Ulli Schulte, Kollegium der Grundschule Harmonie
Jedes Kind auf seinem Weg stärken

 

 

Offene Ganztagsschule seit: 2007/08

 

Anzahl der Schülerinnen und Schüler: 115

 

Davon im Ganztag: 58

 

Ansprechpersonen:

 

Ulrike Schulte (Klassenlehrerin);  Marc Bohlen (Offener Ganztag)

 

Ganztagsträger: FLieG e.V. (schuleigener Verein)

 

Web: www.grundschule-harmonie.de

 

 

 

"Dass Schule mir hilft mich zu finden, ich selbst zu sein und weiter werden zu können"

 

(aus den Grundsätzen des Lernens  unserer Schule)

 

 

 

Die Grundschule Harmonie ist eine staatliche Regelschule. Seit ihrer Gründung vor 20 Jahren arbeitet sie konsequent eigenverantwortlich lernend und individuell fördernd. Seit ca. 12 Jahren lernen wir in altersgemischten Klassengemeinschaften mit den Jahrgängen 1 – 4. Zurzeit besuchen ca. 115 Kinder unsere Schule. Etwa die Hälfte der Schulkinder nimmt das Ganztagsangebot wahr, das es seit 2007 durch die Gründung eines Elternvereins (FLieG e.V.) an der Schule gibt. Das Kollegium hat das eigene pädagogische Profil im Laufe der Jahre auf der Grundlage der Richtlinien und Lehrpläne NRWs sowie an Konzepten wie „Demokratie lernen und leben", "Citizenship Education", den pädagogischen Leitlinien von Korczak, Freinet, Dewey und der Bauhauspädagogik entwickelt, evaluiert und wieder weiterentwickelt.

 

Die Kinder sind stets in die Planung, Entwicklung und Gestaltung der Schule einbezogen:

 

Sie haben beispielsweise den Unterrichtsblock "Kinderuni“ in den Gremien der Klassenräte, des Kinderparlamentes und in der Schulversammlung gemeinsam mit den Erwachsenen (Lehrerkonferenz, Schulkonferenz) entwickelt und führen innerhalb dieser Unterrichtszeit auch ihre eigenen Angebote durch (siehe Kap. 2.3.1 ).

 

Das Kinderparlament ist Herz und Ideengeber unserer Schule. Jede Klasse wählt zwei Delegierte für das Kinderparlament, die sich einmal wöchentlich mit der, ebenfalls von den Kindern gewählten Lehrperson treffen. Dabei planen und gestalten die Kinder verantwortungsvoll das Leben und Lernen in der Schule mit.

 

Der Klassenrat ist das Entscheidungsgremium der Klassen. Hier werden die Lern-, Lebens- und Umgangsformen der Klasse miteinander besprochen, durchdacht und geklärt. Die Planung gemeinsamer Lernvorgänge, die Absprachen und Vorhaben oder auch auftretende Probleme sind Kernstücke des Klassenrates.

 

Zu den Grundsätzen unserer Schule gehört die respektvolle und wertschätzende Haltung aller Menschen. Unser Anliegen ist es, jedes Kind auf seinem Weg zur eigenen Persönlichkeit und „Lernerpersönlichkeit“ zu begleiten, herauszufordern und zu stärken. Darin liegt für uns der Weg der Selbstbildung, des Selbstkonzepts, des „eigenen Menschseins”.

 

 

 

Antworten des Kinderparlaments auf die Frage
" Was/wo kannst du an der Schule mitentscheiden?"

"Wir können die Arbeit wirklich selbst entscheiden. Wir können auch jedes Thema selbst entscheiden. Nur bei den Viertklässlern schränken die Lehrer die Themenauswahl schon mal ein."

"Wir können meistens entscheiden, wo wir arbeiten. Manche Kinder können das nicht immer, z.B. wenn sie nicht wissen, wie das richtig geht."

"Wir können im Kinderparlament mitentscheiden, was wir an der Schule anschaffen wollen oder was wir lernen und umsetzen können."

"Wir haben zum einen das eigene Lernen und zum anderen die Ateliers. Das finden wir meistens gut, weil zu viel Freiraum auch nicht gut ist."

" Unsere Entscheidungen sollten schon ehrlich sein, denn die Entscheidungen treffen wir ja für uns selbst.“

"Wir entscheiden durch unsere Ehrlichkeit, ob die Lehrer uns vertrauen können."

"Wir können auch ein eigenes Atelier anbieten. Das können wir auch selber entscheiden."

"Wenn man es im Kreis nicht mehr schafft, dann kann man auch mal rausgehen oder sich zum Arbeiten einen anderen Platz suchen."

„Wir können in der Pause selbst entscheiden, was wir tun. Jemandem wehtun oder jemanden beleidigen geht natürlich nicht. Zur Benutzung der verschiedenen Räume in der Pause holt man sich vorher vom Lehrer oder der Lehrerin sein Namenskärtchen."

"Unsere Entscheidungen sind vernünftig. Wir können ja zum Beispiel nicht einfach nach Hause gehen oder eine Zigarette rauchen."

 

Grundschule Harmonie:  Den Blick erweitern durch Schulhospitationen und Engagement in der Gemeinde

 

Die Kinder und das Kinderparlament unserer Schule sind sowohl in unserer Schule als auch innerhalb der Gemeinde Eitorf aktiv. Sie nehmen z.B. die Einladungen des Kinder- und Jugendparlamentes der Gemeinde an, um dort die Sitzungsabläufe und Entscheidungswege kennenzulernen. Sie kontaktieren die Menschen der Nachbarschaft sowie des kommunalen Ordnungsamtes und die Polizei, um darauf hinzuweisen, dass unser Schulgelände vor Vandalismus geschützt werden muss und fordern Unterstützung ein. Sie organisieren mit den benachbarten Kindergärten und der Gemeindebücherei Vorlesezeiten oder schreiben Briefe an Eitorfer Firmen und Unternehmen, um Unterstützung für die Gestaltung des Schulfestes zum Geburtstag der Schule zu erfragen.

 

Darüber hinaus gestalten die Kinder sowohl den internen Bereich der Schulentwicklung als auch Vorgänge und Prozesse an unseren Partnerschulen mit. Schon seit einigen Jahren führt unsere Schule einen Austausch mit einer Partnerschule in England durch. Bei jedem Besuch ist neben dem eigentlichen Austausch auch die Rückmeldung über Veränderungen und Entwicklungen an dieser Schule im Blick. Zurück in Eitorf berichten die Kinder von ihren Beobachtungen und besprechen, welche Elemente sie bei uns an der Schule einbringen und umsetzen möchten.

 

Einen vergleichbaren Vorgang starteten wir im vergangenen Schuljahr mit dem Austausch im sogenannten "Lernenden BüZ": Seit 2010 ist die Grundschule Harmonie Mitglied im Schulverbund „Blick über den Zaun“ (BüZ), in dessen Rahmen die Idee aufkam, gegenseitige Hospitationen könnten nicht nur für die in den Schulen Tätigen interessant und wertvoll sein, sondern auch für die Kinder selbst. Der „Lernenden BüZ“ eröffnet den Schülerinnen und Schülern der Mitgliedsschulen also genau diese Möglichkeit: Die Kinder unserer Schule hatten die Hospitation und die Rückmeldung auf der Erwachsenenebene beim Schulbesuch des Arbeitskreises an unserer Schule sehr aufmerksam verfolgt und mitgestaltet. Sie erzählten in einer Austauschrunde mit den Besuchern viel von "ihrer" Schule und von ihrem Lernen und beantworteten Fragen zur Schule. Natürlich wollten sie im Anschluss daran dann allerhand über das Geschehen an den Partnerschulen wissen und so brachten die Kinder gemeinsam mit uns Lehrerinnen und Lehrern den Schulbesuch an der Eisschoul in Luxembourg auf den Weg. So wie bei den Schulbesuchen auf der Erwachsenenebene stand auch bei diesem Besuch der Kinder das Beobachten und Reflektieren des Unterrichts und Schullebens im Vordergrund, um über das Lernen und Arbeiten Rückmeldung, Kritik und Tipps zu geben und für die eigene Schule Ideen mitzunehmen.

 

Ihre Beobachtungen und Rückmeldungen bringen die Kinder dann in der Schulversammlung, in den Klassenkreisen und im Kinderparlament ins Gespräch. Sie diskutieren mit ihren Mitschülerinnen und Mitschülern sowie mit Lehrerinnen und Lehrern über Vor- und Nachteile und über Umsetzungsmöglichkeiten neuer Anregungen und Ideen.

 

Auf diese Weise gestalten sie gemeinsam mit den Erwachsenen das Lernen und Leben an der Schule sowie ihre eigene Lernentwicklung. Sie partizipieren selbstbewusst und durchaus kritisch am Geschehen ihrer Schul- und Lebenswelt. Gleichermaßen gestalten und entwickeln sie ein Stück Gesellschaft von morgen, in der mit ihnen und für sie ihre Zukunft stattfindet.

 

Rückmeldungen der Kinder nach dem Schulbesuch an der Eisschoul in Luxemburg

"Das ist schon toll, dass die Kinder in Luxemburg von klein auf drei Sprachen lernen. Sie sprechen Luxemburgisch, Deutsch und Französisch und wechseln problemlos von der einen Sprache in die andere."

"Ich finde gut, dass es für die Arbeit an den Themen bzw. Projekten einen festen Wochentag gibt. Der gesamte Freitag steht als Projekttag im Stundenplan. Das könnten wir bei uns auch so machen."

"Zu jedem Projekt gehört auch eine praktische Arbeit. Das gefällt mir sehr gut. Und die Kinder haben dabei am Freitag Unterstützung durch einen festen Mitarbeiter in der Holzwerkstatt. "

"Sie befragen oder besuchen Experten zu den Themenbereichen der Projekte."

"An dieser Schule können alle Kinder zur Schule gehen. Es gibt einen Lift für Kinder im Rollstuhl. Und alle bekommen die Hilfe, die sie brauchen."