Walter Hövel
Europa

 

 

 

Mein Leben lang, war ich Europäer. Ich wurde 1949 in „Nachkriegsdeutschland“ geboren. Im Leben und den Köpfen der Deutschen war der Krieg zwar verloren, nicht aber ihre faschistische-monarchiste Geschichte oder Ideologie. Nur vorsichtig begannen die Älteren und die von ihnen erfolgreich erzogenen Jungen Demokraten, Menschenrechtler, Frauenfreunde, US-Amerikaner und Europäer zu werden. Einige gegannen ihren veränderten Werdegang, weil so Geschäfte zu machen waren, andere aus Überzeugung. Letztere waren damals keine 5%, heute scheinen es mehr.

 

 

 

Andersdenkende wurden von den Nazis bis 1945 zwar „umerzogen“, ermordet und getötet, aber der Gedanke der Freiheit war geboren. Unsere linken Großeltern waren tot oder versagten wie in der DDR. Demokratisches Denken war zu großen Teilen europäisches Denken.

 

 

 

Ich wurde Europapfadfinder, reiste immer wieder nach England und genoss vor allem „unsere“ Freundschaft zu Frankreich. Griechenland und Spanien gegenüber blieb ich distanziert, weil hier sichtbar der Faschismus überwinterte. Ich musste manche Lektion gegenüber der Sovietunion und ihrer Verbündeten lernen, begann aber auch diese Menschen zu lieben.

 

 

 

Ich wurde Lehrer und Schulleiter. Ich eröffnete eine Europaschule, führte viele europäische und internationale Projekte durch und sah auch kurdische, türkische, alle Völker der Welt als „Schwester und Brüder“. Mehr und mehr ging ich zu einer Kindersicht der Welt über.

 

 

 

Ich war als Künstler, Lerner und Mensch Bürger'in dieser Welt. Heute bin ich fast 73. Ich bin, wenn ich so will, umgeben von Krieg, Militarismus, Ausbeutung, Dummheit und Angst vor Krankheiten und dem Versuch „sicher zu sein“. Kinder und Menschen aus anderen Ländern werden weiter oder wieder als Mensch zweiter oder dritter Klasse angesehen. Europa, und das Land, in dem ich als Rheinland oder Deutschland lebe und die ganze Welt sind gespalten. Wie sagte ein Mitbürger die Tage im März 2022: „Ja, Europa ist halb richtig, halb schlecht!“

 

 

 

Gibt es einen Unterschied zwischen EU-Bürger*innen, Europäern oder Weltenbürgern, zwischen Russ*innen und Ukrainer*innen, zwischen Frauen, Männern und Kindern, zwischen oben und unten, zwischen arm und reich, zwischen Migrant*innen und Deutschen?

 

 

 

Ist das heutige Europa ein Traumbild geworden? Ist es ein Traum ohne Ausbeutung, Rassismus, Nationalismus, Kriegstreibern, Beeinflussung mit Elektronik, Freude, Freunden, Menschenrechten und Freiheit für mich geworden? Ich weiß, dass es anders, demokratisch geht aus einer eigenen 20jährigen Berufserfahrung! Es ist die „Macht“ des Geldes und der Arbeit, die Menschen dirigiert, nicht eine schwarze, böse innere Macht, die uns beherrscht. Es sind keine Dämonen, kein Teufel, kein Feinde, Eher sind es Ideologien, Soziologie oder Psychologie.

 

 

 

Oder ist Europa ein Anhängsel von Asien mit Russland, einem Wikingerstaat der Rus, der „Ruderer“, als „Mittler“ und Eroberer? Ist es wieder in einen British Commonwealth, Skandinavien, die europäische Union, den €-Bereich, den Osten oder die Mittelmeerländer aufgeteilt?

 

 

 

Oder kamen die „Kultur“ der Menschen und „unser Fortschritt“ aus Persien, der Türkei, China, Indien, Messopotanien oder Assyrien? Oder kamen sie aus Afrika, aus Ägypten, einem afrikanisch-europäisch-asiatischen Arabien, dem Sudan und anderen Ländern, die schon früh den Handel mit Sklaven oder anderen abhängigen Menschen kannten? Ist es die Entwicklung der Menschen aus diesen Kontinenten? Geht es gar nicht anders? Oder ist es nur unsere egoistische „kulturelle“ Sichtweise? Sind Amerika, Ozeanien, Australien schon lange bewohnt?

 

Werden sie „nur“ seit über 4000 Jahren „gestört“ und „aufgehalten“ von Herrschaft, Krieg und Ausbeutung? Leben wir nur in einer Phase des Loswerdens dieser dunklen Seite der Menschheit? Oder leben wir nicht von Macht, Geld und Ausbeutung? Machten Europäer und andere Weltenbürger unsere Entwicklung möglich oder leben wir trotz dieser Macht, von und mit diesen Mächten? Oder werden sich die Rechte aller Lebewesen und die Humanität durchsetzen?

 

 

 

Europa wurde im Mittelalter das Hauptland des Imperialismus mit Spanien, Portugal, Britannien, Frankreich, den Niederlanden oder Belgien. Es kannte weitere hoch aggressive Länder wie Deutschland, die Italiener, Schweden, Dänemark, Rußland, Polen oder Litauen. Sie alle wurden Nationalstaaten, geschaffen in Kriegen außerhalb ihrer Grenzen und innerhalb “ihrer“ Grenzen. Sie entwickelten mit den USA zeitlich zuerst den Kapitalismus in ihren westlichen Ländern. Sie setzen ihre Form und ihren Inhalt ihrer Ausbeutung in aller Welt um. Sie besetzen die Gebiete der Völker wie die der Katalanen, Basken, Samen, Rheinländer, Sachsen, Aquitanier, Sinti, Bayern, Ossieten, Bretonen, Normannen, Sorben, Friesen, Waliser, Jakuten, Tataren, Schotten, Iren, Juden, Armenier, Kurden oder noch viele andere. Sie ließen andere „Kulturen“, ganze Sprachen und anderes Denken von dieser Welt verschwinden.

 

 

 

Findet Europa „nur“ seine Fortsetung, seinen „Umzug“ von Athen und Rom, über Byzanz, dem ehemaligen Konstantinopel und dem heutigen Istanbul zum jetzigen Zentrum einer Weltmacht in Washington. Ist „Europa“ nur ein Pseudonym von menschlicher Entwicklung oder von Macht-teilung oder Bündnissen? Ist „Europa“ schon lange ein „überholter“, vergangener Teil der Weltgeschichte?

 

 

 

Hat Giovanni Vetere Recht, wenn er sagt, dass alle großen Reiche nicht an Krieg und Intrige, von Angriffen von „außen“ zerbrachen, sondern an ihren eigenen Verwaltungen?

 

 

 

Caesar und andere römische oder andere frühe Imperialisten versuchten Europa unter ihre Knute zu bringen. Feudalisten versuchten mit Religionen, Heeren und Geld die Herren in Eurpa zu werden. Napoleon und Frankreich versuchten Europa zu erobern. Lenin warnte vor einem Europa der Kapitalisten und Kriegstreibern. Britanien wollte wie Spanien, Frankreich und Portugal die ganze Welt beglücken. Die Niederlande wollten nur so lange wie möglich verdienen.

 

 

 

Deutschland eroberte von 1938 bis 1945 fast ganz Europa. Die US-Amerikaner, die mit ihnen Verbündeten gewannen den Krieg. Der „reale Sozialismus“ der Sowietunion überholte sich selbst und wurde von den USA besiegt.

 

 

 

1956 begannen sechs Länder mit der Gründung eines gemeinsamen Staates Europas. Heute sind es die Hälfte der Länder Europas. Schon lange herrscht nicht mehr das Reden von den Regionen oder Völkern, sondern Banken und Unternehmen. Europa scheiterte immer am Freiheitswillen seiner Völker und am Egoismus seiner Herrscher. Europa schwankt heute zwischen Demokratie und Autoritärem. Große Teile der Politik und Presse nehmen eine verheerende Rolle ein.

 

 

 

Werden es in Zukunft die Vereinigten Staaten von Europa, wird Europa ein Teilstaat der Union der Vereinigten Staaten von Amerika, ein „neues“ soziales Europa oder werden es sich bekriegende Staaten sein? Wird Europa mit den Menschen in Verwüstung und Atombomben verschwinden? Wird es wieder ein Teil Asiens oder Afrikas? Wird Europa wieder „unwichtig“, wie zu Zeiten der Stein- oder Megalith“-Kulturen“? Oder wird es wirklich friedlich, ohne Ausbeutung der Menschen durch den Menschen, ohne Nationalismus und Krieg?

 

 

 

Gehören zu Europa: Kasachstan, Armenien, Georgien, Aserbaidschan, die Türkei, Usbekistan, Kirgisien, die Krim, Turkmenistan, Grönland, Guadeloupe, Korsika, Reunion, Martinique, weitere französische Überseegebiete, Madeira, Ceuta, Marillan, Gibralta, Aruba, Curaçao, Sint Maarten, Bermudas, Falklandinseln, weitere britische Gebiete, die Shetlands, Färöer, die Azoren, die Karibischen Inseln, Man, Guernsey, Aland, Nordzypern, Transnistrien, Arzach, Abchasien, Südossietien und andere?

 

 

 

Ich liebe Europa als Chance des Friedens, des Klimas und der Menschenrechte. Ich liebe ein Europa aller Menschen, mit all ihren Rechten. Europa ist für mich ein Leben ohne, dass ich Soldat sein musste und ein Leben in Versöhnung mit anderen Europäern, die wie Briten oder Franzosen, die „meine“ Feinde sein sollten.

 

 

 

Doch wie weit weg sind wir davon in Kriegen gegen die Ukrainer, der Völker der Ungarn und Tchechen, die vielen Völker des Balkans, den Kriegen gegen Katalanen, Basken, der Schotten, der Jakuten, der Samen, der Waliser, Nordiren, vieler anderer Völker, der Arbeitslosen, der Billigarbeiter und Unterschichten, der Männer, Frauen und Kinder?