hohe Posten in der Naziregierung belastet bleiben, von Dohnanyi, der dereinst die Sparpolitik vor allem in der Bildung einführte, ein de Meziere, ein Christian von Stetten oder Arthur von Schnitzler.

 

Zum Beispiel der relativ unbekannte von Stetten. Der 39-Jährige kann auf eine lange Familiengeschichte zurückblicken. Das Adelsgeschlecht Stetten existiert seit 1098, Christian vertritt nun die 30. Generation. Auch der Vater des baden-württembergischen Abgeordneten saß für die CDU im Bundestag, von Stetten hat seinen Wahlkreis gewissermaßen "geerbt". Zu seinem Titel gehört auch ein Familienschloss, auf welches er schon Künstler wie Chris de Burgh einlud, um sich ein Geburtstagsständchen singen zu lassen. 2003 wurde er vom Bundestagsmagazin zum schönsten Abgeordneten gekürt.

 

Da gibt es den bescheidenen Hermann Otto Solms, eigentlich ein Prinz zu Solms-Hohensolms-Lich ist. Da gab oder gibt es Carl-Friedrich Arp Ole Freiherr von Beust oder Christian Ulrik von Boetticher (Ex CDU-Parteichef Schleswig-Holstein). Da gibt es die beiden CDU-Abgeordneten Alexandra Prinzessin von Hannover und Helga Gräfin Haller von Hallerstein.

 

 

 

Jutta von Dittfurth: “Es war im Jahr 1981, als mich die beiden CDU-Abgeordneten Alexandra Prinzessin von Hannover und Helga Gräfin Haller von Hallerstein am Rand einer Parlamentssitzung zur Seite nahmen. Ihre Gesichter waren streng, ihr Ton pikiert, ihre Worte voller Dünkel. Sie warfen mir vor, die 'Standesregeln' sowie die 'Ehre' meiner Familie zu verletzen. Ich war für die Grünen in den Frankfurter Römer gewählt worden und glaubte mich zurückversetzt in den Adelsverband und das Internat. Ende der Siebziger hatte ich das 'von' aus meinem Namen gestrichen und bestand nun auch im Frankfurter Rathaus auf der veränderten Anrede. Damit hatten die beiden Frauen aus vom Adel-und-Banken-Flügel der CDU-Fraktion Probleme. Sie empfahlen mir allen Ernstes, meinen Namen ganz abzulegen, damit ich dem 'Stand' und meiner 'Familie' nicht weiter Unehre zufügte.“

 

 

 

Des deutschen Adels Erbfeind waren stets das republikanische Frankreich, die Russische Revolution sowie die niedergeworfene deutsche Novemberrevolution – allesamt 'jüdisch-bolschewistische' Verschwörungen 'Fremdrassiger'. Eine Bedrohung der ökonomischen Interessen und der Privilegien des Adelsstandes.

 

 

 

Der alte Adel hat in seiner tausend Jahre dauernden Geschichte vorzugsweise inneradlig geheiratet. Es ist die Ausnahme, wenn zwei der heute etwa 80.000 bis 120.000 'Adligen' nicht miteinander verwandt sind. Das sind 0,1 % der Bevölkerung Deutschlands. Im Bundestag sitzen mindestens 10mal so viele.

 

 

 

Die „Familie“ – gemeint ist stets der adlige Großverband und nicht die bürgerliche Kleinfamilie, – die es von „Bolschewisten“ und „Fremdrassigen“ reinzuhalten gilt, ist also immer auch die eigene.

 

 

 

Da gibt es Casimir Prinz Wittgenstein, langjähriger Schatzmeister der Hessen-CDU. Wer bekam den Wald „zurück“ in der Ex-DDR: Fürst zu Solms-Lich, Bruder des ehemaligen FDP-Schatzmeister, Baron Ostmann von der Leihe , an mehrere Grafen von Arnims und von Sayn-Wittgensteins, Hans-Egbert von Arnim, Fürst zu Oettingen-Spielberg, Graf von Finkenstein, Freiherr von Massenbach, Grafen von Arnim-Boitzenburg, Stephan Prinz zur Lippe, Christoph von Bredow, Ex-CDU-Abgeordneter aus Niedersachsen, der bayrische Fürst Albrecht zu Öttingen-Spielberg (http://www.trend.infopartisan.net/trd7802/t297802.html).

 

 

 

Sitzen da nicht in der Politik noch die Damen und Herren Michael von Abercorn, Ursula von der Leyen, Matern von Marschall, Hans-Georg von der Marwitz, Otmar von Holtz, für die AfD neben hauptsächlich reichen Männern und Vertretern der Wissenschaft und Wirtschaft Beatrix von Storch, Wilhelm von Gottberg, Berengar Elsner von Gronow.

 

 

 

Adel war immer verbunden mit dem Militär, der Kirche, der Wirtschaft, der Politik, den reichen Familien, den Medien oder der Wissenschaft. Sie waren immer die, die nahe an Geld, Macht, gesellschaftlichen Sagen und Einfluss waren.

 

 

 

Sie beherrschten uns seit Hunderten, Tausenden von Jahren. Erst 1918 verloren sie in Deutschland ihre Macht. Seither „spielen“ sie als Reiche oder eben mit ihren adligen, sprich noblen Namen immer mit. Nicht nur ihre Kinder gehören weiterhin zum Hochadel, sind Prinzessinnen, Freifrauen oder Apanageempfänger. Sie sind Europa-, Bundes-, Landes-, Kreis-, Senats-, Gremien-, Stiftungs-, Aufsichtsrat-, Revier-, oder Kommunalabgeordnete. „Arbeiten“ wie wir, gehen sie auch heute meistens nicht.

 

 

 

Alleyne aller menlich (jedermanns) nutze were daz, daz her (er) lernte und zcu schule ginge, doch so sint arme lute dovon entschuldiget, dy do mussen erbeiten umb ire narunge. Abir riche und edeln luten ist is bey namen zcemlich, daz sie lernen umb dryerley sache willin [...] wenne (denn) nymant ist von natur eyn herre, her (er) sey denne weyse und kunstig (Johannes von Vippach. 14. Jhrd.)

 

 

 

 

 

Ist unser (mein) Freiheitsbegriff menschenrechtlich? In wie weit ist er feudal-ritterlich geprägt? Will ich meine Kinder rückwärts gewandt frei erziehen? Ehrlichkeit, Höflichkeit oder Männlichkeit sind ritterliche Tugenden. Die Begriffe wurden in der damaligen Zeit erfunden und sind seit damals aktuell in unserer Sprache und Erziehung.