Walter Hövel
Spicks and Specks aus dem Schulalltag
Aus Materialien der Grundschule Harmonie

 

 

Die erste Regionalkonferenz der Schule war 2006. Eingeladen waren u.a. die örtliche Industrie, Banken, Politik, Verwaltung, Kirchen, Vereine, Unis … und die benachbarten Schulen.

 

FreiNet-z-Treffen bei uns, 5 Schulen außer uns eine Freie Schule in Berlin, die Französische Schule aus Tübingen, Pattonville aus Remseck, und Berg Fidel aus Münster. Viele Freunde, Bekannte und Unbekannte hospitierten bei uns jede Woche. Alleine durch unsere Antworten auf ihre Fragen, mussten wir unsere Schule immer weiter entwickeln.

 

Lehrer und Eltern machen Musik für Lehrer und Eltern von Lehrern und Eltern (Konzerte). Dieses und viele andere Feste fand jedes Jahr statt.

 

Beim Festdiner bereiteten die Lehrer*innen ein mehrgängiges Essen für alle 10 bis 20 zentralen Mitarbeiter*innen, immer nach Weihnachten. Auch unsere Comenius-, BüZ- oder anderen Gäste wurden mit Feiern im Forum der Schule empfangen. Hierbei bereitete allerdings meistens das hoch engagierte Küchenteam zu.

 

Besuch in der Moschee zum Thema „Heilige Tiere in den Religionen“. Wir machen „türkische“ Elternabende. Wir backen „Weckmänner“ für alle Kinder und Anwohner zum Sankt-Martinsfest in einer türkischen Bäckerei mit türkischen Mitbürgern und Kindern. Unsere beste Zeit waren die vielen Jahre der Arbeit zweier türkischer Mütter an der Schule und die des Engländers, der fließend Türkisch spricht und so „Englisch“ ganz anders angehen kann. Zwei Lehrer*innen können etwas Türkisch und alle wussten zumindest durch eine Konferenz, wie die türkische Sprache aufgebaut ist.

 

Alle zwei Jahre ist eine Theaterveranstaltung von „Zartbitter“ gegen sexuellen Missbrauch und Gewalt. In 20 Jahren gelingt es uns viele Fälle aufzuklären. Dabei helfen uns die Opfer, ihre Angehörigen, Zartbitter, ein Mitarbeiter des Kommissariats Aufklärung, eine Kommissarin, eine Sozialarbeiterin, zwei Priester, einige Richter und andere engagierte Menschen. In vielen Fällen können wir nichts unternehmen, da Opfer und Angehörige schweigen. Unser Engagement macht uns bei vielen nicht beliebt. Wir wissen oft mehr als wir sagen können. Hier lernen wir auch zuerst – zugunsten der Menschen – das Verlieren. Oft aber finden wir einen Weg gegen die Täter und können vielen Kindern mit der Hilfe vieler Verbündeter helfen. So lernen wir auch, auf wen wir uns verlassen können.

 

Wir haben etwa zwei Jahre lang eine eigene Kinderfeuerwehr, die auch als AG stattfand. Manchmal gibt es Dinge nur solange die entsprechenden Erwachsenen da sind.

 

Wir lehren jede Sprache, die durch Menschen da ist: Spanisch, Türkisch, Kölsch, Französisch, Mandarin, Lettisch, Latein,…“ Unterrichtet werden sie nur, wenn es uns gelingt, die Erwachsenen davon zu überzeugen, dass sie ihre Sprache lehren können. Es müssen nicht nur hier ausgebildete Lehrer*innen lehren! Dies gelang uns z.B. nicht mit Romanes oder Russisch.

 

Lange hatten wir eine Specksteinhütte im Gelände. Leider wurde sie nach einem Jahr durch Vandalismus zum ersten Mal zerstört.

 

Eine betroffene Mutter erzählt in der Konferenz alles über „medizinischen und gesellschaftlichen Autismus“, eine andere über „Hypersensibilität“ oder andere zu anderen wichtigen Themen. Wir lernen, dass „alle Menschen“ behindert werden, es aber keine Behinderungen gibt. Es gibt nur verschiedene Menschen.

 

8 Jahre lang sitzt eine Systemikerin von der Elternberatung der Gemeinde bis zu ihrer Pensionierung 2014 in unseren Kinderkonferenzen. Sie lehrt uns systemisches Denken mit und über Kindern, Vieles über viele Ursachen von Verhalten und Sein. Vor allen Dingen macht sie uns klar, dass Lehrer*innen sich um die Lernangebote für die Kinder kümmern und nicht mehr dadurch überfordern, indem sie glauben, jedes Problem lösen zu können oder zu müssen. Dafür gibt es Spezialisten, die sie uns auch vorstellte und nannte.

 

Kindergartenkinder dürfen schon mit 4 Jahren so lange bei uns hospitieren wie sie wollen und können. Kinder kommen schon frühzeitig zur Schule, andere pendeln oder gehen genüsslich wieder in den Kindergarten. Die Gruppenbesuche, um die Schule mal zu sehen, verschwinden. Die Kinder lernen schon als Kindergartenkinder „ihre Schulen“ kennen. Viel später bieten wir ein ganzes Programm von Kinderuniangeboten an. Diese werden von Lehrkräften oder sehr professionell von Kindern gemacht.

 

Eine betroffene Busfahrerin nimmt immer wieder an den Buskinderversammlungen teil. Es gibt viele Teilversammlungen, die für Mädchen, die für Jungs, für Erstklässler, Toilettenbenutzer, Fahrradfahrer oder was immer sich anbietet. Es ging nur, weil diese Busfahrerin im Gegensatz zu ihren Kollegen dies begriff. Die Kinder lernten es so.

 

Wir kaufen anstelle von Schulbüchern über das Lehrmittelfreiheitsgesetz echte Bücher und unsere Lernmaterialen. Dabei unterstützt uns das Ministerium in Düsseldorf. Die Gemeinde sieht unsere eigenständigen direkten Bestellungen nicht gerne, da sie ansonsten 5% von einem Zwischenhändler bekommt.

 

Alle Eitorfer Grundschule machen Tage wie „Eitorf liest“ mit 74 verschiedenen Veranstaltungen allerorts, mit sehr verschiedenen Mitbürger*innen, oder „Eitorf singt“. Das waren bedeutende Schritte, die leider mit dem Weggang von zwei Grundschulleiterinnen endeten. Später gibt es mit dem örtlichen Arbeitskreis Inklusion eine Woche „Eitorf will’s wissen“. Hier werden 34 Veranstaltungen von Eitorfer*innen für Eitorfer*innen in einer Woche an verschiedensten Orten zu verschiedensten Themen angeboten.

 

Nach dem Sankt-Martins-Zug, der von einem örtlichen Chor initiiert wird, trinken wir jedes Jahr in der Schule einen nur mit der Musikkapelle. Wir setzen damit eine Tradition fort, die verschwinden könnte, aber nicht soll.

 

Über Karneval war die Schule Freitag bis Dienstag zu! Es gibt jedes Jahr zu Weiberfastnacht eine Karnevalssitzung mit dem Kinderprinzenpaar, eigenem Programm von Kindern und Lehrer*innen und wildem Schwof bis nach 11.11 Uhr.

 

Die Ergebnisse der Kinderuni „Erziehung“ stellen wir den Eltern vor. Wir tun dies viele Jahre mit der gesamten Lernarbeit der Schule in einer wöchentlich 2008 – 2014 on-line erscheinenden Schulchronik.

 

Reisen von Kindern mit ihren Eltern sind Lern-, also Schulzeit.

Wir hatten 10 Jahre lang eine Partnerschule in Derbyshire/England.

 

Wir machen eine wöchentliche Skype-Übertragung mit Kindern einer Klasse in Klagenfurt/ Österreich zum gegenseitigen Vorlesen freier Texte und Halten von Vorträgen. Dabei merken zwei Kinder aus den verschiedenen Ländern, dass ihre gemeinsame Sprache Türkisch ist.

 

Wir machen per Skype eine gemeinsame Chorprobe mit unserer Partnerschulen in England und unserer Nachbarschule. Die englischen Kinder sprechen bei unseren Aufenthalten an der Grundschule Harmonie mit ihren Eltern per Skype.

 

Ein Besucher aus Ankara will noch unsere Toiletten sehen. Danach glaubt er uns. Auch nach 20 Jahren Benutzung sind die Klos in Ordnung. Die Wände sind nicht beschmiert oder beschrieben.

 

Der zuständige Gemeindevertreter weigerte sich mit den Worten für die Schulklos drei neue Klobrillendeckel zu besorgen: „Das gibt’s für Schulen nicht.“ Wir kauften selber welche und montierten sie.

 

Unsere Elternschaftsvorsitzende rückt mit ihrer Reinigungsfirma an und desinfiziert und putzt mit der Hilfe anderer Eltern alle Klos. Wie achten darauf, dass die Kinder sehen, dass auch ihre Eltern bei solchen und anderen Aktionen mitmachen. Viele sehen ihre Eltern sonst nicht mehr arbeiten.

 

In einer Klobenutzerversammlung schenken wir mehreren Schülerinnen und Schülern die Toiletten. Sie gehen in ihre Selbstverwaltung über und sie - blieben sauber.

 

Kinder gehen in ihrem ersten Schulbesuchsjahr solange zum Schwimmen, bis sie es können. Gerade hier beachten wir alle ministeriellen Vorschriften der Landesregierung. Keine Lehrer*in überlebte je ihren Job, wenn einem Kind beim Schwimmen etwas passierte.

 

Es gibt viele Brieffreundschaften. Wir schreiben mit Kindern aus England, Südtirol, der Schweiz, den Niederlanden, Österreich, Luxemburg, Belgien und Deutschland. Ein besonderer Höhepunkt war „die Lyrik mit dem Poststempel“. Hier druckten und vervielfältigten Kinder ihre selbst geschriebenen Texte und verschickten sie als Postkarten oder kleine Bücher an Kinder in befreundeten Klassen in der Schweiz, Österreich und Deutschland. 

 

Auf dem Weihnachtsmarkt hatten wir immer einen eigenen Stand mit einer großen Bude. Die Einnahmen macht die Arbeit des Fördervereins so beweglich, dass wir vielen armen Kindern – nicht nur aus diesem Topf - z.B. Fahrten oder andere Aktionen ohne Antrag oder Bekanntwerden ermöglichen können.

 

Wir gründen Schul-Kinder-Firmen, darunter eine eigene Fotofirma.

 

Fast 10 Jahre lang machen wir zwei Comeniusprojekte. Die Ergebnisse sind vielfältig dokumentiert.

 

Wir haben systematisch alles Erreichbare über psychische und andere „Störungen“ und Nichtstörungen in vielen Fortbildungen, bei Besuchen, in unserer Praxis mit Kindern, von der Firma Mutabor und ihren Mitarbeiter*innen, dem Schulpsychologischen Dienst, der AWO, Kolleg*innen, voneinander in unserer eigenen Praxis und auf unseren Konferenzen gelernt.

 

Wir sind mit einer festen Teilnehmer*innengruppe jahrelang Gäste des Golfclubs. Viele unserer Kinder lernen etwas, was sonst nie in ihr Lebensprogramm gelangt wäre. Leider stoppt es nach drei Jahren, als der die Kooperation initiierende Mensch beim Golfclub durch Pension aufhörte.

 

Alle Klassen geben sich immer wieder neue Namen. Sie heißen zum Beispiel „die geraden Kurven“, „Zaubervögel“, „Genies“, „Lila Bärentulpen“, „Mondscheindrachen“, „Detektive auf heißer Spur“, „Himmelskinder“, „Forscher“, die Fledermäuse und Vieles andere. Die Namen werden manchmal auch in den jahrgangsgemischten Klassen gewechselt. Oft ist der Einfluss der Erwachsenen bei der Namensgebung groß, andere Male sind es nur die Kinder, die ihre Namen finden.

 

Wir drehen eigene Spielfilme, mit eigenem Schnitt und mit Hilfe einer Effekte App. So gibt es den „Schulkrimi“ und die „Schatzinsel“. Kleinere Filme werden mit unseren Webcams gemacht. Es waren zudem Trickfilme mit Legos und anderen Spielsachen, Schulnachrichten oder englische Filme, die auch verschickt werden. Oft drehen Studentinnen oder Profs ihre Filme, oft genug ein offizielles Fernsehteam.

 

Wir machen Marmelade und Apfelsaft. Früchte wachsen im Gelände und weitere Äpfel können wir auf den Obstwiesen an der Sieg pflücken.

 

Unser Schulgelände bleibt immer ohne Zaun oder Mauer.

 

Es gibt eine kindergeführte Pausenausleihe für Einräder, verschiedenen Kinderautos, Bälle, Jonglage, etc.

 

Wir haben tausende von Kapplasteinen. Dazu gibt es Baukästen nicht nur von Fischer, Geometriematerialien, etc. Die Schule und alle Klassen sind voll mit Materialien.

 

Wir kauften Materialien oder Bücher nie für alle Klassen. Sie sind ein Gegenstand der Kommunikation zwischen den Klassen und Fluren.

 

Wir experimentierten viel mit „Begabtengruppen“, um herauszufinden, dass alle Menschen begabt sind und wir lernen, so zu arbeiten, also jede*n auf Verdacht zu fördern.

 

Wir machen eine eigene eintägige „Wallfahrt“ mit gemeinsamen Essen und Trinken, Mandelas aus Naturmaterialien, Himmelsmeditation oder auf Holz geschriebenen Wünschen, die wir in den Fluss schmeißen.

 

Wir machen einen Sternmarsch auf die Schule. Die weitesten Schüler*innen wohnten 70km weit weg (Unsere längste Wanderstrecke ist aber „nur“ 20km lang). So kommt sehr viel Geld in die Kassen des Fördervereins.

 

Unser Schulalltag ist vollkommen frei von Noten, Tests, Fleißkärtchen, Smileys und ähnlichem. Die Eltern entscheiden, ob sie Noten in den Zeugnissen haben wollen. Zudem haben sie die Wahl zwischen einem Text- und einem Kriterienzeugnis. Dies alles wird ersetzt durch Selbsteinschätzungen, Klassenrat, vielen Gesprächen und der eigenen freien Arbeit.

 

Wir machen eigene Kinderbetreuungen in den Ferien.

 

Wir machen 1.Hilfe-Kurse.

 

Wir machen hausinterne Kampagnen für Fächer wie Mathematik, das Experimentieren, das Komponieren oder das Englischlernen. Andere Fächer wie Sport, Deutsch oder die Bearbeitung eigener Themen sind „Selbstläufer“.

 

Wir verhandelten eine Preiserhöhung für das Mittagsessen mit unserer Küche. Sie nahmen nur 1€ pro Person und hatten immer noch Geld übrig.

 

Die Schule war über 10 Jahre ohne Bürgersteig. Nur ab und an gab es einen Hausmeister. Oft nur eine Ein-Euro-Kraft. Die Sekretärin kommt nur 6 Stunden in der Woche und wurde nie mit dem Einverständnis des Schulleiters eingestellt. Wir fühlten uns selten von der Gemeinde unterstützt.

 

 Zu meiner Nachfolge entschied laut Gemeinde ein Angestellter der Bezirksregierung die Stelle jahrelang nicht mehr auszuschreiben. Verwaltung macht Schul“reform“.

 

Wir haben einen eigenen Kunstraum, in den die Kinder einfach gehen. Er wird von zwei Nicht-Lehrpersonen geleitet, die immer da sind. Einige Lehrerinnen mussten lernen, dass die Materialien des Kunstraumes in der Verantwortung von Nicht-Lehrer*innen sind.

 

Wir ließen einen fahrbaren Wagen für Kunstmaterialien, die in Klassen gebraucht wird, bauen.

 

Zwei Jahre machen alle Lehrer*innen zwei Jahre lang alle 14 Tage unsere Konferenz zum Thema Musik. Zwei unserer Leute gehen als Tandem jede Woche zu einer Ausbildung des Ministeriums mit der Bertelsmannstiftung. Sie bringen uns alles bei, was sie dort lernen.

 

Es gibt immer wieder Schulbands, die letzten Jahre durchgehend. Jahrelang gab es eine „Kids Kompo“.

 

Es wird immer Schach gespielt. Vielleicht einmal im Jahr gewinnt ein Kind gegen den Schulleiter. Die Kinder selbst organisieren ein schulweites jährliches Schachturnier.

 

Die Schule ist eine Bücherei mit über 5000 Büchern. Es gibt keine Ausleihe. Lesen ist cool!

 

Als die entsprechende Kollegin da ist, haben wir für viele Jahre ein „Lernstudio“. Hier lernen unsere Kinder, nachdem sie sich das Lesen beigebracht haben, mit ihrer Hilfe jene Literatur zu finden, die sie wirklich interessiert.

 

Die Gottesdienste finden in der Schule statt! Es ist Entscheidung jedes Kindes, nicht von Erwachsenen, dort hinzugehen. Jeder Gottesdienst wird von und mit Kindern vorbereitet. Später, nach „Personalwechseln“, schafften die Kirchen dies einige Jahre nicht mehr.

 

Wir spielen mit einer Klasse einen elterlichen Scheidungsprozess in einem mehrwöchigen Rollenspiel. Jedes Kind übernahm eine Rolle, wie die Freundin der Mutter, den neuen Vater, die Oma, die betroffenen Kinder etc. Nach einiger Zeit kommt ein echter Richter um in unserem Fall in einem eigen initiierten Scheidungsprozess „Recht zu sprechen“.

 

Wir verschieben schon einmal eine Beratungsentscheidung um Monate, weil die Eltern Probleme mit sich haben.

 

Ein Hausmeister, den wir ein paar Monate haben, baut uns gegen den Willen der Gemeinde unsere riesige, bewegliche Theaterbühne im Musik und Theaterraum.

 

Immer häufiger wollen Eltern eine Wiederholung des 4.Schuljahres, obwohl ihre Kinder eine gymnasiale Empfehlung haben. Ihre Begründung: “Sie sollen noch ein Jahr in Ruhe lernen können.“

 

„Sitzenbleiben“ im schulischen Sinne wird abgeschafft. Wir handeln mit Kindern und Eltern aus wer wie viele Jahre in der Schule bleibt.

 

Die Zahl unserer gymnasialen Empfehlungen geht nach kurzer Zeit über 70%. Wir „verschenken“ die Empfehlungen weder, noch haben wir die reichen Mittelschichtkinder. Die Kinder halten ihre Position auch noch nach Jahren in den „weiter führenden“ Schulen oder, sie gehen sehr erfolgreich ihre „Um“wege.

 

Die Schule hatte sechs Konrektorinnen. Fünf von ihnen, und einige Kolleg*innen mehr, leiten heute tolle Schulen. Andere gingen an Unis. Nur eine Ex-Konrektor*in will nicht! Sie blieb „schlichte Lehrer*in“.

 

Kinder gehen in andere Klassen, um zu „spionieren“ wie sie arbeiten. Manchmal bleiben sie dort.

 

Zu Anfang „erwischen“ wir jede Woche ein Kind bei einer guten Tat und verkündigen das auf den Montagsversammlung. Das half vielen „Kanonen“. Später wird es vollkommen unnötig.

 

Wir sammeln „das Englisch“ auf und in unserer Kleidung, suchen Englisch in Schaufenstern und Reklametexten oder gehen im „Englischen Shop“ in Köln einkaufen.

 

Wir interviewen Engländer*innen, eigene Lehrer*innen und andere Gäste, indem wir uns erst die Fragen auf Englisch „bauen“. Was die Interviewten antworten, bekommen wir durch unsere Filmaufnahmen raus.

 

Nicht Supergirls und Batman spielen um Englisch zu reden, sondern im Rollenspiel Supergirl und Batman sein. Und die sprechen nur Englisch!

Wortfeldbingo, semantische oder grammatikalische Strukturen, Fragen, etc. wurden für alle sichtbar aufgeschrieben und dienen als Vorlage Material zum Schreiben eigener englischer Texte.

 

Am liebsten und regelmäßig philosophieren wir mit Kindern in kleinen Angebotsgruppen mit der Hilfe von Bilderkarteien.

 

Anderes realisieren wir nicht, wie eine Kletterwand, die ZweiMonatsArbeit, Schulpantoffeln für Gäste, eine Kletterwand, … 

 

Zwei Jahre lang diskutieren wir mit Kindern und Eltern das Jahrgangsübergreifende Lernen und die Umorganisation der Schule. Wir hospitieren mit Eltern und Lehrer*innen überall dort, wo mit Altersmischungen gearbeitet wird und diskutieren alle Möglichkeiten. Dann können wir recht ungestresst für die Jahrgangsmischung entscheiden.

 

Zwei Jahre lang formuliert eine Arbeitsgruppe von Eltern und Lehrer*innen verständliche Kriterienzeugnisse zur Beschreibung des Entwicklungsstandes von Schüler*innen. Es war die vielleicht einzige Konzessionsentscheidung für Eltern, die das Kollegium und die Schulleitung je mittrugen.

 

Zu Beginn unserer Schule diskutieren wir ein ganzes Jahr, ob wir mit oder ohne Computer lernen. Wir entscheiden uns dafür, dass die Kinder lernen sollen etwas zu beherrschen, was ansonsten sie beherrscht.

 

Als wir das Kinderparlament bitten, die veraltete Selbsteinschätzung zu überarbeiten, bekommen die Lehrkräfte eine sehr klare Antwort: „Nein. Wir haben gelernt uns selbst einzuschätzen und darum geht’s ja, oder“.

 

Wir laden zu einer Inklusionsfachtagung mit 100 Menschen aus ganz Deutschland.

 

Eine Freinet-Weiterbildung zum Thema Demokratie findet bei uns eine Woche lang im laufenden Lern- und Arbeitsprozess, unter häufigem Einschluss der Kinder statt.

 

Die Kinder unserer Schule grüßen Gäste und fragen bei ihnen nach, aus welchem Grund sie anwesend waren. So konnten nie ungebetene Gäste in die Schule, bei einer Unzahl von geladenen Gästen an jedem Tag, sein.

 

Kinder bringen in vielen Klassen Dinge von Zuhause mit, um sie der Klasse vorzustellen. Ein Tag in der Woche ist in der langen Pause Tauschen unter der Aufsicht aller angesagt. Auch Lehrer*innen machen mit!

 

Wir machen eine Kinderuni bei der jedes Kind anderen eine eigene Kompetenz zeigen kann. Wir nennen dies Kompetenzaustausch. Diese wird an andere weitergegeben und so verbreitert. Es geht vom Lachen über das Einradfahren bis zum Computergenie.

 

Jede Mathematik geht über das Tauschen in Systemen. Dazu benutzen wir Muggelsteine, Holzwürfel, -stangen und -platten, den echten Abakus, Montiperlen oder Materialien der Kinder.

 

Wir lieben Museen aller Art. Das fängt mit selbst gemachten Hundertermuseen an und ging über die Ausstellung „Dinge aus hundert Jahren“ in 100 Schuhkartons bis zu eigenen Vorträgen im GeStaPo-Haus in Köln.

 

Wir legen immer 100er-Bretter. Welche Zahlen bleiben gleich, wenn man sie herumdreht, welche kann man austauschen, etc.

 

Wir zeigen uns am Schluss einer Sporteinheit, die drei Schulstunden mit je zwei Klassen hatte, unsere neuen „Erfindungen“ oder Spiele. Lehrer*innen dürfen Kooperationsspiele zeigen und all das zeigen sich die Lehrer*innen in einer eigenen Konferenz gegenseitig.

 

Eigentlich jede Woche treffen sich, – ohne dass es unbedingt in Plänen steht–, Menschen zum Singen im Forum. So singen wir zu Weihnachten, Karneval, zum Frühling, zum Herbst oder zu Sankt Martin. Meistens treffen sich Erwachsene und/oder Kinder, weil sie gerade Lust haben. Ich sang mit den Kindern bei jeder Busfahrt zum Sport, zum Golfen oder sonst wo hin.

 

Viele Klassen gehen regelmäßig mindestens einmal in der Woche draußen lernen, im Gelände, am Fluss, in den Wäldern, bei anderen Menschen. Das Rausgehen um lernen zu lernen, dauert bei den Lehrer*innen am längsten.
Fangt mit dem Draußenlernen an, indem ihr etwas Kleines, einen Beweis für den Frühling, euren Lieblingsort, Farben, oder anderes sucht.

 

Lehrer*innen lesen nicht nur in den Dichterlesungen der Kinder auch ihren eigenen Text vor. Sie lesen auch Märchen oder Jugendromane von Michael Ende, Joanne Rowling und vieles andere mehr vor. Gelesen wird immer, vorgelesen auch von vielen Eltern und Gästen.

 

Das Erzählen, wenn auch von den Lehrplänen als Basis der Sprachbildung gefordert, wird in der Schule gerne vernachlässigt, weil Verschriftlichtes in Heften und Büchern mehr im Wahrnehmungsfokus der Eltern ist. Dies wird zu einem unserer ersten Themen bei der Kinderuni.

 

Kinder lernen zu leiten, den Klassenrat, das Kinderparlament, eine Schulversammlung, die Dichterlesung, den Erzählkreis, Gespräche, eure Arbeitsgruppe…

 

Immer mit den Kindern aufräumen!

 

Morgens wird von der Hälfte der Kinder eine*n Mitschüler*in gezogen. Mit ihr oder ihm wird 20 Minuten etwas getan.

 

Im „Furienprogramm“ stimmt ein Junge zu, dass er eine Woche lang die Pause mit einem Mädchen verbringt, um von ihr zu lernen.

 

Fragen zur Sexualität macht mit den Mädchen eine Frau, mit den Jungs ein Mann. Wir arbeiten mit schriftlichen Fragen, die wir ziehen. Ich erinnere mich daran, dass einmal die erste gezogene Frage war, ob Tiere einen Orgasmus haben.

 

Macht Themen-, Länder-, Geschichts-, etc. Verkleidungs- und Benehmens- Feiern als Mottotage.

 

„Was wirst du heute tun“ ist die Anfangs- und Grundfrage des Kreises.

 

Essen, Trinken, aufs Klo oder nach Draußen- gehen, aufstehen, sich hinlegen, Mützen tragen, etc. müssen immer erlaubt sein. Auch Lehrer*innen lernen das.

 

Wir benutzen jeden frei werdenden Raum als Themen- oder Fachraum für Kunst, Musik, Theaterspiel, Mathematik, Experimente, Freies Schreiben, Computerrecherche, Handarbeiten, Wald-, Englisch-, Ruhe-, Toberaum, Sternwarte, Märchenzimmer, Zukunftswerkstatt oder was immer euch einfällt.

 

Unterricht und Hausaufgaben erschweren das Lernen zumindest. Üben zum Können oder zur Meisterschaft ist etwas anderes.

 

Wir schreiben keine Diktate oder Ansagen mehr. Jedes Kind lernt Rechtschreibung anders! Zeigt den Kindern Fehleranalysen, die ihr von ihren Texten macht (, wenn ihr die Erlaubnis der Kinder habt). Er gibt eine Ausnahme: Kinder können das Diktatschreiben einfordern, um es für spätere Schule zu kennen. Es wird aber niemals wieder zum unregelmäßigen oder regelmäßigen Vorgang der Schule.

 

Eigene Lerngänge sind Voraussetzung für nicht erzwungene Lehrgänge.

 

Kaum ein Thema beginnt bei null. Erst immer das „Vorwissen“ der Kinder im Kreis klären.

 

Mit anderen Kindern, aus anderen Klassen, Schulen und Ländern arbeiten und lernen.

 

Diversität der Ethnien pflegen! Macht Projekte zu Sinti und Roma, Juden, Araber, Kurden, Sorben, Rheinländern oder Sachsen.

 

Nicht die Kinder schulfähig machen, sondern die eigene Schule lernfähig und kinderwürdig.

 

Wir haben nie mit Wochenplänen der Lehrer*innen gearbeitet!

 

Seine eigenen Fehler machen dürfen.

 

Die Kinder ins Lehrer*innenzimmer lassen. Es ist ein toller Arbeitsplatz.

 

Lehrer*innen sind gerne Gefangene ihrer eigenen Gedanken. Sie lehren Veraltetes und bekommen neues Denken nur schwer in ihre Köpfe. Sie brauchen viel Zeit miteinander zu reden.

 

Hinschauen, nicht Wegschauen bei Gewalt, Missachtung, Ausschließen oder Auslachen.

 

Die Dinge ändern, nicht den Rahmen!

 

Durch unsere Konferenzen, die Teamarbeit und Versammlungen kennt jede*r Lehrer*in fast jedes Kind der Schule.

 

Jede Elternsorge hat mindestens einen berechtigten Kern. Kommen Eltern auch noch so seltsam daher, nehmen wir sie so ernst wie jedes Kind. Wir sind ihnen nicht überlegen. Aus einem Gefühl der Arroganz oder Schwäche verteidigst du deine Position. Wir lernen zu erklären, was wir tun und zuzuhören.

 

Eine Mutter fährt mit zum Schattenspielauftritt ihrer Tochter nach Köln. Kaum haben wir Eitorf verlassen, reißt sie sich ihr Kopftuch vom Kopf.

 

Wir sehen Kinder als kompetente Menschen – mit den gleichen Rechten, aber als Menschen, die eine kindliche eigene Weltsicht haben. Wir nehmen sie ernst und arbeiten an der Herstellung von Wohlbefinden. Notfalls schützen Lehrer*innen jedes Kind mit ihrer Professionalität.

 

Bei einer Einschulungsfeier erklären wir den Eltern, dass für ihre Kinder der Spass des Lebens mit der Grundschule anfängt. Nicht alle haben das angesichts des Ernsts von Schule verstanden.

 

Teamarbeit ist nicht das Funktionieren des Teams, sondern klar zukriegen wie ich mich im Team verhalte.

 

Wir machen bei der Kinderuni „Leadershipausbildungen“ für Kinder.

 

Wir hatten eine Kollegin, die hatte sowohl eine evangelische Vocatio als auch eine katholische Missio. Wir erfreuten uns viele Jahre einer richtig guten Kooperation mit drei Vertretern der Kirchen.

 

Schon 2007 hat das Schulamt Geld für Ersatzlehrer, aber keine Lehrer*innen „auf dem Markt“, die sie einstellen konnten. Wir besorgen uns die Ersatzleute oft selbst.

 

Ich schreibe mit Kindern Liebesbriefe. Sie lernen voneinander, was „blöd“, spannend, lächerlich, angebracht, gut ausgedrückt, nicht schemenhaft oder eben was „man“ oder „frau“ schreiben kann. Anschließend zieht jede*r einen Brief. So bekommen auch Jungs von Jungs Post.

 

Wie lange halten wir das noch aus?“ – Notiz aus dem Protokollbuch der Frühkonferenz im Jahr 2007. Gemeint sind ein Kind, der Brief einer Mutter, absolut dumme Aussagen des stellvertretenden Bürgermeisters, fehlende Lehrkräfte, hoher Krankheitsstand bei gleichzeitigem Gewinn eines Preises nach dem anderen.

 

Für alle Gruppen kann es nicht die gleiche Lösung geben.

 

Kinder haben manchmal keine andere Möglichkeit sich auszudrücken als sie es tun.

 

Wir bemalen eine lebensgroße Kuhfigur mit über 200 verschiedenen Haut-, Fell- oder Gefiederfetzen. Immer wieder machen wir Projekte, deren Ergebnisse in anderen als schulischen Zusammenhängen gezeigt wird.

 

Wir besuchen mit 10 Kindern den fünfklügsten Menschen, ein Mathematiker im Rollstuhl, im Nachbarort. Die Kinder und er unterhalten sich über Mathematik. Ich verstehe nicht viel.

 

An einem Wochenende rückt ein Team von Mitarbeitern der Firma Ford aus Köln an. Sie bauen aus leeren Materialkisten Hochbeete, die unsere Kinder lange benutzten.

 

Die ersten Jahre unserer Schule gingen wir konsequent nicht an die Presse.

 

Sehr viele Kinder werden zuhause noch immer geschlagen.

 

Ein englischer Lehrer: „Der Unterschied zwischen unseren Kindern ist, dass unsere ihre Benehmensregeln genau kennen. Die Harmoniekinder benehmen sich auch weiter, wenn kein Erwachsener mehr da ist.“

 

Kinder der Schule setzen sich auf das Podium einer Lehrer*innenfortbildungen in Köln. Sie stellen sich den Fragen von hunderten von Lehrer*innen. Meine einzige Bedingung war, dass ich die Fragen der Lehrer*innen den Kindern „übersetzen“ durfte (als Film dokumentiert).

 

Ein Kind bekommt mehrere „Mamatage“ und kommt nicht zur Schule.

 

Ein Kind hat eine Eidechse dressiert.

 

Der Bauhof der Gemeinde fällt Bäume ohne „Vorwarnung“ auf dem Schulgelände. Ihre Begründung: „Weil wir es können!“

 

Kinder versuchen wochenlang selbst – ohne Lehrer*innen – die Schulzeitung herauszugeben.

 

Wir besorgen für ein Kind mit Trisomie 21 eine „Schulbegleitung“ aus der eigenen Sintifamilie. Es ist möglich, aber nicht leicht!

 

Wir legen im Oktober 2007 ein „Kindeswohlprotokollbuch“ an und deponieren es im Panzerschrank. Wir notieren alles, was wir nicht sofort selbst mit den Kindern oder den Eltern oder mit dem Jugendamt klären können.

 

Immer wieder gibt es Eltern, die der Schule oder neuen „Lernmethoden“ die „Schuld“ für ein „Nichtfunktionieren“ ihrer Kinder geben. Es gilt ihnen zuzuhören.

 

Wir machten Briefmarkenausstellungen.

 

Wir sind soweit, dass wir „alte“ Computer, die wir selber von großen Betrieben bekamen, wieder an arme Kinder oder Strafvollzugsanstalten weiter geben können.

 

Wir haben die „Mini-Phänomenta“ und somit tolle Versuchsanordnungen zwei Wochen an der Schule.

 

Unsere Kinder lieben „Vergleichsarbeiten“, solange sie nicht bewerten, sondern beraten. „Test-Ins“ finden auf Wunsch von Kindern statt.

 

Mit einem Wissenschaftlerehepaar beobachten wir in der Dunkelheit Fledermäuse an der Sieg.

 

Ein Ratsabgeordneter der größten Partei empfiehlt mir „Kindern ruhig mal eine reinzuhauen, damit sie besser parieren“. An mindestens einer Nachbargrundschule war das vor allem bei armen Kindern Praxis. Leider bezeugte dies kein Erwachsener.

 

Wir lernen durch den Besuch einer Studentin von Prof. Kerstin Reich von der Uni Köln, dass die Kinder ihre Kinderparlamentssetzungen selbst leiten. Es war ein gutes Beispiel dafür, dass meistens die Erwachsenen und nicht die Kinder etwas lernen können.

 

Es gibt eine Kinderkorrespondenz mit einer Schule im Senegal (Papa Meissa). Leider gelingt es nicht ihnen Pakete zu schicken. Später wird dies über „Vertrauenspersonen“ als Patenschaften mit Schulen in Asien oder Afrika verwirklicht.

 

Es gibt kein Pscht-Schlangenzischen, keine Drohwörter oder „Maßnahmen“ zur Herstellung von Ruhe. Die Kinder beschließen das Victory-Zeichen als Ruhezeichen. Wenn sie, einer nach dem anderen die Hand heben, wird es spätestens nach zwei Minuten still.

 

Im Kreis zeigen die Kinder eine Meldung zum Thema mit dem gehobenen Finger nach unten an. Wollen sie zu einem neuen Thema reden, zeigen sie mit dem Zeigefinger nach oben. Das vereinfacht die Arbeit der Versammlungsleitung.

 

In einer Umfrage stellen die Kinder fest, dass „das Versammeln“ ihre häufigste Tätigkeit ist.

 

Dank übriggebliebener Mittel in einer Nachbargemeinde sorgt ein ehemaliger Vater dafür, dass wir ein DFB-Mini-Spielfeld auf das Schulgelände bekommen.

 

Mädchenfußball hat immer Vorrang. Immer eine Klasse bestimmt nach einander Tag für Tag über die Benutzung des DFB-Mini-Spielfelds.

 

Wir gewinnen viele Mädchen- oder Jungenturniere, weil wir gelernt haben Qualität mit Kooperation zu vereinen.

 

Wir erproben die Aussage „Das war ich nicht“ einiger Schüler*innen an uns selbst. Die Wirkung ist verblüffend. Es funktioniert!

 

In den Comeniusprojekten erfahren wir, dass finnische Schulen –wie auch sonst – auch bei internationalen Vergleichsarbeiten - Kinder kooperieren lassen. Von unseren englischen Kolleg*innen erfahren wir, dass sie bei dieser Gelegenheit den Kindern die Aufgaben solange erklären, bis jedes Kind sie versteht. Von vielen deutschen Schulen wissen wir, dass sie die Aufgaben vorher üben. Wir lernten daraus, dass du am erfolgreichsten bist, wenn du - wie in Finnland – Wert darauf legst, dass die Kinder selber lernen. Der englische und der deutsche Weg verlässt sich auf Erwachsene und „Unter“richt. Sie sind nicht so erfolgreich.

 

Wir casten mit einer Kinder-Lehrer*innen-Jury ein Theaterstück. So suchen wir alle Schauspieler*innen, die Bühnenbildner, Kostümmacher und Regisseure.

 

Die Kreissparkasse spendet uns einen 5000l-Tank unter der Erde, der sich mit Regenwasser vom Schuldach füllte. Wir schließen eine Pumpe an, deren Wasser durch eine über 10 Meter lange „Goldwaschanlage“ aus Holz bis zu unserem „Teich“ fließt.

 

Eine unserer Klassen hatte wenige Jahre nach der „Wiedervereinigung“ eine Partnerschaft mit einer Klasse der „Jürgen-Reichen-Schule“ in Rostock. Bei gegenseitigen Besuchen arbeiten sie an der Geschichte ihrer Landschaften zum Leben der Slawen und Kelten. 2018 ist wieder eine Rostocker Schule Partner in einem BüZ-Projekt zu Gast.

 

Eine Klasse fährt zu einer belgischen Schule in Brüssel.

 

Eltern, Schulleiter und Lehrer*innen der Eisschoul aus Luxemburg hospitieren bei uns, Kinder unserer Schule besuchen die Eisschoul, um mit den dortigen Kindern an Fragen der Schulentwicklung zu arbeiten. Zum 10jährigen Bestehen der Eisschoul ist der ehemalige Schulleiter der Grundschule Harmonie als „einer der geistigen Väter“ eingeladen und feiert mit.

 

Unser Kollegium macht mit dem dortigen Kollegium im Schlössli Inns in der Schweiz unter anderem eine gemeinsame Konferenz. Eine 8.Klasse der Schule arbeitet und übernachtet eine Woche lang an unserer Schule.

 

Viele Seminargruppen verschiedener Universitäten übernachten und arbeiten immer wieder an unserer Schule.

 

Wir haben mehrwöchige Praktikant*innen aus inländischen und ausländischen Universitäten. Sie kommen u.a. aus Lettland, Kroatien, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden, Frankreich, Irland oder dem UK.

 

Manches Gespräch zwischen Kindern und Schulleitung beginnt mit den Worten „Na, hat dich ein Erwachsener wieder genervt. Erzähl mal.“ Das als Trick oder Masche zu machen, bringt nichts. Kinder durchblicken das. Fast jeden Tag gibt es „echte“ Gespräche zwischen Kindern und Erwachsenen.

 

Vor allem in den ersten Jahren sprechen Kinder und Erwachsene über Aggressionen. Die Frage „Magst du zuschlagen?“, oft genug mit „Ja“ beantwortet, ist Ausgangspunkt einer folgenden „Selbststrategie“ der Kinder im Umgang mit sich selbst.

 

In einer Arbeitsgruppe finden Jungs heraus, dass sie Mädchen dafür bewundern, dass sie „mit einander reden konnten“. Mädchen finden Jungs toll, weil sie „so lustig sein können“.

 

Oft reden wir mit Kindern nicht über Streitigkeiten, sondern spielen sie szenisch nach. Wir bearbeiten sie mit Mitteln des Boaltheaters. Das tun Erwachsene auch, indem Elterngespräche oder andere Konflikte, z.B. mit Kindern im Rollenspiel gelöst werden.

 

Einige Eltern können wir dahin gehenden beeinflussen, dass sie ihre Kinder nicht mehr schlagen. „Manchmal muss die Schule auch Kinder vor den eigenen Eltern schützen“, sagte dazu einmal ein kluger Besucher. Bei einigen Eltern, die uns auch verließen, gelang dies nicht.

 

Die Schule hat immer wieder Arbeitslose, die laut Gemeinde „viel Unterstützung brauchten“, aufgenommen. Die Arbeit und das Lernen mit Kindern, ist eine Therapie, die viele Menschen wieder aufbaut. Viele von ihnen bleiben auch bei weniger Geld als Hartz-4 um eine sinnvolle Arbeit machen zu können.

 

Immer wieder arbeiteten Erwachsene ohne Bezahlung an unserer Schule. Das tun viele Eltern und Praktikant*innen. Besonders zu nennen, ist die Frau, die ein ganzes Jahr täglich im Sekretariat arbeitete, die Frau, die ein halbes Jahr im der Küche half, die Kollegin, die ohne Lohn zwei Jahre lang täglich ihren Mann in den Unterricht begleitete. Und viele andere mehr.

 

Die Gemeinde versucht durch Einsparungen bei Reinigungskräften, so viel Geld wie möglich zu sparen. Das Resultat ist eine schmutzigere Schule. In anderen europäischen Ländern sahen wir Reinigungskräfte, die immer an der Schule waren.

 

Eines Tages kommt ein Mann zu mir und weist sich als Kriminalbeamter aus. Er will Informationen über die „Zeugen Jehovas“, die Eltern an meiner Schule sind. Nun wusste ich, dass die Nazis „Zeugen Jehovas“ in Konzentrationslager eingesperrt und umgebracht haben. Ich entschloss mich zu „kooperieren und schilderte alles Positive, was mir zu den angefragten Leuten einfiel.

 

An einem anderen Tag kommt ein bereits 18-jähriger ehemaliger Schüler zu mir. Er sagte: „Ich glaube, ich habe nun begriffen, wie das mit dem Lesen und Schreiben geht. Ich kann es jetzt lernen.“ Ich setze mich mit ihm hin und er lernt Lesen und Schreiben.

 

Alle Sinti schickten ihre Kinder nur zur Grundschule Harmonie, weil sie dort nicht diskriminiert wurden.

 

Irgendwann geht unser erster Schulpflegschaftsvorsitzender, damals Vorsitzender einer großen Volkspartei hin und befragt nach vielen Jahren alle Eltern der Klasse, in der einer seiner Söhne war, ob der „Schul- und Berufskarrieren“ ihrer Kinder. Er will nachweisen, dass offenes Lernen schädlich ist. Das Resultat war aber verblüffend. Die Aussagen der Eltern zeichneten durchweg ein positives Bild. Immerhin war er so ehrlich und veröffentlichte die positiven Ergebnisse.

 

Eine Studentin der Uni Siegen untersucht eine ganze Klasse, die zum Zeitpunkt der Arbeit im 11. Schuljahr war. Sie reden zwar viele Dinge nach, die sie bei ihren Eltern gehört hatten, aber das Gesamtbild ist so hervorragend, dass wir sicher sein konnten, dass die guten Schulkarrieren mit oder ohne Umwege fortgesetzt werden. Später untersuche ich den Schul- und Lebensweg meiner ersten Harmonieklasse (1996-1990). Auch ich kam zu einem nur positiven Ergebnis für uns. Besonders erfreulich sind die Lebenswege jener Kinder, die nicht zu Sonderschulen, sondern „inklusive“ zu uns gingen.

 

Wir haben einen eigenen Bollerwagen in der Schule. Zum Geburtstag wird jede*r, die oder der wollte, um die Schule gezogen.

 

Immer wieder versuchen wir mit den Kolleg*innen des Gymnasiums zum „Übergang“ zu kooperieren. Aber sie wollen immer, dass wir uns auf ihren Unterricht einstellen. Immerhin lernte die Mehrzahl der Grundschulkolleg*innen sich von diesem Anliegen zu distanzieren und sich als eigenständige Grund-Schule zu sehen.
Eines Tages sagt ein Gymnasialkollege, dass „sie mit dem Material, das ihnen die Grundschulen schickten, nichts anfangen könnten“. Mit „Material“ waren Kinder gemeint und er meinte alle Grundschulen. Wir bestätigten ihnen, dass sie noch nicht einmal mit der Hälfte der ehemaligen Grundschulkinder, die sie ja nur „bekommen“, „etwas Vernünftiges anfangen können.“

 

Kinder bekommen keinen Cent dafür, dass sie täglich vom 3. bis zu 18. Lebensjahr täglich bis zu 8 Stunden in der Schule, und noch mehr für Hausaufgaben, Nachhilfe und Tests arbeiten.

 

Unsere Kinder halfen die Stolpersteine in Eitorf zu legen.

 

In wochenlanger Arbeit erstellten Kinder der Schule einen Wandbehang „Frauen und ihre Kinder“, der jahrelang in der Kirche hing.

 

Als die Kirche restauriert wird, feiert die Gemeinde ihre Gottesdienste in unserer Schule. Danach haben wir einen Schlüssel für die Räume der Kirche und benutzen sie oft.

 

Das Skateboardfahren wird auf dem Schulhof zugelassen.

 

Schuleiter*innen von Nachbarschulen werden zu Themen wie „Hirnforschung“ oder „Mathematik mit Materialien“ zu Vorlesungen der Kinder eingeladen. Nicht nur diese Vorlesungen werden auch von Erwachsenen besucht.

 

Viele „bekannte“ Menschen besuchen und treffen uns. Es kommen Hans Brügelmann von der Uni Siegen, Herbert Hagstedt von der Uni Kassen, Ingrid Dietrich von der PH Heidelberg, Erika Brinkmann von der PH Schwäbisch-Gmünd, Wilhelm Rotthaus aus Viersen, Werner G. Maíer von der Bezirksregierung Köln, Paul le Bohec von der Uni Rennes, die Rabensteiners von der PH Klagenfurt, Ursula Svoboda von der PH Linz, Irmtraut Schnell von der Uni Frankfurt, Angela Bolland und Jochen Hering von der Uni Bremen, Walter Spiess von der Uni Flensburg, Milan Matievic von der Uni Zagreb, Hans Wyneken aus Witten, Hilbert Meyer von der Uni Oldenburg, Donatus Stemmle von der PH Zürich, Nicholas Beatty von der Uni Liverpool, Rebecca und Mauricio Wild aus Ecuador, Gerhard Glück von der Uni Köln, Reinhold Stähling und Barbara Wenders aus Münster, Peter Galin und Jürgen Reichen aus Basel, Hans Wocken von der Uni Hamburg  und viele, viele andere mehr.

 

Wir richten einen Experimenteschrank ein. Wir bekommen Mikroskope geschenkt.

 

Die Kinder sprechen auf der Schulversammlung ein Schneeballverbot für eine Wiese im Gelände aus. Sonst wird es erlaubt. Bei einem Missbrauch der Regel verhängen sie ein dreimonatiges Schneeballverbot für einen Schüler aus.

 

Wenn ein Kind nachts nicht geschlafen hatte, konnte es in der Schule schlafen. Es gab fünf Betten in der Schule.

 

In 20 Jahren werden zwei Kinder wurden beim Rauchen „erwischt“, fünf verlassen das offene Schulgelände.

 

Es müssen viele Machtkämpfe zwischen den Kindern einerseits und Erwachsenen andererseits moderiert werden. Kinder erproben sich und Erwachsene hatten als Kinder dazu keine Gelegenheit.

 

Die Gemeinde richtet einen eigenen Parkplatz für Lehrer*innen ein – mit der Bemerkung, dass sie dazu nicht verpflichtet wären.

 

Die beiden ersten kommunalen Schulamtsleiter arbeiten mit der Unterstützung der Verwaltungsspitzen gegen die Schule. Die beiden Nachfolger versuchten zu reden und zu vermitteln. Der erste Kreisschulrat arbeitete offen gegen die Schule. Diese Funktionsstelle wurde abgeschafft.

 

„Von oben“ werden pädagogische Verbesserungen grundsätzlich unterstützt. Gegen alle Veränderung von Schule und Lernen treten die Mehrheit der örtlichen Politik, der Verwaltung und die „schweigende Mehrheit“ der Mitbürger*innen ein.

 

Wir machen Teamtraining mit den Mitteln von Eggraces und ihren Verwandten. Kinder lernen Systemveränderungen.

 

In 20 Jahren Harmonie muss ich als Schulleiter 10 Jahre lang Klassenlehrer sein und alles vormachen. Ständig vertrete ich kranke Klassenlehrer*innen.

 

Über 20 Menschen werden in 20 Jahren zu Lehrer*innen bei uns ausgebildet. Wir haben über 1000 Kinder, über 2000 Eltern gebildet. Zehntausende von Besuchern waren bei uns. Wir sind bekannt an Hochschulen, in Presse und im Fernsehen. Sich dagegen aufzulehnen und sich durchzusetzen, spricht von der Selbstüberschätzung kommunaler „Größen“.

 

Jede Woche gab es 20 Jahre lang eine Frage der Woche, die von den Kindern gestellt wurde. Jede Frage fand wöchentlich mehr als eine Antwort. Die Kinder stellten immer und überall eigene Fragen, „Fragen zur Welt“. Eine Frage der Woche hieß „Was ist der Sinn des Lebens“. Hierzu wurde u.a. ein Philosoph eingeladen.

 

Wir halfen immer allen Kindern. Besondere wohlwollende und unterstützende Aufmerksamkeit hatten die aus den Unterschichten.

 

Jeden Tag gibt es mehrere Kindervorträge, Präsentationen, Ausstellungen und viele, viele Gespräche über das Gelernte. Wir glauben, dass mehr Gelerntes „wild“, „beliebig“ und „ungeplant“ ausgetauscht wird. Vorträge nutzen wir Erwachsene auch immer dazu, unser Wissen vorzutragen. Ansonsten bieten wir es im Kreis, in Gesprächen und in der Kinderuni an.

 

Eine klare Mehrheit der Eltern aller vier Eitorfer Grundschulen will 2009 die Einführung einer eigenen Gesamtschule. Stattdessen gaben ihnen Bürgermeister, Schulamt, Schulausschuss und der Leiter des Gymnasiums die Schließung der Hauptschule und die Gründung einer Sekundarschule am gleichen Ort.

 

2008 fordern die Eltern der Grundschule Harmonie fast einstimmig die Verlängerung der Grundschulzeit. Ihre Forderung wird vom Ministerium abgelehnt und nicht bearbeitet.

 

Das Fußballspielen blieb seit der Gründung der Schule bis heute immer Ausgangspunkt von Aggressionen, Regelbruch und Streit. Manchmal gelingt es uns das Hockeyspielen wichtiger zu machen. Der ständig bevorzugte Mädchenfußball entkrampft ebenfalls.

 

Zweimal demonstrierten unsere Grundschüler*innen gegen das Fällen von Bäumen. Beim ersten Mal erhielten sie der Umweltpreis des Rhein-Sieg-Kreises und den Titel „Umweltschule“. Beim zweiten Mal behielten sie „ihren Verbotenen Wald“ auf dem Schulgelände.

 

Über viele Jahre können die Eltern und alle Interessierten wöchentlich die „Chronik der Schule“ (mehrfach dokumentiert) im Netz nachlesen. Die Chronik berichtet über alle Aktivitäten der Schule und die der Kinder.

 

Wir haben als Lehrkräfte mit Kindern immer wieder bewusst über ihr und unser Verhalten, die Fächer, Demokratie, Inklusion, das Arbeiten, ihr Lernen, Kindsein und Erwachsensein, Sinnfindung und die Bildung geführt. Wir sprachen mit den Kindern ständig über kleinste und persönlichste Kleinigkeiten und die großen Fragen der Welt und der Gesellschaft.

 

Seit 1992 arbeitete ich Semester lang an verschiedenen Universitäten und konnte die Grundschule Harmonie, ihr Denken und Handeln verankern: Uni Köln, Uni Bremen, Uni Siegen, Uni Riga, PH Klagenfurt, TH Köln und PH Linz. Vorträge und Seminare halten konnte ich u.a. an der Uni Hamburg, Uni Flensburg, Uni Aachen, Uni Zagreb, PH Wien, Uni Kassel, Uni Koblenz, Uni Frankfurt, Uni Oldenburg, PH Innsbruck, Uni Bozen, Uni Witten, PH Heidelberg, Uni Tampere oder Uni Helsinki.

 

Bereits 2009 taucht der Begriff der „Kernthemen“ (dokumentiert) auf. Gemeint sind Klassenrat, Freie Texte, Tauschen in Systemen, eigene Fragen und Themen, eigene Bewegung, Ästhetik, Kooperationsspiele, Präsentation, Selbsteinschätzung und Theater.

 

Der Übergang zu einer Altersmischung 1-4 läuft nach zweijähriger Diskussion von Eltern, Kindern und Lehrer*innen reibungslos.

 

Alle Grundschulen und Kindergärten einigen sich auf einen gemeinsamen Lernbegriff entlang der basalen Bedürfnisse und Kompetenzen von Kindern. Übergänge werden so viel leichter, (auch wenn es nicht alle Erzieher*innen und Lehrer*innen begriffen haben). Es wird gemeinsam an stabilen Kindheiten in zunehmend demokratischen Umgebungen der Kinder gearbeitet.

 

Wir richten einen Computer freien Raum ein.

 

Wir arbeiten mit Teilversammlungen. Alle Buskinder, oder nur die aus einem Bus, kommen zusammen, wenn es ein Problem gibt. Bei Jahrgangsübergreifenden Klassen gibt es eine Versammlung nur der Erstklässler. Es gibt eine Klobenutzerversammlung. Eine Versammlung der Mädchen, eine der Jungen findet statt. Es gibt Geschwister-, Brüder- oder Schwestern-Versammlungen. Die Schulabgänger treffen sich, so wie die, die Englisch lernen. Entweder verkleinert es die Gruppe oder es fokussiert bei Versammlungen aller das Rhema. Immer steigert es die Eigenverantwortung.

 

Wir laden alle sechs ehemaligen Konrektor*innen ein und lassen uns evaluieren. Auch Lutz Wendeler, Freinetvorstand und Gründungsmitglied der „Freien Schule Prinzhöfte tut das ein anderes Mal und berichtet auf einer Konferenz.

 

Bei der staatlichen „Qualitätsanalyse“ schneiden wir mit besten Noten ab. Willkommen war dieser nicht-freiwillige Besuch nicht. Andere Auszeichnungen, wie der Umweltpreis des Rhein-Sieg-Kreises, der Titel einer Umweltschule, die zweimalige Zertifizierung als Europaschule, die Auszeichnungen als „Schule der individuellen Förderung“ und vorbildliches Comeniusprojekt durch den PAD, der Gewinn des xxx-Medienpreises und die Nominierung zum Ersten Deutschen Schulpreis waren genug staatliche und private Anerkennung unserer Arbeit.

 

Wir hatten eine Winter- und eine Sommerschule. Im Winter wurde im Gebäude, auch auf den Fluren oder auf dem Dachboden und mit Exkursionen gelernt. Im Sommer fand das Lernen außerhalb der Schule, im Schulgelände und im Gebäude statt.

 

Wenn ein Kind ein Buch braucht, was wir nicht haben oder Informationen online nicht reichen, wird ein Buch bei der nahen Buchhandlung bestellt und ist am nächsten Tag da. Spannende Experten werden angerufen, elektronisch kontaktiert, eingeladen oder besucht. Kaum jemand verweigert diesen „Kontakt im Dorf“, den übliche Schule zu wenig nutzt.

 

Ehemalige Schüler*innen arbeiten mit einer „Tscherklo“- oder besser „Cirikljo-Gruppe“. Das ist Romanes und heißt so viel wie „Zugvögel“ oder einfach „Vögel“.

 

Irgendwann, im dritten oder zweiten Jahr unserer Schule, beschweren sich Lehrer*innen über die „schwierigen“ Kinder. Ich lasse mir aus jeder Klasse die drei „schwierigsten“ Kinder nennen. Ich bilde eine neue neunte Klasse aus den 8 Klassen. Nach aller kürzester Zeit „entsteht“ eine „ganz normale“ Klasse mit „schwierigen“, „sehr einfachen“ und „mittelmäßigen“ Kindern. Dieses „Experiment“ war ein Meilenstein in der Bereitschaft vieler Lehrer*innen offener zu arbeiten. Erst nach einigen Jahren unserer demokratischen Schule des selbstverantworteten Lernens verschwindet diese Form der Klasse zugunsten von kooperierenden Kindern.

 

Eine der größten Leistungen des Kollegiums und der Schüler*innen der Grundschule Harmonie war, dass praktisch jede Woche ein neues Kind kam. Entweder wollten ihre Eltern eine bessere Schule für ihre Kinder als die alte, oder die Kinder waren sehr begabt und langweilten sich oder sie waren bereits so beschädigt, dass sie nur schwer in einer demokratischen Gemeinschaft leben und lernen konnten. Fast alle erholten sich und lernten selber zu lernen und zu leben.

 

Wir haben nicht auf den Rat der Sonderpädagogen gewartet, eher ihn gesucht. Wir sind als Lehrer*innen für das Lernen mit allen Kindern ausgebildet und arbeiten mit allen. Wenn wir mit einer Situation überfordert sind, sagen wir es und suchen Hilfe. Zudem wussten und konnten wir oft mehr Pädagogik als die dafür ausgebildeten „Sonderpädagogen“.

 

Der folgende Bericht ist aus dem Protokollbuch der Frühkonferenz der Grundschule Harmonie aus dem Jahre 2009. Er schildert eine hoch brenzlige und unangenehme Situation. (Alle Namen sind durch Buchstaben ersetzt.) Am Freitagabend ist Schulübernachtung der Klasse a. Gegen 19 Uhr schmeißt Herr x, ein Vater aus der Klasse auf dem Schulgelände mit Steinen nach zwei Kindern. Die Lehrerin y wird geholt, dabei ist der anwesende Vater z eines betroffenen Kindes. Sie sprechen den Vater x an. Der begleitende Sohn von x ruft laut: „Es wird auch Zeit, dass ihr euch hier vom Acker macht.“ Die Lehrerin y spricht z mit Namen an. Darauf verlassen er und sein Vater x das Schulgelände wortlos. Gegen 20.30 Uhr des gleichen Abends machen der Schulleiter und seine Vertreterin einen Hausbesuch bei Familie x. Sie versuchen erfolglos zu deeskalieren. Sie verlassen das Haus erfolglos.
Gegen 22 Uhr kommen der Vater x und seine Frau x wieder in die Schule. Vor den Kindern fordern sie die Lehrerin y auf, die „Behauptungen und Beleidigungen gegenüber ihrem Sohn zurückzunehmen“. Dabei hebt der Vater immer wieder seinen mitgeführten Gehstock. Er schubst Kinder zur Seite und setzt sich lächelnd unter die Kinder, die hier übernachten wollen. Der Aufforderung zum Gehen kommt er nicht nach. Die ebenfalls anwesende Lehrerin w erklärt, dass sie die Polizei holen wird. Daraufhin gegen die Eltern x. Eine anwesende Mutter v sagt weinend: „Wir haben Angst, dass dieser böse Mann wiederkommt“. Beim Gehen der Eheleute x spürt die Lehrerin y wie sie ein Stein oder eine Mirabelle am Kopf trifft. Der Schulleiter lässt in der Nacht einen weiteren Hausbesuch folgen und spricht ein „Schulverbot“ aus. Die Übernachtung wird fortgesetzt. Der Mann x kommt nicht wieder. Mit der Hilfe des Schulamts folgt eine schriftliche Bestätigung des Schulverbots von der Gemeinde für Herrn und Frau x, woran sie sich halten. Der Sohn wird bald darauf an einer anderen Schule in der Nachbarschaft angemeldet und aufgenommen. Wichtig war uns, dass wir unsere Schulübernachtung weiterführten und nicht der Gewalt eines randalierenden Vaters wichen. Es gab kein Lamentieren über schlechtes Benehmen, politische Absichten oder dem Weichen vor Gewalt. Kein Gehader über Scheitern von Integration, Erziehung oder Krankheit. Es gab keine falschen Diskussionen über „immer zwei Seiten eines Konflikts“ oder seines Ursprungs. Die Lösung dieser recht gefährlichen Situation gelang uns durch ein gemeinsames, besonnenes und klares Auftreten. Die Lösung lag darin zu wissen, was wir wollten. Wie sagte der norwegische Ministerpräsident 2011 „Unsere Antwort wird mehr Offenheit und mehr Demokratie sein“. Später erfahren wir von einem Kreispolizeibeamten, dass Herr x als gewalttätig bekannt ist. Er beschmeißt auch Nachbarn mit Steinen. Bei einem weiteren Erscheinen hätten wir die Polizei geholt.

 

Bei seinem Weggehen von der Grundschule Harmonie sagt Falko Peschel: „Ich habe verstanden, dass Demokratie auch verteidigt werden muss.“ Unsere „Verteidigung“ war das Demokratieleben mit jedem Menschen, der kam.

 

Durch eine Kinder-Frage der Woche „Was ist Schlaf?“ findet eine Kinder-Uni-Woche statt.
Folgende Seminarthemen schlagen die Lehrer*innen vor: Schlaf - und Wiegenlieder - Der Schlaf in der Kunst - Interviews und Meinungen zum Schlafen - Schlaf und Religion, Schlafen und Gebete - Was ist „Schlaf“ überhaupt; Was sagt die Wissenschaft zum Schlaf? - Der Schlaf in Texten und Gedichten - Schlaf, Leben und Tod - Schlaf und Gesundheit – Schlafmangel, Krankheiten und Schlafstörungen - „Mein ideales Schlafen“, Forderungen an das Vorlesen, an Geschwister, an das Lesen im Bett, an Ort, Zeit, etc. - Schlafen als Menschenrecht - Sein eigenes Schlafbedürfnis kennen und artikulieren - Schlafverwandte wie Hypnose, Meditation, Koma, etc. - Schlafzimmer oder ihre Modelle einrichten -Schlaf, Liebe, Bedürfnisse, Sexualität - Schlaf in Märchen und Geschichten - Die Herkunft des Worts, andere Sprachen, Sprichwörter und Synonyme - Selbst Schlaftexte schreiben - Betten, Schlafstätten und Gewohnheiten - Schlafen früher und heute - Wie schlafen Arme und Reiche? - Wie schläft man woanders, in anderen Ländern oder Gegenden? - Mathematik, Zeit und Schlaf - Schlafen im Tier- und Pflanzenreich – Kann der Mensch Schlafen lernen? - Träumen und Schlafphasen. In den Klassenräten wurden nun weitere Themen gesammelt. Alle Vorschläge werden den Kindern zur Auswahl ihrer Seminare gegeben. Es wird mit ihnen überlegt, welche Referenten eingeladen, welche Gruppen von Kindern, von Erwachsenen der Schule oder gemeinsam angeboten werden. Möglicherweise wird eines der Themen als Vorlesung vorgeschaltet.

 

Es gibt keine Inklusionskinder! Jeder Mensch hat Kompetenzen, die sie oder er entwickeln möchte. Zum Beispiel lachte unser mehrfach behindertes, nicht sprechendes oder selbst laufendes Kind zuerst bei jedem guten Witz.

 

100-Jahre Harmonie ein einjähriges Projekt unserer Schule wird vorbereitet: In der einen Hälfte der Ganztagsschule entsteht ein Musical. Zu jedem Jahr in 10-Jahres-Abständen, 1909, 1919, 1929, etc. gibt es eine Szene. Somit wird zu jedem Jahrzehnt geforscht. - Kinder sticken Monogramme. - Zum Thema „Schule früher“ wird das Schulmuseum in Bonn besucht. - Eine Klasse erforscht die Bedeutung und Herkunft aller Straßennamen. - Das alte Bergwerk wird erforscht. - Eine Klasse beginnt ein Hundert-Jahre-Museum zu machen. In 100 Schuhkarton wird zu jedem Jahr ein Gegenstand mit Hilfe von Eltern und Großeltern gegeben und erklärt, was er mit der Zeit zu tun hat (dokumentiert). - Der Chor sammelt alte Kinderlieder und beschäftigt sich (aufgrund von „Harmonie“) besonders mit den „Comedian Harmonists“. - Alte Berufe werden untersucht. - Alte Menschen aus dem Ort werden angesprochen und eingeladen. - Vor alter Schule ein Foto mit allen heutigen Schüler*innen machen. - „Leibesübungs“-Sportfest wie vor 100 Jahren - Familienleben die letzten 100 Jahre. - Geschichte der Eisenbahn. Die „5 Wege nach Harmonie“, zu Land, Wasser, mit der Eisenbahn, durch die Luft und die Datenautobahn. - Kinderspiele früher, alte Pausenspiele. - Alte Werkzeuge mit Besuch des Heimatmuseums im Siegtalhaus. - Lesen der alten Schulchronik. - Alte Schule, VS Harmonie mit Ehemaligen besuchen. - Mitmachen beim 100-Jahr-Fest auf dem Gelände der alten Schule.

 

Mit Kindern an Lösungen arbeiten! Lernen noch besser in das Leben der Schule einbetten.

 

Wenn Kinder sagen, dass sie zu wenig spielen, müssen wir morgens mehr spielen. Spielen und Lernen wird mehrmals zum Konferenzthema.

 

Familienverhältnisse bleiben wie sie sind. Wie Lehrer*innen sind nur für die Lerngelegenheiten der Schule zuständig. Alle anderen Aufgaben gehören in die Hände der Kinder und guter, zuständiger Experten.

 

Können wir Kinder noch zur Eitorfer Hauptschule schicken? – Wir entwickeln den mehrjährigen Gedanken „Fuat geht nicht zur Hauptschule“. Die Gegenstrategie der Gemeinde ist die Schließung der Hauptschule und die Vertröstung in eine Sekundarschule. Woanders werden Haupt- und Realschulen zugunsten von Gesamtschulen geschlossen.

 

Auch damit hatten wir uns auseinander zu setzen. Eine Mutter sagte: „Sie setzen meinen Sohn damit unter Druck, dass er an der Schule schreiben lernen soll.

 

Ein Kind hat seine Assistentin abgewählt! Sie entscheiden auch bei wem sie in der Klasse blieben, in welche Vorlesungen und Seminare sie gehen. Sie entscheiden, ob sie sich von einer Zahnärztin in den Mund schauen lassen oder ob sie mit nach England fahren. Sie entscheiden mit wem sie lernen und arbeiten.

 

Vier Berichte älterer Leute bleiben mir unvergessen: Eine Großmutter erzählt wie sie sich früher -ohne Konsummittel- zum Ausgehen schick machte. Ein Großvater erzählt, wie er mit 12 merkte, dass „mit den Nazis etwas nicht stimmte“. Ein Mann erzählt, wie er von seinem Lehrer an der Volksschule Harmonie misshandelt wurde. Die Weidengerte hierfür musste er selber schneiden Ein anderer erzählt wie die Zensuren in der „alten Volksschule“ im Sport gemacht wurden. Jedes Kind wurde noch in den 50er Jahren mit einem Becher in den Wald geschickt, um Waldbeeren zu sammeln, die seine Frau für den eigenen Verzehr einkochte. Je nachdem wie voll der Becher war, so gut war die Sportnote. Es gab noch viele Besuche mit sehr vielen verschiedenen Erinnerungen. Wir achteten darauf Menschen einzuladen, die ihre Erlebnisse halbwegs verarbeitet hatten. Wir setzen Kinder nicht ohne Vorwarnung faschistischem oder menschenfeindlichem Gedankengut aus. Auch hierbei indoktrinieren wir nicht, sondern folgen den Fragestellungen der Kinder, wie etwa bei der Legung der Stolpersteine, dem Besuch des GeStaPo-Hauses in Köln, bei der Busfahrt durch das historische Eitorf oder dem Besuch des kommunalen Archivs.

 

Eines Tages fragt ein Kind, „warum sein Großvater immer noch für Hitler ist“.

 

Eine Lehrer*in nach ihrem Comenius-Besuch an einer finnischen Schule: „Profs und Unis aus Helsinki und Tampere begründen das, was wir tun.“

 

Mit Kindern, die selbst in einer demokratischen Haltung handeln und reflektieren, zu neuen Handlungsmustern finden.

 

Über 10 Jahre sind wir in zwei Blick-über-den-Zaun-Durchgängen. Einmal mit der Schweiz, Luxemburg, Italien, der Nachbarschule, der Glockseeschule in Hannover und der Montessorischule in Kiel.

 

Als die Schulen anfangen zwecks besserer Besetzung oder Verhinderung von offener Inklusion, die Zahl ihrer AOSF-Anträge (Ein Kind wird als “zu fördern“, also „Förderkind“ eingestuft) zu verdoppeln und zu verdreifachen, reduzieren wir die Zahl der AOSF-Verfahren gewaltig. Wir machen es nur noch, wenn es zum absoluten Vorteil des Kindes ist. Unsere Schule wird eine echte Inklusionsschule.

 

Die benachbarte Sekundarschule weigert sich, AOSF-Kinder aufzunehmen. Eine reichere Mutter setzt sich mit einem Anwalt durch, die mit Migrationshintergrund scheitern zunächst. Daraufhin heben wir mithilfe der Schulrätin die AOSF-Verfahren auf. Die Sekundarschule muss alle Kinder nehmen. Ein Jahr später führen sie in den genannten den zwei "Migranten-Fällen" die Verfahren durch und schicken die Kinder zu einer Sonderschule. Die Eltern geben erst auf. „In weiser Voraussicht“ tat ein anderer Grundschulleiter das sofort. So "umgeht" er den unterschriebenen UNO-Beschluss zur Inklusion.
Eines der drei Kinder scheitert später knapp an der Qualifikation zur Oberstufe an einer Gesamtschule. Das zweite Kind macht ihren Abschluss ohne AOSF an einer Regelschule. Vom dritten weiß ich leider nichts.

 

Irgendwann kommt ein junger Arbeitsloser um einen 1-€-Job zu machen. Ich frage ihn, ob er Englisch kann. Ab jetzt heißt er „Mr. Taylor“ und spricht mit den Kindern nur Englisch. Er hat keine „festen“ Stunden, sondern macht mit den Kindern was sie lernen wollen, wie Slackline oder Gitarrenspielen.

 

Ich rede draußen mit einem Vater, als wir ein Kind sehen, dass in über sieben Meter Höhe in einem Baum klettert. Und der Vater sagt „Oh Scheiße, das ist meiner“. Wir bringen ihn dazu ganz langsam und sicher wieder runter zu klettern. Dann reden wir mit ihm darüber, wie auf Bäume geklettert wird.

 

2010 hatte die Gemeinde Eitorf die höchste Wiedereingliederungsquote von Arbeitssuchenden in ganz Deutschland. Viele arbeiteten unentgeltlich oder als 1-€-Kräfte an der Grundschule Harmonie, später eben oft mit Verträgen. Ein Fernsehteam kam vorbei um das zu filmen. Der Bürgermeister ignorierte den gesamten Vorgang.

 

Und meinen Sie, es war das einzige Kind, dessen Vater prügelte, trank, Spiele süchtig war oder ständig der Mutter erzählte, wie „eine konsequentere Erziehung“ funktionierte. Nein! Die Schule war voll mit Kindern, die alle die Probleme ihrer Eltern abarbeiten mussten.

 

Manchmal überließen wir es der Verantwortung der Eltern ihre Kinder zu einer anderen Schule zu schicken. Dies geschah nicht „wegen des Lerntyps“, sondern weil es für Kinder aushaltbarer ist, wenn die Ansichten ihrer Eltern mit der der Schule übereinstimmen. Bei fast allen Kindern gelang es uns aber, sie und ihre Eltern zu halten.

 

In unserer Inklusions-Kinderuni gab es folgende Angebote: Rollenspiel „Piraten“, Erstellung eines Codex des Zusammenlebens; Ausgehend von dem Buch „Hanna malt sich einen Drachen“ wird an Exklusion und Inklusion, Ausgeschlossensein und Teilhabe gearbeitet; Waldlandschaften mit Tempeln und Türmen bauen; Redefreie Kommunikation bei gemeinsamen Malen; In der Sporthalle werden Kooperationsspiele gespielt und gemeinsames Handeln erprobt; Körperbilder als lebensgroße Umrisse mit Text und Bildern füllen; Ausgehend von einem Film über den Dschungel werden Ausrüstungen zusammengestellt. Sie werden gebastelt, mitgebracht oder gezeichnet; Techniken des Entspannens, Wohlfühlens, Yoga, gemeinsamen Arbeitens und Müßiggangs; Phantasiewelten des Eigenen und Anderen. Partnerarbeiten; Probleme nicht über das Reden, sondern mit dem Boal’schen Forumtheater lösen; Malen im Kunstraum. „Wir sind Künstler“.

 

Wir trafen uns an der Nachbarschule und am Gymnasium zum Schachspielen. Das wurde nicht fortgesetzt, weil wir immer gewannen, sondern weil die entsprechenden Lehrer weggingen. Richtig sauer war ein türkischer Siebtklässler, weil er von einem türkischen Mädchen des dritten Schuljahrs geschlagen wurde.

 

Wir bekamen nach einem „Umwelttag“ einen Hochsitz geschenkt, der zur Attraktion unseres Forums wurde. Auf dem Schulhof stand ein kleines Holzhaus, in dem gelesen und aufs Dach geklettert wurde.

 

Bevor unser 10-jähriges Partnerschaftsprojekt mit der englischen Schule Lark Rise läuft, finden wir eine Partnerschule über die Eitorfer Städtepartnerschaft an der englischen Ostküste in Southwold. Tragischer Weise stirbt der Schulleiter.

 

Wir bauen 40 Cajon-Trommeln. Vier Jahre lang trommelt einmal die Woche ein Musiker bei uns. Er wird aus dem Topf „Kunst und Schule“ bezahlt.

 

Wir machen eigene große Flohmärkte in und um die Schule.

 

Erst kommen vor allem immer ehemalige Schüler*innen zum Girls- und Boys-Day in die Schule. Dann lernen wir an diesem Tag Kinderuni mit vielen Angeboten der Ehemaligen zu machen. Ein Gymnasiast erzählte: „Im Gegensatz zu Gymnasiasten interessiert es Grundschüler wirklich wie der Satz des Pythagoras funktioniert“.

 

Wir kaufen für jede Klasse eine Webcam, mit denen ständig gefilmt wird.

 

Alle Hospitationsnachbesprechungen begannen mit dem Satz „Was haben Sie gesehen?“

 

Klassenfahrten werden stressfrei, wenn mit den Kindern beschlossen wird. Es gibt z.B.  eine Besuchszeit von Mädchen für Jungs und umgekehrt von 19 bis 20 Uhr. Allerdings braucht jede*r dafür eine entsprechende Einladung.

 

Mehrere Male gab es mit der Nachbarschule und der Siegburger Grundschule unserer ehemaligen Konrektorin Treffen zur Inklusion. Hier wurde einiges auf den Weg gebracht.

 

Wenn ein Kind „richtig am Rad dreht (andere angreift, Toiletten verschmutzt oder Omnipotenz zeigt), begreifen Kinder und Erwachsene den Einstieg in einen anderen Umgang mit der Formel „Da ist ein Kind in größter Not“.

 

In einem Schuljahr machten wir einsteigend mit einer Kinder-Uni „Sport“ Schwungtucharbeit – Badminton – Ballsport – Ringen und Raufen – Slackline – Parcours – Tischtennis -  Hockey – Tanzen (auch Walzer, Tango, Blues oder Foxtrott) – Joggen – Schach – Yoga – Gummitwist  Teambänder – Kricket – Klettern – Fußballturniere mit Nachbarschule – Koopspiele – Riesenluftballons – Erzähllandschaften – Balancieren, Fangen, Treffen . Es spielte keine Rolle ob dies in der Sporthalle, im oder außerhalb des Schulgebäudes, in den Lernzeiten oder in der Pause, mit oder ohne Erwachsene stattfand. Einführungen führten immer zur Übernahme von Kindern in ihren Schul- und Lebensalltag.

 

Mit wenigen Kindern besuchten wir einen Spielerfinder in Köln. Es folgte ein Projekt mit vielen Kindern, indem sie neue, eigene Brettspiele erfanden.

 

Oft machten wir selber Zirkusarbeit oder besuchten welche. So gab es eine Englischgruppe die einen „englischen Zirkus“ machte oder wir zeigten einer anderen Schule wie mit Menschenschattenspiel gearbeitet werden konnte.

 

Mit der Nachbarschule organisieren wir eine zweitägige Fortbildung „Offenes Lernen“ für das Schulamt und die Schulen des Bezirks.

 

Auch das „Gegen-Machen“ der Kinder wurde als „normal“ besprochen. Mit den Kindern wurden für sie selbst Strategien des Selbst-Umgangs entwickelt, so dass andere und sie sich selbst besser verstanden.

 

In wenigen Fällen von sexualisierter Gewalt erreichten wir, dass Kinder von ihren Eltern getrennt wurden. Wir erreichten in wenigen Fällen die Verurteilung von Tätern. Wir erreichten hier und da, dass Kinder nicht mehr geschlagen wurden. Ohne Zartbitter, die Präventionsstelle und andere hätten wir das nie erreicht. Allerdings mussten wir in vielen Fällen trotz Kindeswohlanzeigen schweigen.

 

Einen „im Verdacht stehenden“ Mitarbeiter einer Organisation, die mit unsren Kindern arbeiten durfte, konnten wir – was wir sonst taten - nicht ansprechen. Also ließen wir ihn in Absprache mit unserer Schulaufsicht keine Sekunde ohne Begleitung einer eigenen Lehrperson mit den Kindern alleine.

 

Das Kinderparlament beschließt an einem sehr heißen Tag einen Tag der Wasserschlachten. Oft rutschten die Kinder mit Wasser oder im Schnee unseren Abhang hinunter.

 

Im gesamten Hang war ein langes Kletterseil.

 

Einige Themen von Kinderunis in 2010 und 2011: Höflichkeit und Benehmen – Geschwister – Wunscheltern – Erziehung in anderen Kulturen – Kann ich meine Eltern erziehen – Wer darf was über mich bestimmen oder entscheiden – Erziehung früher – Schlafen – Regeln für Eltern – „Königin im Kinderstaat“, ein Lied – Brief an mich in 20 Jahren – Was tut gut und was nicht – Erziehung, Beziehung, Bindung – Weg von Motzen und Loben – Wer bin ich, sich bilden- Vorbilder – Sich selbst erziehen, mein schönstes Ich – Sprachen, Sprechen – Weiblich, männlich – Medien – Ichtexte – Datenmissbrauch.

 

Ich führte als Schulleiter über Wochen mit jeder*m erwachsenen Mitarbeiter*in ein langes Gespräch, immer auf der Grundlage ihres oder seines Einverständnisses.

 

Wir hatten für die Kinder und uns einen riesigen Kostümfundus in der Bühne, dem Musik- und Theaterraum und auf dem Dachboden.

 

Im Schulgelände, und im Verbotenen Wald werden immer wieder von Kindern Buden gebaut.

 

Jede Pflanze, jeder Baum oder Strauch des Schulgeländes wird von uns selbst gesetzt. Eltern spenden immer wieder Pflanzen. Einmal bekommen wir von einem Gartencenter alle Pflanzen und Bäume geschenkt, die sie sonst geschreddert hätten. Leider setzt das Umweltamt der Gemeinde niemals seine Versprechungen wie einen Welt-Zonen-Wald um.

 

 Wir reparieren kaputte Bücher unserer Schule.

 

Eine Sonderschule kontaktierte uns zwecks Kooperation. Leider setzten sie nichts davon um.

 

Jeder Mensch hat seine Lernblockaden. Einige lernen die Kinder selbst zu behandeln. Andere sind Traumata basiert und müssen von außen behandelt werden.

 

Immer wieder dachten wir, dass wir genau diesem Kind nicht helfen konnten. Schauten wir dann nach einem Jahr oder länger auf ehemals „schwierige“ Kinder, wussten wir mehr über die Selbstheilungskräfte und der Arbeit am Kindeswohl in demokratischen Lernumgebungen. Noch deutlicher wird dies, wenn man heute erwachsene Ehemalige trifft.

 

Manchmal brauchen Kinder eine „warme Dusche“, also eine Aufzählung ihres Könnens und ihrer Liebenswürdigkeiten durch die anderen Kinder der Klasse.

 

Harte Arbeit bedeutet die „Gruppe der Mathehasser“.

 

Die Qualitätsanalyse der Bezirksregierung verlangte von uns Rituale, Listen, Praktiken und Beschlüsse, die wir ablehnten und uns zuwider waren.

 

Viele Kinder haben viele Probleme mit Aggression und Selbstaggression. Sie sind auf Erziehungsprobleme reduzierbar. Viele Lösungen werden dadurch gefunden, dass wir uns auf die Lernarbeit und die Übernahme von Werkzeugen und Techniken durch die Kinder selbst konzentrieren. Nicht wir müssen die Lösungen für jedes Kind finden, sondern wir helfen jedem Kind diese für sich selbst zu erlernen.

 

Oft reicht es die richtige Frage zum Impetus des Kinderverhaltens mit den Kindern zu finden, nicht die Schuld, den Fehler, einen Schuldigen oder die Ursache.

 

Jede Lehrkraft übernimmt andere, oft mehrere Bereiche der Verantwortung für die Schule, z.B. Statistik, Englandaustausch, den Ganztag, das Essen, Verkehrsunterricht, Kindergärten, Geländeaktionen, Kontakte zu Kooperationspartnern oder Krötensammeln.

 

Einem Kind, dessen Vater Neonazi war, erzählen wir, dass nur einer von hundert Menschen auf der Welt ein Deutscher ist, ist er sehr überrascht.

 

Unsere allererste gezielte Öffnung des Lernens „zum Dorf“, zur „Region“ startet mit der Erstellung einer Liste aller uns bekannten Menschen in der Gemeinde, die Musik machen. Die Liste wird viele Seiten lang.

 

Als Hauptbegründungen für die Einführung der Frühkonferenz benennt das Protokoll am 25.11.2002: „Für klare Regelungen braucht man einen gemeinsamen Geist. Wir brauchen, um die anstehenden Aufgaben zu bewältigen und Probleme zu lösen, ein solches Team. Eine Zwangsgemeinschaft (= Lehrer*innenteam einer Schule) ist damit überfordert. Wir brauchen eine Schule der Zuneigung, nicht eine Schule des Unterrichtens. Grundlage des Lernens ist ‚Wohlfühlen‘.“ Drei Lehrer*innen stimmen gegen neun Befürworter dieser grundsätzlichen Veränderung von Schule hin zu einer Kooperation der Lehrer*innen für ein offenes Lernen nicht zu. Sie verlassen die Schule als dieser Weg sich durchsetzte.

 

Immer wieder bieten wir Kinder neue Techniken des Freien Schreibens an. Noch viel öfter finden wir neue Inhalte und Formen in ihren Dichterlesungen.

 

Immer wieder erstellen wir und die Kinder Listen neuer Ideen von „eigenen Themen“. Sie werden in den Klassen und in der Schule ausgehängt. Oft sprechen wir neue Themen in Großversammlungen von zwei oder drei Klassen ab. Aufgrund der Vergrößerung „der kritischen Masse“ fanden Kindern auch bei exotischeren Themen Arbeitsparter*innen.

 

Einmal sitze ich mit den Kindern der Klasse der „Himmelskindern“ draußen unter dem Vordach bei Regen und schreibe darüber. Das tun wir im Wald, am Fluss, alleine, an der Straßenkreuzung, wann und wo immer es uns oder einzelnen einfällt.

 

Aufgrund eines echten Abakus lernen wir Lehrer*innen mit Material in verschiedenen Systemen zu tauschen. Es setzen sich die Muggelsteine durch. Kein Kind lernt mehr Mathe ohne Material und Tauschen.

 

Die Kinder lernen das eigenständige Komponieren.

 

Die Zahl unserer Spielgeräte für Pausen und im täglichen Lernen nimmt stetig zu.

 

Für Kinder, die Probleme mit der Bearbeitung eigener Themen und Präsentationen haben, gibt es einmal in der Woche eine eigene Lehrerin. Bald findet das Lernangebot im Lehrer*innenzimmer oder im „Ruheraum“ statt.

 

Eine Lehrerin stellt den Versetzungsantrag als „ihre“ Kinder „ihrer“ Klasse im Kinderparlament beschließen, dass e auch in ihrer Klasse einen beschlussfassenden Klassenrat gibt.

 

Wir haben viele „Abwerber“. Das örtliche Schulamt, die Nachbargemeinden, Förderschulen, das Jugendamt, die Pfarrerin, die psychologische Praxis in der Gemeinde und Kolleg*innen des Gymnasiums. Es ist nie leicht zu bestehen.

 

Elternabende werden mehr denn je zu „Lehrer*innenfortbildungen, um deutlich zu machen, wie ihre Kinder anders das Lernen lernen.

 

Ich gehe mit jeder Lehrer*in in jedes Elterngespräch, um sie zu stärken. Wir lernen immer zu zweit in Gespräche zu gehen. Ein Grund ist, dass einer immer andere Ideen als die andere hat.

 

Wir Lehrer*innen lernen, dass wir „als Erwachsene“ eine Gemeinschaft mit den Eltern bilden.

 

Als die Kinder die Leitung der Schulversammlung übernehmen, wird es schlagartig ruhiger… Und immer wieder versuchen Lehrer*innen wieder zu leiten. Da musst du als Schulleiter wieder „für Demokratie“ sorgen. Ich selbst lernte „als Kidsmanager“ die Leitung des Kinderparlaments an die Kinder abzugeben. Nur die Montagsversammlung blieb bei wechselnder Leitung. Die Klassenräte werden eh von Kindern geleitet.

 

Einige Kinder versuchten Regeln zu umgehen. Die einen, weil ihre Eltern das auch taten, weil ihre Familien keine hatten oder nur „beschwören“, wenn sie sie brauchen, oder weil Kinder sie als Maßregelung erfuhren, oder… Andere forderten drastische Bestrafungen oder Kontrollverhalten bei Nichteinhaltung. So lernten wir mit den Kindern demokratischen Umgang mit selbstgemachten Regeln.

 

Im allerersten Schuljahr will eine junge Kollegin nicht, das Kinder in der Pause drinnen bleiben. „Die brauchen alle Bewegung“ ist ihre Forderung. Ich setze mich durch und die Kinder entscheiden selbst, ob sie rausgehen oder drinnen bleiben. Viele Jahre später besucht sie ein Schulfest und sagt: „Jetzt habe ich verstanden, was du für die Kinder wolltest.“

 

Zunehmend erkennen wir Langeweile als Hauptfeind des Lernens. Andere beginnen zu begreifen, dass Langeweile ein Motor des eigenständigen Lernens und der umfassenden Persönlichkeitsentwicklung ist.

 

Die Kinder lernen NEIN zu sagen, wenn sie etwas nicht wollen. Und sie lernen es durchzusetzen, weil „die schule“ und sie selbst es wollen.

 

Die ersten Kinder outen sich. Schwulsein wird etwas Normales.

 

Eine Mutter hält es für normal, dass ihr Kind sich jeden Tag prügelt. Sie wechselt zu einer anderen Schule, „weil das Kind da etwas lernt“.

 

Wir bauten viele erfolgreiche Alternativen zum Schlagen und zur Aggression auf.

 

Der Schulleiter des Gymnasiums bürdete einem seiner Schüler zur Strafe eine soziale Tat an einer Grundschule auf. Er hatte auf der Homepage seiner Schule dem Gesicht einer Kollegin einen nackten weiblichen Körper verpasst. So kam es, dass er und eine Gruppe von Mitschüler*innen unsere Homepage und eine Vernetzung innerhalb der Schule aufbauten. Zudem feierten sie mit Freunden zwei LAN-Nächte in unsrer Schule. Später folgte ich nicht dem unmöglichen staatlichen Modell der „Stundenermäßigung“ für eine Kolleg*in, die diese Aufgabe übernahm. Stattdessen arbeiteten bei uns sehr fähige Arbeitslose, die immer da waren, um die Elektronik und die Schule am Laufen zu halten.

 

Unter anderem konnten Schüler eine Konsequenz wählen, wenn sie Probleme mit Schülern hatten. In den Pausen erhielten sie die Begleitung einer Schülerin, wenn beide damit einverstanden waren. Dies nannten wir „Furienprogramm“. Es gab noch viele andere schülereigene Methoden der Klärung.

 

Mit vielen interessierten Kindern unserer Schule fuhren wir zu der Premiere eines sehr bekannten deutschen Filmes. Mehrere Hauptdarsteller kamen zum gut inszenierten Fest in das große Kino der Kreisstadt.

 

Im Kino unserer Gemeinde feiern wir die Premiere unseres eigenen Films, dem „Schulkrimi“. Auch der Chef der örtlichen Polizei und der Feuerwehr, die mitspielten sind da. Die ganze Schule ist dabei.

 

Der Kino-Spiegel „NEHREGEB“ des Harry-Potter-Films steht tagelang im Forum unserer Schule.

 

Immer steht ein Aquarium im Forum, das von Eltern und Kindern betreut wird.

 

Die Kinder wollen kein „Streitschlichtermodell“. Sie wollen alle teilhaben. Sie erfinden ein „Guardian Angel“, ein „Schutzengel-Programm. Andere nennen es das „Einmischer-Modell“. Sie diskutieren in allen Klassen, in Arbeitsgruppen und im Kinderparlament eine Ausbildung für „Schutzengel, die aber unsichtbar bleiben.“ Als die Diskussion zu Ende ist, wird keine „Guardian-Angle-Ausbildung“ mehr gebraucht, da alle in der Schule es begreifen. Die Auseinandersetzungen nehmen rasant ab und die Kinder helfen sich gegenseitig.

 

Das Lehrer*innenkollegium diskutiert die Einführung verschiedener Anfangs- und Schlusszeiten von Klassen. Alle wollen es. Wir hätten schon um 7 morgens, die Zeiten dazwischen, als auch erst mittags angefangen. Das Vorhaben scheitert an der Gemeinde. Notwendige Busse zu verschiedenen Zeiten fahren zu lassen, ist ihnen zu teuer.

 

Lange Zeit tauschen die Kinder untereinander im Kreis aus, wie sie nach der Schule, zu Hause weiterlernen. Sie nennen Lesen, Texte schreiben, an eigenen Themen arbeiten, mit der Mama Mathemachen oder Spielen. Die aufgegebene Hausaufgabe verschwindet. Der Spruch wird „Lernen findet immer statt“. Hier und da müssen wir noch auf überängstliche Mütter einwirken, damit sie weniger mit eigenen Lernprogrammen eingreifen.

 

Mit der Hilfe des ansässigen Hegevereins bauen wir viele Fledermauskästen.

 

Eine Klasse bekommt abends an der Sieg den Flug der Fledermäuse mit Nachtsichtgeräten gezeigt.

 

Mit der Schulpflegschaft der Eltern besuchen wir die Roma- und Sinti-Gedenkstätte in Heidelberg.

 

Wir lernen, dass es in der Nazizeit drei Raketenabschussgelände im Wald um Eitorf gab.

 

Die Kinder stimmen dem Vorschlag zu, dass zu Karneval keine Spielzeugwaffen getragen werden, mit denen heute noch in Kriegen getötet wird.

 

2003 findet eine Schulversammlung statt, weil die USA den Irak angriffen. Die Kinder sind empört und besorgt über den Krieg und das Töten von Menschen.

 

Wir nehmen an einem Europagesangsabend des WDR-Radios in Köln teil. Gegen das Konzept des WDRs, dass ein paar Lieder aus allen Ländern gesungen werden, setzen wir durch unser Schullied und das der englischen Partnerschule zu singen.

 

Eine Familie schenkt der Schule einen Fahnenmast, den wir aufstellen. Meistens flattert dort die Europafahne.

 

Unsere erste Konrektorin schreibt auf die Melodie des YMCA-Liedes das „Harmonielied“ als Schullied. Es sollte fast 20 Jahre lang gesungen werden.

 

Mütter erstellen Harmoniewappen und drucken sie auf T-Shirts, die großer Zahl jahrelang verkauft und getragen wurden. Es erscheint auch auf allen Briefköpfen, den Zeugnissen und auf der Homepage.

 

Wir drängen auf Fotovoltaik-Anlagen auf dem Dach der Schule. Die Gemeinde lehnt dies über Jahre ab, bis es Gelder für diese Maßnahme gibt.

 

Wir werden vom Ministerium eingeladen um unseren Umgang mit „Vergleichsarbeiten“ vorzustellen.

 

Auf einer Kultusministerkonferenz in Berlin stellen wir unsere Comeniusprojekte, die Arbeit mit Computern und unsere Partnerschaftsprojekte vor.

 

Als das Schulamt entdeckt, dass ich Englischlehrer bin, werde ich sehr häufig als Prüfungsvorsitzender, vor allem in Religion eingesetzt.

 

Einmal gibt es für Kinder in NRW durch eine Nachprüfung doch noch in eine höhere „weiter“führende Schule zu kommen. Auch hierbei mache ich gerne mit. Später bleibt die Wahl der Schule aus rechtlichen Gründen alleine den Eltern überlassen, die Grundschule spricht nur noch Empfehlungen aus.

 

Die Verzahnung unseres Ganztags findet in beide Richtungen, nachmittags und vormittags statt. Lehrer*innen sind auch nachmittags dabei, Betreuungskräfte auch vormittags. Wir beginnen den Nachmittag mit dem gleichen Entscheidungskreis der Kinder wie am Vormittag. Auch versuchen wir am Vormittag mehr Spielelemente ins Lernen zu bekommen. So einen Quatsch wie „Hausaufgabenbetreuung“ gibt es nicht. Zwei Lehrer*innen verlassen uns, weil sie nicht bereit sind, nachmittags zu arbeiten.

 

Im ersten Jahr betreiben Lehrer*innen mit Eltern eine Unterschriftenaktion gegen Alters gemischtes Arbeiten und den Schulleiter. Sie sammeln mehr Unterschriften als es Eltern gibt. Eine Lehrer*in „lässt sich dabei erwischen“ und bekommt dafür eine Abmahnung des Schulrats. Von da an nimmt die Entwicklung der schule bei Eltern und Lehrer*innen einen anderen weg.

 

Wir kaufen von ersparten Schulgeldern ein gebrauchtes Klavier. Wir ließen es reparieren und stimmen. Später sahen wir, dass in einer finnischen Schule eins in jeder Klasse steht. Selbst slowenische Schulen waren besser ausgerüstet als deutsche Grundschulen. Batterien und leere Akkus tauschten wir gegen Trommeln. Computer bekamen wir von großen Firmen, Tischtennisplatten und sogar Bücher von Eltern.

 

Alle Eltern, außer einem Paar, gaben in den 20 Jahren bei der Einschulung die Erlaubnis ihre Kinder zu fotografieren. Das vereinfachte das Fotografieren und Filmen der vielen Hospitanten, des Deutschen Schulpreises, der Homepage, der Fernsehteams und vieler anderer Dokumentationen.

 

Bleibende Opfer des Vandalismus in unserem Schulgelände waren u.a. unsere Kükelhausspiralen, der Friedenstext in unserem Schaukasten, unsere bemalten stehenden Bretter im Gelände, unser Wegweiser zu anderen tollen Schulen auf der Welt und die Kunst am Bau. Alles andere wurde von uns immer und immer wieder in den Geländeaktionen und zwischendurch durch Kinder, Eltern und Lehrer*innen repariert und weitergebaut.

 

Die Schwiegertochter des mittlerweile verstorbenen Bürgermeisters hatte ihren Sohn, also seinen Enkel an unserer Schule angemeldet. Er holte ihn immer wieder von der Schule ab. Dies war eine ständige Gelegenheit zum Gespräch mit ihm begleitet vom prächtigen Gedeihen seines Enkels. Ein anderer Fraktionsvorsitzender und zwei Parteivorsitzende der Mehrheitspartei der Gemeinde scheuten sich auch nicht, ihren Kindern unsere Schule zukommen zu lassen.

 

Eine Kollegin machte einen Mathe-Verkaufsladen, in dem die Kinder eigene Währungen erfanden, Pleiten begriffen und die Werbung begriffen. Als eine Lehramtsanwärterin einen Börsencrash als Rollenspiel simulierte, hieß es nur, das stehe nicht im Lehrplan.

 

Ein örtlicher Schreiner spendierte uns zwei Stehpulte und mehrere Kinder große Schreibpulte.

 

Alle unsere Klassen bauten sich irgendwie Sitzbänke für die Kreise der Kinder.

 

Im Forum stand zu Weihnachten immer ein riesiger Tannenbaum und es hing ein 5m langer Stofftannenbaum. Es gab ein Frühlingskranz von der Decke und Infotafeln mit den schulischen Ereignissen jeden Tages. Dort stand immer die Druckerei, auf der der Kölner Widerstand im Zweiten Weltkrieg seine Flugblätter druckte. Heute gehört sie dem ELDE-Haus in Köln. Dort waren Theaterscheinwerfer, der Wertebaum, Teile der Bibliothek und Kunstwerke kindlicher Künstler.

 

Im Forum und vor dem Lehrer*innenzimmer standen immer Tische und Stühle. Dies wollte der örtliche Brandschutz nicht, weil das kommunale Ordnungsamt offensichtliche Fluchtwege nicht anerkannte. Est eine Mitarbeiterin des Kreises unterstützte unsere Auffassung von Sicherheit.

 

Unsere Kinder benutzten selten die Normmöbel der Schule. Sie saßen lieber auf „normalen“ Stühlen, an Trapeztischen, lagen auf dem Boden oder auf Betten, standen an den Stehpulten oder saßen in festen oder fahrbaren Sesseln. Gerne gingen sie in den „Hochsitz“ oder arbeiteten draußen, im Lehrer*innen oder Schulleiterzimmer. Sie waren in der Küche, auf dem Dachboden, im Kunstraum, auf der Bühne, im Waldraum, am Computer, in der Leseecke, in den Büschen, auf den Brücken, auf Ästen und Balken, auf dem Minifußballplatz, im Wald, auf der Wiese und in den Sandkästen. Sie fanden ihre Plätze, die zu ihnen, ihren Freunden und ihrem Lernen passten.

 

Wir hatten immer einen Schlüssel für den Altarraum und zwei weitere Räume der benachbarten Kirche, den wir auch nutzten.

 

Die Kinder von sehr bedeutenden Menschen von Eitorf benahmen sich genauso „daneben“ wie andere. Drei wollten einfach nicht den Kreis akzeptieren, blieben nicht sitzen und riefen recht unflätige Dinge. Die Kollegin verließ den Klassenraum und ging zum Klassenrat ins Forum der Schule. Daraufhin setzten sie ihr Verhalten fort. Also ging die Kollegin wieder mit ihren Kindern zurück, ließ allerdings die „Randalierer im Forum. Sie durften nicht mit, bis sie „Klassenrat konnten.

 

Ein Junge sagte einmal „Warum soll ich schreiben lernen? Hier können doch alle lesen. Das haben sie von alleine gelernt“.

 

In einer Projektwoche (Sie gehen anders und zusätzlich zu den Kinder-Unis) bieten vier Lehrerinnen das Thema EXPERIMENTE an. Im Text heißt es: „In den folgenden Bereichen gibt es spannende Möglichkeiten für dich zum Forschen und Staunen. Folgende Themen gibt es: Technik eine Brücke bauen - Erde und Naturphänomene Erbsensprengkraft - Feuer, Wärme und Kälte feuerspeiende Orangen - Kraft und Bewegung Rückstoßrakete - Strom und Magnete magnetischer Apfel, beleuchtetes Spielhaus - Weltraum leuchtet der Mond? - Luft und Gase fliegende Teebeutel - Licht und Farben Gespenster an der Wand (Laterna magica) - Wasser und andere Flüssigkeiten Schwimmen im Toten Meer - Schall Musiktöne – Chemie-Kristalle züchten - Mikroskopieren Zwiebelhaut - andere Kuriositäten Geheimbotschaften auf Toastbrot. Wir können allerhöchstens 42 Kinder aufnehmen.

 

Die Einladung zur Fahrradtour im Emsland lautet: „Von einem festen Standort aus werden verschiedene Touren durch das Emsland unternommen. In engerer Auswahl sind hier beispielsweise eine Fahrt zur Meyer- Werft nach Papenburg oder zur Magnetschwebebahn nach Lathen. Auch eine Tour über die niederländische Grenze zur Festung Bourtange oder in den Freizeitpark nach Dankern ist möglich. Das genaue Programm wird vor der Reise mit den teilnehmenden Kindern abgesprochen. Aufgrund der verbreiteten Moorlandschaft sowie der Ems mit ihren Deich- und Schleusenanlagen werden wir unterwegs einer beeindruckenden Natur begegnen. Untergebracht sind wir in einer leerstehenden Pension in Sustrum, die der Familie von Ulli Schulte gehört. Hier können 15 Kinder und 2-3 Begleitpersonen übernachten, zum Teil in Betten, zum Teil mit Luftmatratze und Schlafsack. Es stehen uns eine Küche und ein Essraum zur Verfügung, so dass wir uns in den 5 Tagen problemlos selbst versorgen können. Für die Unterbringung fallen auf diese Weise keine Kosten an, lediglich für das Essen wird pro Kind ein Beitrag von 20,- Euro eingesammelt. Nach Möglichkeit werden wir den Transport der Fahrräder und der Kinder mit Hilfe von Eltern und Transportern organisieren, so dass evtl. ca. 15,- bis 20,- Euro Benzinkosten hinzukämen. Als Alternative werden wir ein Preisangebot der Bundesbahn einholen. Erst durch die Gelegenheit, im Flachland Fahrrad fahren zu können, ist dieses Projektangebot überhaupt möglich. Dem Motto ´Der Zeitgeist ist ein Geist, der nie Zeit hat` möchten wir dabei nicht folgen. Wir wollen uns ganz im Gegenteil viel Zeit nehmen, um die Fahrradtouren mit ihren Naturerlebnissen sowie die kulturellen Angebote intensiv wahrzunehmen und aufzunehmen.“

 

Durch Hausbesuche und Fördervereinsfinanzierungen wurde anonym abgesichert, dass immer alle überall mitfahren und mitmachen konnten. Einige Kinder bekamen so Fahrräder oder Reisetaschen.

 

Ein Projektwochenteil SPORT mit vielen Menschen und Vereinen aus der Gemeinde, Kindern als Anbietern (nur Vornamen), Ganztagskräften, Eltern und schon nicht mehr genannten Lehrkräften: 2mal 10 Kinder mit Fußball (Hannes Löhr, Trainer, Platz) - Tennis (Top-Spin-Halle, Plätze in Herchen und Eitorf) - Golf (Golfclub)- Basketball - Tischtennis - Volleyball (Vanessa, Lucy); Tanz, Turnen, Akrobatik mit 15 Kindern: Standardtanz (Eltern Schmitz, Tanzschule besuchen) - Jazz Dance (Mary/ Ester Kollak, Anne Hinsch) - Yoga (Gabriele Stephanovic, Verena, Josef Antweiler, Monika Stuhldreier) - Bodenturnen (Sabine Kalkuhl) - Akrobatik (Jakob, H., B. Brücken): Leichtathletik, Ausdauer, Kraft mit 15 Kindern: Besuch im Fitnessstudio, Vortrag von Physiotherapeutin (Nadja Stadie) - Waldlauf, Trimm dich Pfad - Sportplatz (klassische Disziplinen) - Hallentag an Geräten - Bogenschießen (über Hanka Färber) – Fahrradtour.

 

Manchmal holten wir ein sehr aggressives Kind aus seiner Pause und ließen es bei den Lehrer*innen im Lehrer*innenzimmer sitzen. Dann wurde es nicht belehrt oder erzogen, sondern saß da „wie unsereins“. Einige rannten „bei Freigabe“ schnellstens wieder raus, andere fragten ob sie sitzen bleiben oder wiederkommen konnten.

 

Bei unseren Kindern-Eltern-Schule-Gesprächen luden wir, auch bei getrennt lebenden Partnern, wenn möglich, beide Erziehungsberechtigten ein. Zudem teilen Ehepartner auch heute gerne noch so auf, dass die Mütter zu den Sprechtagen der Grundschule und die Männer zu den „weiterführenden“ Schulen gehen. Wenn sie zusammen kommen, zeigt sich oft ein „Bad-Cop-Good-Cop-System.

 

Eine Klasse beschwert sich über sich selbst. Wie so oft wurde der Schulleiter in den Klassenrat eingeladen.

 

Ein Kind erzählt Eltern und Lehrer*innen, dass sie in einem schwarzen BMW entführt wurde. Ihr sei aber nichts passiert, weil sie fliehen konnte. Erst 14 Tage später erklärt sie die Geschichte für erfunden, dass sie ihr Zuspätkommen bei den Eltern kaschieren wollte. Ende des Schuljahres nehmen die Eltern das Kind ohne Rücksprache von der Schule.

 

Ab und an meldeten die Kinder oder Eltern das Auftauchen von meist schwarzen Autos oder anderen pädophilen Gefahren. Wir munkelten nicht, ob die Geschichten erfunden waren. Wir nahmen jede Geschichte sehr ernst, erhöhten unsere Aufsicht und sprachen mit den Kindern. In einigen Fällen fasste die Polizei auch Täter.

 

Die Kinder verließen eine Vorlesung oder ein Seminar jederzeit, wenn sie das Gefühl – nach 5 oder 100 Minuten - hatten, dass sie das Vorgetragene nicht mehr interessierte. Sie arbeiteten in der Klasse oder sonst wo an ihren eigenen Themen weiter.

 

Bei einer Vorlesung hielt ich den Vortrag über die Grundschule Harmonie, den ich sonst wo anders über die Grundschule Harmonie hielt. Die Kinder gaben mir ihr Feedback.

 

Ein Vater, selbst „Autist“ und Vater von zwei „autistischen Kindern“ an unserer Schule hielt in einer Vorlesung einen Vortrag über alle je existierenden Dino-Sorten. Das war lange Zeit vorher sein Doktorthema.

 

Ich mochte das Protokollschreiben nicht. Bei Kindern schrieb ich gerne Protokolle, und Lehrer*innen erzählte ich, dass ich Schulleiter wurde, um keine Protokolle mehr schreiben zu müssen.

 

Ein Nachbar war Seemann und erklärte uns Fahnen. Einer anderer züchtete Tauben. Einer wohnte in einem Holzhaus. De nächste hatte ein Schwimmbad. Der anderer war Tischler. Und so weiter.

 

 Wir verbanden Kunst und Mathematik, Mathematik und Denken, Denken und Fragen und Philosophie und Literatur und …Lernen.

 

Eltern und Lehrer*innen gründen einen eigenen Chor. Er probt wöchentlich. Nach langer erfolgreicher Existenz geht er eine Verbindung mit dem alten örtlichen Männergesangverein ein, um einen neuen Chor im Stadtviertel zu gründen. Ihn gibt es viele Jahre.

 

Der WDR dreht ein Jahr lang mit der Sendung „Hautnah“ in Falko Peschels Klasse.

 

Wir setzen uns mit der Rechtsauffassung durch, dass ein Kind bei uns als aufgenommen gilt, wenn die Schulleitung ihn aufnimmt. Das gilt auch für „Sonder“schüler*innen.

 

Wir übernehmen und überarbeiten die Selbsteinschätzungsbögen von Hanni Rendl aus Oberösterreich, die Uschi Resch aus Wien mitbrachte.

 

Die Gemeinde schikaniert und unterbezahlt das Reinigungspersonal der Schule. Jetzt setzt sie durch, dass die Schule nicht täglich geputzt, sondern gefegt wird. Auch die Grundreinigung in Ferien lassen sie schon einmal aus. Einerseits setzt der Staat sein Pflichtschul-Selektions-Bildungsmonopol durch, andererseits versucht er an den Menschen und ihren Schulen zu sparen.

 

In die Selbsteinschätzungsbögen der Kinder geben wir für sie die Ankreuzmöglichkeit „Das interessiert mich nicht“. Das eröffnet für die Kinder und uns ganz neue Kategorien des Verstehens und des Handelns.

 

Wir begreifen immer mehr, dass Portfolio, Präsentationen und letztendlich Selbsteinschätzungen nicht der Kontrolle und Bewertung der Leistung und der Lernfähigkeit für die Lehrer*innen dienen, sondern den Kindern, damit sie ihr Lernen und sich selbst verstehen.

 

Zu Beginn unserer eigenen Entwicklung brauchen die Lehrer*innen ab und an noch „Überforderungstests“ und „Diagnosemethoden“. Später werden sie überflüssig und dienen höchstens als Strukturverstärker einzelner Lerner*innen.

 

Überforderungstests wurden nicht benotet und waren nicht „lösbar“. Sie gingen im „Stoff“ bis ins sechste oder achte Schuljahr. Danach wussten Kinder und Lehrer über das Abgefragte Bescheid.

 

Das 20jährige staatliche Hin- und Her der staatlichen Notengebung nervt. Es gelingt uns über Beschlüsse der Schulkonferenz Noten, Klassenarbeiten und bewertete Tests im Schulalltag vollkommen abzuschaffen. Was bleibt ist, dass es Noten auf den Zeugnissen geben muss.

 

Immer wieder beschließen die Eltern eines dritten Schuljahres mit Zeugnisnoten arbeiten zu wollen und immer das andere ohne. Wir begreifen, dass Noten nichts als ein gesellschaftlicher Eingriff in Schule sind. So werden je nach Landeswahlergebnis Noten im Ersten und Zweiten abgeschafft, dann zum Teil wieder eingeführt, dann wieder abgeschafft.

 

Am Ende gab es folgenden Beschluss der Schulkonferenz: Jedes Elternpaar entscheidet für jedes Kind, ob sie im vierten Schuljahr Zeugnisse mit oder ohne Noten haben wollen. Vom 1. bis zum 3. Schulbesuchsjahr gibt es keine Noten.

 

 Nach einigen Jahren Offener Ganztagsschulen in der Gemeinde wird klar: Offizielle Offene Ganztagsschulen sind für betroffene Eltern und die Gemeinde um einiges teurer. Das Modell der Grundschule Harmonie mit eigenem Verein, eigenen und mehr Einstellungen, verschränkten Vor- und Nachmittag und eigener Küche pädagogisch effektiver und (!) finanziell für Eltern, Land und Gemeinde spürbar billiger.

 

Wir haben niemals mit Steuergruppen, sondern mit Konferenzen, Frühkonferenz, Klassenrat, Kinderparlament, Elternpflegschaften, Schulkonferenz, Schulversammlungen und Schulleitung gearbeitet. Jede Lehrer*in hatte Prokura! Der Schulleiter lernte jede Entscheidung mitzutragen und/oder zu korrigieren. Es gab sozusagen immer „Pilotgruppen“.

 

Wir beschließen keine Rechtschreibung a la Sommer-Stumpenhorst einzuführen, damit die Kinder weiterhin eigene Texte schreiben und Lesen cool finden. Wir schauten uns Lernwerkstätten nach diesem Konzept an und sehen keine Verbesserungen von Lernen. Texte von Stumpenhorst werden an Kinder und Eltern allerdings weitergegeben. Wir setzen darauf, dass jedes Kind seinen eigenen Weg des Lesens und Schreibens und eine Strategie der Verbesserung der eigenen „Schreibe“ findet.

 

Wir bauen Holzlaternen zu Sankt Martin. Jedes Jahr werden nur die vier Seitenwände mit neuen Themen und Bildern versehen.

 

 In unseren Comeniusprojekten bieten Schüler*innen die Arbeitsgruppen für die Gäste an! Es werden Filme gedreht und abends mit der Hilfe unserer eigenen Küche in der Schule gegessen und gefeiert. Viele unserer Gäste aus Österreich, Slowenien, England, Estland, Litauen, Finnland und Deutschland schlafen bei Kolleg*innen und Eltern. Wir besuchen die Uni Siegen, wo Prof. Hans Brügelmann referiert.

 

Ein ehemaliger Vater bringt uns eben mal eben 20 Mikroskope vorbei. Die Telekom spendiert uns ebenso viele Computer. Eine Druckerei sehr viel Paper. Ein Vater schenkt uns 200 Altbiergläser. Eine Baufirma spendiert uns neuen Sand für die beiden Sandkästen. Eltern geben uns eine Orgel, eine alte Webrahmenfabrik viele Webrahmen. Die WECO finanziert das Feuerwerk für ein Schulfest. Die Kirche gibt uns 50 Stühle… Ohne solche Schenkungen wären wir arm dran.

 

2004 ist die Demokratie an der Schule in ernster Gefahr. Einige Kinder, zwar eine Minderheit, artikulieren: “Wir wollen nichts selbst regeln. Das sollen Lehrer machen.“ Andere „wollen nicht für Ruhe sorgen“. Auch das „sollen Lehrer regeln“. „Notfalls soll die Polizei eingreifen“. „Diese ewigen Gespräche interessieren uns nicht“. Sie beschweren sich „über Zwang zur Demokratie“. Einige „haben Angst einen drauf zu kriegen, wenn sie bei anderen einschreiten“. Vielen wird vorgeworfen „nur nach zu plappern, was sie gehört haben“. - Wir schließen daraus, dass es ein Anzeichen von demokratischer Entwicklung ist, wenn Demokratie in Frage gestellt wird. Wir haben weiter die Diskussionen gesucht und – waren erfolgreich. Die Schule prägte sich damals als demokratische Schule.

 

Es gelingt uns für einige Jahre mit Hilfe des katholischen Pfarrers einen Selbstverteidigungs-Club in der Schule anzubieten. Viele Kinder gehen dahin. Viele outen dort Misshandlungen in ihren Familien. Vielen wird geholfen.

 

Beim 400jährigen Jubiläum des Kepler-Fernglases kommt ein Student und baut mit den Kindern echte Ferngläser.

 

2004 rühmt sich der Ministerpräsident des Landes NRW den Lehrer*innen eine Stunde mehr „aufgebrummt“ zu haben. Angesichts der wirklichen Lage an „seinen“ Schulen ist das lächerlich. Er hieß Peer Steinbrück und wurde bald abgewählt.

 

Die Lehrerinnen haben nie einen Beschluss gefasst, dass sie geduzt oder gesiezt wurden. Zu Anfang wurde alles gesagt. Da die Lehrer*innen sich alle mit den Vornamen ansprechen und sich duzen, übernehmen die Kinder das später.

 

„2005 startet die Grundschule Harmonie ihre Altersmischung 1 – 4 durch einen 9:2:1 - Beschluss der Schulkonferenz 2014. Zwei weitere Eitorfer Grundschulen fassten auch den Beschluss, setzten ihn aber niemals um oder stellten ihn nach kurzer Zeit ein. Die vierte Grundschule versucht es nicht einmal.

 

Die Schulpflegschaft beschließt einstimmig, dass das Kinderparlament Mitglied der Schulkonferenz wird.

 

In 30 Jahren Grundschule habe ich nie ein Kind gesehen, das bei eigenem Schreiben Verben, Adjektive, kurze oder längere Funktionswörter (obwohl sie formal nur aus zwei bis drei Buchstaben bestehen) schreibt. Sie schreiben zuerst nur Nomen, und zwar solchen Inhalts(!), den sie auch zeichnen können, also sicher beherrschen. Die einen lernen das Abschreiben, die anderen das Lesen durch eigenes Schreiben zuerst. Die Grundschule überlässt selbst das jedem einzelnen Kind.

 

Das Dumme an der staatlichen Qualitätsanalyse war, dass sie zwar gute Fragen stellten, aber nicht darüber reden wollten. Sie konnten es nicht, weil sie nicht wussten, wie das ging. Sie hatten nie die Öffnung des Lernens und seiner Demokratisierung gelebt. Das Kollegium nannte die QA-Vertreterin „Dolores Umbridge“ nach ihrer Namensvetterin bei Harry Potter. Sie hatte nur Ahnung von Theorie. Trotzdem schnitten wir hervorragend ab.

 

Es gibt bei Abstimmungen (außer der Schulkonferenz) keine Enthaltung. Zudem kann jeder Mensch de Schule seine Stimmen jedem Vorschlag geben. Somit gibt es nicht ein Ergebnis, sondern so viele wie Vorschläge (außer denen, die überhaupt keine Zustimmung finden).

 

Ergebnis eine Umfrage für Themen der Projektwoche 2006: Platz 1 mit 140 Stimmen „Sportwoche“; 2. mit 124 Stimmen „Praktikums- und Berufeschule“;  3. (109) „Schule wo anders“;  4. (105) „Draußenschule“;  5. (90) „Atelierschule“;  6. (85) „Reiseschule“;  7. (67) „Musik- und Theaterwoche“;  8. (43) „Arbeits- und Lesestadt“;  9. (32) „Eigene Themen“ und 10. (23) „Jahrgangsgruppen“.

 

Wenn an anderen Schule gerne ein Minimalkonsens als oft nicht umsetzbarer Konferenzbeschluss beschlossen wird, so wird an der Grundschule Harmonie alles im Sinne eines Maximalkonsenses umgesetzt, was umsetzbar ist. Die Schule sieht sich selbst als „lernende Schule“.

 

Kinder lernen in einem Angebot Rock’n’Roll.

 

Kinder bieten Gästen Arbeitsgruppen an, die im Kinderparlament entstehen. Es sind „Dichterlesung, wie wir lesen und schreiben lernen“, „Kreis und der Umgang mit anderen Kindern, Eltern und Lehrern“, „Eine Sportstunde und wie wir unsere Bewegung machen“, „Homepage, Schulzeitung und wie wir uns Regeln im Umgang mit Computern machen“, „Präsentation, Vorträge und wie wir an eigenen Themen arbeiten“ „Mathematik und wie wir übers Be-Greifen begreifen“ „Kinderparlament, Schulversammlung und unserer Lernen aus unseren Versammlungen“, „Musiker und wie wir komponieren“ und „Englisch und Englisch reden im Rollenspiel und sonst wo“. 

 

Jährlich bieten wir tagelang Kindern und Eltern ihre eigenen Fundsachen an. Wir versorgen danach bedürftige Kinder und Familien mit Sportschuhen und anderen Klamotten. Was dann noch übrigbleibt und das ist nicht wenig, geht nach Rumänien.

 

Kinder beobachten wie Asseln Junge bekommen. Froschlaich, Schmetterlinge, Guppys, Medusen oder Regenwürmer werden gezüchtet.

 

Mit 250 Kindern ist die Schule vollkommen überfüllt. Nach unten ist sehr viel Platz!

 

Zuerst sind auch unsere Lehrer*innen gegen Handys, obwohl sie kaum mitgebracht werden. Erst allmählich dämmert es, dass sie benutzt werden, wenn das Lernen zu langweilig würde und, dass es hervorragende kleine Computer sind, die benutzbar sind. Sie werden nie zum Problem.

 

Darüber, dass die Lehrkräfte immer mehr von Kindern verstehen und immer genauer wissen, was sie alles können und nicht können, lernen sie immer besser mit den Kindern zu lernen - und sie lernen zu lassen. Große Hilfen sind die Klassenräte, die Kinderkonferenzen, die Selbsteinschätzungen mit ihren Gesprächen, die Frühkonferenzen und die ständige Demokratisierung des Lernens.

 

Erst verlierst du den Kontroll- und Bewertungsüberblick. Dann lernst du immer mehr wie Kinder, wie Menschen lernen.

 

„Wir haben“ Kinder, die noch nie vom Regen nass werden durften. Ihnen läuft zum ersten Mal im Leben an einem Wasserfall Wasser –nicht aus der Leitung - über die Hand. Sie sind selbst im Wald, den sie sonst nur sahen. Sie fahren zum ersten Mal in ihrem Leben nach Köln. Sie erfahren, dass es keine Spagettibäume gibt und das Geld nicht einfach aus dem Automaten der Bank gezogen wird. Sie waren noch nie in Urlaub und haben noch nie etwas gekocht.

 

Wir hätten 2 Unterrichtsstunden zu viel (!!), stellt die Schulrätin bei einem Besuch fest. Ich werde wütend, dass noch immer - und auch in Zukunft - „Unterrichtsstunden“ bei Lehrer*innen gezählt werden. Neben der grundsätzlichen täglichen Überbeanspruchung werden sie, besonders angestellte Lehrer*innen, und im Besonderen Schulleitungen im Vergleich zu Gymnasiallehrer*innen heftig unterbezahlt.

 

Ein Sekundarlehrer hört einen Vortrag bei uns und fragt sich laut „Wieso können das unsere Neuntklässler nicht?“ Ich habe ihm geantwortet, dass es „nicht an den Schüler*innen liegt. Das wären die gleichen wie bei uns!“

 

Du musst das Aus- und Durchhalten, wenn du tagtäglich hörst, dass andere Schulen im Gegensatz zur Harmonie normal arbeiten, dass deine Schule weniger erfolgreich sein soll, dass deine Schule schlechter sein soll und „happige“ Kinder produziert, dass Harmoniekinder weniger rechtschreiben sollen können, dass … Du lernst dann andere zu stärken, die durchhalten.

 

Weit kaufen Bücheregale bei Ikea. Das ist um ein Vielfaches billiger als bei Schulverlagen.

 

Wir erkennen, dass Ästhetik nicht eine Frage der Bilder an der Wand und des Aufräumens ist. Wir beginnen dort unsere Arbeit zu dokumentieren und Gebiete verantwortlich aufzuteilen. Schlagartig verbessert sich die Ästhetik der Schule.

 

Wieder eine Serie von wöchentlichen Lehrer*innenkonferenzen: Kinderkonferenz – „Mathe – zuhause?“ (eine Kolleg*in) – „Diagnostik“ (geladene Referent*in) – Kinderkonferenz – Vorbereitung der Comeniuswoche (Schulleiter) – Wellness in der Schule (Kolleg*in) – Schulinterne Lehrer*innenfortbildung „Boaltheater“ (Schulleiter) – Kinderkonferenz – „Medien“ (zwei Kolleg*innen) – Weihnachtsmarkt (Kolleg*in) – „Englisch, jahrgangsübergreifend und in Teams“ (Kolleg*in) – Kinderkonferenz – „Musik“ (geladene Referent*in) – „Religion“ (zwei Kolleg*innen) – „Zusammenarbeit mit Kitas“ (zwei Kolleg*innen) – Kinderkonferenz – Projektwoche“ (drei Kolleg*innen) – „Sportwoche/tag“ (Kolleg*in) – „Leistungsbeurteilung“ (alle).

 

Die Mutter eines Schülers meldet sich bei uns, da sie gerne ein halbjähriges Praktikum in unserem Sekretariat absolvieren möchte. Sie kennt die Bedingungen. Wir haben ein halbes Jacht lang ideale Bedingungen in unserem Sekretariat. Sie strukturiert es in Ausrichtung auf die Bedürfnisse der Kinder, der Schulleitung, der Eltern und Lehrer*innen. Als sie geht funktioniert einiges noch lange besser.

 

Bevor es die Kinderuni gibt, finden z.B. 25 AGs in einem Halbjahr statt, 7 von Kindern, 8 von Eltern und 10 von Lehrer*innen.

 

Die Online-Statistik ist viele Jahre eine Zumutung, weil Teile des Programms nicht funktionieren.

 

Einige Jahre kommt eine mobile Waldschule zu uns und bereichert unser Angebot.

 

Zu Beginn des Schuljahres bekamen die Eltern vom Schulleiter in einem Brief einen Überblick über die bekannten Termine im Schuljahr.

 

Immer wieder luden wir den Clown Francesco ein. Der Glasbläser war- wie in meiner eigenen Schulzeit - der größte Renner. Lebende Greifvögel, riesige Schlangen und klitzekleine Medusen waren neben vielem anderem Attraktionen.

 

Ein Lehrer lässt die Kinder „Krieg spielen“. Immerhin hat er Größen wie Celestin Freinet oder Schriftsteller wie William Golding auf seiner Seite. Die übergroße Zahl der Kinder, der Lehrer*innen und die Schulleitung sind anderer Meinung. Die Schule bespricht die Frage ergebnislos. Ich kann das „Für-das-Krieg-spielen-sein“ nicht verbieten, aber laut sagen, dass ich dagegen bin, was ich tat.

 

Das Ministerium will keine Schultage mehr für schulinterne Fortbildungen „opfern“. Individuelle Fortbildungen sollen nur noch genehmigt werden, „wenn kein Unterricht mehr ausfällt“. „Es ist ein Zauberministerium“, so das Protokollbuch.

 

Wir machen Fortbildungen bei lokalen Kinderärzt*innen, Kindertherapeut*innen, der Jugend- und Kinderhilfe, in einer psychologischen Station… Zumindest klingt der ganzheitliche Blick auf die Fähigkeiten der Menschen hier und da an.

 

Bei einer Klassenbefragung werden 2005 acht häufigste Lernprobleme genannt:
 1. Langsame Rechner (nicht fehlende Übung, sondern Sicherheit im Verstehen)
2. Rechtschreiben (vor allem bei „Migrationshintergrund“ und Unterschichten) und „Abtauchen“
3. Unorganisiertheit
4. Erarbeiten nicht zu Ende führen und individuelle Probleme
5. Sprachprobleme (siehe 2.)
6. Ideen im Freien Ausdruck

 

Der Eitorfer Hauptschulleiter beschwert sich, weil wir zu wenige Kinder zur Sonderschule schicken.

 

Die Kinder setzen in der Druckerei einen selbst formulierten Brief an alle Schulnachbarn. Sie bitten darum den abendlichen Vandalismus m Schulgelände besser zu beobachten. Die Kinder verteilen die Briefe in der Schulzeit und führen Gespräche.

 

Jugendliche, die abends das Schulgelände benutzen, helfen uns bei unserer Geländeaktion.

 

Eine große Zahl neuer Kinder von anderen Schulen, hat zu Beginn große Probleme selbst zu arbeiten. Sie bekommen ihre eigene Versammlung, die der Schulleiter begleitet.

 

Angebote einer Ganzschrift-Kinder-Uni: „Der kleine Hobbit“, „Der kleine Lord“, „Krimis“, „Momo“, „Goethe und Schiller“, „Onkel Toms Hütte“, „Gefühlsgedichte“, „Astrid Lindgren“, „Lesecafe“, „griechische Sagen“, Don Quichotte“, „Konkrete Poesie“, „Der kleine Prinz“ und „Die kleinen Leute“.

 

Ein paar andere Kinder-Uni-Themen (Vorlesungen und Seminare): „Literaturgeschichte“, „Dichterwerkstatt“, „Geschichte der Rechtschreibung“, „Atomphysik“, „Wagenschein, Wahrnehmung und Theoriebildung im Alltag“, „Magnetismus und Strom“, „Leadership zu Teamarbeit, Darstellung, Methoden und Präsentation“, „Überleben in der Sekundarstufe“, „Grundbegriffe der Mathematik“, „Grundbegriffe der Semantik und Grammatik“, „Entwicklung der deutschen Sprache“, „Künstlerische Techniken“, „Unterscheidungen von Tieren“, „Entropie“, „Fragen zur Welt“, „Wie funktioniert Lernen“, „Teilen“, „Überlebenstraining“, „Techniken des Theaterspiels“, „Textaufgaben machen und lösen“, „Einmaleins“, „Spiele“, „Mathe mit Material in großen Mengen“, „Das Richtige lesen, wenn man schon lesen kann“, „Mit Feuer und Wasser experimentieren“, „Was gehört zum Experimentieren? Hypothesen aufstellen und beweisen“, Kombinatorik“, oder „Eigene Musik komponieren“. Wir vermitteln nicht zuerst „Wissen“, sondern bieten Lernlandschaften, Lerngelegenheiten an, in denen Kinder lernen. Und wir trauen ihnen! Und uns selbst und unseren Interessen.

 

Wir reflektieren, was wir sehen, wenn Kinder selber lernen. Wir reflektieren was in Projekten, Arbeitsgemeinschaften und Kinderunis passiert. Wir wollen lernen wie Kinder lernen!

 

Wir verabschieden uns vom Begriff der „Fremdsprachen“. Neben Deutsch als Alltags-Verständigungs-Sprache gibt es „Familiensprachen“ und Englisch als internationale Verständigungssprache. Dazu gibt es viele Besucher, die noch ganz andere Sprachen sprechen können.

 

Wir erklären Besucher*innen, dass es gut ist mit unseren Kindern zu lernen. Sie können sie nach englischen Wörtern fragen, ihrem Wissen oder ihren Arbeits- und Darstellungsideen. Aber sie sollen darauf achten, dass sie keine Lehrer*innen spielen oder als solche von Kindern eingesetzt werden. Weil die Kinder das können!

 

Wenn wir an anderen Schulen, in Klassen, bei Gesprächen oder Fortbildungen eine neue Lern-, Arbeits- oder Darstellungstechnik mitbekommen haben, wird dies an die Kinder weitergegeben. Dies geschieht in Form von Angeboten in der Klasse oder bei der Kinderuni, die die Kinder auswählen oder nicht. Hier ein Beispiel eines niederländischen Kollegen während eines Vortrags: „Schreibe 5 Tiere auf, die du schon einmal berührt hast. Überlege zu einem dieser Tiere eine Geschichte, die du mit ihm erlebt hast oder erfinde eine. Erzähle sie einem Nachbarn und höre dir seine an. Ihr könnt darüber reden. Wenn du willst, kannst du sie danach als deinen freien Text aufschreiben.“

 

Immer wieder müssen wir bei „Übergangsgesprächen“ an Gymnasien und Hauptschulen erfahren, dass die Lehrer*innen dort „eine andere Sprache sprechen als wir“. Sie verstehen etwas anderes unter Schule und Lernen. Viele Grundschullehrer gehen den Weg der Anpassung und bereiten „ihre“ Kinder auf das Gymnasium vor. Das ist keine Alternative für uns. Da wir keinen Weg der Konfrontation gewinnen können, beschließen wir unseren Kindern so viel Einblick wie uns möglich in das Funktionieren des „Systems Gymnasium oder Hauptschule“ zu geben. Es geht so besser, verändert aber nicht die Tatsache der Selektion.

 

Die Zahl der Unfälle der Kinder ist niedriger als an anderen Schulen. Wir glauben dies ist so, weil die Verletzungsmöglichkeiten durch die Gefahren des Geländes und die freien Bewegungsmöglichkeiten der Kinder im und um das Haus um ein Vielfaches höher ist. Dies steigert die Wachsamkeit und Erfahrung! Der Besucher des Landesversicherungsamtes sagte bei einem Besuch „Wäre ich offiziell hier, müsste ich ihr Gelände sofort schließen. Aber, würde ich nicht in Köln leben, schickte ich mein Enkelkind sofort an diese Schule“.

 

Im Schultipi ist eine Feuerstelle. Ihr Benutzen ist immer in der Diskussion.

 

Die Kinder achten sehr darauf, dass andere Kinder bei Frost nicht über den Teich „trampeln“. Wegen der Winterruhe der Tiere unter der Eisschicht.

 

Wir sammeln einige Erfahrungen mit Zwillingskindern. (Siehe dazu entsprechenden Artikel auf der Homepage www.walter-hoevel.de )

 

Jedes Jahr kommt eine Schulärztin, die jedes neu kommende Kind untersucht. Immer macht sie eine Liste von Kindern, die ihrer Meinung nach nicht „schulreif“ waren.

 

Die Schule organisiert 2009 mit den Kirchen und der türkischen Gemeinde ein ganztägiges Konzert gegen Gewalt. Das Land NRW und die Gemeinde stellen Geld zur Verfügung. Der Titel wird „Miteinander/Beraber“. Es spielen kostenfrei viele Künstler*innen aus Eitorf.

 

Wieder ein paar Seminare für eine Kinderuni „Achtsamkeit“, „Essen“, „Anerkennung“, „Brettspiele“, „Teamfeeling“, „Teamtraining“, „Kommunikationstraining“, „Körpersprache“, „Höflichkeit“, „Tanzen“; „Kameraführung“ und „Körperpflege“

 

Ein Kollege dreht mit Kindern Zeichentrickfilme mit Playmobilfiguren.

 

Ein Kind der Schule gewinnt den ersten Preis eines deutschen Schreibwettbewerbs und wird in Berlin geehrt.

 

Das Kinderparlament der Schule macht eine Urabstimmung darüber, ob die Teilnahme an der Schulversammlung verpflichtend wird. Das Ergebnis sagt „freiwillig“.

 

In einer Schulversammlung feiern wir den 100.Geburtstag von Django Reinhard, immerhin waren zwei seiner Nachfahren Kinder unserer Schule.

 

Im Anschluss an eine Schulversammlung versammeln sich 56 Kinder, die möglichst lange auf einem Bein im Rahmen unserer Europe4you-Records stehen wollen. Gewinnerin ist eine Zweitklässlerin mit einer sagenhaften Zeit von 4 Stunden und zwei Minuten.

 

Einige Lehrer*innenkonferenzen finden in zehn Jahren unseres Austauschs mit dem UK und den Comeniusprojekten mit 8 Ländern – auch ohne Gäste - komplett auf Englisch statt.

 

Kinder feiern ihr selbst ausgedachtes und durchgeführtes Fest „Harmony Nights“ nur auf Englisch um anschließend in der Schule zu übernachten. „Nebenher“ läuft das auch als „Unterrichtsbesuch“,

 

Wir hatten schon unsere Probleme mit der Teilnahme an Exzellenzforen des Deutschen Schulpreises, Arbeitsgruppen des DADs oder der KMK, Konferenzen verschiedener Universitäten und vielen anderen Veranstaltungen mehr. Natürlich fühlen wir uns bestätigt in unserer Arbeit, dass wir gesehen und eingeladen werden. Aber wir finden wenige Weggefährten auf dem Weg einer nicht-selektiven, konsequent das Lernen von Schüler*innen selbst bestimmenden und menschenrechtlichen Schule. Dabei ist es durchaus hilfreich zu erfahren wie die einen in Berlin ihr Streitschlichterprogramm umsetzen, andere „Lernbüros“ einrichten. Bei den einen schreibt die Oberstufe eines Hamburger Gymnasiums ein demokratisches Programm oder die anderen, wie eine Gesamtschule in Hessen, führen eine „kulturelle Pause“ ein.

 

Es gibt schon Standartfragen von Gästen. Sie zielen alle darauf, ob „man das überhaupt darf“, ob „das denn möglich und erfolgreich sei“, ob „das keine Probleme beim Übergang bereite“, ob „ das denn ‚die Eltern‘ mitmachen“, „wann die Kinder etwas und das Richtige lernen würden“ und ob „das die Kinder nicht überfordern würde“. Zunehmend fragen Gäste, „wie das denn überhaupt ginge“. Aber die Mehrzahl der Gäste findet anderes für sich und ihren Beruf.

 

Uns wird zunehmend klar, dass immer nur Teile unserer Arbeit in das schulische Ganze übertragen werden sollen. Der Kern unserer Arbeit ist gerne Alibi, ein Beispiel im Meer der Diversität oder Vision, Ansporn, demokratisches Ziel. Wir waren uns dessen bewusst auf einer selbst geschaffenen Insel zu leben. Inseln werden besetzt, vermarktet oder ignoriert. Wer viel arbeitet ist allerdings reif für die Insel…

 

In einer Staatsexamensarbeit stellt eine Studentin der Uni Siegen fest, dass an der Grundschule Harmonie Randgruppen (Migranten und Unterschichtler) besonders geschützt werden. Sie werden besonders vor Sonderschulverfahren und Sitzenbleiben bewahrt und besuchen in einem viel höheren Maße als im Kommunalen oder Bundesdurchschnitt erfolgreich „höhere“ Schulen.

 

Der allererste Schulpflegschaftsvorsitzende, ein sehr konservativer und kritischer Mann, schreibt nach Jahren alle ehemaligen Eltern aus der Klasse seines Sohnes an, um zu erfahren, wie es den ehemaligen Harmonieschüler*innen an den „weiter“führenden Schulen erging. Das Ergebnis war nur positiv für uns. Der Fairness halber sei zu berichten, dass er so fair war, dass auch so weiterzugeben.

 

Auf einem Klassentreffen einer Klasse, die von 1999-2003 an der Schule war, wird festgehalten:  Damals erhielten 2 von den Anwesenden eine Empfehlung für die Hauptschule, 6 für die Realschule und 16 für das Gymnasium, einer ging zur Förderschule. 10 von ihnen sind heute auf Gesamtschulen (Hennef, Waldorf und Neuseeland), 8 auf dem Eitorfer Gymnasium). 18 von Ihnen wollen und werden Abitur machen, die anderen streben den Realschulabschluss an, um zur HöHa oder in einen Beruf zu gehen. Unser Förderschüler wird den Hauptschulabschluss schaffen (Heute leitet er seine eigene Firma). Bundesweit und im Eitorfdurchschnitt würden weniger als 10 das Abi machen.

 

Erwachsene, die als 1-€- oder Hartz4-Menschen an unserer Schule arbeiten, haben bei uns den Namen „Assistenten“. Dies haben wir in England abgeschaut, wo Menschen in dreimonatigen Kursen als Gehilfen für Lehrer*innen ausgebildet werden. Auch wir versuchen diese Menschen auszubilden. Sie leisten an unserer Schule, wie später auch die „Integrationshelfer“, Ganztagskräfte, Eltern, LAAs, Praktikant*innen und die „Inklusions-Studentinnen“ eine sehr wichtige Arbeit mit vielen Kindern. Leider macht das bei anderen Schulen keine Schule.

 

Der jährliche Besuch des Bonner Beethovenhauses gelingt mit immer mehr Kindern (50-80) und wird immer mehr zu einer Schulprogrammarbeit. Das merken auch die Menschen in Bonn und freuen sich auf uns.

 

Eltern dürfen seit Öffnung der Schule zu jeder Zeit in jede Klasse. Zeiten und Zeit für Gespräche mit ihnen werden abgesprochen.

 

Eine Kollegin organisiert mit den Kindern „ihrer“ Klasse eine Kinderdemo um die Schule. Es nutzt nicht. Sie schafft nicht ein öffentlich kontrolliertes demokratisches Verfahren „einer schulscharfen Einstellung“.

 

Kolleginnen machen weitere Ausbildungen wie „Montessori“, „Freinet“, „Frankl“, “Rollenspiel“ oder „Boal“.

 

Dank der Stiftung „Ein Herz für Kinder“ können wir für ein mehrfach behindertes Kind ein mehrere Tausend Euro teures Bett mit Stereoanlage kaufen. Den Wickeltisch baut unser Hausmeister selbst.

 

Tagtäglich geben wir Kindern Gelegenheit uns zu erproben.

 

Täglich müssen wir viele Gespräche mit Kindern und Eltern führen. Sie suchen sie, müssen sie führen und finden sie bei uns Gesprächspartner. Es geht immer um kleinere und größere Probleme mit der Schule, mit sich selbst, mit anderen und dem Leben.

 

Wir feiern mit uns selbst, mit Gästen, Eltern und den Kindern die Feste wie sie fallen – und erfinden viele.

 

 Ein Junge sagte einmal: „Ich werde alle Instrumente, die Kinder an dieser Schule spielen rausbekommen und dazu einen Vortrag halten. Mit allen Kindern und Instrumenten werde ich ein Konzert aufführen.“ Und er tat es!

 

Wir pflegen die „Großgruppenpädagogik“ mit über 200 Menschen. Es gibt den „König Schnurrbart“ (https://www.walter-hoevel.de/gro%C3%9Fgruppenp%C3%A4dagogik/ auf meiner Homepage www.walter-hoevel.de), Fortsetzungs- und Wiederholungsgeschichten (Es ist immer was in der nächsten Kiste), Schul- und Teilgruppen-Versammlungen, die Frage der Woche, Vorlesungen oder …

 

Wenn ein Kind in bestimmten Situationen ein Medikament braucht, kennt das gesamte Kollegium das Kind und den Aufenthaltsort eines immer aktuellen Medikaments.

 

Es gibt Eltern, die ihren Kindern Ritalin verabreichen. Entweder wir konnten sie von der Absetzung überzeugen, sie gingen oder sie sind so schrecklich, dass es ihren Kindern mit Ritalin besser geht.

 

In den ersten Jahren werden alle Lehrkräfte der Schule zugewiesen. Später können wir zum Teil die Leute aussuchen. Wir nehmen die, die wir selbst ausgebildet hatten, ehemalige Hospitant*innen und Praktikant*innen von Unis oder die, die in der Jugendarbeit tätig waren. Hier haben viele Mittelschichtenmenschen Gelegenheit die Probleme von Unterschichtenkinder zu beantworten.

 

In den ersten Jahren haben wir nur einen Erwachsenen pro Klasse mit 28 Kindern. Nach und nach besorgen wir uns viel mehr als zwei Erwachsene pro Klasse. Wir bekamen keine kleineren Klassen, aber so mehr Erwachsene in jeder Klasse.

 

Die Kinder erfinden im Laufe der Leadershipausbildung der Kinder Listen mit Kompetenzen der Kinder, die sie aushängen.

 

Ein paar Notizen aus unserem Protokollbuch zum Besuch in England „Es wurde mit einander gelernt, Mathe, schreiben, gespielt, getanzt, gesprochen, gezielt nach Wörtern gefragt … und weg waren sie“, „Einzelne Kinder sind besonders aufgeblüht“, „Regeln der englischen Schule waren für unsere Kinder konfus“, „Die englischen Lehrer*innen waren erstaunt wie selbständig unsere Kinder sind“, „Die englische Schule war sooo gut ausgestattet. Im Vergleich haben wir ärmliche Verhältnisse“, …

 

Lehrer*innen gingen, weil sie nachmittags nicht arbeiten wollten, weil ihnen die Schule zu demokratisch war, weil sie fachlich nicht mehr mitkamen, weil sie eigene Schulen aufbauen wollten, weil Zeitverträge ausliefen oder weil sie schwanger waren.

 

Von den ersten acht Lehrer*innen bleiben vier, fünf gehen. Drei von den fünfen, die gingen,  blieben über 10 Jahre.

 

Neben der konkreten Lernarbeit mit den Kindern, verwenden wir am meisten Zeit darauf über einzelne Kinder zu reden.

 

Ein Beispiel eines Programms einer Schulversammlung: „What shall we do with the drunken sailor“, ein Theaterstück des Englischseminars „Songs on Stage“; Vier lyrische Gefühle-Texte vorgetragen von den Kinder-Autoren, „Bitte die Türen nach draußen geschlossen halten“, ein Aufruf zum Umgang mit Energie durch den Schulleiter,  Das „Ja- und Nein-Lied“ von drei Kichererbsen, Ein Theaterstück der Geraden Kurven, Vorstellung durch zwei Kinder: „Alte Schrift (Sütterlin)“ von den Geraden Kurven, „Umgang mit Sträuchern und Bäumen“, ein Aufruf des Hausmeisters zum Umgang mit der Natur unseres Schulgeländes, „Guten Morgen, Good Morning, gün aydin“, ein Lied  mit unseren türkischen Kindern, Ein Schüler spielt “Ode an die Freude” auf dem Klavier.

 

Jede Woche kamen Kinder aus allen Klassen und erzählten dem Schulleiter für die Chronik was während der Woche passierte. Er schrieb es auf und setzte es auf die Homepage. Hier ein statistisches Feedback: Vom 1. bis zum 28. September 2010 hatten unsere Homepage 2127 Besucher, das sind an Werktagen 63 bis 124.

 

Das Kinderparlament findet für alle Erstklässler, die Paten haben wollen, solche. Die Kinder organisieren das selbst.

 

Der Schulentwicklungsplan der Gemeinde Eitorf stellt 2010 fest, dass der Grundschule Harmonie 265m² Fläche fehlen, was mehr als vier 60m²-Wohnungen entspricht! (Uns fehlen also nach diesem Bild 4 „Schlafzimmer“, 4 „Wohnzimmer“, 5 „Kinderzimmer“, 4 Küchen, 5 Toiletten). Es störte die Herren und Damen nicht.

 

Die Schulentwicklungs-Experten der von der Gemeinde engagierten Firma heben das qualitativ außergewöhnlich hohe und das vielfältige Angebot unserer Grundschulen hervor. So entsteht in Eitorf die Situation, dass in der Grundschulzeit fast 100% aller Eitorfer Kinder zu Eitorfer Grundschulen (abzüglich von „Sonder“schüler*innen) gehen und dazu die Grundschule Harmonie fast 100 Kinder und 200 Eltern aus anderen Gemeinden anlockt. Dagegen verliert die Gemeinde Eitorf in der Sekundarstufe I über 50% der Eitorfer Kinder und Jugendlichen an Nachbargemeinden, hier vor allem an die Windecker Realschule, dann an das dortige private Gymnasium, als auch 10% der Schülerinnen und Schüler an die Gesamtschule in Hennef. Das hat sich geändert. 2018 fallen die 100 Kinder aus anderen Gemeinden an der Grundschule Harmonie weg.

 

Bereits nach einem Jahr schaffen wir die schultypischen Magnet-Stunden-Tafel ab. Damit beschreiten wir den Weg nicht „Stunden“, „Fächer“ und „Unterricht“ zu geben, sondern das eigene Lernen in den Mittelpunkt zu stellen.

 

Um länger als 4 Wochen in einer Vitrine zu sein, muss etwas zeitlos gut sein.

 

Wenn ein Kind z.B. kein Mathe machen will, reden wir so lange mit ihm bis wir zusammen raushaben warum es nicht will, was passieren muss, damit es beginnt oder welchen eigenen Weg oder welche Zeit es braucht. Im schlechtesten Fall – der nur auf Zeit eintrat – bleibt das Kind bei seiner Verweigerung. Ein Kind las über drei Jahre nur Bücher. Dann lernt er – wie er angekündigt hatte - alles, was er in Mathe braucht. Unsere Grundeinstellung verändert sich. Wir zwingen kein Kind mehr, sondern akzeptieren es und seine Entscheidung.

 

Wir achteten immer darauf, dass genügend männliche Bezugspersonen an der Schule waren. Bei zehn Lehrer*innen waren immer 2 bis 5 männliche Lehrer da.

 

Die Kinder lernen Dinge wie Brücken, Bücher oder Maschinen selbst zu reparieren und ihre Dinge wie das Lernen, Leiten oder Teamarbeit selbst zu verantworten. Wir lassen sie, aber lassen sie nie allein. Aber wir helfen erst, wenn sie es wirklich wollen.

 

Wir wissen, dass Kinder, die beim Spielen viel streiten und Aggressionen zeigen, als Kleinkinder zu wenig spielten. Wir lernten viel Zeit zum Spielen zu „verschwenden“ und besser „mit Spielen zu lernen“. Das sind Rollenspiele, Theaterspiel, Experimente, Versuche, Kochen, Basteln, Bauen, Schachspiele, Gesellschaftsspiele erfinden oder in andere Sprachen bringen, Versammlungen, Musizieren, Malen, Gestalten, Drucken oder Sport.

 

Wir toll es ist, wenn ein Betrieb beim Schulfest ankommt, weil unsere Flaschenpost in ihrem Wehr gefunden wird. Welch eine Freude ist es, wenn einer unserer Luftballons viele hundert Kilometer von der Schule gefunden wird. Es ist sensationell, wenn ein Mensch in den USA den gleichen Namen wie eine Schülerin trägt und zurückschreibt. Wir nehmen immer Kontakt zur Welt auf!

 

Ideen, Neues, Lösungen, eigene Lernwege der Kinder entstehen nicht durch künstliche Zurückhaltung der Erwachsenen. Es ist die Trennung, dass Kinder selber lernen, im Kreis oder Klassenrat sagen was sie tun werden und nicht bei Erwachsenen ablernen. Umgekehrt haben Erwachsene in der Kinderuni oder anderen Angeboten ihr Können anzubieten.

 

Als eine Mutter in ihrer indischen Landessprache ihrem Kind droht, sagt ein anderes Kind zu ihrer Überraschung in der gleichen Sprache, dass sie an der Grundschule Harmonie sind und hier Kindern nicht gedroht wird.

 

Um unseren großen Sandkasten herum rammen wir kurze Robinienholzstämme als Umrandung in die Erde. Vollkommen ungeplant gehen zwei von ihnen wieder an. Heute sind es die mächtigsten Bäume auf dem Schulgelände.

 

Das Lehrer*innenzimmer hat einen großen ovalen Tisch.

 

Nach einem Besuch in Finnland steht in unserer Chronik: „Wie in anderen internationalen Vergleichen scheint Finnland uns auch in der Lehrer*innenbildung um Jahrzehnte in der Entwicklung voraus zu sein. Hier gibt es keine „Unterrichtsbesuche“, die immer der „Bewertung“ des Einzelnen dienend die Entwicklung der jungen Menschen zu LehrerInnen behindern. Hier gibt es auch keine Kompetenz- und Standard-Listen mehr, die wir gerade in England, Österreich und Deutschland entwickeln. In Finnland gibt es eine vollkommene Verzahnung von Theorie und Praxis, Teamwork (!) der Mentoren und der Lernenden, Aufgabenbeschreibungen anstelle von Auflistungen von Lehrerkompetenzen, die die eigene individuelle Entwicklung und Kompetenzerarbeitung zulassen und last but not least keine Noten mehr. Es wurde klar, warum unsere Ausbildung nicht die Lehrerinnen und Lehrer „produzieren“ kann, die dem individuellen Lernen auf dem hohen Niveau entsprechen, das unsere Kinder brauchen. Die Grundschule Harmonie fand sich mit ihrem eigen-sinnigen Vorgehen in der Ausbildung „unserer“ Lehramtsanwärterinnen oft wieder!“

 

Eine Vorlesung eines 9jährigen Kindes. Sie stand unter dem Stern der künstlerisch-philosophischen Botschaften von Friedensreich Regentag Dunkelbunt Hundertwasser. Hannes Freitag referierte über die fünf Häute des Menschen, die "Baumpflicht" für die Menschen, die sonst beim Bau eines Hauses den Pflanzen ihren Lebensraum nehmen, das Fensterrecht, dass jedem Menschen die Gestaltungsmöglichkeit eines Fensters im Umkreis der Reichweite seines Armes einräumt, die Plakatkunst zwecks  gesellschaftlicher Aufforderung zur Erhaltung der  Natur (Save the whales, ...), als auch den "Schönheitsbarrieren" innerhalb jeder Ortschaft, dem "Dingsdas" in Spiralform als Zeichen neuen Lebens, das Hundertwasser in den Bombenkratertümpeln des 2. Weltkrieges entdeckte.

 

Im Sportunterricht bauen Kinder und Lehrer*innen passend zum Thema in der Englischgruppe verschiedene Stationen zum Thema "Auf in unendliche Weiten" auf. Es gibt einen Schlafplaneten (mit reichlich Matten zum Ausruhen), einen Dschungelplaneten (Schwingen und Klettern an den Tauen), einen Planeten mit giftigem Sumpf (Balancieren), einen Planeten mit zweiköpfigen Wesen (dort war man immer mit einem Medizinball unter dem Arm unterwegs), eine Astronauten-Ausbildungsstation, wo man lernte, Asteroiden abzuschießen (Torwandschießen), einen Planeten, auf dem Valentinusechsen unter der Erde leben (Mattenburg) und ein Weltraumcafé, in dem die verschiedenen Spezies sich zum Austausch, Handel und gemütlichem Plausch treffen können. Gereist wird im Weltraum natürlich mit Raumschiffen bzw. mit Spacetaxis (kleine Kästen auf Rollbrettern und der Mattenwagen).

 

An einem anderen Tag verwandelt sie die Sporthalle in die Lagunenstadt Venedig. Aus Turnbänken werden Stege und Gassen, Matten verwandeln sich in Häuser und den Markusplatz (dort kann man auch eine Tasse Kaffee im Café trinken), Fußballtore in Museen, aus zwei Kletterwänden und einem Weichboden entsteht ein Adelspalast, aus zwei großen Kästen und einer Bank die Seufzerbrücke. Mit Gondeln aus Rollbrettern und kleinen Kästen bewegen wir uns über den Canale Grande. Das Notarztboot (Mattenwagen) holt Verletzte oder Erschöpfte und Touristen ab, die ins Wasser gefallen waren, und brachte sie ins Krankenhaus (eine große Weichbodenmatte). Federballschläger verwandeln sich in fantasievolle Masken des venezianischen Karnevals. Am Ende treffen sich alle im Kreis und erzählten, was sie in Venedig so alles erlebten.

 

Ein paar Kinderfragen zur Welt von 2010: „Warum wurde die Welt erschaffen?“, „Warum knistert Holz beim Brennen“, „Warum gab es Dinosaurier?“, „Wie entstehen Kometen?“, „Wie wächst der Körper?“ oder „Warum werden Bananenschalen braun?“

 

In der Role-Play-Englischgruppe geht es weiter mit der "Fit for Fright Academy". Zusammen mit ihren Lehrern Mr Rat und Ms Banshee bereiten die kleinen Monster, Vampire, Zombies und Geister sich auf ihre Abschlussprüfung vor. Es werden vier Stationen vorbereitet: "Swearing" (In the Monster Cave), "Scary Dancing" (On the Graveyard), "Cursing" (In the Ghost Mansion) und "Sneaking" (In a Vampire Castle)."

 

Einige Beispiele für eigene Arbeit der Kinder aus der Hälfte der Klassen in kürzester Zeit. „Feinde und Fortpflanzung von „Wandelnden Blättern“, „Umfrage zur Beliebtheit von Hasen“, „Walfang“, „Herstellung eines Autos“, „Experimente zur Mischbarkeit von Farbe, Wasser, Öl und Essig“, „Fische und deren Schwimmverhalten“, „Haie und deren Zähne“, „Leuchtende Flummis“, „Orientierung auf einem Stadtplan“, „Glitzernde Steine“, „Selber Brot backen“, „AFB (American Football & Baseball)“, „Ein selbsterfundenes Kombinationsspiel“, „ Die Tempelritter“, „Pencilslider. Flugobjekte mit rechtwinklig gebogenen Flügeln“, „Mathe-Raum-Versuche“, „Besuch des Gemeindearchivs“, „Schwitzhütte“ und einiges mehr (nachzulesen in der Chronik der ersten Woche im Februar 2011).

 

In meinem ersten Jahr als Schulleiter ziehe ich mir auf einer Fortbildung einen dreifachen Bänderriss zu. Die Zeit meines Fehlens nutzen einige Eltern eine Unterschriftenliste gegen das „Lernen in jahrgangsüber-greifenden Klassen“ zu organisieren. Aber so ändern sich Verhältnisse durch eine konsequente demokratische Arbeit. Ein paar Jahre später gibt es eine klare Mehrheit für die Arbeit in Klassen 1 bis 4.

 

Wenn wir mit einem Kind nicht weiterkamen, erinnerten wir uns an all „die Fälle“, die wir geschafft hatten. Heute begegnen mir erwachsene Menschen, die „es geschafft haben“. Es sind Erwachsene.

 

Bei einem Kind hatte ich den Eindruck, dass ich ihm wenig helfen konnte. Ich konnte mit ihm reden als er erwachsen war. Er zuckte erst als ich mit ihm darüber redete, dass seine zukünftigen Kinder - angesichts seiner durchaus erfolgreichen, aber als Kinder ähnlichen Großeltern - ähnliche Probleme wir er haben könnten. Ich lernte, dass ich nicht nur nicht für das Lernen von Kindern verantwortlich bin, sondern auch nicht für ihr Leben.

 

Da Schule versucht hatte mir als Kind meine eigene Sprache, das Rheinische zu nehmen, konnte ich manche „Migranten“familie davon überzeugen, ihre eigene Familiensprache zu würdigen und pflegen. Leider gelang es nie mit einem „Kölschkurs“ die Zahl der Sprecher zu erhöhen.

 

Die Sintikinder unserer Schule verändern die eigene Sprache, das Romanes sehr. Sie gebrauchen zwar weiter ihre eigene Grammatik, übernehmen aber mehr und mehr deutsche Wörter um ihre indisch-stämmigen zu ersetzen. Auch die türkischen Kinder gehen ähnlich vor. Griechische und portugiesische Kinder lernen ihre Familiensprachen recht gut, russisch- und polnisch-sprachige Kinder „integrieren“ sich sprachlich sehr schnell.

 

Im AG-Programm der Schule fand über zwei Jahre eine wöchentliche „katholische Selbstverteidigungsgruppe“ statt.

 

Als die Schule begann, war sie natürlich nicht fertig. Ein Trakt und das Forum wurden noch gebaut, Die Sekretärin und der Schulleiter saßen in einer winzigen Abstellkammer ohne Fenster. Schulmöbel und vollkommen unnötige Kartenständer für 10 Klassen kamen am ersten Schultag.

 

Die Gemeindeverwaltung schickte „automatisch“ die anmeldenden Eltern zur Ganztagsschule in die zentrale Schule. „Zentral preußisch denkend“ machten sie diese auch zur „Integrationsschule“, obwohl die Grundschule Harmonie auf einen einstimmigen Beschluss aller Lehrer*innen verweisen konnte, uneingeschränkt „Inklusionsarbeit“ leisten zu wollen. Sie schickten sie auch Kinder von Ausländern in die Mitte des Orts.

 

Der Lehrer Peschel hatte in seiner Klasse immer einen Tisch an dem er saß und ständig mit einem einzelnen Kind über dessen Arbeit redete. Wir nannten dies den „Pescheltisch“.

 

Viele Konservatismen des Lehrens müssen in den Fortschritt unserer Schule eingebaut werden. Dabei hilft der Satz „Pflanze des Neue immer mitten in das Alte“. Ein anderer Gedanke ist, immer „wenn Neues beschlossen wird, dafür etwas Altes abzuschaffen“.

 

Die Lehrer*innen achteten immer genau darauf, dass Änderungen sinnvoll, zu ihrem Vorteil, den Eltern genehm und erfolgreich waren. Erst nach und nach verändern sie Schule, damit die Eigenständigkeit und demokratische Freiheit der Kinder gestärkt wird.

 

Wir machten jeden noch so winzigen Teil der Schule und unser Gelände um die Schule zum Lernraum für Kinder. Auch das machte sie zu verantwortlichen Besitzern ihrer Schule.

 

In der Sommerschule war die Tür nach draußen immer auf. Es wurde sehr viel draußen gelebt und gearbeitet, In der Winterschule lernten wir sie geschlossen zu halten. Die Gemeinde beschwerte sich, weil das sonst zu teuer wurde.

 

Am längsten dauerte es die Mathebücher als Schulbücher abzuschaffen. Mathematik ist im Gegensatz zu den Sprachen Deutsch und Englisch, dem Sachunterricht, elektronischen Medien, Schwimmen, Kunst, Musik, Sport, Schach, Theater, Forschen , Experimentieren, dem Präsentieren, Selbsteinschätzen und Reflektieren so nur in der Schule existent. Sie ist gut didaktisierbar und in Lehrplänen erneuerbar, aber in der Praxis schwer veränderbar. Mathe ist bequem oder hassenswert, weil sie so überschaubar ist und gerne verschult bleibt. Wir machten immer wieder besondere „Kampagnen“ um für die denkerischen Inhalte des Fachs zu werben. Die Lösung ist die konsequente Arbeit mit Materialien, das Tauschen in Systemen und das Zulassen kindereigener Theorien. Mathematik hat eine große Verwandtschaft zu den Fächern Latein und Rechtschreibung.

 

Zum Schuleinstieg bitten wir die Eltern ein Mäppchen mit Stiften und Buntstiften, Schere, Kleber, Spitzer, Radiergummi, zwei Hefte und leeres Papier den Kindern mitzugeben. Aber das hatten wir auch alles in der Schule und gaben es jenen, denen es aus finanziellen oder Vergessensgründen fehlte.

 

Jahrelang flogen unsere Kindern und wir mit dem Flugzeug nach England. Es war finanzierbar. Dann überzeugte uns eine Mutter, dass es bedeutend ökologischer ist mit dem Bus zu fahren. Und es war um einiges billiger und dauerte nicht viel länger!

 

Wie Hochschuldozenten durch das Lesen das in Arbeiten Geschriebenen ihrer Studies „so schlau“ sind, konnte ich dreißig Jahre lang die Vorträge von Kindern und Jugendlichen mitbekommen (dazu arbeite ich seit 25 Jahren als Unidozent). Das machte 5000 bis 10.000 Vorträge, die ich hörte! Wie selbst-ruinös es da ist als Lehrer*in nur zu lehren.

 

Mit der Hilfe von Marc Bohlen, vielen Lehrer*innen und aller Lehramtsanwärter*innen lösen wir das Problem in Englisch wirklich Englisch zu reden. Wir schaffen dies über den direkten Kontakt zu Englisch sprechenden Menschen, imaginäres Lernen und das Rollenspiel.

 

Wir machen ein eigenes Mathetor. Es hing immer aus, ist aber eher für die Lehrer*innen.

 

Wenn eine Schule keinen Mittelpunkt hat, muss man einen machen. Bei uns war es das Forum.

 

Im Laufe meiner Schulleiterzeit lerne ich im Alltag Begriffe wie Zwergwüchsigkeit, Beaten Child, Autismus, Trisomie 21, Glasknochen, Selektiver Mutismus, FAS, Sprachbehinderung, Mehrfachbehinderung, Tourette-Syndrom und viele andere mehr kennen. MCD, ADS, ADHS, LRS, Asperger Autismus, Dyskalkulie und andere kamen als „Erfindungen“ oder Sammelbeschreibungen dazu. Noch böser sind die Einteilungen der deutschen Förder- und Sonderschulen wie Lern- oder emotional-soziale Behinderungen. Wir nehmen jedes (!) Kind auf, wenn die Eltern dies wünschen. Wir leben Inklusion. Der einzige Grund ein Kind nicht aufzunehmen ist Nichtkönnen. Leider gibt es noch viel zu viele dieser „Regel“schulen.

 

Noch bevor das Schulgebäude errichtet war, hießen wir die „Waldorfschule“. Dann waren wir die Montessorischule, wo Kinder machen dürfen, was sie wollen. Wir versuchten es mit „John-Lennon-schule“. Aber wir wurden die „Grundschule Harmonie“, die immer von denen abgelehnt wurde, die die Schule von früher wollten.

 

An den Eitorfer Schulen war das grundsätzliche und beabsichtigte Schlagen von Kindern „pädagogischer“ Alltag. Noch nach dem Jahr 2000 wurden Kinder geschlagen. An der Grundschule Harmonie schlugen Kinder. Wir haben dies niemals geduldet, sondern daran gearbeitet, bis das Schlagen aufhörte.

 

Manchmal sprachen Kinder recht respektlos den Schulrat als „Nikolaus“, den katholischen Pfarrer als „Kinderanfasser“ oder den Professor als „Wer bist denn du?“ an. Diese reagierten klasse und erklärten sich. Später sprechen sie jeden unbekannten Gast höflich, aber bestimmt an.

 

Der Philosoph Thomas Limbach, der mit den Kindern den Sinn des Lebens erörtert, oder der Schauspieler Haydar Zorlu, der den Kindern den Faust vorstellt, stellen in Frage, ob es ihnen gelungen war, ihre Themen an die Kinder gebracht zu haben. Eine solche Selbständigkeit im Denken von Kindern sind sie nicht gewohnt. Sie waren übrigens klasse!

 

Die Angebote der Kinder zur einer Kinder-Uni 2013: „Abzeichnen von Bildern“, „Achtung Baustelle“ mit Kapla“,“ Bastelangebote“,“Cupsongs“, „Eisenbahnen“, „Extremsport (Muskelaufbau)“, „Farben mischen“, „Film über Dinosaurier“, „Flugzeuge mit Gummimotor“, „Flugzeuge (mit Vorkenntnissen)“, „Fußball für Anfänger“, „Geschichtenbuch schreiben“, „Geschichten erzählen“, „Geschichten mit rotem Faden“, „Gitarre“, „Handy-Gespräche“, „Hockey“, „Hütchenslalom“, „Jonglage“, „Judo“, „Kunst der Natur“, „Logicals“, „Matheladen“, „Mein Lieblings…“, „Nähen“, „Naturbilder“, „Parcours“, „Pferde“, „Roboter“, „Schach“, „Schnitzen“, „Schlafkönig“, „Stabmonster-Theater“, „Tai Chi“, „1000-Gefahren-Geschichten“, „Teamspiele“, „Versuche zum Geschmack“, „Vortrag Hunde“, „Waveboard für Anfänger“, „Werwolf“, „Warriorcats vorlesen“ und „Zeichnen üben“.

 

Alles in und für Schule notwendige Wissen haben die Kinder auch ohne Unterricht mitgenommen. Die Lehrer*innen der „weiter“führenden Schulen haben nie begriffen wie das ging.

 

Manchmal spielen die Kinder Theater bei geschlossenem Vorhang, nur für sich.

 

Wir hatten mehrere, sehr verschiedene Betten in der Schule. Sie werden zum Lernen zweckentfremdet.

 

Im Fernsehen (KI.KA /ARD und ZDF) wird der Trailer unseres Schulkrimis gezeigt.

 

Für viele Jahre gibt es bei uns den wöchentlich „Adam-Ries-Kreis“. Jeweils zwei Kinder jeder Klasse lösen hier gemeinsam eine anspruchsvolle mathematische Aufgabe. Diese nehmen sie mit in die Klasse, um andere Kinder zu finden, die sich mit einem Problem auseinandersetzen. Diese besuchen als Nachfolger am folgenden Montag den Adam-Ries-Kreis.

 

Über ein Jahr wird ein kleinerer Raum der „Snoezelraum“ für Kinder. Lange war es der Raum der alten Übermittagsbetreuungsgruppe, danach wurde er unsere Küche.

 

Wenn ich einmal bei einer Bezirksschulleitersitzung vertreten werden musste, begründete ich das „mit drohendem Unterrichtsausfall“ oder „Einladung durch Bezirksregierung, Ministerien, Landesregierung, die KMK oder der EU zum Beispiel bei Comeniusveranstaltungen.

 

Seit etwa 2010 mehren die Schulen ihre Anträge auf Überprüfung des Förderbedarfs für Schüler*innen (AOSF). Die Zahl der „Behinderten“ steigt immens. Sie versprechen sich eine Erhöhung der Zahl der Sonderpädagog*innen und beginnen sich über die mangelnde staatliche Unterstützung zu beschweren. Dieser versucht das Problem der Lösung mit möglichst geringer Finanzierung „nach unten“ zu delegieren. Die Grundschule Harmonie nimmt weiterhin jedes Kind auf, das zu uns will. Wir sind alle für Inklusion zuständig! AOSF-Verfahren leiten wir nur ein, wenn dies für die Kinder oder ihre Eltern eine Unterstützung bedeutet.

 

Immer wieder sind einzelne Lehrer*innen auch an unserer Schule versucht die Lernthemen für Kinder vorzugeben. Sie beschweren sie sich über Kinder und wollen „Abkürzungen“ sehen, die nicht den nachhaltigen Weg unserer Schule über das selbstverantwortete autonome Lernen der Kinder begehen wollen. Andere begreifen, dass sie immer Methoden und Techniken zur Lernprovokation für jene anbieten, die noch nicht ohne eigenen Input sich verwirklichen können.

 

Als wir die Mathebücher 2010 endgültig und seit längerem los sind, zählten wir mathematische Aktionen auf, die nach unserer Erfahrung erfolgreich sind. Es waren Kaufen & Verkaufen, sinnvolle Spiele, Mathe-Trainingskreise, Geometrie, Konstruktionen, Knobeln, Kombinatorik, Arbeit mit gutem Material, intelligente mathematische Aufgaben, Führerscheinmathe, Input-Kreise, digitale Mathematik, mathematische Projekte mit eigenen Lösungen und Theorien, Vorlesungen, Lehramtsanwärterstunden, Mathe mit großen Mengen, Mathe und Kunst, punktuelle Arbeit mit den neuen (!) Matheideen der Fachdidaktik, Erfahrungen mit Montessori- oder Nikitinmaterialien, Begegnungen mit Mathematiker*innen, Matheerfindungen a la Paul le Bohec, selber Messen und Wiegen, eigene Theorien und Zusammenhänge entdecken. Von dort aus wollen kommen wir auf die Kernidee des Be-Greifens mit „Muggelsteinen“ als Grundmaterial des Tauschens in Zahlensystemen. Wie einigen uns darauf alle damit zu arbeiten!

 

Im Mai 2015 gibt es die letzte Chronik. Sie endet so: „Am Donnerstag gab es eine große gemeinsame zweisprachig englisch-deutsche School Assembly. Die Kichererbsen sangen „Roar“ von Katy Perry, Thomas einen deutschen Song. Es folgten die Lark Rise Children mit zwei deutschen Liedern, „It’s a Sunny Day“ und ihrem Schullied, dem Lark Rise Song. Zumindest den Refrain sangen alle mit! Nach den Good-Bye-Reden von Marcus Ray und Marc Bohlen, folgte das Harmonielied. Um 13 Uhr stiegen unsere Gäste in ihre Busse. „See you in five weeks‘ time.

 

Die Chronik fährt fort: Am Freitag gab es wieder einen gut besuchten Malkurs im Kunstraum mit Holger und Maggy. Bei den Kichererbsen wurde ein thailändisches Fest gefeiert, zu dem eine Mutter einige exotische, bei uns völlig unbekannte Früchte mitgebracht hatte. Im Laufe der Woche fanden mehrere Gespräche mit Jugendämtern, Trägern, Eltern und Lehrerinnen statt.“

 

Bei einem Besuch der Summerhill-Schule in England, bin ich nicht mit einem Beschluss des dortigen Parlaments nicht zufrieden. Darauf antwortet die Leiterin Zoe: „Oh, das spielt keine Rolle. Wenn sie (die Kinder) merken, dass ihr Beschluss nicht geht, beschließen sie morgen etwas anderes“. Von da an kann ich noch viel besser an der eigenen Schule mit „falschen“ Entscheidungen umgehen.

 

Über die Hälfte des Lehrer*innenteams übernimmt für ein Jahr die Redaktion der Freinetzeitschrift „Fragen und Versuche“.

 

Manchmal gelingen Dinge, sichtbar verbessert oder unverbessert, erst im 3. oder4. Anlauf.

 

In Gesprächen kam es vor, dass wir Kinder fragten, ob sie nachmittags lieber in der Schule oder Zuhause bei den Eltern oder Großeltern wären. Oft hatten sie einen anderen Wunsch und es folgten Elterngespräche zur Lösung.

 

1000mal tust du bekannte pädagogische Dinge, 1000mal Paradoxes, dann vollkommen Neues oder Unbekanntes. Dann probierst du das Gleiche nochmals. 1000mal musst du wieder und wieder reden, weil Vorschläge ganz oder teilweise nicht gelingen. 1000mal müssen Kinder raus aus Stresssituationen, aus ihrer Langeweile, aus ihrer Isolation, aus Fallen, aus Erniedrigungen, aus Gewalt, aus Abhängigkeiten, aus Nichtüberlegtem … aber mehr als 10.000mal machst du nichts, was das Kind nicht will oder kann!

 

„Die Grundschule Harmonie in Eitorf, die Kindern einen besonderen Rahmen des Lernens in jahrgangsübergreifenden Lerngruppen mit einer Vielfalt von Methoden und Plänen anbietet“, so eine Regionalzeitung im Juni 2018.

 

Eine Religionswoche 2006: Kapellen-/ Kirchenwanderung, Singen, Musik und Religion, Jesus Christ Superstar  o.ä., Wo entdeckst du Religion?,  Kunst & Religion, Kirchenfenster, Kreuze suchen, Religion der anderen, Essen und Trinken, Zaubern und Wundern, Vorbereiten einer Fronleichnamsprozession, Krippenfiguren, Staunen, Schauen, Stille, Meditation (Kloster, gregorianische Gesänge), Schöpfung, Gottesbilder, Menschen der Wirkungsgeschichte, aktuell, Gespräch mit katholischer und evangelischer Frauengruppe, Psalmen auf Englisch, Labyrinthe, Ideen mit Ytongsteinen, Kirchenglocke.

Einmal haben wir eine ganze Messe auf Englisch gemacht, das waren die Liturgie, die Lesung, die Lieder, Psalme, die Predigt und sogar unser „Small Talk“.

 

Besuch im Altenwohnheim: 1) Jahr um Jahr (Flöten, Chor 2 Verse), 2)  Ein Lichtlein hab' ich                           (Flöten, Chor),  3)  Im Advent, im Advent (Chor),  4)  Alle Jahre wieder ( alle singen mit, Chor, Flöten), 5) Kristina:  Lasst uns froh und munter sein, Morgen kommt der Weihnachtsmann,  6) Dicke rote Kerzen (Chor mit Solosängern), 7) Wir sagen euch an (Chor, Flöten, alle singen mit),  8) Vom Himmel hoch, lieber Joseph mein, Maria durch ein Dornwald ging (Duette), 9) Weihnacht ist auch für mich                       (Chor), 10) Lu leise (Flöten), 11) Leise rieselt der Schnee (Flöten, alle singen mit), 12) Be our guest                                   (Cello, CD-Player),  13)  Zumba, zumba (alle singen)

 

Projekt Berufe: Medizingruppe Arzt in Köln, Therapie Eitorf, Rettungswagen in der Schule, zum DRK,  Krankenhaus, Tierarzt in die Schule? Örtliches Optik-Geschäft mit Sehtests. Mediengruppe: Stadtanzeiger Köln , WDR Köln, Zeichnen vor Ort, Journalist in die Schule, Dokutag. Öffentliche Einrichtungen: Polizei, Feuerwehr (Simons Vater), Rathaus (Frau Dohrmann), Krankenhaus, Sparkasse. Förster/Bauernhof/Gestüt: im Wald mit Förster, großes Gestüt, Bauernhof. Backen: Bei einer Hausfrau die gesamte Woche zuhause, Besuch in der Bäckerei im Ort. Keramik: gesamte Woche bei Hausfrau und Künstlerin zuhause, Besuch im Keramikmuseum. Versorgung: Klärwerk, Feuerwerk (WECO), Floristik, Schreiner, Metzgerei, Elektronik, Elektrik, Heizungsbauer, Gartenanlage, Neubau, Straßenbau. Künstlergruppe: mehrere private, Gerstäcker und Musikschule.

 

Auch nach vielen Jahren erinnern sich ehemalige Schüler*innen an "Fragen der Woche".

 

Eltern erinnern sich, dass ihre Kinder gerne und ohne Beschwerden zur Schule gingen.

 

Ein Assistent marmoriert mit Kindern einige unserer Tische mit Lackfarben.

 

Wir sparten viel Geld, weil wir Möbeln in der Schule selbst bauten oder uns schenken ließen.

 

Heute, am 23. September 2018, spricht mich eine Mutter voller Stolz an, ihr Sohn hätte beinahe alle E-Kurse an der Gesamtschule geschafft. Trotz der Zeit bei uns, wollte die Leiterin der Sekundarschule ihn zur „Förderschule“ abschieben. Ja! Es sind die Schulen, die Kinder zu „Außenseiter“ machen wollen.

 

Wir fanden alte Wahlurnen aus Holz. Wir machten sie zum Benutzungsgegenstand in unserem Lernalltag.

 

Noch vor dem Jahre 2000 bekamen Schulen in Eitorf Computer. Das Gymnasium und eine sonst sehr konservative Grundschule richteten Computerklassen ein, die Grundschule Harmonie hatte bis zu fünf Computer in jeder Klasse. Bald folgten auch die andren drei Schulen Eitorfs mit Computerklassen. Das Gymnasium installierte „Laptopklassen“, die Grundschule Harmonie arbeitete mit Computern und Laptops. Sie ließ auch private Smartphones zu.

 

Alle Eitorfer Schulen machten mit bei der Kampagne „Gut drauf“. Dort gab es Geld. Nur die Grundschule Harmonie war nicht „gut drauf“, nicht weil es Geld gab, sondern weil solche Kampagnen nicht stimmen.

 

Den einen dient Harmonie als Beispiel was in der Pädagogik noch möglich ist, den anderen als Beispiel wie Kinder und andere Menschen lernen, wenn sie frei sind.

 

Besuche einiger Menschen lassen sichtbare Spuren zurück. Wir lernen von Katinka Düsterhoff, dass Kinder Sitzungen leiten können, Von Wolfgang Mützelfeld lernen wir, dass Bilder an den Wänden nicht nur dekorieren, sondern Informationen tragen. Wir lernen von Paul le Bohec, dass Kinder mit Niveau „kritzeln“ können. Noch viel mehr lernen wir jeden Tag von den Kindern.

 

Viele unserer Lehrkräfte sind nicht oder nur teilweise ausgebildet. Einige sind überhaupt keine Lehrer*innen. Einige von Ihnen lernen rasend schnell von und mit Kindern und unserer Schule, andere verrennen sich in eigenen Vorstellungen oder sind „beratungsresistent“. Es ist wie bei den ausgebildeten Lehrkräften. Ganz wenige sind „geborene“ Lehrer*innen. Kinder dagegen lernen in viel höherer Zahl das Lernen und Lehren.

 

Es ist einfach so, dass demokratische Lernwege und Lebensverhältnisse, wieder viel mehr Demokratie erzeugen. Demokratie lernt jede/r, indem sie oder er selbst Demokratie erfährt und handelt.

 

Irgendwann haben wir als Kollegium nicht mehr von „den Eltern“, sondern nur noch von Erwachsenen gesprochen. Wir begriffen, dass jede/r von ihnen so anders und verschieden ist wie die Kinder.

 

Die Grundschule Harmonie propagierte eine eigene Bildung von Lehrer*innen. Sie verstand sich selbst als Ort der Bildung von lernenden und lehrenden Kindern und Erwachsenen. Die nachfolgenden „fremden“ Schulleiter*innen sahen diesen Aspekt überhaupt nicht.

 

Obwohl wir von „Natur pur“ mit Wald, Fluss, Himmel, Nebel, Weiden, Steinbrüchen und unserem Schulgelände umgeben waren, gingen viele unserer Kinder mit uns zum ersten Mal „raus“. Sie fühlten Wasser in Wasserfällen, bauten ihre Hütten im Wald oder machten ihr Feuer auf einer schneebedeckten Wiese.

 

Hatte ein Kind eine religiöse Frage, kamen der Familienreferent oder Pfarrer so schnell es ging in die Schule.

 

Kinder zerhämmern Steine, fangen Spinnen, klettern auf Bäume, rutschen im Matsch oder zersägen Hölzer.

 

Um das Jahr 2000 ließ sich in Eitorf jemand als Logopäd*in nieder. Seither hetzt sie “als Fachkraft“ gegen die Grundschule Harmonie und tritt ein für eine rückwärtsgewandtes „Lernen“ im Sinne des Einpaukens und Einübens.

 

Eine unserer Lehrer*innen vergeudete über Jahre Kraft und Zeit mit der Durchführung von Delfin-Sprachtests in Kitas. Sie glaubte lange, so Kitas kennenzulernen.

 

Immer wieder luden wir Kolleg*innen von der Hauptschule bis zum Gymnasium zum „Unterrichtern“ an unserer Schule ein. Nie kam irgendjemand!

 

Immer wieder versuchte die Schulrätin mich in eine Dokumentationspflicht einzubinden. In der Regel verweigerte ich dies mit dem Hinweis darauf bei der anstehenden Arbeit eines Schulleiters dafür keine Zeit zu haben.

 

Wir haben uns nie als eine Grundschule Eitorfs verstanden, sondern als europäische Schule in Eitorf.

 

Meistens sind „falsche“ Verhaltensweisen von Kindern wie Beißen, Schlagen oder sonstige gegen sich selbst oder andere gerichtete verbale, psychische oder physische Angriffe nichts als Hilferufe von Kindern, die von Schulen und, Lehrer*innen und Eltern gehört werden sollten. Oft sind es „Strategien„ von Kindern, um überhaupt oder besser gesehen zu werden. Lieber nehmen sie Bestrafungen oder „Standpauken“ in Kauf als nicht gesehen zu werden. Lehrer*innen, die die „Schuld“ bei Kindern oder Eltern suchten, hatten an der Grundschule Harmonie nichts verloren. Wir lernten eine systemische demokratische Sichtweise auf das Handeln von jungen oder alten Menschen.

 

Demokratische Haltung bei Erwachsenen gehört provoziert und eingeübt. Wir, die Lehrerinnen und Lehrer haben länger dafür gebraucht einen solchen Weg zu gehen und beizubehalten. Kinder übernehmen leichter die angebotenen demokratischen, aber auch menschenfeindliche Umgebungen. Somit begann Demokratie beim eigenen Lernen, im Umgang miteinander und in der Ausbildung eines eigenen Systems des  schulischen Lebens.

 

Wenn wir mit einem Kind nicht weiterwussten, haben wir wenigstens nicht versucht Schule zu spielen, sondern etwas zu tun, was das Kind akzeptierte.

 

In Interviews und Gesprächen mit Kindern konntest du sehr genau feststellen, dass Kinder sich exakt auf das Niveau des fragenden Erwachsenen einstellen. Sie scheinen es unbewusst zu machen. Sicherlich sind entscheidende Kriterien ihr Vertrauen und ihre kooperative Verstehensebene.

 

Viele unserer Lehrkräfte konnten hervorragend und ideenreich unterrichten und (!) die Kinder lernen lassen. Andere konnten schlecht unterrichten. Und da ist es um einiges besser Kinder auf ihre Art an eigenen Themen lernen zu lassen.

 

Einige Lehrkräfte hatten immer etwas in petto für Kinder, denen „nichts einfallen wollte“. Dazu gehörten u.a. Schreibtechniken, Materialien, Themen, Origamipapiere, Trickfilmerei, Rollenspielideen oder Filme. Bei anderen Lehrkräften fiel Kindern immer etwas Eigenes ein. Die Meisten konnten Gespräche mit Kindern führen.

 

Immer häufiger lese ich, dass Kindergartenfachkräfte und Lehrer*innen Praktikant*innen und Student*innen bitten, Aufgaben zu übernehmen,  „zu denen sie sonst vor lauter Arbeit nicht kommen“. So lesen Studis Kindern vor, jonglieren, drehen Filme oder machen Sport. An der Grundschule Harmonie ging das oft umgekehrt. Die Klassenlehrer*innen ließen die Kinder entscheiden, was sie generell lernen wollten, und, wenn sie Partner suchten, mit welchen Kindern und Erwachsenen sie das taten. So entstand unter anderem mehr Zeit für Klassenlehrer*innen selber vorzulesen, Texte zu schreiben, Filme zu drehen, zu  lernen selbst Einrad zu fahren oder Spanisch zu sprechen.

 

Hatte ein Armer kein Geld mehr, half der Diakon der katholischen Kirche.

 

Als Sankt Josef restauriert werden musste, wurde die Gemeinde und ihr Gottesdienst jeden Sonntag im Forum unserer Schule abgehalten. Die Schule bekam  nach über einem Jahr der Beheimatung in unserem Gebäude den Schlüssel der Kirche.

 

Eine Kollegin malte mit ihrer Klasse die Fußbodenkacheln der Kirche. Die Bilder bildeten dort eine Ausstellung.

 

Mit Landesmitteln vermittelt von der Kommune organisierten wir mit vielen anderen ein ganztägiges Konzert vieler Bürger*innen „gegen Gewalt“.

 

Im Ortsausschuss Harmonie nahm, bis zu ihrem Weggehen, eine Kollegin der Schule verbindlich teil.

 

Ich frage mich bis heute, warum so viele Erwachsene nicht mehr wissen, wie sie selbst als Kinder dachten, fühlten, die Welt und Erwachsene erlebten.