Walter Hövel
Entwurf eines pädagogischen Standortplans

der Hauptschule Wuppertaler Straße in Köln

geschrieben zwischen 1985 und 1989, transkribiert 2020

 

Im Laufe von 35 bis 30 Jahren stelle ich heute (2020) einiges anders dar. Das Be-Lehren der Kinder und Jugendlichen fällt weg und der Unterricht. Viel klarer wird der selektive Klassencharakter unserer Schule erkannt, und das Pflichtschulsystem. Dem Lernen der Menschen wird gegenüber dem Erhalt der Schule der Vorzug gegeben. Heute wissen wir, dass Schüler*innen ihr eigenes Lernen in jeder Hinsicht selbst bestimmen können.

In der Kooperation steht die Zusammenarbeit mit, auf der Grundlage der Autonomie der Schüler*innen, klar im Vordergrund. Bei Fragen des Lebens und der Welt, des Klimas, des Friedens und der Menschenrechte steht das Versagen der Erwachsenenwelt gegen das freie, eigene Lernen der Kinder. Jeder Mensch wird nicht gefordert, sondern gefördert.

Ich bin mir im Klaren darüber, dass das subjektive Denken der Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher, der Mütter und Väter, der Dozentinnen und Dozenten und das objektive System Bildung und Wissenschaft zu großen Teilen sehr weit weg von diesen Zielen sind. Ich weiß, dass meine eigene Praxis, ihre mündliche und schriftliche Hospitation und meine Hochschultätigkeit bei vielem Menschen dagegen Möglichkeiten der Veränderung unserer Gesellschaft gezeigt haben. Ich freue mich über jene Menschen, die die Veränderbarkeit viel besser ausdrücken können. Damals, z.B. Schüler*innen als Stufensprecher*innen zu wählen oder anderes, wäre von Lehrkräften und Vorgesetzten nur als Provokation verstanden worden.

 

 

Schule befindet sich in einem Entwicklungsprozess, der der Hauptschule wesentliche Veränderungen ihres Arbeitsfeldes, ihrer Schülerschaft, ihrer gesellschaftlichen Zielsetzung und somit auch ihres Unterrichts und ihrer Erziehung abverlangt.

Schüler, Lehrer und Eltern der Hauptschule Wuppertaler Straße haben in den letzten Jahren einen Veränderungsprozess eingeleitet, der durch folgende Begriffe in seiner Zielgerichtetheit beschrieben werden kann:

  • Praxis und handlungsorientierte Arbeitsformen

  • Wissenschaftsorientierte und gesellschaftsrelevante Lerninhalte

  • Berufsorientierte Unterrichtsmaßnahmen

  • Projektorientiertes, fächerübergreifendes ganzheitliches und vernetztes Lernen

  • Stadtteilbezogenes, die Umwelt erschließendes Lernen

  • Erziehung zu eigenständigen, kritischen, selbstorganisierten und selbstbestimmten Lernen

  • Erziehung zu solidarischem und humanem, umweltbewusstem, friedlichem Handeln.

 

Der Prozess der Standortbestimmung ist allenthalben im Gange. Hierbei knüpfen wir bewusst an die Richtlinien der integrierten Schulform Grundschule an. Die Bemühungen um die Integration der Sekundarstufe I werden von uns unterstützt. Wir verstehen unsere Arbeit als Verbesserung von Schule.

 

Nachfolgend werden die Schwerpunkte der Arbeit kurz dargestellt.

 

Kooperation

Die Lehrer kooperieren, über die bestehenden Schulorgane hinaus, auf der Ebene der Jahrgangsstufe. Jede/r Lehrer/in gehört einer Jahrgangsstufenkonferenz (einem Stufenteam) an. Diese Lehrer/innen unterrichten möglichst viele Stunden in ihrer Stufe. Die Terminierung erfolgt auf der Grundlage von Lehrerkonferenzbeschlüssen. Die Stufenteams erstellen, auf der Grundlage der Lehrer-konferenzbeschlüsse, die Unterrichtsverteilung und die Stundenpläne der Stufen. Sie erstellen möglichst stufenimmanente Vertretungspläne. All dies geschieht in Abstimmung mit der Schulleitung. Die Zusammensetzung der Stufenteams geschieht in offener Aussprache in der Lehrerkonferenz. Die Stufenteams befassen sich mit Erziehungsfragen, Unterrichtsformen, Unterrichtsinhalten und -techniken. Die Grundlage dieser Zusammenarbeit ist der Austausch von Materialien und Erfahrungen, die gemeinsame Erstellung von Halbjahresplänen auf der Grundlage der Lehrpläne der Fächer, der Interessen der Schüler, Lehrer und Eltern. Diese Halbjahrespläne stellen den Orientierungsrahmen für die spezifische Arbeit in den Klassen vor. Epochale Projekte, Unterrichtseinheiten sollten arbeitsteilig (unter besonderer Berücksichtigung der fachwissenschaftlichen Ausbildung der LehrerInnen) erstellt werden und jedem Kollegen zur Benutzung zugänglich sein. Gemeinsame Unternehmungen und Feiern der Stufe sollten ein Ziel der Zusammenarbeit sein.

Im Rahmen der Lehrerkonferenz finden schulinterne Fortbildungen statt, in der der stufenübergreifende Austausch eigener und fremder pädagogischer und inhaltlicher Erfahrungen, organisiert wird. Hier sollen die weitere Beschreibung und Verbalisierung unserer Praxis und Theorie fortgeführt werden. Dies geschieht in der Form von Hospitationen, exemplarischer, gemeinsamer Planung von Unterricht, Reflexion gelaufener Projekte und Unterrichtseinheiten, arbeitsteiliger Konzeptarbeit, Befassung mit Unterrichtstheorien und Erfahrungen mit Problemstellungen, wie z.B. der Berufsvorbereitung, der Schulsozialarbeit, Differenzierungsmaßnahmen, erweiterte Angebote für Unterricht, der Leistungsbewertung usw.

 

Die Kooperation mit den Schülern findet in der Klassenversammlung statt. Sie hat die Aufgabe, dien Prozess der Planung, der Organisation Reflexion und Durchführung von Unterricht durch die Schüler selbst voranzutreiben. Sie erstellt ein soziales Regelwerk auf dessen Grundlage das Leben in der Klasse organisiert wird. Ziel der Klassenversammlung ist es dem Ziel, den Schülern das Wort zu geben, immer näher zu kommen.

Der Schülersprechtag findet halbjährlich statt, um im partnerschaftlichen Gespräch, den Schüler individuell zu beraten.

 

Die Kooperation mit den Eltern findet im Rahmen der Klassen- bzw. Schulpflegschaft statt. Darüber hinaus werden Feiern auf Schul-, Stufen- oder Klassenebene organisiert.

 

Die kleine Dienstbesprechung (Schulleitung und Stufensprecher) hat die Aufgabe als Koordinationsgremium zwischen den Stufen einerseits, und der Schulleitung und den Stufensprechern andererseits zu wirken. Sie bereitet schulinterne Fortbildungen/Lehrerkonferenzen, die Beschlussfassung der Lehrerkonferenz zur Unterrichtsverteilung vor. Sie koordiniert im Sinne des Schullebens und der Schulorganisation.

 

Unterricht
Die Umorganisierung des Unterrichts und der Stundentafel schafft sinnvolle Räume für die Gestaltung zu einem projektorientierten, epochalen Unterricht. Sie schafft Raum für schülerorientierte, von Schülern organisierte Unterrichtsverfahren, innere Differenzierung, Individualisierung und Sozialformen des Unterrichts, als auch für sinnvolle und notwendige kursorientierte Unterrichtssequenzen,

Die Umorganisierung des Unterrichts ist die Aufhebung des 45-Miniuten-Takts, zu längeren (oder kürzeren) Lernphasen, der Arbeitsformen der Schüler angepassten Unterrichtszeiten, die Aufhebung der Fächeraufteilung zugunsten ganzheitlicher, projekt- und handlungsorientierter Epochen. Zu diesem Zweck werden die Stundenanteile verschiedener Fächer zu Einheiten zusammengefasst. Bisher bieten sich die Fächer Deutsch, Geschichte, Wirtschaftslehre, Erdkunde, Biologie und Kunst (Physik und Chemie) zum Kernunterricht, oder die Fächer Kunst. Musik, Technisches Werken, Haushaltslehre, Wirtschaftslehre zu einem kreativen, bzw. berufsorientierten Block an. Auch andere Fächer wie Englisch, Mathematik, Sport sollten eine projektorientierte Ausrichtung erfahren, werden zurzeit aber noch als isolierte Unterrichtsfächer angeboten.

Im Rahmen der Freiarbeit sollten individualisierte Kurse (Englisch, Mathematik, Deutsch, Vorbereitung auf Industrietests) angeboten werden. Darüber hinaus sind auch längere Kurse unumgänglich, in denen auch grundlegende Fundamente zur Beherrschung bestimmter Techniken, Kenntnisse und Kulturtechniken vermittelt werden. Dies kann für alle Fächer gelten.

Ziel des Unterrichts ist, neben der unumgänglichen Qualifizierung zum Eintritt in Berufe, das Lernen zu lernen (unter besonderer Berücksichtigung der Qualifizierung für die Sekundarstufe II), entsprechende Arbeitstechniken zu vermitteln, wissenschaftliche Erkenntnisfindung zu unterstützen und die Förderung selbstbestimmten, demokratischen Persönlichkeit zu fördern.

 

Der Unterricht sollte von den Lehrern nicht mehr als Vorgang verstanden werden, bei den methodisch didaktisch ausgesuchte, vorgefilterte und „vereinfachte“ Inhalte portionsweise angeboten werden, im Sinne einer Lernzielorientierung, sondern als ein Vorgang, bei dem sich Lehrer und Schüler gemeinsam in ein Lernfeld begeben, das fächerübergreifend, forschend, möglichst originär (auch außerhalb der Schule), in Begegnung mit identischen Personen und Dokumenten erfahren wird, in dem Schülern gesellschaftlich relevanten und eigenen Fragestellungen nachgehen, in dem sie tastend und experimentell selbst versuchen zu lernen, in den Lehrer als beratende und anbietende Partner zur Verfügung stehen, im Sinne einer ganzheitlich, vernetzten wissenschaftlichen Handlungsorientierung.

 

 

Alle danach folgenden Stichworte, wie etwa Arbeitspläne, Feier, als auch Materialaufzählung bedürfen meines Erachtens einer genaueren Aufarbeitung und Diskussion.