Walter Hövel, Andriana Mylchuk

 

Innovation des Fremdprüfens

 

 

Unsere heutige Zeit beginnt zu begreifen, dass sie „Erneuer“ und ihre Fähigkeiten braucht. Sie braucht Querdenker, Erfinder, Forscher, Mutige, Durchsetzungsfähige, Empathiker, Kreative, systemisch und demokratisch denkende Menschen. Bekomme ich diese Menschen durch Prüfungen?

 

Die herkömmliche Erziehung und ihre Sprache sagen, dass ich durch Prüfungen durchmuss, ich muss sie bestehen, absolvieren, „passieren“. Es gibt Prüfungsstress bis hin zum Spruch, dass „Lehrjahre keine Herrenjahre“ sind.

 

Einerseits sind die Lehrerinnen und Lehrer beauftragt auf jede Student*in individuell einzugehen, andererseits haben Formalitäten wie Prüfungen eine einschränkende Wirkung.

 

„Lern erst mal was, dann wirst du auch was“.

 

Prüfungen sind Eingangstüren für Karieren und Berufswege. Manch einen verführen sie dazu durch vorgegebene oder vorgetäuschte Leistung bestehen zu wollen. Andere animiert sie zur Freilegung der eigenen Potentiale - oder der eigenen Aufgabe, weil „es“ scheinbar nicht reicht.

 

Prüfungen sind eine Möglichkeit eigenes Wissen und Kompetenzen zu bestätigen und sie ins Berufsleben zu holen. Die Vorbereitung zu Prüfungen kann die eigenen Kompetenzen stärken und Menschen können sich weiterentwickeln.

 

Neue Anforderungen

 

Auf der Grundlage entscheiden zu wollen, ob jemand geeignet ist, wird nun anders geprüft. Als erstes werden „die Anforderungen“ von Vorneherein transparent gemacht. Abschreiben wird durch Plagiat-Überprüfungs-Maschinen eingeschränkt. „Betrug“ wird sanktioniert, bis zum Politiker oder Minister. Jede Prüfung wird so in die Hochschulbürokratie eingeordnet, bis sie kontrollierbar scheint.

 

Moderne Prüfungen sind darauf aus, das eigenständige Denken, Arbeiten und Handeln der Lernenden zu provozieren. Lebenslanges Lernen wird auch für Lehrende gefordert, was nicht heißt, dass dies erreichbar wird.

 

Nicht mehr nur Fakten werden abgefragt bei leichterer Erreichbarkeit dergleichen durch Technik, sondern die Fähigkeit des Bedienens der elektronischen Technik.

 

Es werden Menschen gesucht, die Fakten kombinieren und mit Menschenkenntnis Systeme so verändern und gestalten, dass sie effektiver, funktionaler und erfolgreicher werden. Auf jeden Fall wird versucht eine immer bessere Bedienung von Systemen zu erreichen.

 

Es geht um Schnelligkeit. Es geht um Widerstandsfähigkeit bei gleichzeitiger Gabe zur höchsten Anpassung an Vorgaben. Es geht um Erfinder- und Forschertum in benannten Gebieten wie Vernetzung, Nachhaltigkeit, Diversität, Heterogenität, Teilhabe.

 

Du musst die eigene Gesunderhaltung durch Sport und richtige Ernährung, Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit, Bereitschaft zur Globalisierung, Erneuerungswillen und Veränderungs- bzw. Verbesserungskraft belegen.

 

So werden das eigene Denken, das Kennen der eigenen Biografie und des eigenen Kerns, der eigene Standpunkt, das eigene Lernen, die eigene Persönlichkeit zum Mittelpunkt einer Gesellschaft des abzugebenden Eigentums.

 

Vielfalt, Verschiedenheit wird gefragt, abgefragt. Menschliches Lernen wird individualisiert, verteamt, internationalisiert und regionalisiert. Es wird wichtig, dass jede und jeder etwas erkennbar Unterscheidbares fühlt, denkt, schreibt, imaginiert, ahnt oder fragt.

 

Projekte, Global Goals wie Frauenrolle, Gendertum, Umweltschutz, das Recht auf Wasser, Behindertenrechte, Inklusion, Bekämpfung der Armut, sogar Kinderechte werden angegangen. Wenn wir Integration lernten um zusammen Geschäfte machen zu können, lernen wir nun Inklusion um zusammen leben zu können. Wenn wir Wasser trinken, lernen wir nun große Firmen dazu zu bekommen, dass Wassertrinken auch in ihrer Produktionsagenda auftritt. Armut „gibt es nur noch“ bei Arbeitsunwilligen. Du selbst beweist, dass es sie nicht geben muss.

 

Wenn man an Ausbildung denkt, wird der offene Sektor mehr und mehr durch Globalisierung privatisiert. Es sind immer mehr private Universitäten, und private Schulen entstanden, so wie mehr und mehr Naturgebiete privatisiert werden. (Noch nicht einmal Wasser ist kostenlos für alle.) Prüflingen sollten in dieser Situation der Gesellschaft etwas Besonderes, Individuelles anbieten, müssen sich aber gleichzeitig an die Massen anpassen.

 

Welche Wege sollte man beim Prüfen aussuchen, damit Potential, Kreativität und eigene Talente nicht verloren werden?

 

Neues Prüfen

 

So drehen sich „gute“ Prüfungsfragen um eine neue Haltung, die Effektivität des Lernens, die Kooperation von Schule, Gesellschaft und Wirtschaft und die Feststellung zur Eignung zum Aufbau einer neuen Gesellschaft mit Teilhabe und Menschenrechten. Dies ist, wo es geschieht, zweifelsfrei ein Fortschritt, eine Verbesserung.

 

Aber was ist mit denen, die so „besser“ ausgebildet werden? Haben sie Zeit, Raum und Angebot für eine Bildung, die sie Menschen werden lässt?

 

Verbessert das wirklich die Lage derer, die mit Menschen arbeiten sollen oder die Lage derer mit denen gearbeitet werden wird? Reicht eine bessere Einstellung um die eigene Haltung und das eigene Handeln demokratisieren zu können?

 

Wird nicht versucht ein System zu verbessern, damit es allen besser gehen soll? Wird nicht die Diversität und Heterogenität der Menschen in ihrem Konsum und ihrem Berufs- und Beziehungsleben ignoriert?

 

Es bleibt immer noch die Aufgabe jedes Prüflings, dass alle Arten von Tieren am Schluss auf den gleichen Baum klettern sollen! Die verbesserten Aufgaben sehen sich ähnlicher, aber es lässt nicht besser mit der Realität umgehen. Es erhöhen sich aber der Anspruch und der Leistungsstress! Du passt dich einem neuen Rollenverständnis an, ohne jemals das alte verbessern zu können.

 

Wissenschaft globalisiert immer mehr zum Vermittler der Machtbegründung
Sie hat nichts zu tun mit den Ähnlichkeiten oder Gleichheiten des Verarbeitens gebliebener oder neuer, aber gleicher Situationen. Nicht mehr Menschlichkeit, mehr Nähe zum Kind oder anderen Mitmenschen entsteht. Es ist auch nicht mehr “normal“ über die Gefühle zu reden. Man sollte alles bei sich halten, sonst wird es schnell als unprofessionell bezeichnet.

 

Es geht darum, dass Lehrende lernen Zukunft so zu meistern, dass sie Menschen wissenschaftlich herausbilden, die einen neuen Typus Mensch darstellen, der sich und andere an neue Ansprüche anpasst. Wo bleiben Ethik und Ästhetik? Wie ändern sich die Werte? Verändert sich unsere Würde?

 

Menschen sollen nicht denken und tun wollen, was für alle Individuen gut ist, sondern das Ziel bleibt die Erhaltung des Wohls der Prokuktionsbesitzer. Sie sollen den Leuten begreiflich machen, dass deren Interessen die der Menschen sind. Es geht um eine ideologische Annäherung von Erziehung und Bildung an das „richtige“ Denken „zum Wohle aller“. Kritisches Denken ist nicht mehr im Trend.

 

Zum eigenen „Studieren“ kommen

 

Wir sind aber aus auf das Recht jeder einzelnen Person, dass lernen zu dürfen, was alle Menschen lernen können und brauchen. Und keine Angst. Nach dreißig Jahren freien Lernens mit Grundschulkindern weiß ich, dass beim Lernen immer kooperiert wird. Die Gruppe, der Kreis, die Konversation, die Sprache sorgen schon dafür, dass das Zuvergleichende, das Gemeinsame, das Umsetzbare immer wieder entstehen.

 

Mit welchem Selbst-Verständnis geht eine Dozent*in hin und stellt allen die gleiche Frage, um dann ablesen oder lesen zu können, was jeder einzelne Verschiedenes, Eigenes denkt oder sagt?

 

Ist das nicht das tradierte Recht des Lehrers als Vertreter der Macht, des Wissens, der Wissenschaften, des Richtig und Falsch, der Beurteilung des Grades des Verstehens, der Richtungsvorgabe, des Rechts auf Fehlerkorrektur, etc., etc.?

 

Wird hier versucht ein Wissenschaftssystem nicht immer mehr Wissen schaffen zu lassen, sondern eine individuelle Erkenntnis einer „Richtigkeit“ eines globalen Wirtschaftswollens zu verbreiten?

 

Wir glauben fest daran, dass die Menschen das Recht haben, ihr eigenes Lernen in Form und Inhalt selbst zu bestimmen, und (!) zu bestimmen, von wem sie wann, wie und warum jedes vorhandene Wissen als Experte oder Expertin in eigener oder angeeigneter Sache meistern und abholen.

 

Die Aufgabe von Dozenten ist es zu allererst jene Potentiale bei Menschen frei zu setzen, die es ihnen möglich macht selbstständig und selbsttätig zu forschen und zu arbeiten. Sie müssen die eigenen Fragen entwickeln, die Fragen und Probleme wahrnehmen. Sie lernen wahrzunehmen, damit der Geist die eigenen Fragen formuliert (Malaguzzi).

 

Fragen zu stellen kann man, wann man neugierig ist. Diese Neugier erweckt das Interesse etwas rauszufinden, etwas Neues zu lernen. Sie arbeiten fragend und versuchend, tastend und offen. Sie sind freie Individuen, die die Freiheit entwickeln unabhängig und demokratisch zu Vertretern der Wissenschaften zu werden. Das Ziel ist Mitglied der Gemeinschaft von Lernenden und Lehrenden, was Universität ursprünglich heißt, zu werden.

 

Wir vertreten das bürgerliche Konzept des Rechts auf ein eigenes Leben, in eigener Freiheit, mit dem Ziel des eigenen Glücks.

 

Des Weiteren sollen sie in der Tradition und der Weiterentwicklung der Menschrechte als Menschen lernen sich selbst zu begreifen. Die Kraft der Wissenschaft soll sein, immer mehr über das menschliche und somit auch kindliche Sein und Werden zu verstehen und Experten zu erkennen, zu finden und von ihnen aus freien Stücken zu lernen.

 

Dozent*innen öffnen die Fenster zur Welt. Sie schaffen Lernräume und Lerngelegenheiten mit dem Ziel der Förderung des eigenständigen Arbeitens von Anfang an. Das ist nicht nur ein “Learning By Doing”, sondern „A Way To True Independent Learning“. Dozent*innen sollten viele Wege zeigen, wie man lernen kann. Das Ziel ist vielleicht, wenn Student*innen den eigenen Lernweg finden und in dieser Form lernen, was am effektivsten für jede*n ist.

 

 

 

 

 

Ganzheitliche Wissenschaft an der TH Köln

 

Die TH Köln, an der ich seit 2013 lehre, versteht dies auf hervorragende Art und Weise. Sie gehen nicht mehr hin und füllen ihre Klienten mit Stoff ab, damit sie in der Praxis richtig agieren. Sie gehen umgekehrt vor.

 

Sie schicken die Studierenden in die Praxis. Dort lernen sie nicht nur wahrzunehmen, zu beobachten, das „Richtige vom Falschen zu unterscheiden“, sondern werden aufgefordert selbst aktiv zu werden. Sie lernen in der vorhandenen Praxis zu lernen. Sie setzen in das Vorhandene eine eigene Aktion, ein eigenes Experiment. Sie schaffen dazu jede für sie erreichbare Theorie oder Erfahrung heran.

 

Die Aufgabe der Dozent*innen wird es, sie so zu begleiten, dass sie weitere wissenschaftliche Aspekte öffnen, erweiternde helfende Vorschläge machen und so – selbst lernen. Ihre Aufgabe wird es, ähnlich wie in der finnischen Lehrer*innenbildung reale Situationen aufzugreifen, eine eigene wissenschaftliche Haltung zu erlangen und – sich selbst evaluierend – die eigene Handlung zu planen, zu verändern und umzusetzen.

 

Und diese Arbeit beginnt damit, dass die Studierenden ihr „Problem“ selbst entdecken müssen. Sie lernen eigene Themen zu sehen, eigene Fragen zu stellen und fremde und eigene Antworten nicht nur zu finden, sondern sie auf ihre Umsetzbarkeit hin zu überprüfen, um sie machbar zu machen.

 

Demokratie beginnt beim Recht der umfassenden Bestimmung des eigenen Lernens und der freien und kompetenten Wahl der ureigenen Inhalte und der den Einzelnen interessierenden Expert*innen.

 

Lerner*innen suchen sich ihre Lehrer*innen und Lehrer. Sie sind Lernkräfte. Hier ist es leicht auch ohne die Abfrage von Seminarleistungen zu arbeiten oder die Studierenden an eigenen Themen arbeiten zu lassen.

 

Andere Hochschulen

 

 An anderen Hochschulen und Universitäten waren und sind Studierende immer noch, und immer wieder, gezwungen „Prüfungsleistungen“ abzuberufen, ob sie das wollen oder nicht.

 

Manchmal verzichten Kolleg*innen auf einen Lehrauftrag, manchmal haben sie die Kraft neue Wege zu gehen. Sie bauen das Vorweisen von eigenständigen Forschungsaufgaben in die Entwicklung freier Lerner*innenpersönlichkeiten ein.

 

Eine der Ideen, nicht nur in Walter Hövels Seminaren z.B. an der Uni Bremen war, es vollkommen der Studentin oder Studenten zu überlassen, zu welchem Inhalt sie arbeiten.

 

Er nannte den Studierenden einige Beispiele und ließ von ihnen bereits vorhandene Ideen vorstellen. Er redete so lange mit ihnen, bis sie ihre eigenen Fragen formulierten. Er zeigte bereits bearbeitete Ideen aus anderen Seminaren, anderen Unis, von Künstlern oder auch berühmten Menschen. Er beschrieb die verschiedenen Formen der Bearbeitung, ob als Film, als Theaterstück, als Fortbildungsveranstaltung, Vortrag, als Tanz, als Kunstwerk, als Literatur, als Plakat, als Erzählung, als Referat, Powerpoint oder als Tagebuch, Mappe oder was es sonst alles geben kann.

 

Und welche Themen wählen Studentinnen und Studenten
Eine Kollektion selbst gewählter Themen von 2016 und 2017 aus Bremen zeigt, dass die Breite des inhaltlichen Interesses der Zahl der Studierenden entspricht:

 

• Selbstgesteuertes Lernen in der Berufsschule
• Kanadas First Nations und das kanadische Bildungssystem
• Stimmt die Bindungstheorie?
• Chaos! Bedeutung vs. alltäglicher Sprachgebrauch und die Auswirkungen
• Alles eine Frage der eigenen Haltung!?
• Zum Umgang mit Neuem
• Was ist Schülerinteresse?
• „PARCOUR“, an der Uni Passau als Beispiel freiwilliger Eignungsverfahren
• Pädagogische Professionalität entwickeln: Zur Vielfalt bereichsspezifischer Kompetenzen
• Kinder mit „ADHS“ im jahrgangsübergreifenden offenen Unterricht
• Portfolios als alternatives Mittel zur Leistungsvermittlung
• ADHS im Umfeld Schule – Ein Überblick für Lehrerinnen und Lehrer
• Psychologische Auswirkungen von Feedback und ihre Bedeutung für Lehr-/Lernprozesse
• Mein inneres Team
• „Inklusion – Die starken und die schwachen Kinder“
• Beeinflussung des Wohlbefindens von diagnostizierten Legasthenikern durch die Schulform
• Resilienz
• Schulklima und Motivation – Mögliche Alternativen zur gängigen Praxis
• Heterogene Klassen- vs. homogene Lehrerzimmer. Lehrer*innen mit Migrationshintergrund
• Lehrutopie, ein eigenes Modell von Schule
• Über das eigene Lernen. Meine Lernerfahrungen in der Schule
• Drogenberatung heute
• Offener Unterricht am alten Gymnasium in Bremen Mitte
• Das Kinderbild als Weltbild
• Essayistischer Vergleich der päd. Paradigmen von Bernhard Bueb und Célestin Freinet
• Seminartagebuch
• Trauerarbeit mit Kindern
• Eine wissenschaftliche Arbeit zu Kindheitserfahrungen im Umgang mit „behinderten Menschen“ heute und vor 30 Jahren.
• Essstörungen -Hauptformen, Kernmerkmale, Ursachen, Folgen, Einfluss der sozialen Netzwerke, Handlungsanweisungen für Lehrkräfte und Anlaufstellen für Betroffene und Angehörigen

 

Weitere Themen

 

Die einen wählen Themen, die sie immer bearbeiten wollen, um etwas zu wissen. Es geht dann z.B. um die Bedeutung der Ästhetik beim Lernen, um das Werk einer Person, um Bulemie oder Fresssucht-Reklame im Netz, um Depressionen oder „die Schule im französischen Rheinland des 18. Jahrhunderts.

 

Andere wählen Themen um etwas zu begründen, z.B. warum Offenes Lernen zum Berufskolleg passt. Wieder andere versuchen sich an PISA-Untersuchungen um den Zusammenhang von Armut, Unterschichtenspezifika und Bildung herauszufinden.

 

Andere arbeiten an EU-Programmen wie Erasmus, den Kinderrechteerklärung der UNO oder am Freiburger Projekt des „Glücklichen Referendariats“

 

Oft ergeben sich Themen während der Arbeit des Seminars. Einige wollen vertiefen, was ihnen angeboten wurde oder wollen es auf ihre Art zusammenfassen. Andere wollen etwas fortsetzen, was das Seminar nur antippte.

 

Wieder andere fanden das Stichwort im Verlauf des Seminars. Etwa das Lernen ohne Fächer in Finnland, das Stichwort der Erneuerungskräfte, die Inklusion, die Gründung von Kindergärten in Altenheimen, den Analphabetismus in Deutschland oder die Selektion im Schulsystem.

 

Wieder andere bauen an der Vorstellung einer eigenen alternativen Lernhauses, kommen auf die Architektur von Schulhäusern, die Reggio-Pädagogik, die Lernwerkstätten oder das Classroom-Management.

 

Wieder andere entdecken das Lernen im Märchen oder der Bibel, das imaginäre oder das Coyote-Lernen. Sie wollen Länder und ihre Bildungschancen vergleichen, etwa nach Indien oder die USA in die Schule schauen.

 

Einige wählen eine Reise in die eigene Kinder- und Schulzeit. Andere untersuchen den größeren Teil des Lernens, nämlich das außerhalb der Schule.

 

Andere kommen auf die Bedeutung der Kunst, des Theaterspiels, des Spielens für Forschung und Lernen. Sie kommen auf Pina Bausch, Nelson Mandelas Gefangenen-Uni oder das Wirken von Adolf Reichenwein oder die fatale Rolle einer DDR-Bildungsministerin Margot Honecker.

 

Andere verbinden Sport, Medizin oder Organisationsentwicklung in der Wirtschaft mit dem Lernen an den Schulen. Sie untersuchen die Arbeit von Stiftungen und Projekten.

 

Andere lernen Falko Peschel kennen, fahren ins Comeniushaus nach Prag oder interviewen die eigene Großmutter zu ihrer Schulzeit.

 

Da wird die Schule in Hogwards untersucht und mit dem britischen Schulsystem verglichen, die Schule bei Pipi Langstrumpf oder die Beschreibung von Schule bei Stefan Zweig.

 

Es gibt kein kein Thema, nur ein Lernenlernen. Es macht den Mut nicht das spannende Thema für Dozent*innen zu finden, sondern das eigene.

 

Jedem, wirklich jedem Menschen fällt spätestens nach dem Seminar ein Thema ein oder lässt sich von den anderen beraten.

 

Für die einen, die Vorsichtigen und erfolgreich traditionell Beschulten gibt es sehr vorstrukturierte Themen, für andere, die Freigeister die vollkommen offene freie Wahl des eigenen Themas.

 

Wenn Noten gegeben werden müssen, kann ich sogar mit der Angabe eines Notenziels arbeiten. Nach ein oder zwei Täuschungs- oder Nichternstnehmens- Versuchen kapieren Studies definitiv, dass sie ihre eigene Qualität und ihren eigenen Einsatz einschätzen lernen können.

 

Beim Umfang, der Schriftgröße oder Zitiergenauigkeit frage ich zurück, wie etwa „Wann sind sie denn mit ihrer Arbeit zufrieden? Wie würden Sie zu wenige, zu schlechte oder abgeschriebene Seiten, in zu großer Schrift bewerten?

 

Am besten sind Arbeiten ohne Noten. Hier muss ein ordentliches Feedback zugesagt werden. Wir fragen noch nach, ob sie Gespräche wünschen, schriftliche oder gar keine Kommentare oder, wann eine Arbeit abgelehnt werden soll. Das ist ein echter Weg zum Lernen von Verantwortungsübernahme.

 

Eigene Ziele bauen und dies mit Schülern und Studenten leben können
Ein Student schilderte, dass er bei der Bundeswehr lernte von einem 8m hohen Turm (mit Absicherung) zu springen und so etwas auch als Lehrer den Kindern als Mutprobe anbieten wolle. Wir wurden uns einig, dass er das bei der Armee vielleicht könne, Lehrpläne und Richtlinien der Schule aber ein anderes Menschenbild vorgäben.

 

Es geht nicht darum, die eigene demokratische Meinung bis zur Unkenntlichkeit zu negieren.

 

Warum eigene Themen

 

Gerade Hochschullehrer*innen entscheiden, ob sie Lernen vorgeben und lernen lassen. Sie entscheiden, ob Lernende die eigenen Wege gehen oder vorgefertigte Wanderwege betreten. Nicht, dass es diese nicht gibt, aber es ist die Entscheidung, ob der Lernende sie nutzt oder neue Wege sucht. Es ist das Gehenlernen, dieses sich selbst immer wieder aus dem Gleichgewicht bringen um für Sekunden den festen Stand finden, damit wir überhaupt weitergehen können (Kükelhaus).

 

Wir finden unsere Richtungen nicht durch Vorgaben. Wir lernen nicht gehen durch Gehschulen oder Laufkurse, sondern nur durch das eigene Gehen. Und das beginnen wir krabbelnd, hinfallend, nachahmend, vollkommen individuell, aber so wie die anderen, um später laufen, springen, rückwärtsgehen, schwimmen, oder gar fliegen zu können. Wie sagten Victor Hugo und Celestin Freinet „Adler steigen keine Treppen“!

 

Die freie Wahl des Themas symbolisiert den Anspruch, dass Lernende nicht für Dozent*innen, sondern für sich selbst lernend. Sie tun dies nicht durch ein Postulat, sondern nur durch die eigene Tat.

 

Selbst wenn sie dies niemals in der eigenen Schulzeit lernten, wenn sie in vorgegebener Abhängigkeit gehalten wurden, lernt oder lernte selbst der Unselbständigste sein Vergnügen des eigenen Mühens.

 

Unser Job ist es auf Anfrage Zusammenhänge herzustellen, auf Quellen zu verweisen, bekannte und neue Fragen zu erkennen, eigene Theorien zu bearbeiten, falsche Propheten zu benennen und die Wirksamkeit und Folge des eigenen Handelns einschätzen zu können.

 

Es geht nicht darum, dass Lernende die Struktur einer beispielgebenden Schule oder Lernerpersönlichkeit begreifen, sondern, dass sie die eigene Lernstruktur und den eigenen Lernertypus mehr und mehr verstehen und Verschiedenartigkeit und den Reichtum des Lernens anderer zulassen lernen.

 

Wenn Sie es können, dürfen Sie erzählen, ihr Wissen weitergeben oder neue Räume, Wege, selbst Umwege zeigen. Sie müssen wissen, wann das eigene Lernen, die Faszination in das eigene Verstehen und Können vorgehen.

 

Ein Mittel dieses zu erreichen ist das eigene Thema zu finden, bearbeiten zu lassen und dazu zu provozieren.

 

Es geht nicht darum zu beurteilen, ob und wie gut jemand etwas kann, zu „benoten wie weit“ er oder sie ist. Der Job ist den Menschen dabei zu helfen, dass sie die eigenen Strukturen, ihre Fähigkeiten und Reichweiten erkennen und soweit entwickeln, dass sie mit sich selbst zufrieden werden. Die Kreatöre der Arbeiten bestimmen auch ihre Einschätzung. Sie haben immer ein Recht auf Fehler, Irrtümer und Umwege.

 

Vielleicht brauchen wir weniger Lehrer*innen und mehr „Lebensmenthoren“.

 

Das menschliche Leben und die Wirklichkeit bestimmen, bevorzugen und entwickeln das Lernen der Menschen, nicht Kontrolleure, Checker und andere Helikopter. Wir können bedenken, überlegen, zur Achtung von Werten und Würde auffordern, Notwendigkeiten, Ästhetik oder Brauchbarkeit diskutieren, aber wir sollen Wissen nicht als Mittel der Machtausübung gegenüber anderen missbrauchen, wie Schule es täglich tut.

 

Verantwortung entwickelt sich für das eigene Tun, nicht das der anderen. Es ist die Antwortsuche auf die Fragen, die die Welt stellt (Frankl).

 

Wenn in der Bildung von neuen Lehrerinnen und Lehrern der persönliche Bezug der Hochschullehrer*innen in oder während der „Ausbildung" verloren geht, wird jede „Prüfung“ zu einer Überprüfung von Faktenwissen, obwohl exakt die persönliche Einschätzung des Absolventen den Ausschlag für den Abschluss des Studies geben wird. Dies wissend, werden immer mehr Scheine, Klausuren, Arbeiten, Noten eingesetzt, um eine "objektivere Einschätzung" zu gewährleisten. Und dies geschieht, obwohl die Ausbildenden wissen, dass das Entscheidende die Weiterbildung der Persönlichkeit der Lehrkraft ist.

 

Also werden sie wieder versuchen, doch an der Persönlichkeit der Studies zu wurschteln, indem sie von Anfang an "ihre Regeln" transparent machen und von den Studies höchste Effizienz und Fähigkeit in der Anpassung an "ihre" Vorstellung von "Pädagogen" verlangen.

 

Und jetzt stelle man sich vor, was passiert, wenn die Prüfung auf beiden Seiten geschieht. Es werden nicht nur die Studies geprüft, nein, sie prüfen auch ihre Lehrer*innen. Und wenn sich hier die Entleerung, die bereits im Verhältnis von Lehrer*innen und Schüler*innen an den Schulen stattfand, an der „Hoch“schule fortgesetzt, verschwindet ein wesentlicher Teil jedes echten Lernens, das Vertrauen.

 

Und die so mit Misstrauen Konfrontierten sollen selbst wieder als zukünftige Lehrer*innen ein Vertrauen zu „ihren“ Schüler*innen aufbauen? So werden keine Lehrkräfte gebildet, sondern Schulpädagogen*innen wie Knechte (Jean-Jacques Rousseau) ausgebildet.

 

Wer wird später - und heute die Schulausbildung bestimmen? Ein Teil der Antwort liegt in der Vergangenheit. Schauen Sie doch mal was ein Stefan Zweig, ein Michael Ende, ein Herrmann Hesse, ein Ernst Jandl, ein Heinrich Böll, ein Erich Kästner, eine Maria Montessori oder Astrid Lindgren über ihre eigene Schulzeit sagten.

 

Eigenes Schreiben

 

Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt (Ludwig Wittgenstein). Mit großem Interesse an unterschiedlichen Sprachen, die mit Schlüssel zur Kultur vergleichen sein können, ist zu verfolgen, wie die eigene Sprache und Ausdrucksformen mit Schreiben verbessert oder entwickelt werden kann.

 

Nach   fast   fünf   Jahren   Unterricht   in   einer   interkulturellen   Gruppe   an   der Pädagogischen Hochschule Kärnten/Viktor Frankl Hochschule, war zu beobachteten, wie wichtig es ist, nicht nur einen freie Schreibraum für die Studentinnen und Studenten anzubieten, sonst auch klare und strukturierte Ideen zu geben, damit der eigene Schreib-, Denk-, Sprach- und Lebensstil entwickelt wird.

 

Abschreiben, Nachplappern oder Kopieren macht vielleicht Mönche, Bürokraten oder Unterrichter. Die Entwicklung eigener mündlicher, geschriebener und gespielter, sich frei ausdrückender Sprache verändert die Wirklichkeit des menschlichen Denkens und Handelns. Das individuell und als Gruppe auszudrücken, was beeindruckt, verändert die Welt zum Besseren, wenn jede*r es lernen konnte.