Walter Hövel
Lernzukunft

 

Eine eigene Zweite Lehrer*innenbildung der demokratischen Reformpädagogik

 

 

 

Die Grundidee ist eine sehr einfache.

 

Seit ihrem Bestehen haben sich unsere Schulen von der Kita, über die Grundschule, die Sekundarschulstufen 1 und 2, die Berufsschulen bis zur universitären Hochschule zumindest entwickelt.

 

Wir kennen die Pflichtschulen, ihre viel zu frühe Selektion, ihre staatlich vorgegebenen Lehrpläne und die uneingeschränkte Macht ihrer Lehrer*innen. Wir kennen die deutsche staatliche Vorherrschaft über die gesamte Bildung, die alleine zulässt, welche Ziele ihre Bildung zulassen will.

 

Wir kennen die Langeweile der Schulen, Schulmüdigkeit und Unterrichtsfrust. Wir kennen die Schwerfälligkeit und kaum vorhandene Reformierbarkeit unserer Schulen.

 

Als ein Hauptgrund ihrer Nichtentwicklungen, oder genauer zu langsamen, immer unbefriedigenden Veränderung, wird seit ihrem Bestehen die miserable zweiphasige Ausbildung der Lehrkräfte angesehen. Sie hinkt seit Urzeiten, also in den letzten 250 Jahren, hinter den gesellschaftlichen und schuleigenen Ansprüchen hinterher.

 

Sie war in den Händen der Militärs und ihrer deutschen Sprache. Sie war kirchlich und erzog genau die Untertanen, die jeweils gebraucht wurden. Sie erzog bald den „mündigen Bürger“ und qualifizierte ihre Absolventen zum Funktionieren in der Wirtschaft und (!) im demokratischen Staat. Heute wird die gesamte Bildung mehr denn je an ökonomischen Zielsetzungen ausgerichtet. Kaum schafft sie die Schritte in eine individualisierte elektronische Weltzukunft. Der Rückstand in der elektronischen Wirtschafts- und Gesellschaftsentwicklung, in der Qualifikation der mathematischen, den informationstechniken und den naturwissenschaften Fächern und in der Modernisierung unseres Gemeinwesens in Demokratie und Menschenrechten scheint kaum aufholbar zu sein.

 

Die heutige Schule als Erziehungs- und Bildungsform wird sogar in Frage gestellt.

 

Es ist wie das Hase-und-Igel-Spiel. Der Problemigel ist immer vor der Hasenlösung da. Und da ist die Grundidee eine sehr einfache.

 

Die Reformpädagog*innen der Montessoris, der Freinets, der Jena-Plan-Pädagogik und der Waldorfianer haben sich mit Konstruktivist*innen und offen Denkenden zusammengefunden, um eine neue Ausbildung anzubieten.

 

Dies geschieht in der „Lernzukunft“, angesiedelt in Biberkor. Sie wollen eine vollkommen eigene gemeinsame zweite Ausbildungsphase.

 

Sie bieten richtig gute Ausbilderinnen aus allen Bereichen der Pädagogik an, die oft genug eben nicht aus der Pädagogik kommen. Aus ihren Bildungsangeboten werden die Auszubildenden sich ihre Seminare, ihre Bildungsgänge selbst aussuchen. Sie sollen selbst bestimmen, was sie lernen, von wem und wie. Dies sollen sie in unsere Schulen weitertragen und so die Selbstbestimmung des Lernens vorantreiben.

 

Wieder einmal gibt es einen Anlauf durch die Veränderung von Bildung Gesellschaft zu verändern.

 

In einer sehr großen Schwächephase der Lehrer*innenbildung, in der Zehntausende im ausreichend qualifizierten Personal der Schulen fehlen werden, gibt es den Versuch die Ausbildung junger Lehrer*innen zu verbessern.

 

Eine wesentliche Grundlage hierfür soll ein gemeinsames Manifest jener Kräfte sein, die schon immer Schule reformieren wollten.

 

Zum ersten Mal in ihrer Geschichte versuchen sie dies gemeinsam. Ihre Stärke wird ihr Anspruch an Demokratie und Menschenrechte sein. Sie werden ihre Modernität an ihrem eigenen Anspruch messen.

 

Alle brauchen eine vollkommen andere Schule als es sie heute gibt. Reformpädagog*innen streben ein freies Lernen für alle, egal, ob in staatlichen oder freien Einrichtungen, an.

 

Der Staat und die Gesellschaft haben die Aufgabe die Freiheit der Individuen, ihr Leben und ihr Glück und die Demokratie ohne Armut und Unbildung in voller Teilhabe zu schützen.

 

Wir brauchen keine Erzieher*innen oder Lehrer*innen, die Macht über ihre Lernenden haben. Alle Menschen sollen gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen, Erwachsenen und Alten deren Lehrplanung, -bestimmung, -organisation und -auswertung begleiten und qualifizieren. Sie sollen Kindern und Jugendlichen helfen zu jedem Wissen der Welt Zugang zu finden. Der Wegweiser hierbei ist alleine die Realisierung der Menschenrechte in demokratischen Lebens- und Lernbedingungen.

 

Sie brauchen keine Mehrheitsentscheidungen, die die Menschenrechte von Minoritäten ignorieren.

 

Es geht immer um ein Lernen zur eigenen Menschwerdung und um den Schutz von Natur, Welt und Menschen. Der Mensch gehört in Mittelpunkt seines eigenen Lernens.

 

Sie brauchen Lehrerinnen und Lehrer, die Kindern und Jugendlichen als demokratische Vorbilder imponieren. Wir brauchen Menschen, die vermitteln und abwarten können. Wir brauchen Menschen aus allen Teilen der Bevölkerung, die alle Kinder und Jugendliche sprachlich, intellektuell, emotional, technisch und politisch verstehen können und wollen.

 

Wir brauchen Menschen, die sich hinten anstellen, um junge Menschen zielbewusst in ihre Selbstbestimmung zu begleiten. Sie sehen Schule als Übort der eigenen demokratischen Zukunft und Gegenwart. Sie sollen alle, das ganze Dorf, das wir selbst sind, zum Lernen öffnen.

 

Sie brauchen Menschen, die selber Wesentliches sehen und Unwesentliches weglassen können und genau diese Fähigkeit bei anderen durch deren eigenes Lernen generieren.

 

Sie brauchen Menschen, die selber ein liebevolles, menschliches und demokratisches Weltbild haben und vorleben.

 

Rassismus, Kinder- und Frauenfeindlichkeit, Nationalismus oder Selektionen halten wir nicht für eine gesuchte Einstellung junger Lehrer*innen. Alle brauchen Umweltschutz, Eintreten für Demokratie, Menschenrechte, Versorgung, Partizipation, Inklusion, Vielfalt und die Teilhabe aller.

 

Ihr Ziel ist nicht Menschen zum richtigen Denken zu erziehen. Wir können ein menschliches und demokratisches Empfindenden anbieten.

 

Sie wollen weder Zwang noch Gewalt. Sie wollen die Kunst der Demokratie und die Ästhetik des Menschseins verwirklichen. Sie wollen interessensgeleitetes, selbstregulierendes, selbstgesteuertes Lernen.

 

 

 

Literatur:

 

Walter Hövel. Frei oder staatlich. Eitorf 2019. Download: https://www.walter-hoevel.de/bildung-und-politik/frei-oder-staatlich

 

Walter Hövel, Neue Lehrer*innen braucht das Land. Eitorf/Welscheid 2018. Download: https://www.walter-hoevel.de/lehrerinnenbildung/neue-lehrer-innen-braucht-das-land/

 

Walter Hövel. Wir brauchen eine andere Schule. Weil die Gesellschaft anders wird. Eitorf 2018. Download: https://www.walter-hoevel.de/schulentwicklung/wir-brauchen-einendere-schule-weil-die-gesellschaft-anders-wird/

 

Walter Hövel. Kinderbildung. Statt einer- oder mit einer anderen Lehrer*innenbildung. Bremen 2018. Download: https://www.walter-hoevel.de/lehrerinnenbildung/kinderbildung-statt-einer-oder-mit-einer-anderen-lehrer-innenbildung/