Fragen zuerst.

Ist die Veränderung der Rolle des Mannes eine gelegte Spur, die von den Hauptübeln Krieg, Macht und Arbeitsausbeutung ablenkt? Oder lockert sie Verstrickungen? Ist die Loslösung von Männerherrschaft der Pfad der Befreiung von Ausbeutung und Armut? Führen die Betonung der Rolle der Frau, des Kindes, der Natur zu einer gerechteren Gesellschaft? Führt uns die „Emanzipation“ noch mehr zur Ausbeutung durch Freisetzung der Frau zur Arbeit hin, aber weg von der traditionellen Kleinfamilie? Ist die Befreiung von den Fesseln der Ehe hin zur „Freiheit“ für alle? Ist die Erziehung der Kinder zu erweitern und noch mehr in die Hände des Staates zu legen? Wird der Weg der gesellschaftlichen Überwachung durch die Erwachsenen fortgesetzt oder kommt die demokratische Erziehung noch mehr in die Hände von „Wissenschaft“ und „Expert*innen“? Werden Menschen endlich durch ein generelles gesellschaftliches Grundeinkommen gesichert oder von der Bindung an ihre Kinder weiter abgekoppelt? Wird es eine Lösung der Zeitressourcen und Absicherung der Schwangerschaft und der Nachkommen geben? Oder gibt es nur die Alternative unserer eigenen Ausrottung? Welche Rolle spielen Konzerne, ihre Werbung und Markterziehung? Wird die Liebe von Partnern oder notwendige Liebe zu Kindern neu definiert? Wird alles unmenschlich? Lernen wir in die eigene Zukunft zu blicken? Oder gewinnen wir eine neue Sichtweise ohne die Zeit?

Es ist dies alles und nicht.

 

 Walter Hövel

Gedanken zur Väterrolle
Gesellschaftsentwicklung im September 2021

Student*innen haben alle ihre eigenen Themen. Jede Student*in geht seiner ureigenen Frage nach. Sie wissen, was oder wie das geht, im Normal- oder Regelfall. Vielen Dozent*innen ist das Denken und Vorgehen der Studentinnen - in ihrem Sinne – nicht „wissenschaftlich“ oder „geld- oder macht-einflößend“, nicht gesellschaftlich relevant genug. Dzent*innen schlagen Student*innen vor noch dieses oder jenes zu lesen, sich damit zu beschäftigen, zu berücksichtigen, … Dieses treiben sie soweit, dass sie Student*innen von den eigenen Themen, Inhalten und Formen abhalten. Leider ist dies die Regel. Die Dozent*innen beschweren sich dann über „ihre“Studen*innen“, also die selbst gestaltete Aus-Bildung. Sie verstehen „ihre“ Student*innen selten. Sie hören sich selber zu, oft genug, weil sie eh nur das hören, was sie selbst schon schrieben oder sagten. Sie bilden zu ihren Fragen und Ansichten aus, nicht zu den Fragen der Kinder. Hinzu kommen eine Unzahl von Karrierist*innen der - in der Regel - Mittelschichten.

 

Einer Student*in „verdanke“ ich dieses Thema. Leider ließ sie sich von einer Prüfungsamtsvorsitzenden von ihrem Weg abbringen.

Vielleicht findet sie ihn wieder. Ich hoffe es.

Ich denke, dass wir in einer Zeit der Umstellung der Gesellschaft sind. Diese Zeiten wechseln wie die Wellen von Sinuskurven. Mal werden Veränderungen gebraucht, mal verändern die Menschen mehr. Alle Zeiten sind dabei Krisenzeiten. Dazu gehört, dass herrschende Familien oft einige neue Regeln brauchen, um weiter mächtig zu sein, und dass die Menschen gleichzeitig das eigene Handeln und Denken in Frage stellen. Dazu gehören das Problem der Umwelt, des Klimas, des Essens und Trinkens, das Kriegeführen, die Rolle der Bildung, das Wirtschaftssystem und ihr Geldverdienen und last but not least die Abschaffung des Patriarchats, die Rolle der Frauen und der Kinder, die Inklusion und Menschenrechte für alle. Dazu gehört dann auch die Rolle der Väter und Mütter in Familien und Gesellschaft. Wie schon vor 100en von Jahren wird die Rolle der Männer in Frage gestellt.

 

Ästhetik ordnet sich nicht dem intellektuellen wissenschaftlichen Arbeiten unter,

sondern ist ihr eigener Zweig“

 

Fragen

Wann ist der Beginn der „Vaterforschung“? Welche Rolle spielen Faschismus, Arbeit, Rassismus, Ausbeutung und Vernichtung der Natur, Monarchismus und Militarismus, das Rechtssein-Denken?Welche Rolle spielt das dreifache Alters- und geschlechtsspezische Hierarchisieren (Männer . Frauen – Kinder)? Wie und wann entstanden sie? Welche Rolle spielt das Bürgertum und das bürgerliche Denken? Welche Rolle spielt die Tatsache, dass immer weniger Reiche immer reicher werden? Welche Rolle spielen das Bestehen von Gegenmächten in Form eine realen Sozialismus, von Bauernkriegen oder des entstehenden Christentums? Welchr Rolle spielen Naturkatastrophen odeer die Entwichlung deer Natur oder des Kosmos? Welche Rolle spielen Konservatismus oder Revolutionen?

 

Denken wird von vielen bürgerlichen Denkern in rechts und links eingeordnet. Dabei ist es eins. Links und rechts ist in der Entstehung und Schaffung der bürgerlichen Ideologie. Ich kann nicht „zukünftig“ denken und handeln, ich handle und denke bürgerlich oder feudal. Also denke ich gerade fortschrittlich als Bürgerlicher. Ich kann höchstens wie ein Surfer auf der Welle des jetzigenen Denkens reiten.

 

Mit der jetzigen Phase der Menschheit erfanden die Menschen die Rechte für alle Menschen. In jeder Phase gibt es Reaktionäre, die die Vergangenheit retten wollen, denen Sicherheit wichtiger ist als Freiheit. Sie wollen die Welt wie sie ist. Sie wollen eine Welt zu ihrem Vorteil. Sie setzen ihre Ziele mit Krieg, Gewalt und Macht durch. Es gibt die, die dem Neuen folgen ohne die Herrschafts-verhältnisse zu verändern oder möglichst schnell wieder herstellen wollen. Auch sie versprechen sich von Kriegen die Herstellung ihrer Macht und ihre Sicherheit. Es gibt jene, die nur den Starken und Religionen folgen wollen und nicht selber denken wollen. Sie wollen dienen, treu sein. Und über alle, die dieses Oben und Unten nicht wollen, lachen sie. Sie belachen ihre eigenen Erfindungen der Menschnrechte. Sie erfinden Grundsätze der Religionen mit den zehn Gebote, immer wieder demokratische Systeme mit der Gewaltenteilung oder immer wieder eine Rechtssprechung.Sie sind für das Volk da, herrschen aber nicht für die Mächtigen.

 

Und es gibt jene, die Menschrechte und Frieden ausdehnen wollen. Sie wollen die Welt so verändern, dass dort alle Lebewesen frei sind. Für sie ist die Rolle aller Frauen, Männer, Kinder und Lebewesen wichtig. Sie wollen eine Welt für alle, ohne Krieg, Ausbeutung und Armut.

 

Gibt es eine Tendenz, eine Chance in der Vaterrolle, die sie sich immer „neu“ bildet“? Wie bildet sie sich? Welche Möglichkeiten gibt sie der Zukunft? Entsteht „heute“ eine „neue“ Sicht durch den Zugang neuer Kulturen durch Arbeit und Flucht, durch die Entwicklung der Wirtschaft und der Zahl der Menschen? Oder gab und gibt es den immer die alten, gleichbleibenden Resultate durch Krieg, Militär und Ausbeutung? Welche Rolle spielen „Sprünge“ in der gesellschaftlichen Entwicklung, etwa durch wirklich neues Denken, Revolutionen, Machtumstürze, neue ökonomische Bedingungen, Klimaschwankungen? Gibt es mehr als diese Zeitenwenden? Unser Kosmos scheint von Kathastrophen und Veränderungen, Entwicklungen zu strotzen.

 

Besonders die Diskrepanz zwischen der gesellschaftlichen Vorstellung wie ein Vater- oder Männerbild zu sein hat und den tatsächlichen Verhaltensmustern und subjektiven Wahrnehmungen von Vätermodellen werden für dieses Thema relevant. Sie müssen immer wieder neu eingeordnet werden in Zeit, Herrschaft und einen Kampf der gesellschaftlichen Kräfte. Sie müssen immer wieder neu verstanden werden.

 

Was war in der Zeit (um 1900) als die Mehrheit der Deutschen noch in der Landwirtschaft arbeitete? Eben fast alle Menschen arbeiteten in einer feudalen Produktionsweise, nämlich auf dem Feld und nicht in der Fabrik. Welche Rolle spielt heute das Verlassen der Fabriken, vor allem der Menschen in unserem Land, als auch das Verlassen der Fabriken in andere Länder? Welche Rolle spielen das Verwalten von Pflege, Wirtschaft und Staat bei uns? Ein ehemaliger Freund sagte einmal, das alle großen Staaten an der eigenen Verwaltung gescheitert wären.

 

Woher kommt das „Wunschbild der Vaterrolle“? Wann entsteht es? Wann entstand unser heutiges Vaterbild? Warum und wie? Gibt es Veränderungen und welche in matriarchalen und patriarchalen Ordnungen? Bei anderen Tieren, in verschiedenen Gattungen? In Zeiten der Essensknappheit und des Überschusses oder in paradisischen Zeiten und Zeiten der Volkswanderungen,? Unter urkommunistischen Zuständen? In Gesellschaften der First Nations? Sklavenzeiten? Unter Religionen? In einer dörflichen oder städtischen Produktionsweise? Bei Anwohnern des Landes, der Gebirge oder Gewässer? Bei feudalen, kapitalistischen oder oligarchischen Herrschaftsformen? Im Rassismus, in Krieg oder Ausbeutung? Welche Zusammenhänge gibt es jeweils?

 

Die Studentin schreibt: „Denn Lebensformen sind seit Jahrhunderten im stetigen Wandel und so muss auch der Begriff von Elternschaft immer neu angepasst werden.“

 

Ein Kind sagte zu meinen eigenen Trennungserfahrungen: „Ihr dürft euch trennen. Nur das richtig zu können, könnt ihr lernen“!

 

Stimmt der Vorwurf der Alten, dass junge Menschen, die anders denken als ihr Großeltern verstrickt sind in das heutige Denken und nicht die historische und soziale Entwicklung des Familien und Rollenbegriffs sehen? Zumindest sehen sie es anders. Sehen sie mehr? Sind sehr viele Medien- und Elektronic verliebt? Stimmt das Denken, dass sie nicht – oder anders – den Einfluss von Firmen, Familien und Macht sehen. Sie wollen eine Gesellschaft, in der jede/r zählt. Sie wollen ihre Freiheit!

 

Darauf bezogen lautet die Fragestellung der Studentin: ,,Wie nehmen Väter aus subjektiver Perspektive die Diskrepanz zwischen der Wunschvorstellung des väterlichen Rollenbildes und der eigenen erlebten Lebenswelt auf?‘‘

 

Zukünftige „Sozialbedienstete“, aber auch junge Expert*innen und Wissenschaftlerìnnen wissen sehr genau was sie schreiben und sagen. Gültige Regeln der Praxis und der Gesellschaft und „wissenschaftliche“ Aussagen sind oft Hindernisse, selten zu erwartetende Hilfen. Sie halten sich an die Regeln der Erwachsenen, an die gültigen Regeln des wissenschaftlichen Arbeitens. Sie sind sehr „erzogen und gebildet“. Aber oft genug sind Wissenschaften Zugang und Mutter der „neuen“ Gedanken.

 

Sie sehen: „Diese Ansprüche an die Elternschaft in der Gesellschaft werden auch im Bezug zu dem wachsenden, auftauchenden Druck in der Arbeitswelt auf die Eltern ausgeübt. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird zu einer modernen Herausforderung.“

 

Die Studentin sieht es sehr wohl, gibt aber ein anderes Gewicht. Früher übernahmen proletarische Männer und „ihre“ Frauen das bürgerliche Modell der Kleinfamilie. Der Mann hatte die Familie zu ernähren, sie den Nachwuchs zu bekommen – und er wachte über das Ganze.

 

Der Staat, oder die „Allgemeinheit“, also „die Gesellschaft“ übernimmt mehr und mehr den Aufenthalt der Kinder außerhalb der Familie. Nur einerseits gibt es die traditionelle Be“herr“schung der Gesellschaft, andererseits ein Denken, zu dem Karl Marx einst sagte, dass es das Denken der „Herr“schenden ist. Aber hier gibt es eine Anpassung an „modernes“, sprich „neues“ Denken der Menschen und (!) eine Lenkung in wirtschafttlich „brauchbare“ Erziehung.

 

So wie der gesellschaftliche Anspruch an die Erziehung der Kinder steigt, so lässt die „Beziehung“ zur Familie nach (?), zumindest schwindet ihr Erziehungsanspruch. „Väter (Männer) verlieren ihre Macht in den Familien. Doch was „ersetzt“ die Keimzelle der Gesellschaft, die Familie, der Mensch, das Individuum? Dummerweise steckt da - zumindest in den europäischen und amerikanischen Ländern - das Wort „Mann“ in man, Mensch, man,woman...

 

Da schreibt Günter Burkhardt in seinem Aufsatz „Das modernisierte Patriarchat“ „Doch was das Zeitbudget innerhalb der Familie von Vätern und Kindern angeht, lässt sich bereits ein erhöhter Wunsch nach mehr Beteiligung ersichtlich machen, jedoch lässt sich erst in Zukunft, wenn Mütter die Versorgerrolle komplett übernehmen würden, wegen ihrem fortschreitendem Bildungsvorsprung, erkennen, ob dieVäter dann mitziehen und somit diesen Rollentausch zur allgegenwärtigen Norm machen.(vgl. Burkart,2007, S.86)“

 

Was sagt Burkhardt da eigentlich? Herr Burkart kennt die Mütter und Väter. Er weiß um ihre Zukunftsrolle (wenn Frauen die Versorgerrolle komplett übernehmen würde), ihr „Bessersein“ (wegen ihres fortschreitenden Bildungsvorsprung), er kennt die „mitziehenden“ Väter und somit einen „Rollentausch zur allgegenwärtigen Norm machen“. Weiß Herr Burkart wovon er spricht oder wird er nur „schlecht“ zitiert? (Er steht nur stellvertretend für abertausende von Expert*innen.)

 

Oder fordert die Studentin den Rollentausch und begründet diesen mit einem „Bildungsvorsprung“ und fordert als Voraussetzung die „komplette Übernahme der Versorgerrolle der Mütter“?

 

Das wird sich „der Staat“ sicherlich nicht gefallen lassen. Es wird an einem „kompletten Rollentausch“ und am Willen der Mütter, die Versorgerrolle vollkommen zu übernehmen, etc. scheitern. Wird die Rolle des Staates historisch, sozial, psychisch und pädagogogisch vernachlässigt? Trotzdem ist mehr Weiblichkeit, wie mehr Kindsein oder “naürliches Verhalten“ einforderbar! Es ist machbar.

 

Es gilt als „wissenschaftlich“, nur weil es in einer „wissenschaftlichen“ Zeitschrift erschien. Einst reichte im „realen Sozialismus“ ein Zitat von Marx, Engels oder Lenin um das Gesagte „richtig“ zu machen. Früher konnte man an der Äußerung jedes Experten sehen, „welcher Schule“ er entsprang. Heute hat „Wissenschaft“ eher einen universellen Anspruch.

 

Was ich schreibe, belegen Bambey und Gumbier, ... oder? „Die heutige Vaterschaft wird gegenwärtig nicht mehr auf der Basis einer unreflektierten Aufnahme eines traditionellen Rollenverständnisses gebildet, sondern steht im Zentrum eines fühlbaren Wandels eines Lebensstils von Familie, welche den patriarchalen Strukturen zunehmend den Rücken kehrt“.(vgl. Bambey; Gumbinger, 2019, S.15) Bar jeder historischen oder machtpolitischen Einordnung? Spökerei oder Wissenschaftlichkeit? Schon geschehen, geschieht es, wo, in unserem Mittelschichtenland oder in China oder Arabien, in der Zukunft? Oder im Denken der herrschenden Familien, die sich dann auch durchsetzen werden?

 

Wir sollen aber in Zukunft den Begriff 'konservativ“ so denken, formulieren und anwenden, dass konservativ heißt, an der Spitze des Fortschritts zu marschieren, dass konservativ heißt, das, was am überkommenen Erbe erhaltenswert und gut ist, zu erhalten,

dass konservativ aber auch heißt, ständig neue Werte zu schaffen, die der Konservierung wert sind,

und damit die Kontinuität zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu schaffen.“

Franz Josef Strauß 1968 in München

 

Wir leben in der Zukunft. Gegenwart dauert immer nur 10 Minuten. Aber was erhaltenswert ist, wurde von Strauß und seinen Anhänger*innen falsch beantwortet. Die Frage was Werte der Zukunft sind, auch.

 

Warum lässt man die Student*innen nicht schreiben was sie denken? Warum antworten Professor*innen ihnen nicht, was sie denken? Warum will die Wissenschaft eine Zukunft aus der Vergangenheit, aus ewigen Wahrheiten oder ihren (oft noch bezahlten) oder abgeschriebenen und oft genug wiederholten Untersuchungen „gestandener Wissenschaft“ ableiten? Es kommt doch eh anders! Ich kann nur beschreiben und Meinung abgeben, was hier und jetzt ist oder war. Und das sehr verschieden. Die Deutschen sind konservativ, ihre Vielfalt auch.

 

Nicht nur die Art und Weise der "wissenschaftlichen" Arbeit wird bestimmt. Prüfungsarbeien haben Themen, die sind studien- oder prüfungsrelevant, andere nicht. Sie werden nicht so gewichtet. Welche Eingriffe gegen das Denken der Student*innen! Erstprüfer*innen bekommen weniger Lehrstunden, wenn sie im Haus angestellt sind, andere, die "nur" Lehtbeauftragte sind, gehen wie alle Zweitprüfer*innen leer aus. Sie machen den Job umsonst. Welch ein Eingriff gegen das Denken der Student*innen.  Bei Examensarbeiten wird mehr und mehr nicht nur bei "Wissenschaftler*innen" abgeschrieben, sondern auch bei Student*innen. Es wird  nicht oder nicht alles zitiert, und wer Geld hat, lässt die Arbeit von Profis schreiben. Das ist gang und gebe. Welch eine Blamage "für die Freiheit der Wissenschaften"! Seit meinen AStA-Zeiten Anfang der 1970er hat sich die Lage in Studienordnungskommissionen und den Hochschulen nur verschlimmbessert. Das sind 50 Jahre!

 

Mit den jetzigen Mitteln der Wissenschaft kann ich behaupten, es gibt keinen Klimawandel. Ich muss nur mächtig oder begütert genug sein. Glauben wir wieder an „ewig vorbestimmtes Schicksal“? Wird nicht „Wissenschaft wieder – auch nach vorne gewandt – angezweifelt?

 

Schließlich steht dem die wohl gesehene „hohe Berufsorientierung sowohl der Mutter als auch des Vaters und (!) der eigene „Wunsch nach individueller Selbstverwirklichung“ im Wege. Der „Staat“ wird diesen Widerspruch als Herrschaftsmittel der Rolle vielleicht aus der Hand geben müssen, aber nicht die Spannung zwischen Berufs-Leben und Kinder-Reproduktion. Die Tendenz ist eher eine noch stärkere Belastung die Mütter und die Abwälzung auf die Väter.

 

Was ist das „Idealbild einer Vaterschaft? Woher kommt es?“ Was ist „fortschrittlicher“? Die Studentin versucht solchen Fragen nachzugehen: „Doch um den Wandel des Vater-Idealbildes näher und einheitlicher verstehen zu können ist es sinnvoll, sich auch mit den historischen Ereignissen in Bezug auf die Vaterschaft und des Wandels dieses Rollenbildes zu beziehen.“

 

Wie war die Vaterrolle in vorindustriellen, feudalen, nicht bürgerlichen Zeiten? Wir war sie davor, in Sklavenhalter- und vorfeudalen Zeiten? Wie und warum gab es eine Verschiebung von einer matriarchalen zu einer von Männerherrschaft geprägten Gesellschaft?

 

Die Studentin folgt einer Spur, die da heißt „So stand das Kind und nicht mehr nur der Vater im Fokus der Familie.(vgl. Walter, Eickhorst, 2012, S.300)“ Dies stimmt leider nicht. Es rückten vor allem erst einmal Frauen, wieder Männer und ihre Beziehungen in Beruf, Familie und Gesellschaft den Mittelpunkt. Kinder werden noch lange nicht gesehen.

 

Zweifelsfrei gibt es eine „Diskrepanz zwischen der Wunschvorstellung des väterlichen Rollenbildes und der Realität dessen.“ Doch wie lauten ihre Definitionen und diese Diskrepanz?

 

Sie schreibt: „Diese im späteren Verlauf noch konkreter, individuell nachgegangene Frage bezieht sich dementsprechend jedoch nur auf eine westlich geprägte europäische Gesellschaft. Dies bedeutet jedoch nicht, dass weltweit schon überall diese neuen Vaterschaftsbilder herrschen. Doch feststeht, dass das neue Bild des Vaters in vielen Ländern schon fortschrittlicher ausgelebt wird oder wurde wie beispielsweise im Vergleich zu Deutschland.“ Was denn jetzt? Sind Menschen anders, nicht gültig für eine „westlich geprägte europäische Gesellschaft“ oder „Dies bedeutet jedoch nicht, dass weltweit schon überall diese neuen Vaterschaftsbilder herrschen.“ Die Verwirrungen und Unklarheiten der „Wissenschaften“ scheinen auf die Student*innen abzufärben.

 

Kinder brauchen die persönliche, eigene Erfahrung, dass sie „gute Väter“, nicht nur gute Mütter sein wollen. Sie brauchen Erfahrungen in und mit eigener Demokratie, in eigener Macht.

 

Menschen, die selber Demokratie leben, können sie beeindruckend an andere weitergeben.

 

Junge Mensche sprechen von „verschiedenen Vaterbildern“. (Waren sie nicht immer verschieden und doch so ähnlich?) Sie kommen zu dem Schluss: „Somit werden Vaterschaftsdiskurse sowohl familien-wie auch geschlechterpolitischer und nicht nur das Thema der Vaterschaft selbst steht im Fokus, sondern auch die Geschlechtergleichheit und Gerechtigkeit werden diskutiert. Und so wurden die Debatten des neuen Vaterbildes bis heute immer mehr in den Fokus der sozialen Familien und vor allem der Väterforschung gelenkt.“

 

Unterscheidet sie da ein gesellschaftliches Männerbild und ein familiäres Vaterbild, oder sieht sie die parallele Entwicklung? Nicht alle Männer in Wirtschaft, Banken, Schulen und Pflege sind „Väter“. Sind sie alle „Männer“? Und wie viele Frauen? Wieviele Kinder genießen es Kinder zu sein und nicht möglichst bald „erwachsen“? Wie viele Kinder sind sich ihrer (Ohn)macht bewusst?

 

Die Vatertypen/rollen werden beschrieben, unabhängig von der Mutter, dem Kind(!), den Geschwistern, den Großeltern, der Kita, der Schicht, der Herkunft, der Kultur, der Bildung, dem Alter ,...

 

Wurden „Frauen“ nicht immer als kompetenter in der Erziehung, „Männer“ in der Entscheidung angesehen? Sind es nicht beide Menschen, die „erziehen“ und „entscheiden“ können? Ist das nicht der Kern der Menschenrechte, die Gleiheit aller, ab als Frau, Kind oder Mann? Und was kam bisher dabei heraus?

 

Erziehen nicht Frauen alle Kinder? Wird Ungleichheit nicht weniger? Erzieht nicht der „Patriarchismus“ in einer patriarchlen Welt? Ersetzen wir die Herrschaft der Herren nur durch eine Herrschaft der Frauen? Oder war da nicht etwas anderes gemeint?

 

Haben mehr einfache Menschen in ihrer Geschichte nicht seit Jahrhunderten das erste Mal Zeit nicht um ihr Überleben zu kämpfen, sondern überhaupt über ihre Rolle in der Gesellschaft, in der Familie, in der Partnerschaft nachzudenken?

 

Haben sich die Zeiten nicht so verändert, dass Frauen, Männer und Kinder überhaupt über sich selbst nachdenken? Sie sind nicht mehr die rücksichtlosen Herren, die über andere bestimmen. Zum Konumenten in Vielfalt und Freiheit gehört auch die Bestimmung der eigenen Rolle. Dazu gehören neue, andere Definitionen. Unser Gehirn lernt mehr und mehr zu denken, auch demokratisch. Alle Gehirne braucht die neue Bildung.

 

Das Vaterbild orientiert sich stark an der alten, langen Geschichte und Zeit als nur das Bild des traditionellen, reichen und besitzendem Vaters, relevant war. Die Beschäftigung, Erziehung und Versorgung seiner Kinder überlässt er in seinem Sinne der Frau genau wie Haushalt und die Verpflegung der Kinder. Zumeist übernehmen Ammen, Diener, Hauspersonal und Sklaven die Aufzucht der Kinder. Zumindest bei den Reichen. So ist unsere Geschichte. Kinder werden nur zu wenigen Prozent zu Herren erzogen. Der Rest, weit über 95% bleiben Sklaven und Diener.

 

Die Übernahme von Demokratie und Menschenrechten gilt heute doch gerade für alle Menschen. Und lasst endlich, auch die Professor*innen, Dozent*innen, Lehrer*innen und Erzieher*innen das eigene Denken aller Menschen zu. Es ist ein sehr langer Weg schon zurückgelegt. Weiter wird es Irrungen und Umwege geben. Aber lasst die Menschen ihre Wege selber gehen. Der alte Weg der Kriege, Armut und Umweltzerstörungen ist kein Vorbild mehr, für niemanden. Die jetzige Erziehung, die Bestimmung der Rollen leitet sich aus derGegenwart und Vergangenheit ab. Sie soll an der Zukunft orientiert sein.