Unsere Druckwerkstatt 2000

 

Da, wo eigentlich eine Hausmeisterloge sein sollte, ist unsere Druckwerkstatt. Der Raum liegt am Rand unseres hellen Forums, einsehbar durch große Fensterscheiben. Im Forum stehen mehrere alte Druckereischränke und eine alte „Boston 36“, auf der während des 2. Weltkrieges Flugblätter des Widerstands in Köln gedruckt wurden. Die Druckwerkstatt steht immer offen. Vier Tage in der Woche ist eine unserer Mütter da. Sie bilden eine Gruppe von 5 Frauen, die diese Druckerei in der dritten Generation betreuen.

 

Vor vielen Jahren wurde die erste Generation von Druckerinnen von einem arbeitslosen Schriftsetzer in die Kunst des Schuldruckens eingeführt. Sie geben diese Kunst nun seit acht Jahren weiter.

 

Meistens kommen morgens zwei bis sechs Kinder mit ihren selbst geschriebenen Texten. Sollte einmal niemand kommen, fragen die Mütter in den Klassen nach, bis sie Interessenten finden. Ist einmal keine Mutter da, gehen die Kinder auch alleine in die Werkstatt.

 

Sie korrigieren die Texte mit den Kindern, die passenden Lettern und natürlich einige „Schmucksteine“ werden ausgesucht. Nun beginnen die Kinder ihren Text völlig selbständig Buchstabe für Buchstabe, Wort für Wort, Satz für Satz, Zeile für Zeile spiegelverkehrt in ihre Rahmen zu setzen.

 

Farben werden ausgewählt, und die Größe der Klapppressen, aber meistens einer „Abziehnudel“. Der Druck beginnt. Nun ist Konzentration verlangt, denn die Überschriften müssen nach unten, damit sie oben sind.

 

Die fertigen Blätter werden zum Trocknen in ein Regal gelegt oder aufgehängt. Oft folgt noch ein Styropor-, Milchtüten- oder Kordeldruck, der die Seite ziert und den Text illustriert.

 

Zur Erleichterung der Kinder säubern die Mütter die Lettern und Setzrahmen und sortieren die Buchstaben zurück in die Setzkästen.

 

Manchmal werden die Drucke in eine eigene Mappe abgeheftet, mal kommen sie in eine Zeitung oder ein Buch, ein anderes Mal in einen Rahmen oder werden aufgehängt.

 

Es gibt Wochen, da machen die Eltern zusätzliche Angebote wie Plakatdruck, Einladungen, Bilder, besondere Büchlein, Produkte für den Verkauf auf dem Weihnachtsmarkt, Experimente mit neuen Techniken oder Farben. Es gibt zusätzlich wöchentlich eine zweistündige Druck-Arbeitsgemeinschaft.

 

Texte am Computer zu gestalten oder sie selbst zu setzen ist kein Gegensatz. Es sind eben nur verschiedene Vorgänge

 

Es ist uns wichtig, dass diese Werkstatt nicht von Lehrern beaufsichtigt wird. Sie gehört den Eltern. Die Kinder erleben so eine echte Werkstatt, in der Erwachsene arbeiten und sie werden zu „Mitarbeitern“ bei einer realen Arbeit.

 

Einige Kinder sehen so Erwachsene einmal arbeiten. Sonst kann es zu ihrer Erfahrung werden, dass Eltern sagen „Streng dich an!“, „Sei fleißig!“, um dann erschöpft von der außerhäuslichen Arbeit die Füße hochzulegen und fernzusehen.

 

Es sind oft Kinder, die unruhig sind, Probleme mit der Organisation ihrer eigenen Arbeit haben oder Probleme mit dem Schreiben oder Rechtschreiben, die diese Werkstatt (auf)suchen und finden. Als ob sie wüssten, was sie sich Gutes tun!