Holger Butt
Fragen an die Welt

 

 

 

Die Idee zu diesem kleinen Unterrichtsprojekt mit großen Wirkungen stammt von Uschi Resch und Walter Hovel (Heft 79):

 

Irgendwann entstand die Idee, gegen Ende eines solchen Spazierganges (mit der Klasse), auf dem Rückweg zur Schule stehen zu bleiben, einen Kreis zu bilden und die Augen zu schließen. Jedes Kind denkt sich eine eigene Frage zur Welt aus. Danach stellt jedes Kind den anderen seine Frage vor. Nachdem wir wieder in der Klasse sind, schreiben alle ihre Frage auf einen kleinen Zettel, der dann ins große 'Fragen zur Welt-Buch' eingeklebt wird...“

 

 

 

Fast zeitgleich mit dem Erscheinen dieses Artikels veröffentlichte die Wiesbadener Professorin Marianne Gronemeyer ihre radikale und lesenswerte Kritik des herrschenden Schulsystems „Lernen mit beschrankter Haftung“. Dort finden sich u.a. folgende Satze, die schon für sich genommen einen Großteil der Überholtheit der heutigen Art des Schulemachens verdeutlichen; Die in der Schule aufgeworfenen Fragen sind in der überwiegenden Mehrheit uneigentliche Fragen, denn der Frager ist auf die Antwort keineswegs scharf.

 

 

 

Er hatte sie längst im Kopf, bevor er die Frage aussprach. Die Schüler wissen haargenau, dass sie nicht gefragt, sondern nur abgefragt werden.“ „Und schließlich bleibt da ein Rest von wahrscheinlich weniger als 1 Prozent der gesamten Fragemenge.....der ernsthafte Fragen behandelt, Fragen, die die Unkenntnis des Fragenden offenbaren: 'Ich weiß es nicht, weist du etwas darüber?'“

 

 

 

Ich habe die die Idee von Uschi Resch und Walter Hövel aufgegriffen und versucht, den ernsthaften Fragen in unserer Gesamtschule (in Klassen des 6. Jahrgangs) mehr Raum zu geben. Jenen Fragen, die die Schülerinnen selbst haben und zu deren Beantwortung die Schule ihnen höchst selten Gelegenheit bietet (erst recht nicht dann, wenn sie gestellt werden). Jenen Fragen, auf die auch wir Lehrerinnen oftmals keine Antwort wissen.

 

 

 

Ich gab den Schülerinnen in einer Stunde pro Woche Gelegenheit, beim Ausmalen von Mandelas und bei leiser entspannender Musik abzuschalten, ihren Gedanken und Phantasien nachzugehen und sich auf Fragen einzulassen. Am Ende wurde die Fragen auf Zettel geschrieben und anschließend im Sitzkreis vorgetragen. Hatte jemand das Gefühl, eine Frage sei nicht echt, so musste der/die Fragende noch einmal Stellung nehmen (insgesamt kam das zwei- oder dreimal vor). Häufig war es noch kurzer Zeit so, dass die Schülerinnen bereits ihre Fragen mitbrachten. Im großen Fragenbuch wurden sie festgehalten.

 

 

 

Nach einiger Zeit wurde aus den sich angesammelten Fragen eine Art Hitliste erstellt. Jede/r wählte sich eine Frage aus, erhielt dazu 2 Adressen und verfasste einen Brief an die jeweiligen Adressaten. Diese waren mit Hilfe der aktuellen Telefon-CD-Rom und aufgrund von Tipps seitens einiger Kolleginnen herausgesucht worden. Die Briefe wurden korrigiert, meistens noch einmal sauber abgeschrieben und dann zusammen mit einem Begleitschreiben abgeschickt. (Der Lehrplan sieht übrigens das Schreiben von Briefen erst für einen späteren Jahrgang vor!)

 

 

 

Nach und nach trudelten dann die Antworten ein, fast jeden Tag lag ein neuer Brief im Postfach und wurde der/dem Schreiberin übergeben. Natürlich war die Freude groß, wenngleich nicht alle sogleich die Bedeutung des Ganzen zu würdigen wussten. Für manche ist eben Lesen doch ein rechtes Gräuel - und dann bekommt man auch noch einen Brief mit 4 eng bedruckten Seiten!

 

Übrigens hatten wir eine erstaunlich hohe Rückläuferquote: fast 50%! Zur Zeit sind wir gerade dabei, die Briefe im Sitzkreis noch einmal vorzulesen und darüber zu diskutieren. Am Ende des Schuljahres werden wir alle Materialien zusammenstellen und sie als Buch veröffentlichen.

 

 

 

Anbei Auszüge aus den Fragen der Schülerinnen, der Text des Begleitschreibens, welches die Schülerinnen ihrem Brief beilegten, ein Beispiel für einen Schülerlnnen und einen Antwort-Brief (die meisten waren mehrseitig) sowie ein erstes Verzeichnis der Antwortenden (Stand Januar98).

 

 

 

Liste der Fragen (Auszug)

 

gesammelt in der Klasse 6d, September/Oktober 1997

 

Warum gibt es Menschen?

 

Warum hat man Schmerzen?

 

Warum gibt es Behinderungen?

 

Warum gibt es die Zeit?

 

Warum ist die Erde rund?

 

Wieso gibt es Bäume, die Früchte haben?

 

Wieso kriegen Männer eine Glatze?

 

Warum gibt es Gras?

 

Warum gibt es Schulen?

 

Wieso haben Mädchen ein anderes Geschlecht als Jungen?

 

Wie entstehen Erfindungen?

 

Wieso bekriegen sich die Menschen, wenn sie friedlich auf die Erde

 

gekommen sind?

 

Warum heist Luft „Luft“?

 

Warum gibt es Menschen, die sich mogen, und welche, die sich hassen?

 

Warum fliegt die Erde nicht geradeaus weg?

 

Warum merken wir nicht, dass sich die Erde dreht?

 

Wieso zieht der Mensch Kleider an?

 

Warum sind Bäume aus Holz?

 

Wieso gibt es Regen?

 

Gibt es Geister?

 

Was passiert mit mir nach dem Tod?

 

Aus was wurden die Farben gemacht?

 

Wie ist das Glück entstanden?

 

Warum gewittert es?

 

Wie alt wurde Mozart?

 

Wieso haben Menschen eine Haut über den Knochen?

 

Wie entstehen die Kopfhaare?

 

Wie entstehen Kopfschmerzen?

 

Wieso gibt es große und kleine Leute?

 

Wieso gibt es gute und schlechte Zähne?

 

Wieso konnten die Forscher noch keine Dinos wieder erschaffen?

 

Was ist Liebe?

 

Wieso gibt es kein Schlaraffenland?

 

Wieso gibt es kaum Bücher über Moosarten?

 

Warum gibt es Krieg?

 

Wieso verstehen es manche Menschen nicht, dass Schwarze und Weise gleich sind?

 

 

 

Gesammelt in der Klasse 6a, Oktober/November 1997

 

Gibt es die Hölle?

 

Woher kommt die Tinte?

 

Warum gibt es immer noch Krieg auf der Welt?

 

Wie hoch ist es bis zu den Wolken?

 

Warum wird die Umwelt zerstört?

 

Warum sind so viele Menschen arm?

 

Warum gibt es in Amerika noch die Todesstrafe?

 

Wie sieht das Ende des Universums aus?

 

Wieso sind die Bananen krumm?

 

Warum ist die Nordsee salzig?

 

Ist das All wirklich unendlich?

 

Wie heißt das Dorf mit dem kürzesten Namen?

 

Wer hat die Schrift erfunden?

 

Wer hat den Raketentreibstoff erfunden?

 

Warum sind die Menschen so gemein zu den Ausländern?

 

Wie weit ist es bis zur Mitte der Erde?

 

Wie viele Menschen gibt es in Deutschland?

 

Was war das allererste Lebewesen?

 

Warum fällt die Sonne nicht runter?

 

Wie viele Steinzeitgräber gibt es?

 

Warum sind einige Länder noch nicht so weit entwickelt wie wir?

 

Warum sind manche Menschen so gemein zu uns Kindern?

 

Warum gibt es das Leben?

 

Gibt es Aliens?

 

Warum ist die Sonne heiß?

 

Warum werden täglich so viele Tiere gequält und geschlachtet?

 

Hatten die Eltern früher weniger Kinder?

 

Wer hat die Schimpfwörter erfunden?

 

Wer hat die Avokadopflanze entdeckt, und woher hat sie ihren Namen?

 

Kann ein anderes Tier als ein Papagei sprechen?

 

Warum gab es früher oft nur Schulen für Mädchen und Schulen für Jungen?

 

Gab es das Paradies wirklich?

 

Wer hat das Nikotin entdeckt?

 

Gibt es Menschen, die von Wölfen aufgezogen wurden?

 

 

 

Begleitschreiben

 

Gesamtschule Blankenese

 

Jahrgangsteam 6

 

Holger Butt-Otten

 

Frahmstr. 15b

 

22587 Hamburg

 

Oktober 1997

 

 

 

Begleitschreiben zum Schülerinnen-Brief

 

Die in der Schule aufgeworfenen Fragen sind in der überwiegenden Mehrheit uneigentliche Fragen, denn der Frager ist auf die Antwort keineswegs scharf. Er hatte sie langst im Kopf, bevor er die Frage aussprach. Die Schüler wissen haargenau, dass sie nicht gefragt, sondern nur abgefragt werden.“

 

(Prof. Marianne Gronemeyer: Lernen mit beschränkter Haftung, S.66)

 

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

eingedenk des im obigen Zitat zum Ausdruck kommenden Dilemmas, das Sie vermutlich aus Ihrer eigenen Schulzeit noch gut in Erinnerung haben, bemühen wir uns, in unserem Unterricht mit den 4 Klassen unseres Jahrgangs den „eigentlichen“ Fragen mehr Raum zu geben. Dies versuchen wir unter anderem in unserem Projekt „Fragen an die Welt“. 4 Wochen lang haben wir mit den Schülerinnen deren „eigentliche“ Fragen gesammelt. Fragen, auf die wir Lehrerinnen oftmals auch keine oder nur eine oberflächliche Antwort wissen. Nun geht es darum, Briefe an Expertinnen zu verfassen und um Hinweise, Tipps und Antworten zu bitten.

 

 

 

Wie wir gerade auf Sie gekommen sind? Durch Hinweise, Empfehlungen, Veröffentlichungen. Jede/r Schülerin wird zu einer Frage 3 „Expertinnen“ anschreiben und diese um Antwort bitten. Dabei sollen die Expertinnen ganz unterschiedlicher ,Fachrichtung“ sein: zu der Frage „Was ist Liebe?“ kann eine Einzelhandelskauffrau sicherlich ebenso Wichtiges beisteuern wie eine Psychotherapeutin oder ein Professor der Biologie.

 

 

 

Wir können uns denken, dass Sie genug andere Dinge zu tun haben. Dennoch unsere Bitte: Nehmen Sie die Fragen der Schülerinnen ernst, nehmen Sie sich etwas Zeit zur Beantwortung. Vielleicht kennen Sie auch andere Fachleute, an die Sie diesen Brief weiterreichen können. Und sollte es doch nicht gehen: schicken Sie bitte eine kurze Absage. Denn wichtig ist auf alle Falle für die Schülerinnen das Erlebnis, dass Sie auf einen Brief auch eine Antwort erhalten.

 

 

 

Wenn die „Antworten aus der Welt“ wieder bei uns eingetroffen sind, wollen wir sie mit den Schülerinnen gemeinsam auswerten. Am Ende werden wir aus dem so entstandenen Material ein Buch herstellen. Selbstverständlich werden Sie ein Exemplar erhalten. Mit der Bitte um wohlwollende Beachtung.

 

 

 

Und schließlich bleibt da ein Rest von wahrscheinlich weniger als 1 Prozent der gesamten Fragemenge,..., der ernsthafte Fragen behandelt, Fragen, die die Unkenntnis des Fragenden offenbaren: 'Ich weiß es nicht, weist du etwas darüber?'“

 

Marianne Gronemeyer

 

 

 

Verzeichnis der Antwortenden (Stand Januar 98)

 

Rainer Fincke, Hamburger Jugendpastor der Nordelbischen Kirche

 

Casio -Team, Casio Deutschland

 

Walter Spielmann, Robert – Jungk - Bibliothek für Zukunftsfragen

 

Ursula Koslik, Redaktion Geo

 

Elke Fank, Senatsbeauftragte für Behindertenfragen, Hamburg

 

Heidemarie Klemme/Udo Franke, Holsten Brauerei

 

Arndt-Henning Bottrich, Leiter Qualitätssicherung, Dortmunder Brau Union

 

Dr. Thomas Hoppe, Dozent, Universität der Bundeswehr Hamburg

 

Prof. Dr. Horst Opaschowski, Freizeitforscher

 

Prof. Dr. Marianne Gronemeyer, Fachhochschule Wiesbaden

 

Martin Eckert, Leben mit Behinderung e.V., Hamburg

 

Herwart Noldeke, Planetarium Hamburg

 

Dr. Margret Johannsen, Institut fur Friedensforschung und Sicherheitspolitik, Hamburg

 

Dr. Norbert Müller, Zukunftswerkstatt, Inst. Soz. Kreativität, Erfindungen und Experiment

 

Maria Jepsen, Bischöfin fur Hamburg, Nordelbische evangelisch - lutherische Kirche

 

Andreas Schultheis, Pastor, Pädagogisch-Theologisches Institut Hamburg

 

W. Poggendorf, Hamburger Tierschutzverein

 

Dr. Fritz Reheis, Lehrer und Autor

 

 

 

Es folgt ein handgeschriebener Brief einer Schülerin zur Frage

Warum gibt es Behinderungen?“

an den Senatsbeauftragten für Behindertenfragen in Hamburg.

 

Robert Jungk Bibliothek für Zukunftsfragen

 

Salzburg 24, November 1997

 

 

 

Lieber Rossi.

 

Liebe 6D Klasse

 

 

 

Vorab möchte ich mich dafür entschuldigen, dass es mit meiner Antwort etwas länger gedauert hat, als wir alle das wollen, aber manchmal wächst einem die Arbeit über den Kopf, gibt es (scheinbar) Dringenderes und Wichtigeres zu tun, und oft kommen dabei die wirklich spannenden und tatsächlich wichtigen Dinge zu kurz.

 

Ich finde es ganz toll, dass Ihr in Eurer Schule mit Eurem Lehrer tatsächlich Fragen zu stellen und zu erörtern, die Euch interessieren. Das ist ja weder heute, und schon gar nicht zu der Zeit als Ich zur Schule ging, selbstverständlich, und so hoffe ich, das Du/lhr mit Eurem Lehrer, Herrn Butt - Otten, zufrieden seid. Gerne wäre ich mit dabei wenn Ihr über Zukunft und all die Dinge sprecht, die Euch interessieren und unter den Nägeln brennen.

 

 

 

Doch nun zu Deinen Fragen. „Was wird im Jahr 2020 alles passieren?* und

 

Wann geht die Welt unter?“

 

 

 

Vorab eine Klarstellung, eigentlich selbstverständlich, und doch immer wieder

 

wichtig, darauf hinzuweisen. Wir können zwar die Vergangenheit (mehr oder

 

weniger) erforschen, erklären, warum sich in der Geschichte dies und das so

 

und nicht anders ereignet hat. Die Zukunft aber ist offen, gestaltbar. Niemand

 

kann sagen, was morgen exakt passiert. Auch wenn wir hoffen dürfen gesund

 

und guter Dinge zu bleiben, so kann „das Schicksal“ doch unerwartet zuschlagen, und alles sieht plötzlich ganz anders aus, als wir uns das wünschen oder vorstellen. Das gilt für das Leben jedes Einzelnen, für die Familie, ein Dorf, eine Stadt, ja selbst die ganze „alte Mutter Erde“< ■

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das heißt natürlich nicht, dass wir die Hände in den Schoß legen sollen (oder

 

dürfen), um den Dingen freien Lauf zu lassen. Gerade das Gegenteil ist der Fall:

 

Da Zukunft ein bis in die Gegenwart hinein vorbestimmter, aber von hier aus

 

doch eben bewusst gestaltbarer Raum ist, ist es unsere Chance, Zukunft bewusst

 

zu entwerfen. Da verschiedene Menschen unterschiedliche Wünsche und

 

Möglichkeiten haben, diese auch umzusetzen, gibt es nicht eine, sondern viele

 

Zukünfte", an denen wir (bewusst oder auch unbewusst) teilhaben. „Die Zukunft,

 

die geht uns alle an!“ Das war die Überzeugung des „Zukunftsforschers“ Robert

 

Jungk. Deshalb hat er Bücher geschrieben und gesammelt und diese Sammlung auch zur Grundlage seiner Stiftung „Bibliothek für Zukunftsfragen gemacht. Sie steht allen offen, die sich für Zukunft interessieren, die wissen wollen, was auf uns zukommt und wie wir Einfluss auf die Gestaltung des Morgen nehmen können. Das ist notwendig, denn wenn wir davon Abstand nehmen, werden es andere nach Ihren oft kurzsichtigen Interessen tun.

 

 

 

Vor diesem Hintergrund möchte ich einige Hoffnungen und konkrete Wunsche für das Jahr 2020 aussprechen. Ob sie wahr oder zumindest doch ein Stuck weit Wirklichkeit werden, liegt an uns allen gemeinsam. Sie zu äußern heißt nicht, ein leichtfertiger Optimist, sondern „Possibilist“ zu sein. Denn möglich ist vieles, wenn wir uns dafür einsetzten: So wie ein ins Wasser geworfener Stein Kreise zieht, so wächst auch eine Idee, deren Zeit gekommen ist.

 

 

 

Europa hat sich von einer Wirtschafts- und Währungs- zu einer ökologisch und sozial orientierten Gemeinschaft weiterentwickelt. Energiesteuern und neue Technologien, aber vor allem auch die Einsicht, das „weniger mehr ist“, haben dazu beigetragen, das wir in einer vergleichsweise sicheren Welt mit einer zunehmend gesunden Umwelt leben.

 

 

 

Gerade weil die Jugendlichen zu Beginn des neuen Jahrtausends es satt hatten, immer nur mit anzusehen, wie die Erwachsenen immer mehr arbeiten, aber zugleich oft weniger verdienen, gibt es für alle Bürgerinnen und Bürger - selbstverständlich auch Jugendliche ab dem 16 Lebensjahr – ein Mindesteinkommen und für jede/n, der/die es beansprucht, ein je nach Aufgabe und Verantwortung gestaffeltes, aber zeitlich auf 20 Stunden pro

 

Woche begrenztes „Arbeitseinkommen“. Die Menschen haben dadurch freilich nicht weniger zu tun als heute, denn dazu kommt die (freiwillige und unentgeltliche „Eigenarbeit“ (vom Gartenmähen bis zum Musizieren mit Freunden) und selbstverständlich auch „Bürgerarbeit“ (vorwiegend auf internationaler Ebene). Rossi R. beispielsweise arbeitet beim „lAF“ (International Animal Foundation) fur eine weltweite Achtung artfremder

 

Tierhaltung und informiert sich über Internet, wie es amerikanische Aktivisten geschafft haben, McBeans’ zu der weltweit führenden Vegetarier-Kette aufzubauen, die dem alten McDonald schon lange den Rang abgelaufen hat.

 

 

 

Natürlich gibt es noch Autos, doch ist es gelungen, die Städte durch eine attraktive ÖV-Gestaltung, neue Kommunikationstechnologien und „eine Stadt der kurzen Wege“ zu dem zu machen, was es nach Ansicht einiger grüner Spinner immer sein sollte. Ein Fortbewe-gungsmittel dort, wo andere Anbieter nicht zur Verfugung stehen.

 

 

 

Durch den massiven Ausbau der Solartechnologie sind bereits so gut wie alle Staaten aus der Atomenergie ausgestiegen. Als Erinnerung an die Opfer von Tschernobyl wird weltweit ein Anti-Atomtag abgehalten, bei dem namhafte Wissenschaftler öffentlich über ihre Arbeiten berichten. Dabei spielen Aspekte wie Fehlerfreundlichkeit und demokratische Kontrolle der Technik eine besondere Rolle.

 

 

 

Ja und eh ich’s vergesse: Natürlich gibt es auch (noch) Schulen. Diese sind aber viel schöner und wohnlicher gestaltet als die alten Tintenburgen. Im Multimediaraum ist die „Begegnung mit der Welt“ angesagt. Viel umfassender als noch im alten Jahrtausend kann man sich die Fächer seiner Wahl aussuchen und kombinieren: da gibt es kreatives Kochen (Freunde aus aller Welt stellen die Rezepte ihrer Heimat vor), Malen, kreatives Schreiben neben den natürlich immer noch wichtigen naturwissenschaftlichen Fächern und vor

 

allem den Sprachen. Da es natürlich schon längst nicht mehr möglich ist, die Fülle an wichtigen Daten und Fakten auch nur ansatzweise zu wissen, wird immer mehr danach gefragt: „Warum will Ich dieses und jenes wissen?“ „Wer konnte mir eine interessante, überraschende Antwort geben, die mich lehrt, die Dinge von einer anderen Seite zu sehen?“ Zukunftswerkstätten, wie Robert Jungk sie „erfunden“ hat, gibt es von Zeit zu Zeit selbstverständlich an allen Schulen, aber auch in Stadtteilen, im Beruf und wo immer es darum geht, das Menschen ihre eigenen Ideen und Wünsche kennenlernen und (ein

 

Stück weit) auch umsetzen. Nicht Drill und Prüfung, sondern gemeinsames Gestalten steht im Mittelpunkt - und das es dazu einen „Zukunftsunterricht“ gibt, wie ihn schon 1997 die Pioniere an der Blankenese Gesamtschule in Hamburg entwickelten, weiß inzwischen - fast jede/r.

 

 

 

Und dann noch die Frage; „Wann geht die Welt unter?“

 

Gott sei Dank, ich weiß es nicht. Aber eines weiß ich; Wenn wir uns dafür einsetzen, die Welt für alle wohnlicher, und nicht nur für immer weniger Reiche luxuriöser, für immer mehr Ausgegrenzte, aber zu einem Ort wachsender Not zu machen, dann hat sie mit uns Menschen noch unvorstellbar viele Jahre vor sich.

 

 

 

Wenn wir Menschen allerdings fortfahren, die Umwelt und unsere Geschwister in aller Welt wie bisher auszubeuten, indem wir ihnen vorenthalten, was uns selbstverständlich ist (oder sein sollte), dann sieht es düster aus. Vielleicht sind es dann nur noch wenige 100 - 500 Jahre, bis es den Menschen auf dem blauen Planeten nicht mehr gibt.

 

 

 

Wie groß unsere Verantwortung vor der und unsere Chance für die Zukunft ist, zeigt ein Blick auf die „Weltuhr“: Seit dem Erscheinen des Menschen auf der Erde sind gerade erst Mal 6-8 Sekunden eines langen und abenteuerreichen Vierundzwanzig-Stunden-Tages vergangen, an dessen Ende unser Planet zu einem „Roten Riesen“ wird. Es liegt also sehr, sehr viel Zeit vor uns, weit mehr als wir uns überhaupt vorstellen können.

 

Setzen wir uns gemeinsam dafür ein, das sie gut genutzt wird.

 

 

 

Dein / Euer

 

Walter Spielmann

 

Robert - Jungk - Bibliothek für Zukunftsfragen in Salzburg