Lehramtsanwärterinnen, eine Autorinnen oder Hospitantinnen führte eine Befragung durch

 

Kinder entscheiden selbst

 

Rahmenbedingungen der Befragung:

 

Aus jeder Klasse waren 2 Kinder vertreten. Dabei war in den häufigsten Fällen (ich glaube abgesehen von einer Klasse) ein Kind dabei, dass vorher bereits eine andere Schule besucht hatte, also 2 Perspektiven mitbrachte. Im Kollegium gab es den Beschluss, dass die Befragung in dieser Form stattfinden sollte. Wir haben den Kindern eure Fragestellung wortwörtlich vorgelegt. Sie war ihnen während der ganzen Diskussion vor Augen.

 

14 Kinder waren beteiligt. Sie haben die jeweiligen Fragestellungen aufgegriffen und mit ihren eigenen Erfahrungen und Ansichten verknüpft. Dadurch kam eine Diskussion zustande, die sich im Kern um die in der Schule gelebte Demokratie drehte, in der aber auch auf die Aussagen der Vorgänger Bezug genommen wurde.

 

 

 

In unseren Notizen haben wir versucht, die Aussagen festzuhalten. Die folgenden Punkte sind ausschließlich Aussagen der Kinder. Wir haben nur sehr selten Denkanstöße gegeben (kenntlich an den unterstrichenen Fragestellungen)

 

Vor allem im ersten Teil des Gesprächs beziehen die Kinder die „eigenen Entscheidungen“ auf ihre Lernprozesse.

 

 

 

Zusammenfassung:

 

Kinder sollten versuchen selbst zu entscheiden, was sie Lernen wollen. Einzelne Kinder finden es gut, dass sie selbst entscheiden können, wann sie was tun oder lernen, weil sie die Materie dann viel besser verstehen, viel besser reinkommen. Aber Kinder sind unterschiedlich, deswegen gehen sie auch unterschiedlich mit diesbezüglicher Entscheidungsfreiheit um. Manche Kinder können Entscheidungen treffen, also ihr Lernen selbst in die Hand nehmen, andere können das nicht. Das zeigt sich darin, dass diese Kinder kaum arbeiten, nur Blödsinn machen und Techniken perfektionieren um sich vor dem Lernen zu drücken. Sie sind mit der Freiheit überfordert und können keine eigenen (Lern-) Entscheidungen treffen. Für diese Kinder wäre eine andere Schule besser, weil da immer der Lehrer entscheidet – wie ein König. Es wird aber vermutet, dass diese Kinder an anderen Schulen auch nur Mist bauen. Allerdings ist es hier viel anstrengender, sich selbst zu entscheiden, verglichen mit anderen Schulen, wo es keine Mitbestimmung gibt. Dort ist alles durchorganisiert. Ja, aber der Nachteil ist, dass alle immer im selben Tempo alles machen müssen. Das ist langweilig für die, die das schon können.

 

Selbst entscheiden zu können ist die beste Möglichkeit. Allerdings besteht die Gefahr, dass man immer nur das macht, was man gerne tun möchte. Daher ist es notwendig, dass es Lernberater gibt, die einem sagen, dass man auch die anderen Dinge nicht vergessen sollte. Man kann ja nicht ein Jahr lang nur malen, sondern muss auch andere Dinge tun. An unserer Schule fehlt, dass man auch mal zum Arbeiten/Lernen gezwungen wird. Die Lehrer sollten Kinder nicht zum Lernen zwingen, „weil dann hat man noch weniger Bock“. Außerdem ist selbst entscheiden gar nicht so schwer, schließlich können andere Kinder ja „auch Ideen geben“. Problematisch wird es, wenn Kinder gar nichts tun. Diese Kinder sollte man antreiben. Es geht nicht, dass Kinder gar nichts tun. Legitim ist, wenn Kinder vielleicht eine Pause machen, um danach weiter zu arbeiten. Den untätigen Kindern muss man helfen,

 

  • beispielsweise indem größere Kinder kleineren Kindern helfen.

  • Lernen ist eigentlich notwendig, also … wenn ein Kind nicht lernen will, dann muss man die Umstände so verändern, dass es lernen will!“ Ja, manche Kinder haben aber zu Hause Stress mit ihren Eltern, also keinen Bock zum arbeiten.

  • Man könnte auch Kompromisse aushandeln, nach dem Motto: „wenn du dies machst, dann darfst du das“. Aber man lernt doch für sich selber und nicht für Belohnungen. Kinder sollen von sich aus arbeiten/lernen. Was man machen muss macht keinen Spaß, aber was man machen will macht Spaß

  • Hinter der Arbeit/dem Lernen muss etwas Attraktives stecken, beispielsweise die Perspektiven Beruf, oder Geldverdienen

  • Probleme müssen geklärt werden

  • Es macht glücklich, wenn man etwas machen will

  • Mich interessieren Probleme“ die geklärt werden können, Kompromisse und Belohnung sind nicht nötig

 

 

 

Man kann erreichen, dass Kinder lernen/arbeiten wollen, indem man ihre Interessen ernst nimmt und zulässt, oder bedeutsame Projekte mit einem gemeinsamen Ziel anregt (bspw. CD mit Texten als Weihnachtsgeschenk für die Eltern erstellen)

 

  • Ich schreibe gerne Texte. Das macht mir Spaß, weil ich so viel schreibe. Andere Kinder stellen mir dann Fragen dazu.

  • Mathe macht Spaß. Man knobelt das Ergebnis. Ich mag das so und kann auch andere Sachen machen. Man kann sich hier selbst entscheiden, was man machen kann.

  • Ich finde Deutsch wichtig und es macht mir Spaß

  • Ich mache alles gern

  • Ich mag gern Musik und möchte später Sängerin werden

  • Ich will es und will es nicht – Rechtschreiben – weil ich weiß, dass es wichtig ist und ich es brauche, also mach ich es

  • Ich schreibe für mein Leben gerne. Ich bringe meine Ideen aufs Blatt, weil ich sie sonst in meinem Kopf nicht behalten kann. Ich möchte Schriftsteller werden und dann auf meine Notizen zurückgreifen können

  • Kunst, weil freier Ausdruck

 

 

 

Alle Kinder finden es ok, dass sie selbst entscheiden können und sollen. Die Hälfte der Kinder ist der Meinung, dass untätige Kinder zum Arbeiten gezwungen werden sollten. Zwei Drittel der Kinder ist der Ansicht, dass man Kinder eher antreiben als zwingen sollte. Knapp die Hälfte der Kinder glaubt, dass sie auch dann lernen würden, wenn sie zum Lernen gezwungen würden. Zwei Drittel der Kinder empfindet es als leicht, gelegentlich auch mal als schwierig, sich selbst zu entscheiden. Keinem Kind fallen Entscheidungen richtig schwer.

 

 

 

Wenn Kinder in der Schule alles selbst entscheiden könnten, würde das reinste Chaos ausbrechen. Die Schule würde sich in eine Disco verwandeln und die meisten Kinder würden nicht mehr lernen. ¼ bis ½ der Kinder würde nur noch draußen rumrennen und tun, wozu sie Lust haben. Man ist sich einig, dass diese Freiheit auch Grenzen haben muss. Das zeigt die Äußerung: „alles selbst entscheiden ist nicht immer gut“. Eine Bedrohung des Lernens wird gefürchtet, schließlich ist Lernen wichtig und es gibt Kinder, die nichts anderes als Blödsinn im Kopf haben und nicht lernen wollen. Den Kindern an der Schule, die sich noch nicht richtig entscheiden können, muss geholfen werden. Andererseits hat kein Kind nur Blödsinn im Kopf. Wenn sie sehen würden, dass andere Kinder lernen, könnten sie sich ein Beispiel daran nehmen. An dieser Stelle überlegen die „lernwilligen“ Kinder, wie sie „lernunwillige“ Kinder „auf ihre Seite ziehen“ können. Wenn das funktionieren würde, also eine Schule, an der alle Kinder lernen wollten und Kinder alle Entscheidungen träfen, das wäre der Himmel. Die Überzeugung wird immer stärker, dass Schule auch „in Kinderhand“ funktionieren kann, schließlich ist es es ja selten, dass alle etwas Falsches denken. Die Kinder werden sich ihrer Institutionen und Foren wie Kinderparlament, Schulversammlung, Klassenrat, etc. bewusst und erkennen die Chance, die in der Gemeinsamkeit liegt. Schließlich sind sie überzeugt, dass eine Schule auch funktionieren kann, wenn Kinder alle Entscheidungen treffen.

 

 

 

Schriftliches Fazit der beteiligten Kinder:

 

Mir ist wichtig geworden das Lehrer kaum gebraucht werden. Kinder können auch allein Schule machen.

 

Mein Papa darf nicht über mich bestimmen, weil ich ja selber entscheiden will.

 

Auch ich lerne das kleine 1*1 66+33=99

 

Kinder dürfen Sachen selber entscheiden aber nicht alles. Kinder dürfen nicht alles selber entscheiden dürfen. Es muß auch Grenzen geben.

 

Kinder sollten nicht selbst entscheiden. Man sollte selbst entscheiden was sie arbeiten in der Schule.

 

 

 

Schreibe auf, was Dir am wichtigsten war.

 

 

 

1 Einrad fahren,

 

2 dass man frei lernt,

 

3 das wir auch Kinder in Scheidungen treffen dürfen. Also das der oder die Lehrer nicht der König ist

 

 

 

1 die Selbstentscheidung ist mir wichtig

 

2 dass nicht alle über mich bestimmen, weil bei Arbeiten ist die Selbstentscheidung was du schreibst oder machst sehr wichtig

 

3 man soll frei lernen und die Meinung sagen dürfen

 

 

 

meine Lehrerin kann manchmal für mich entscheiden. Meine Eltern können immer für mich entscheiden.

 

 

 

1 Ich finde es wichtig, dass alle Kinder ein paar Sachen selbst entscheiden können z.b. was sie machen, und das sie nicht immer das selbe tun.

 

2 Für mich ist es wichtig, dass Kinder nicht alles entscheiden können, weil sonst vergessen sie das Lernen und wenn die Klasse einen Aufsatz schreibt, kapiert es nicht worum es geht.

 

3 Ich mag es, wenn ich Lernen kann, egal was. Hauptsache, ich kann etwas lernen, und es macht mir Spaß.