Einstiege
Wichtig ist wie in Lerngänge eingestiegen wird. Einerseits wirst du dir ein sicheres Reservoir zulegen müssen.

Damals verfügte ich über einige Techniken, die es den Lernenden möglich machten ein eigenes Unter- oder Oberthema für das eigene Arbeiten zu finden. In vier Schuljahren stiegen wir in 60 Projekte ein. Das macht über 500 Vorträge von Schüler*innen in vier Schuljahren. Wenn das keine Lehrerbildung war! Eigen verantwortetes Projektlernen mit eigenen Themen und Zielen, Ergebnissen und Auswertungen wurde Alltag unseres Lernens.

In eine Bilderkartei klebte ich etwa 200 Bilder aus Stern und GEO ein. Ich gebrauche sie, nach über 35 Jahren, ab und an heute noch bei meinen Lehraufträgen. Wir stiegen so in die Themen „Frauen-Männer“ und „Das Moor“ ein. Du kannst dich in jedes beliebige Thema, wie Brüche, Tiere des Meeres, Freunde, Frauen, Schriftsteller, Hochhäuser, Motoren, Glück oder „ausgebeutete Natur“, oder auch ohne Oberthema in dein absolut eigenes einsteigen.

Von den auf einem Tisch oder dem Boden ausgelegten Bildern suchen sich die Lernenden etwa drei aus. Sie bilden nun das Dreieck „Ich – Bild – Thema“. Oft entstehen mehrere Themen aus einem Bild, weil andere etwas im Bild des anderen sehen und etwas dazu sagen.

So werden Themen auf der Tafel oder auf Karten festgehalten. Sie dienen dazu, dass jeder Mensch genau das Thema findet, dass sie oder er bearbeiten möchte. Gelingt dies nicht, wird solange gesucht, bis ein eigenes Thema gefunden wird.

Beim Produkteinstieg werden Gegenstände – von den Lehrpersonen oder den Lernenden gesammelt, auf einen Tisch gelegt. Es können Tassen, Radiergummis, Chips, Yoghurtbecher, Zucker, Rechner, CDs, Edelsteine, Andenken, Blumensträuße, Bügeleisen oder Bücher sein. Ein Gegenstand wird zur intensiven Behandlung herausgegriffen.

Unser Thema war „Wie funktionieren die Dinge unseres Alltags?“ Der Weg der Entstehung, die Herkunft des Materials, die Arbeitsbedingungen zum Abbau, die Verwendung, die damit entstehenden Probleme der Ökologie und Ökonomie, Soziologie oder Psychologie werden erfragt und erforscht. Das Wissen des Kollektivs wurde gefragt. Was unbekannt war, wurde nachgeschlagen oder bei Experten erfragt.

Genau so können Begriffe der Gefühlswelt wie Trauer, Freudentaumel, Todessehnsucht oder Esoterisches genommen werden. Es kann Musik, ein Text, ein Experiment, ein Film, ein Theaterstück oder mathematisches Problem assoziiert werden.

Beim Frageneinstieg entstanden „Fragen zur Welt“, auch wenn sie noch nicht so hießen. Hauptsächlich bei gemeinsamen Exkursionen oder Wanderungen wurden die Fragen aller Menschen gesammelt und konnten zum Lerngegenstand werden.

In unserem Fall war dies die Technik der Sexualaufklärung im 7.Schuljahr. Alle Fragen, auch neue wurden aufgeschrieben und nach einander in den getrennten Mädchen- und Jungengruppen vorgelesen. Die Beantwortung wurde diesmal nicht dem Wissen, Halbwissen oder Fantasie der Schüler*innen überlassen. Ute und ich kannten die Fragen und hatten uns vorbereitet. Wir waren einmal in der alten Lehrer*innenrolle!

Die unendlichen Weiten der Elektronik erlauben heute per Google oder anderen Suchmaschinen Interneteinstieg. Viele Zugänge zu vielen Themen sind möglich. Bei weitem nicht alle. Suchen Sie mal die Geschichte der Entstehung des Fußballspiels oder den gestrigen NATO-Angriff in Syrien. Die Besitzer der Medien mögen die analogen Maschinen, die jene Informationen, die sie aussuchen und weitergeben, weil eine Mehrheit des Volks sie gerne hört.

Der Einkaufseinstieg von damals wäre heute zu allererst der Interneteinstieg. Aber damals wie heute ist die weitere Suche nach Informationen in Buchgeschäften und Büchereien äußerst sinnvoll. Sinnvoll ist es auch kommunale Mittel in die Hände der Schüler*innen zu geben, damit von ihnen brauchbare Titel für die von ihnen gewählten Titel gekauft werden. Damals geschah dies in den Projekten „Umwelt“ und „Geschichtsquerschnitte“. Mitinhaber eines eigenen Budgets fühlen sich ernst genommen.

Beim Kriterieneinstieg werden diese vorher selber gemacht. Zum Thema wie „Länder der Erde“ oder „große Staaten der Welt“ stehen alle vor einer großen Landkarte, jeder sucht ein Land seiner Wahl. Erst dann folgt die Frage: „Was wollen wir eigentlich wissen?“ Es entstehen andere Fragen als zumindest in den vielen Schulbüchern von damals. „Wie sehen da eigentlich Schulen aus?“, „Wie wird da was gegessen?“, „Welche Sportarten sind da wichtig?“, „Wie ist die Rolle der Frau, wie die der Kinder?“, „Welche Tiere leben da?“, „Welche Kunst gibt es?“, „Wie wird da gesungen?“ …

Im Klassenrat oder im Kreis werden Ideen im Gesprächseinstieg gesammelt. Diese werden aufgeschrieben. Das eigene Thema wird gefunden. Es wird alles besprochen, wie und mit wem gearbeitet wird. Die Lerner überlegen, planen, und sortieren.

Beide Themen „Heiraten“ oder „Behinderte“ (heute würde es „Inklusion“ heißen) kamen von den Schüler*innen. Die Basis war wie so oft das Vorwissen der Lernenden.

Zum Experteneinstieg werden Experten eingeladen. Zum Thema „Wald“ ein Förster, ein Biologe, ein Waldarbeiter oder Bauer, eine „Waldhexe“, ein Wanderführer und ein Schreiner oder Zimmermann. Die Lernenden entscheiden zu wem sie gehen. Dies ist zu jedem Thema möglich. Auch mit den gleichen Leuten zum Thema „Stadt“, „Märchen“ oder „Zukunft“.

Einen Büchereinstieg gab es zu den Themen „Jugendromane“, „Science Fiktion“, „Englische Lektüren“ und „Das Universum“. Hier waren die Lehrer*innen gefragt, aber auch die Schüler*innen brachten einiges mit. Es wurde so lange geschnüffelt bis jeder sein Buch oder seine Bücher zu seinem Thema hatte. Wieder und wieder kommt es zu allererst darauf an, mit einer guten fachlichen Qualifikation den Geschmack und das Interesse der jungen Menschen zu treffen.

Den Museumseinstieg machen Schüler*innen zu den Themen „Funktionen des Körpers“, „Automobile“ und „Ölmalerei“. Das Ausstellungsmaterial kam aus Büchern und Fachzeitschriften, den „Kammern“ und Dachböden der Schule mit Modellen, Skeletten und Schautafeln, von Fahrschulen, Autoherstellern, von Eltern, Fach- und Tierärzten und Künstlern. Der Besuch im eigenen Museum diente dem Finden des eigenen Themas.

Beim Thema „Kosmetik“, „Experimente“, „Schreibwerkstatt“ und verschiedenen Kunstthemen gab es Ateliereinstige. Oft sind Karteien in sich mit eigenen Karteieneinstiegen ausgestattet, wie die „Literatur“-, „Indianer“- oder „Papierkartei“.

Das geschilderte Projekt „Ausgehendes Mittelalter – Beginn der vorindustriellen Produktion“ hatte einen Arbeitseinstieg. Das Thema „Entwicklungsländer“ wurde konventionell auf Wunsch des Klassenrates frontal mit einem klassischen Frontaleinstieg gestaltet. Die „Zukunftswerkstatt“ begann mit Intervieweinstiegen.

Es gibt noch Musik-, Geschichten-, Besuchs-, Experimente-, Wald-, Farb-, Aufschreib-, Mindmap-, Kugelleger-, Theater-, Rollenspiel-, Bilder-, Vortrags-, Referats, Wahrnehmungs-, oder sonst wie Einstiege.

Andererseits sollte frau oder man nie vergessen, dass die besten Einstiege, die besten Techniken dir nichts nutzen, wenn „du keinen Draht zu den Schüler*innen findest“. In dem Maße wie sie dich als „kompetenten Freund“ akzeptieren, werden sie bereit sein selbst schulisches Lernen als „ihr Lernen“ zu respektieren.

 

Nur wenn das Feuer des eigenen Interesses entzündet wird, entsteht jenes Vergnügen, dass weder Mühen noch Nöte scheut um selber lernen zu können. Erst hier entstehen Selbstbewusstsein und nötige Selbstkenntnis. Hier entsteht Lernwille.