Walter Hövel
Opfer und Täter

 

 

 

Soll ich das aufschreiben, dass der eben noch heldenhafte Großvater ein „Kapo“ (zynisch als „Kameradschaftspolizei“ bezeichnet oder „Capo“ von ital. „Kopf“, also „Vorarbeiter“) im KZ war? Er war als Gefangener im Konzentrationslager Gehilfe und Handlanger der Naziwachleute. Die Insassen hassten sie. Er überlebte durch das Mitquälen und Töten der eigenen Leute.

 

 

 

Soll ich die Geschichte meines Onkels erzählen, die mir mein eigener Vater erzählte. Der Onkel war SS-Wachmann im KZ Ausschwitz. Er drehte bei seinen eigenen Greueltaten durch. Er wurde als „Psychofall“ von Nazi-Ärzten behandelt. Er blieb danach bis zu seinem Tod weit nach dem 2. Weltkrieg überzeugter Faschist. - Mein Sohn recherchierte und fand ihn nicht beim Wachpersonal von Auschwitz. Ich aber fand ihn im Archiv der Stadt Frechen als sehr frühes “zu berücksichtigendes“ Mitglied der NSDAP.

 

 

 

Nicht nur im Film „Inglourious Basterds“ werden Nazis umgebracht.

 

Noch heute verschweigen Länder ihre Verbrechen an jüdischen oder kommunistischen Gefangenen. Mein Vater „entschuldigte“ sich und die Nazibarbarei der Deutschen gerne mit dem Argument, Briten hätten im Burenkrieg „Concentration camps“, also KZs erfunden.

 

In der Nachkriegszeit wurde die „Kollektivschuld“ aller Deutschen abgelehnt.

 

Viele Deutsche wurden nie entnazifiziert. Sie machten „unter neuen Bedingungen“ weiter, als Bankdirektoren, Hausmeister, Lehrer, Ärzte, Handwerker, Hausfrauen, Journalist*innen, Mütter, Juristen, Putzfrauen, Sport trainer*innen, Erzieher*innen, verkäufer*innen, Vermieter, Soldaten ...

 

Jeder Soldat erlebt Traumata, weil er nicht wie schon seit Tausenden von Jahren besoffen genug, voller Drogen oder Psychologie war.

 

Heute fordern Psycholog*innen, wir sollten unseren Vorfahren „vergeben“.

 

Viele sagen mir, vergiß das mit den Nazis endlich!
Jüngst bezeichnete ein Bundestagsabgeordneter Verbrechen der Vergangenheit ungestraft so: „Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte“.

 

 

 

Einige versuchen Verbrechen erst gar nicht zu sehen und bezeichnen sie als „erfolgreich“. Andere Wegbereiter versuchen Opfer und Täter gleichzustellen.

 

 

 

In meiner Kindheit waren viele noch Monarchisten. Was damals normal war, gilt heute noch in England oder Dänemark. In meiner Jugend wünschten sich viele den „Schäuzer“ zurück. Heute „ist er wieder da“. Leute wie Trump, Putin, Orban oder Erdogan regieren weiter.

 

 

 

Aber es gibt da eine einfache Reihenfolge.

 

 

 

Die einen treten für die Rechte aller Menschen ein. Bei ihnen sind auch Verbrecher. Sie begehen Verbrechen aus Lust oder sie wollen als Gefangene, als Opfer – egal wie - überleben.

 

 

 

Erst danach kommen die, die Herren über andere sein wollen. Bei ihnen sind auch die „Anderen“. Sie werden von eigenen Leuten umgebracht oder werden traumatisierte Opfer ihrer eigenen Taten.

 

 

 

Andere wechseln die Lager.

 

 

 

Da wir Menschen sind, sind Herrschende meist auf der Seite der Täter. Machtlosere, wie das Volk, oft (ungewaffnete) Opfer. Aber den Menschen ist die Wahl der Verantwortung gegeben.

 

 

 

Wir können, wie Viktor Frankel es sagte, die Antwort geben auf die Frage, auf wessen Seite wir stehen.

 

 

 

Ich und wahrscheinlich du (oder Sie) stehen auf der Seite der Rechte aller Menschen.