Walter Hövel
Aushalten beim Jammern auf höchsten Niveau

 

Vielleicht ist es für viele recht schwer mich auszuhalten. Immer wieder werde ich politisch. Ich poche auf Menschenrechte, Demokratie, Bildung, Wasser für alle, Frieden, gesundes Essen, Klimaschutz.

 

 

 

Einigen rede ich zu oft von den Faschisten. Wieder andere bezeichnen meine Ansichten als „Weltverschwörung“. Ich ordne schon meine persönlichen Erfahrungen in Deutschland ein. Ich sehe in osteuropäischen Ländern oder bei Herrn Trump und seinen Anhängern viel Rassismus, Frauen- und Kinderfeindlichkeit, viel faschistischen Gedankengut.

 

 

 

Ich stehe gerne gegen Armut und Unbildung, für Leben, Würde, Freiheit und Glück ein. „I keep this note going“, – ich halte auch auf einem Ton aus.

 

 

 

Ich bin für viele nur schwer auszuhalten, weil ich Menschenrechte für Kinder und Unterschichtler, auch rheinisch als „Spass an der Freud“, meine. Ich bestehe auf der Selbstbestimmung beim Lernen, Leben und Lachen nicht nur morgen, sondern jetzt.

 

 

 

Ich bin für viele schwer auszuhalten, weil ich so viel schreibe, denke und die Doppeldeutungen in der Sprache liebe. Ich gehe mal große, mal kleine Schritte, mal bleibe ich stehen. Andere tanzen oder laufen in ihren Rhythmen. Zudem gehe ich manchmal einfach. Es langweilt mich, interessiert mich nicht oder ich kann oft nicht. Jede/r entscheidet, wann sie oder er aufsteht. Es liegt an uns, was wir aushalten. Wenn es irgendwo nett ist, sage ich gerne „Hier lässt es sich aushalten“.

 

 

 

Zudem weiß ich, dass „aushalten“ in anderen Sprachen „supporter“ oder „soportar“ bedeutet, so etwas wie unterstützen. Das tue ich ja gerne. Ich weiß, dass das Modewort „Nachhaltigkeit“ vom Englischen „to sustain“ für „aushalten“ kommt.

 

 

 

Ich weiß, dass Herr Luther den Begriff der „Toleranz“ aus dem lateinischen „tolerare“ für „aushalten“ machte, damit u.a. der Handel geregelt ablief. Ich weiß, dass der Begriff der Integration, vor allem der Inklusion, zu mehr als „Aushalten“ von Menschen gebraucht wird. So müssen wir Flüchtlinge nicht aushalten, sondern wir können sie mit unserem Reichtum „aushalten“. So wächst auch unser Reichtum an Menschlichkeit.

 

 

 

Im Türkischen ist „dayanmak“ eher das „Nebeneinander von Seiten, als Entweder-oder“. Sogar der Widerstand gegen Faschismus und Unfreiheit ist als „Resistance“ in anderen Sprachen als „Aushalten“ gemeint, wenn Menschen etwas nicht aushalten wollen.

 

 

 

Ich weiß, dass das „to bear“ oder „ertragen“ in vielen Sprachen eine Geburt oder Ernte zur Folge hat.

 

 

 

Manchmal halte ich andere auch frei oder freue mich, wenn ich frei gehalten werde.

 

 

 

Ich muss keine Feinde aushalten. Ich kann nur meinen Teil denken, sagen, schreiben und tun, - alleine und gemeinsam - und dabei jetzt lernen. „Aushalten“ scheint mir „lernen“ zu sein, auch beim „Allemitnehmen“.

 

 

 

Wer wirklich was auszuhalten hat sind viele Kinder. Ihre Erwachsenen haben wenig Zeit für sie. Mal werden sie zu Erwachsenenentscheidungen gezwungen, mal wird ihre Kinder- und Jugendzeit einfach verlängert. Für viele sind Kinder unfertige, kleine Menschen.

 

Die Großen jammern viel auf höchstem Niveau und haben vor der Zukunft gerne die „German Angst“.

 

 

 

In der Schule werden Höchstleistungen verlangt und Kinder und Jugendliche müssen 10 Jahre lang ohne Bezahlung am Tag in der Ganztagsregel acht Stunden arbeiten gehen.

 

 

 

Kinder lernen auch in ihrer frühen Kindheit sich selbst auszuhalten, wenn ihre persönlichen Kompetenzen sich um die sozialen erweitern.

 

 

 

Bis dahin waren sie –in der Regel umsorgt - „alleine“ auf der Welt. Erwachsene erzwingen da gerne ein Unterordnen, was sie später „Unterrichten“ nennen.

 

 

 

Das alternative „Aushalten“ ist zu lernen das Lernen als eigen bestimmtes Lernen zuzulassen.