Eva Schulz
Bericht über meinen Aufenthalt
an der Grundschule Harmonie in Eitorf
vom 25. bis 27. 10. 06

 

 

 

Mein erster Eindruck bei meiner Ankunft Mittwoch nachmittags- ein Wärme ausstrahlendes, einladendes, ebenerdiges Schulgebäude, umgeben von einem zu kreativem Spiel verlockenden Gelände. Am liebsten würde ich (–nach der anstrengenden Fahrt vielleicht verständlich) wie ein Kind lossausen.

 

 

 

Ich betrete das Schulhaus, angenehme, noch spürbare Arbeitsatmosphäre und Walter Hövel, der Schulleiter empfangen mich.

 

Wir setzen uns mit weiteren KollegInnen an einen großen ovalen Tisch im Lehrerinnenzimmer- Austausch über meine Erwartungen und Zeitplan für den morgigen Tag.

 

 

 

Um 7.00 kommen die ersten Kinder, beginnen ihre Arbeiten- kein hektisches Lärmen, stressfreier Beginn. 7.15 ist der Beginn der Morgenkonferenz für die LehrerInnen- Vorbereitungen werden getroffen, Tagespläne erstellt, Arbeiten eingeteilt, ein Gespräch über die anstehende Fahrt der Kolleginnen , Eltern und Schüler nach Berlin, ein Bericht aus dem Kinderparlament des Vortages zum Thema „Rolle der Kinder und der Lehrerinnen bei der eigenen Themensuche der Kinder“, ...

 

Ab 8.00 sind alle Kinder anwesend. Unterricht, oder besser Lern- und Arbeitszeit ist bis 11.30 bzw. 12.30. Von 11.30 bis 13.30 gibt es die Möglichkeit einer Beaufsichtigung, an manchen Nachmittagen AGs (entspricht unseren unverb. Übungen). Auffallend ist, dass nach den anfänglichen gemeinsamen Kreisen der Kinder, eigentlich gar kein Unterricht stattfindet. Alle Kinder sind beschäftigt, alleine oder in kleineren Gruppen, hier und da auch einmal an Schule erinnernde Gruppen fast in Klassenstärke, die mit oder auch ohne LehrerIn (!) in einer Dichterlesung sind, Vorträge halten oder gemeinsam Mathematik machen.

 

Ansonsten geschieht alles, was möglich ist, Arbeiten im Mathematikbuch, Theaterspiel, Einradfahren, Geschichten schreiben, Bilder malen. Eine Rockschulband probt in der Pause,  Drucken in der Druckerei, Plakate erstellen, Lesen, Lesen, Lesen, Schach spielen, Laternen aussägen, Experimente mit Wasser, Öl und Farben, Messen mit Zollstöcken, Gespräche einzelner und überall Kinder, die am Computer arbeiten: Schreiben, zum eigenen Thema surfen, Mathelernprogramme, Powerpointpräsentationen werden vorbereitet, ja sogar eine Direktübertragung per „Skype“ mit einer österreichischen Klasse in Klagenfurt. Und überall auf den Gängen, in allen Räumen, ob Lehrerinnen- oder Schulleiterzimmer, im Forum der Schule oder im Freien trifft man Kinder, LehrerInnen, Eltern oder Studenten, die die Schule hospitieren.

 

 

 

Das Zentrum des Schulhauses ist eine umfangreiche Bibliothek mit vielen Themenkisten und eine zweite Bücherei in einem gemütlichen Raum mit deutscher, türkischer und recht umfangreicher englischen Kinderliteratur. Von jeder Klasse führt eine Tür ins Freie- die Kinder haben das Recht den Arbeitsplatz ihrer Aktivität entsprechend zu wählen- alle Räume des Schulhauses und auch das Spielgelände sind Platz des Lernens und Arbeitens. Alle Klassen sind mit ihren vier bis sechs Computern an das Netz angeschlossen, alle haben Sitzkreise mit kleinen Bänkchen, die Regale voller Materialien und wieder überall Bücher.

 

In den einzelnen Klassen sind die Jahrgänge aufgelöst, wobei das nicht als Abteilungsunterricht zu verstehen ist. Jüngere und ältere Kinder planen im Kreis ihre Arbeitszeit und Inhalte von Projekten, lernen mit- und voneinander. Im Abschlusskreis werden Arbeiten präsentiert, Weiterarbeit überlegt, Neues geplant.

 

Im Klassenrat werden Konflikte besprochen, Anregungen eingebracht, aber vor allem die gesamte Arbeit geplant, ausgewertet und gewürdigt.

 

Jede Klasse entsendet je einen Jungen und eine Mädchen ins Schülerparlament- das Gremium wie der Klassenrat der gesamten Schule. Hier wird alles besprochen, was aus der Sicht der Kinder die Schule angeht.

 

 

 

LehrerInnen arbeiten im Team, legen Arbeitsmittel bereit, planen mit den Kindern die Arbeitszeiten und Projekte, vermitteln Wissen eher situativ während der Arbeit der Kinder, seltener in kurzen frontalen Unterrichtssequenzen.

 

 

 

Was mich besonders begeisterte, ist diese ruhige, stressfreie Arbeitshaltung der Kinder, ihr Eifer, ihre Neugier und ihre Freude am Arbeiten. Demokratisches Schulleben, die Methode Naturelle, die Selbstorganisation des Lernens und Lebens, der freie Ausdruck und die Travail individuel und kooperative – das „Grundgerüst“ der Freinet-Pädagogik tun hier unausweichlich ihre Wirksamkeit.

 

Einziges Negativum, das ich anzumerken hätte: für mich und meine Tochter ist die GS Harmonie zu weit entfernt.

 

But guests are welcome.

 

 

 

Noch mehr Infos:

 

www. grundschule –harmonie.de

 

 www. grundschule –harmonie.de/grundgedanken.htm