Walter Hövel
Projekte
„Sag nicht Projekt, wenn Du nicht HORNBACH meinst“

 

Es gibt wenige Eingriffe in Pädagogik, die mir bedeutend erscheinen. Da ist erst einmal die ganzheitliche Sichtweise des Lernens, ausgehend von Diesterweg, Pestalozzi, den Humboldts oder einem Schleiermacher.
Da gibt es die reformpädagogischen Schübe von Montessori, den Freinets, Korczak oder den tausenden Lehrer*innen in den 1970er und 1980er Jahren. Es gibt die Demokratisierung der Pädagogik etwa durch Dewey, Freire, Neill, Taylor-Gatto oder den abertausenden von Menschenrechtlern.
Es gibt die Eingriffe anderer Wissenschaften, etwa der Hirnforschung, der Psychologie, von Kinderärzt*innen, Familientherapien, der wachen menschenrechtlichen Politik oder Frauenrechtler*innen. Es gibt vielleicht noch den Zugriff des radikalen Konstruktivismus, der das Denken eines spießigen linken Systems so verallgemeinert, das es für alle Systeme zu stimmen scheint.

 

Das Projektdenken Seit dem 15.Jahrhundert taucht der zutiefst kapitalistische Begriff des Projekts zur Beschreibung von Geschäftsideen und persönlichen Vorhaben auf. Ende des 17.Jahrhunderts kommt das lateinische Wort des „pro-jects“, also des „Vor-Wurfs“ als „Bauvorhaben“ in unserer Sprache an. Über die Wirtschaft findet er seinen Weg in die Pädagogik. In den 1980iger Jahren taucht er nach fast 500 Jahren in der Pädagogik auf.
Es geht darum das Lernen der Schule nicht nur mit der Wirklichkeit zu verbinden, sondern Lernen hier wirksam stattfinden zu lassen. Das Projekt stellt sich gegen den bis dato kaum in Frage gestellten, aber heute noch immer üblichen Frontalunterricht.
Eigentlich steht das „Projektlernen“ für die Erkenntnis, dass wir keine feudale Schule mit ihrer gehorsam machenden Belehrung brauchen. Eher scheint eine moderne bürgerliche Schule nötig, die das Freisetzen von funktionierender Kreativität, individuellem Lernen, passendem Verantwortungs- und Entwicklungsbewusstsein nach vorne stellt. So richtig dieser Begriff ist, konnte er sich weder in einer autoritären, noch einer späteren ökonomisierten Bildung durchsetzen. Er wird erst verwässert und dann zur „Unterrichtstechnik“ degradiert.
Heute ist er endgültig durch die finanzielle Vergabe von „Projektmitteln“ erfolgreich, aber „herunter gewirtschaftet“. Er ist zurückgekehrt zu seinem Ursprung. Er ist zum ökonomischen Begriff der zentralen Technik der Abwicklung und Realisierung kontrollierbarer und effizienter Wirtschaftsabläufe geworden. Er hat seine Attraktivität verlagert.
So gelten nur noch Projekte, die einen Gewinn bringen, nicht für den Menschen oder ihre Rechte, sondern für die Förderung des Konsums und die Freiheit globaler Firmen. Dieser Begriff ist ein typisches Beispiel für die „Übernahme“ von Begriffen hin zu ihrer ursprünglichen oder brauchbaren Bedeutung. Ganz „nebenbei“ nimmt er Begriffe wie „Team“, „Planung“, „Zeit“ oder „Leistung“ in die Ökonomisierung der Bildung und die Machtsicherung durch Pädagogik mit. So ist der Projektunterricht heute nur als Lernform eine Frei-Setzung von Menschenrechten, wenn Menschen für sich selbst lernen.

 

 

 

1 Karl Frey: Die Projektmethode. Weinheim 1982