Walter Hövel
Der Besuch der alten Dame

 

Hannelore Zehnpfennig besucht die Grundschule Harmonie

 

 

 

Marc Bohlen hat im Kollegium der Grundschule Harmonie die Aufgabe die zahlreichen Hospitationstermine zu koordinieren. So erreichte ihn in der Woche vor den Osterferien noch eine "Umbuchung". Ein Hospitantin schrieb: "Mein Mann kann leider nicht mitkommen, ist es o.k., wenn ich Frau Hannelore Zehnpfennig mitbringe. Sie möchte sich gerne einmal Ihre Schule ansehen."

 

 

 

Marc Bohlen staunte nicht schlecht. Denn eben jene Frau Zehnpfennig hatte er im Studium in einem Seminar an der Universität Köln kennengelernt. Dort sprach sie darüber, wie es gelingt „Unterricht zu öffnen“. Sie blieb, wie die Grundschule Harmonie heute, nicht bei der Theorie. Sie lud dazu ein ihre Klasse zu besuchen. Marc Bohlen tat das vor vielen Jahren und war so beeindruckt, dass er sie in ihrem letzten Arbeitsjahr vor ihrem Ruhestand fast täglich bei der Arbeit in ihrer Klasse begleitete. Sie hatte den Schulalltag so organisiert, dass es in ihrer Gruppe Klassenräte, Planungskreise und hochgradig individualisiertes Arbeiten gab.

 

 

 

Hocherfreut sahen sich nun Frau Zehnpfennig und Marc Bohlen viele Jahre später an der Grundschule Harmonie wieder. Erst verfolgte sie die Arbeit in seiner Klasse, den Genies. Dann nahm sie sich mit ihrer Begleiterin Zeit für Beobachtungen in der ganzen Schule. In einem persönlichen Gespräch brachte sie zum Ausdruck, wie angetan sie von der Atmosphäre an der Grundschule Harmonie war.

 

 

 

Sie selbst war, so erzählte sie, lange an ihrer Schule alleine mit ihren Ideen. Umso erfreuter war sie, nun mit der Grundschule Harmonie eine Schule zu finden, die sich der Herausforderung von Öffnung von Schule und der Individualisierung des Lernens stellt.

 

 

 

Der Schulleiter Walter Hövel kam an diesem Morgen von einem Besuch an einer Hamburger Partnerschule, die er in Fragen der eigenen Schulentwicklung beraten hatte. Voller Überraschung begegnete er Hannelore Zehnpfennig.

 

 

 

Lernen“, sagte sie zu ihm, “ist etwas wie in meiner Kindheit. Wir spielten auf der Straße. Und dabei kam immer etwas heraus, ohne Erwachsene, ohne Schule. Das ging gar nicht anders. Wir machten immer etwas zusammen, alle zwanzig Kinder. Und so ging Lernen auch bei mir in der Schule.“

 

 

 

Wie doch große Menschen einfache Sätze formulieren können.Mit guten Wünschen für die Zukunft verabschiedete sich die bereits über 80jährige Besucherin. Selten haben sich die Kolleginnen und Kollegen der Grundschule Harmonie so über einen Besuch freuen können.